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Banater Post

Wo wir verstanden werden, fühlen wir uns daheim (Teil 1)

Ein imposantes Bild auf den Treppen vor dem Rathaus der Stadt Waldkraiburg boten die vielen Trachtenpaare, die Fahnenabordnungen und die Blaskapelle, die sich zusammen mit den Ehrengästen der Kultur- und Heimattage zu einem Erinnerungsfoto aufstellten. Foto: Jasmin Dornstauder

Zum Auftakt der 20. Kultur- und Heimattage der Banater Schwaben in Bayern zelebrierte Pater Walter Kirchmann in der voll besetzten Christkönigskirche eine erbauende heilige Messe.

Der Erste Bürgermeister Robert Pötzsch hieß in Gegenwart seiner beiden Stellvertreter und mehrerer Mitglieder des Stadtrates die Banater Schwaben in Waldkraiburg willkommen.

20. Kultur- und Heimattage der Banater Schwaben in Bayern in Waldkraiburg - „Sie haben ihre Heimat nicht vergessen und arbeiten in der neuen aktiv am Frieden mit: die Banater Schwaben. Aus ganz Bayern waren sie nach Waldkraiburg gekommen, um den 20. Kultur- und Heimattag zu feiern. Hier wird die Frage, ob man zwei Heimaten haben kann, seit 45 Jahren mit ‚Ja‘ beantwortet“, schrieb Hans Rath im Vorspann seines Berichts „Sie gehören dazu. Banater Schwaben aus ganz Bayern feierten ihren Kultur- und Heimattag“, der sowohl in der Print- als auch in der Online-Ausgabe der „Waldkraiburger Nachrichten“ erschienen ist. Das Lokalblatt hatte im Vorfeld des Ereignisses unter dem Titel „Ein großer Tag für die Banater Schwaben“ auch ein Interview mit dem Waldkraiburger Kreisvorsitzenden Georg Ledig zu den 20. Kultur- und Heimattagen der Banater Schwaben in Bayern veröffentlicht, die unter dem Motto standen „Banater Schwaben in Bayern – Heimat gefunden, bewahren und gestalten“. Der Festakt fand am 25. Mai statt, im Herbst finden die Kultur- und Heimattage eine Fortsetzung mit der Ausstellung „Temeswar 1716 – Die Anfänge einer europäischen Stadt“ im Rathaus und einer Podiumsdiskussion über die Banater Schwaben im Haus der Kultur. Die Schirmherrschaft über die Veranstaltung hatte der Erste Bürgermeister der Stadt Waldkraiburg Robert Pötzsch übernommen.

Der Festtag begann mit einem Trachtenumzug, der vom Haus der Vereine kommend über die Berliner Straße und den Sartrouville-Platz zur Christkönigskirche zog. In den bunten Festzug eingereiht hatten sich neben den Banater Kinder-, Jugend- und Erwachsenentrachtengruppen aus Augsburg, München, Nürnberg und Würzburg auch eine Vielzahl von Einzelpaaren aus Waldkraiburg und anderen Kreisverbänden sowie Funktionsträger unserer Landsmannschaft. Mit dabei waren Fahnenabordnungen mehrerer Kreisverbände und Heimatortsgemeinschaften sowie befreundeter landsmannschaftlicher Gruppen aus Waldkraiburg: Egerländer Gmoi, Böhmerwaldbund und Siebenbürger Sachsen. Begleitet wurde der Trachtenzug von der Blaskapelle der Banater Schwaben aus Waldkraiburg unter der Leitung von Stefan Munding.

Festgottesdienst in der Christkönigskirche

In der Kirche nahmen die Trachtenpaare rechts und links des Altars Aufstellung und boten zusammen mit den Fahnenabordnungen ein imposantes Bild. Der feierliche Gottesdienst wurde von Pater Walter Kirchmann vom Orden der Salesianer Don Boscos zelebriert. In seiner Predigt griff Pater Kirchmann das Motto der Kultur- und Heimattage auf, das zeige, was den Banater Schwaben wichtig sei. Sie hätten ein besonderes Verhältnis zum Begriff Heimat, der für sie einerseits die alte Heimat Banat miteinschließe, wo sie und ihre Vorfahren gelebt haben, andererseits die neue Heimat Bayern, wo sie sich eine neue Existenz aufgebaut haben. Heimat könne aber auch viele andere Bedeutungen haben, führte der Geistliche aus, wobei er drei als besonders wichtig hervorhob.

