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Banater Post

Wer glaubt, ist nie allein

Nach der Wallfahrt besuchte die Banater Pilgergruppe das Kloster Banz. Einsender: Josef Lutz

An der Vertriebenenwallfahrt in Vierzehnheiligen, die am 1. September dieses Jahres zum 74. Mal stattfand, nahm auch eine Gruppe Banater Schwaben teil. Josef Lutz, stellvertretender Vorsitzender des St. Gerhards-Werks und Ehrenvorsitzender der HOG Sanktanna, hatte von Nürnberg aus eine Busfahrt organisiert, zu der sich knapp 50 Personen anmeldeten. Weitere Landsleute reisten mit eigenem PKW an.

Auf der Fahrt informierte Josef Lutz über die historische Bedeutung der Vertriebenenwallfahrt nach Vierzehnheiligen. Die erste Wallfahrt hatte Bischof Maximilian Kaller (1880-1947) im Jahr 1946 organisiert. Kaller war der letzte deutsche Bischof der Diözese Ermland (Ostpreußen) und wurde 1946 von Papst Pius XII. als Sonderbeauftragter für die Heimatvertriebenen berufen. In den Zeiten von Not und Armut nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Vierzehnheiligen eine Zufluchtsstätte für die deutschen Heimatvertriebenen, die Stärkung im Glauben suchten. Wie einst bei den Wallfahrten nach Maria Radna wurde während der Busfahrt unter reger Teilnahme der Pilger gebetet und gesungen.

Begleitet von den Klängen der mächtigen Orgel, bot sich ein imposantes Bild, als die Fahnen- und Trachtenabordnungen der Vertriebenenverbände, gefolgt von den Geistlichen und den Ministranten in die Basilika einzogen. Hauptzelebrant des Pontifikalamtes war Bischof Vlastimil Kročil aus Budweis in Tschechien. Monsignore Herbert Hautmann, Domkapitular Thomas Teuchgräber, Pfarrer i.R. Thomas Thielscher und Pfarrer Eduard Vastag waren Konzelebranten.

Der Begrüßung durch Pater Alexander Weissenberger, Hausvikar des Franziskaner-Konvents in Vierzehnheiligen, schloss sich ein Grußwort des Vertriebenenseelsorgers der Erzdiözese Bamberg und Hauptorganisators dieser Wallfahrt Monsignore Herbert Hautmann an. Hautmann verwies auf den brutalen Umgang mit den Menschen vor 75 Jahren in Kriegs- und Nachkriegszeiten. Die Vertriebenenwallfahrt in Vierzehnheiligen habe damals den Pilgern Trost und Kraft für den Neuanfang gespendet. Hautmann freute sich über den Besuch des Bischofs aus Budweis und verwies auf den heiligen Johannes Nepomuk Neumann, der aus dem böhmischen Prachatiz stammt. Johannes Nepomuk Neumann wird von vielen Vertriebenen, vor allem aus dem Sudetenland, verehrt.

Bischof Vlastimil bezog sich in seiner Ansprache auf das Sonntagsevangelium, wo es bei Lukas um die vorderen Plätze bei einem Gastmahl geht, und zitierte die Worte Jesu: „Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“ Der Bischof forderte die Gläubigen auf, als besinnliche Menschen dem Nächsten gegenüber bescheiden zu sein und Gott zu preisen. Er hob den Beitrag der länderübergreifenden Wallfahrten zur Völkerverständigung im vereinten Europa hervor und begrüßte das Interesse der jüngeren Generationen für die Problematik von Flucht und Vertreibung. Geschehenes Unrecht dürfe sich nicht wiederholen, mahnte Bischof Kročil.

Der Festgottesdienst wurde musikalisch von Udo Dauer an der Orgel und der Sopranistin Evi Kral umrahmt. Eine besondere Prägung erhielt er durch das Deutsche Hochamt „Hier liegt vor deiner Majestät“ von Johann Michael Haydn, das in den meisten Vertreibungsgebieten zum Bestandteil einer feierlichen Messfeier gehörte. Man sah und hörte es den Wallfahrern an, dass sie diese Messe gerne singen.

In seinem Abschlusswort bedankte sich Monsignore Hautmann bei den Vertriebenen und Aussiedlern für die rege Teilnahme an der Wallfahrt und bat auch weiterhin um deren Unterstützung, damit die Tradition der Vertriebenenwallfahrt nach Vierzehnheiligen weitergeführt werden kann.

Ihren Ausklang fand die Wallfahrt mit einer feierlichen Marienandacht am Nachmittag am Gnadenaltar. In seiner Ansprache betonte der Vorsitzende der Ackermann-Gemeinde Bamberg: „Unsere Vierzehnheiligen-Wallfahrten sind entstanden aus der Not nach den schrecklichen Ereignissen von Krieg, Enteignung und Vertreibung, die unsere Heimat, Deutschland und die Welt verändert haben und uns die Heimat raubten. Hier in Vierzehnheiligen haben Menschen Vergebung von Schuld erlangt, haben wieder Mut gefasst für ein neues Leben.“ Die Heimatvertriebenen seien angeleitet worden, erlittenes Unrecht nicht zu vergessen, sondern zu verzeihen und so zur Versöhnung mit den östlichen Nachbarn beizutragen. „Wir sind heute Gott dankbar dafür, dass wir, wie kaum eine Generation vor uns, in einem freiheitlichen Land seit über 70 Jahren in Frieden und in Wohlstand leben können“, sagte Kubin. Mit dem feierlichen Segen und dem Lied „Segne du, Maria“ endete die Andacht.

Anschließend fuhr die Pilgergruppe nach Bad Staffelstein zur Besichtigung des Klosters Banz. Die ehemalige Benediktinerabtei dient heute der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung als Tagungsstätte. Angetan waren die Besucher von der weiträumigen ehemaligen Klosteranlage, die das Obermaintal beherrscht, und der Abteikirche, ein Musterbeispiel des süddeutsch-böhmischen Barocks zu Beginn des 18. Jahrhunderts.

Die nächste Vertriebenenwallfahrt am 6. September 2020 ist eine Jubiläumswallfahrt, da sie zum 75. Mal stattfinden wird.