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Die Landsmannschaft agiert - auch in Zeiten der Corona-Pandemie

ein Jahr geht zu Ende, so lautete die Eingangsformel vieler Briefe der letzten Jahre um diese Zeit. Diesmal müssen wir alle schreiben: Welch ein Jahr neigt sich dem Ende zu! Das Jahr 2020 der Pandemie, der Beklommenheit, des Zweifels, der Vorsicht, sicher immer wieder auch der Hoffnung. Letztlich bleibt es im Rückblick ein Jahr großer Unsicherheit.

Wir hatten gut begonnen, hielten unsere Hauptversammlung ab und auch mehrere Gedenkveranstaltungen zum 75. Jahrestag der Russlanddeportation. Wir planten unseren Heimattag, die HOG-Tagung, Konzerte, Lesungen, Treffen. Viele gemeinschaftsfördernde und gesellige Veranstaltungen wurden von den Gliederungen geplant - allein wir mussten fast alles absagen oder Veranstaltungen ins Internet verlagern. In den 70 Jahren seit der Gründung unserer Landsmannschaft hatte es das noch nicht gegeben.

Manche unserer Mitglieder hat es aber schlimmer getroffen. Sie erkrankten an dem neuartigen Coronavirus, einige schwer, manche verloren ihr Leben. An sie erinnern wir in dieser Zeit besonders. Zugleich danken wir jenen Mitgliedern, die beruflich oder ehrenamtlich in dieser Zeit unterwegs waren und sind, um zu helfen, um Not zu lindern. Es sind systemrelevante Einsätze geworden.

Natürlich haben wir in diesen schwierigen Zeiten immer wieder überlegt, was wir jetzt machen könnten, was sonst liegen geblieben ist. Die Dokumentation unseres 70-jährigen Wirkens in Deutschland ist wichtig, sie kann die Basis für eine Fortführungen und Weiterentwicklung dieses Wirkens sein, zum Beispiel für die nächste Generation. Nutzen wir dafür bitte das, was bereits vorhanden ist, was vorliegt: im Archiv des Instituts für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde in Tübingen, im Donauschwäbischen Zentralmuseum in Ulm, im Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas in München, am Institut für Volkskunde der Deutschen des östlichen Europas in Freiburg, im Haus des Deutschen Ostens in München, in den Häusern der Heimat in Stuttgart, Nürnberg und Karlsruhe, im Gerhart-Hauptmann-Haus in Düsseldorf und demnächst im Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung und Versöhnung in Berlin. Schau'e n wir, was da ist, eignen wir es uns an, nutzen wir es!

Im Jahr 2020 waren viele von uns kein einziges Mal im Banat, wo das Corona-Virus ebenfalls in Betrieben, in Heimen und Familien wütete. Aber auch jenseits der Pandemie bleibt festzuhalten: Die deutsche Wallfahrt nach Maria Radna hat im Zeichen des 500-jährigen Jubiläums von Maria Radna stattgefunden. Die Temeswarer haben mit Dominic Fritz einen deutschen Staatsbürger zu ihrem Bürgermeister gewählt, die Deutschen Rumäniens haben ihrem Abgeordneten Ovidiu Gant das Vertrauen für eine weitere Amtszeit im Parlament geschenkt. Gemeinsam mit seinen serbischen und jüdischen Parlamentskollegen Slavoliub Adnagi und Silviu Vexler und den anderen Abgeordneten wurde eine Entschädigungsregelung für Kinder ehemals politisch Verfolgter durch das kommunistische Regime im Pa rlament durchgesetzt, die ihresgleichen in Europa sucht. Zahlreiche Anfragen aus Ortschaften im Banat sind eingegangen, in denen Anknüpfungspunkte an unser Sein im Banat gesucht wurden. Was war da, worauf basiert das, was ist anzunehmen - auch dort werden diese Fragen gestellt, und zwar von den Menschen, die jetzt dort leben. Nicht überall können wir darauf antworten. Und die Zahl der Fragen wird zunehmen, gerade im Hinblick auf das Jahr 2023, in dem Temeswar Europäische Kulturhauptstadt ist. Es sind dann genau 100 Jahre seit der großen 200-Jahr-Feier der Deutschen im Banat. Ich glaube, mehr Hinweisen bedarf es nicht, um sowohl unsere Geschichte als auch unser Wirken heute zu einem Ausrufezeichen zu entwickeln.

Die Corona-Pandemie hat uns viele Einschränkungen auferlegt, sie hat in unserer Landsmannschaft aber auch einen Modernisierungsschub ausgelöst. Wie selbstverständlich wurden Online-Formate entwickelt, wurde gefilmt, digitalisiert, wurden neue und soziale Medien genutzt, um Geschichte und Kultur der Banater Schwaben zu vermitteln, unsere Mitglieder zu verbinden. Die Deutsche Banater Jugend und Trachtengruppen sind hier vorbildlich aufgetreten, aber auch der Bundesvorstand, die Landesvorstände und Kreisvorstände sowie Heimatortsgemeinschaften haben neue Formate entwickelt, um den Anforderungen der Zeit zu entsprechen.

Der Bundesvorstand hat in diesem Jahr monatlich eine Sitzung als Videokonferenz abgehalten, das Format hat sich bewährt, es kann allen Gliederungen empfohlen werden! Die Mitarbeiter der Bundesgeschäftsstelle, des Kultur- und Dokumentationszentrums in Ulm und der Redaktion der Banater Post haben in diesem Jahr wieder zuverlässig dafür gesorgt, dass unsere Mitglieder eine Anlaufstelle fanden und regelmäßig unsere Zeitung erhalten haben. Dafür sei ihnen herzlich gedankt. Auch unser Büchertisch hat einige Bereicherungen erfahren, weitere Veröffentlichungen sind in Arbeit.

Wann und wie wir im nächsten Jahr 2021 unserer traditionelles landsmannschaftliches Leben wieder starten können, ist jetzt noch nicht abzusehen. Halten Sie in den Vorständen den Kontakt untereinander aufrecht, irgendwann kommen wieder bessere Zeiten!

Bleiben Sie gesund!

In landsmannschaftlicher Verbundenheit

Peter-Dietmar Leber
Bundesvorsitzender