Es sei zum einen die Heimat in sich selbst. Der Mensch müsse zu sich selbst finden, mit sich im Einklang sein, er müsse erkennen, was ihn ausmacht, welches seine Stärken und Schwächen sind. Dabei helfe es, immer wieder in sich zu gehen, sich selbst zu reflektieren und daraus entsprechende Handlungsbezüge abzuleiten. Zum anderen sei Heimat das private, berufliche, politische und gesellschaftliche Umfeld. Gemeint seien damit die Menschen, mit denen wir mehr oder weniger eng zusammenleben. Pater Kirchmann plädierte dafür, zueinander gütig und barmherzig zu sein, einander zur Geltung kommen zu lassen, im Einklang mit den anderen zu leben.

Schließlich bedeute Heimat geborgen sein bei Gott. Der Mensch bedürfe nicht nur sozialer Kontakte und materieller Güter, sondern verspüre auch das Bedürfnis nach Spiritualität, nach Gemeinschaft mit
einem begleitenden, tröstenden und stärkenden Gott, bei dem er daheim sein darf, von dem er sich bedingungslos angenommen fühlt. Dafür gelte es Gott zu loben und zu danken. Pater Kirchmann wünschte allen, denselben Weg zu gehen wie der Zöllner Zachäus, der umgekehrt ist und seinem Leben eine neue Richtung gegeben hat.

Die Kapelle und der ad hoc gebildete Chor der Banater Schwaben aus Waldkraiburg sowie Katharina Schlapansky an der Orgel gestalteten die heilige Messe musikalisch. Gesungen wurden Teile der „Deutschen Messe“ von Franz Schubert. Zur Kommunion erklangen die Lieder „Ich bete an die Macht der Liebe“ und „Mit frohem Herzen will ich singen“. Pater Walter Kirchmann entließ die Gemeinde mit dem Segen. Begleitet wurde der Auszug unter dem großen Geläut der Kirche von dem Hymnus „Großer Gott, wir loben dich“.

Empfang im Rathaus und Kranzniederlegung

Nach der heiligen Messe setzte sich der Festzug Richtung Rathaus in Bewegung. Im großen Sitzungssaal wurde eine Abordnung der Banater Schwaben vom Ersten Bürgermeister Robert Pötzsch, dem Zweiten Bürgermeister Richard Fischer, der Dritten Bürgermeisterin Inge Schnabel und Mitgliedern des Stadtrates begrüßt. Dass die Bürgermeister ihre Amtsketten zu diesem Anlass angelegt haben, zeige, dass es ein besonderer Tag für Waldkraiburg sei, dass sich die Stadt den Banater Schwaben verbunden fühle, sagte das Stadtoberhaupt. Er sei besonders stolz, dass sie heuer ihre Kultur- und Heimattage in Waldkraiburg feiern, betonte Pötzsch. Bundes- und Landesvorsitzender Leber dankte für den freundlichen Empfang und würdigte die aktive Rolle des Waldkraiburger Kreisverbandes entlang seines 45-jährigen Bestehens. Die landsmannschaftlichen Gruppen legten besonderen Wert auf den Erhalt von Tradition und Brauchtum, und man freue sich, dass auch die junge Generation hier vertreten sei, sagte Leber. Diese habe sich eine neue Gemeinschaft geschaffen, die auf Tradiertes und Überliefertes aufbaue und die darüber hinaus offen sei für alle Kinder und Jugendlichen – mit oder ohne Banater Hintergrund. Mit der Überreichung eines Buches über die Banater Ortschaften und einer Banat-Straßenkarte lud Peter-Dietmar Leber Bürgermeister Pötzsch und den Stadtrat ein, Temeswar und das Banat zu besuchen.

Draußen auf dem Stadtplatz präsentierten währenddessen die Trachtengruppen in Begleitung der Blaskapelle mehrere traditionelle Tänze zur Freude der zahlreichen Zuschauer auf der Treppe vor dem Rathaus und rund um den Platz.

Anschließend marschierten Bürgermeister, Stadträte und Ehrengäste zum Denkmal für die Opfer von Flucht und Vertreibung, wo der stellvertretende Bundesvorsitzende Harald Schlapansky und zwei Jugendliche zu dem Lied „Ich hatt’ einen Kameraden“ einen Kranz niederlegten. In aller Stille gedachten die Versammelten der Opfer von Flucht, Vertreibung und Deportation sowie aller Toten der
Gemeinschaft der Banater Schwaben.

