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Banater Post

Familienbuch Wiesenhaid: komplexes Werk mit Beispielcharakter

Wie der Vorsitzende der Heimatortsgemeinschaft Wiesenhaid Robert Feil in seinem Vorwort, wünsche auch ich als letzter Wiesenhaider Priester (geboren 1930), dass dieses Familienbuch seinen Platz in jeder Wiesenhaider Familie finden möge und eifrig benutzt werde. Ein wünschenswerter reger Zuspruch ist zudem immer auch der schönste Dank für denjenigen, der sich die Arbeit mit einem solchen Buch gemacht hat – und dieser Dank gebührt Richard Sebastian Jäger zurecht und ohne Einschränkungen.

Dem Autor des Familienbuches Wiesenhaid ist es gelungen, ein einzigartiges Werk vorzulegen. Darunter versteht man ein Mehrfaches. Es ist erstens ein umfassendes Werk, das sehr übersichtlich in folgende Abschnitte gegliedert ist: Abschnitt I: Auswanderung 1770, Ansiedlung 1771 bis Exodus 2016; Abschnitt II: Dokumente und Quellen; Abschnitt III: Familien und Einzelpersonen
A-Z, 1770-2018. Wie der Autor dies alles in 20 Jahren mühevoller Arbeit nebst Familie und Beruf wohl geschafft hat? Aus dem „Vorwort des Verfassers“ (Seite 3-6) ist ersichtlich, was allein die Forschung in allen Hinsichten und Richtungen in Anspruch genommen hat, damit wir uns dieses wunderbaren und kostbaren Familienbuches bedienen und erfreuen dürfen. Die Daten sind in jedem einzelnen Fall durch Quellenangaben belegt und nachweisbar und die am Datenaustausch beteiligten Mitarbeiter namentlich genannt. 98 Fotos, darunter 22 in Farbe, sowie Karten und Dorfpläne runden das Bild eines
guten Familienbuches zusätzlich ab.

Im geschichtlichen Teil wird die Entwicklung der Gegend von der Bronzezeit über das Mittelalter bis in die Neuzeit dargestellt. Der Ortsname Abad, später auch „Ibet“, existierte bereits im Mittelalter. Vor etwa 60 Jahren konnte ich zu meinem Erstaunen bei einem pensionierten Lehrer eine alte Militärkarte sehen, auf der ein großes Wiesengelände, darauf ein Strauch und daneben die Bezeichnung „Ibet“ vermerkt waren. Eine Orientierung für das Militär. Für mich aber war „Ibet“ ab diesem Zeitpunkt kein Spottname mehr.

Das Familienbuch Wiesenhaid ist zweitens ein außergewöhnliches Werk: Alphabetisch geordnet, mit laufenden Nummern sowie Verweisnummern in eckigen Klammern versehen, kann man sich im dritten Abschnitt leicht und rasch zurechtfinden. Das Werk entspricht nicht nur den allgemein gültigen Empfehlungen zur Bearbeitung von Familienbüchern und trägt damit den Ansprüchen von Genealogen Rechnung, sondern es zeichnet sich auch dadurch aus, dass diejenigen damit umgehen können, für die das Familienbuch in erster Linie erarbeitet wurde. Der gesamte Aufbau und die Gestaltung des Buches sind wohltuend übersichtlich und gefällig, es „sticht ins Auge“. So betrachtet, ist diese
Arbeitsweise auch anderen Kirchenbuchverkartern und Bearbeitern von Familienbüchern als nachahmenswert zu empfehlen.

Als Primärquellen dienten vor allem die römisch-katholischen Kirchenbücher. Aus 12500 Einträgen in Matrikelbüchern sind auf 666 Seiten (Seite 137-803) 2559 Familien und deren Kinder, das sind ins-
gesamt 11000 Personen, mit ihren Daten von der Geburt bis zum Lebensende erfasst.

Einzigartig ist dieses Werk, weil fast alle Herkunftsorte der 112 Erst-ansiedlerfamilien und der später hinzugezogenen 119 Familien in den lothringischen, Pfälzer, Luxemburger, belgischen, saarländischen und fränkischen Ortschaften nachgewiesen wurden. Vielleicht werden manche dazu angeregt, den Herkunftsort ihrer Auswanderervorfahren kennen zu lernen – das im Anhang befindliche Ortsregister erleichtert dies sehr –, und die meisten werden feststellen, wie spannend es sein kann, die eigene Familie in die Vergangenheit zurückzuverfolgen. Darüber hinaus wurden neben den genauen Angaben zur Ansiedlung (Wiener Registrierung, Ankunft im Banat, Nachweis über die Einquartierung in den Banater Orten) auch die Angaben über die Auswanderung in die USA, nach Kanada und Argentinien sowie der Exodus der Deutschen aus Wiesenhaid mit genauem Datum und Zielort erfasst.

Persönlich bereitet mir dieses Familienbuch große Freude. In meinem 30. Lebensjahr hätte ich mir gerne eine Ahnentafel zusammengestellt – wissend, dass meine Ahnen sowohl väterlicher- als auch mütterlicherseits aus Lothringen kamen. Doch Anfang der 1950-er Jahre wurden die Matrikelbücher von der Ansiedlung bis 1895 durch den Staat enteignet, standesamtliche Bücher auf den Rathäusern gab es erst ab 1895. Zugang zu den Archiven während der kommunistischen Zeit war, wenn überhaupt, nur mit „teurer Verbindung“ möglich. Ein bekannter Lehrer hatte damals Zugang, verlangte aber 10000 Lei für seine „Dienstleistung“. Das konnte ich mir nicht leisten. Durch das nun erschienene Wiesenhaider Familienbuch ging mein Wunsch in Erfüllung: für 58 Euro zuzüglich Porto und Verpackung. Darum herzlichen Dank, lieber Landsmann Jäger.

Versäumen Sie es nicht, liebe Wiesenhaider Landsleute, für Sie oder für Ihre Kinder und Kindeskinder dieses kostbare Geschenk zu bestellen, solange es noch vorrätig ist.
   
Richard Sebastian Jäger: Familienbuch der römisch-katholischen Pfarrgemeinde Wiesenhaid im Banat 1770-2018 mit einer geschichtlichen Dokumentation. Mannheim: Landsmannschaft der Banater Schwaben – Kreisverband Mannheim, 2018. 863 Seiten. Bestellung beim Autor: Ruhrstraße 7, 68167 Mannheim, Telefon 0621 / 334844, E-Mail richard.s.jaeger@t-online.de