Festakt im Haus der Kultur mit vielen Ehrengästen

Dann nahm die Festgesellschaft Aufstellung Richtung Haus der Kultur. Der feierliche Einzug der Fahnenabordnungen und Trachtenpaare in den großen Saal zur Musik der Blaskapelle läutete den Festakt ein. Die Trachtenpaare zeigten zwei DBJT-Gemeinschaftstänze, den Donauschwabenwalzer und die Polka „Veilchenblaue Augen“, wonach die Kapelle für alle noch einen Walzer und eine Polka spielte.

Mit der Hymne der Banater Schwaben wurde der Festakt offiziell eröffnet. Kreisvorsitzender und Stadtrat Georg Ledig dankte allen Ehrengästen für ihr Kommen und besonders Bürgermeister Robert Pötzsch, dem Schirmherrn der Veranstaltung. Er begrüßte auch dessen Stellvertreter, seine Kolleginnen und Kollegen aus dem Stadtrat, Pater Walter Kirchmann, den Festredner Landrat Georg Huber, den Landtagsabgeordneten Dr. Marcel Huber, den Geschäftsführer des BdV-Landesverbandes Bayern Dr. Sebastian Sparwasser, Altbürgermeister Siegfried Klika, den Leiter des Beruflichen Schulzentrums Mühldorf am Inn und Landratskandidaten Maximilian Heimerl sowie Stephanie Pollmann, Orts- und Kreisvorsitzende der Jungen Union und Mitglied im CSU-Bezirksvorstand Oberbayern. Weiterhin hieß er den Bundes- und Landesvorsitzenden Peter-Dietmar Leber willkommen, den Ehrenvorsitzenden des Landesverbandes Bayern Peter Krier, den stellvertretenden Vorsitzenden des Hilfswerks der Banater Schwaben Dieter Probst, die Mitglieder des Landesvorstandes Bayern und des Kreisvorstandes Waldkraiburg, die Vorsitzenden der Kreisverbände und Heimatortsgemeinschaften sowie die Vertreter der Presse. Ein besonderer Willkommensgruß galt den Trachtenträgern, den Fahnenabordnungen und der Blaskapelle der Banater Schwaben aus Waldkraiburg. Ledig dankte allen für ihr Mitwirken und seinem Kreisvorstand für die Vorbereitung der Veranstaltung. Zuletzt hieß er alle Besucher der Kultur- und Heimattage herzlich willkommen.

Gleichberechtige Liebe zur alten und neuen Heimat

Georg Ledig verlas sodann eine Grußbotschaft von Stephan Mayer MdB, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat. Das Motto der diesjährigen Kultur- und Heimattage verkörpere „die gleichberechtigte Liebe sowohl zu den eigenen Wurzeln als auch zur heutigen Heimat, zur gelebten Kultur und dem traditionellen Brauchtum“, so Mayer. Die Festtage 2019 in Waldkraiburg böten eine wunderbare Möglichkeit, die Traditionen der Banater Schwaben zu leben und zu präsentieren. Der Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Altötting-Mühldorf am Inn dankte allen freiwilligen Helfern für die Durchführung dieser Veranstaltung und wies darauf hin, dass sich in Deutschland über 30 Millionen Bürgerinnen und Bürger in ganz unterschiedlichen Bereichen für unsere Gesellschaft engagieren. „Das ist es, was unsere Gesellschaft, was unser Bayern und die verschiedenen darin vereinten Kulturen so lebens- und liebenswert macht“, schrieb Stephan Mayer.

Unendlich viel für Bayern geleistet

Eine weitere Grußbotschaft hatte die Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Vertriebene und Aussiedler Sylvia Stierstorfer übersandt, die aus terminlichen Gründen an der Veranstaltung nicht teilnehmen konnte. „Die Banater Schwaben sind Brückenbauer und Bindeglied zu unseren Nachbarn im Osten. Sie stehen für Verständigung und gegenseitige kulturelle Bereicherung. Sie haben unendlich viel für Bayern geleistet und erheblich zum Wiederaufbau und Wohlstand unseres Landes beigetragen“, so Stierstorfer. Das sehe man beispielhaft an der Vertriebenenstadt Waldkraiburg und deshalb sei es ein guter Ort für die Kultur- und Heimattage. Die Landesbeauftragte dankte den Banater Schwaben für ihr Engagement, für ihre Liebe zur alten wie zur neuen Heimat, für die Bereicherung, die sie für Bayern sind und das Kulturerbe, das sie mitgebracht haben.