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Banater Post

Aufgaben und Herausforderungen eines Amtes

Beim Festakt in Berlin: Bundesbeauftragter Dr. Bernd Fabritius (zweiter von links) mit seinen Amtsvorgängern (von links) Jochen Welt, Hartmut Koschyk, Hans-Peter Kemper, Dr. Christoph Bergner. Quelle: BMI

Festakt zum 30-jährigen Bestehen des Amtes des Beauftragten für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten - Die Bundesrepublik Deutschland bekenne sich zum Kriegsfolgenschicksal der Heimatvertriebenen und Heimatverbliebenen, denen nach dem Krieg ihre „emotionale Heimat“ entzogen worden sei. Diese wollten endlich wieder in einem vertrauten, freundlichen, heimatlichen Raum leben, wohlgelitten „als Deutsche unter Deutschen“ oder in ihren angestammten Siedlungsgebieten ihre kulturelle Identität bewahren. Für beide Gruppen bestehe eine Verpflichtung zur Unterstützung, zu welcher sich die Bundesregierung in der Koalitionsvereinbarung ausdrücklich bekannt habe. Dies sagte der Beauftragte für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten Dr. Bernd Fabritius beim Festakt anlässlich des 30-jährigen Bestehens des Amtes des Bundesbeauftragten für Aussiedler und nationale Minderheiten am 7. November in Berlin.

In die Französische Friedrichstadtkirche in Berlin eingeladen hatte der Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat Horst Seehofer, der, aufgrund eines Aufenthalts in Helsinki, vom Parlamentarischen Staatssekretär beim Bundesminister des Innern Dr. Günter Krings vertreten wurde. Alle noch lebenden Amtsvorgänger waren zu dem Festakt erschienen, ferner Innen-Staatssekretär Stephan Mayer, Botschafter, Abgeordnete sowie Vertreter von Heimatvertriebenen und -verbliebenen. Die Landsmannschaft der Banater Schwaben war vertreten durch den Bundesvorsitzenden Peter-Dietmar Leber und den Ehrenbundesvorsitzenden Bernhard Krastl. Ebenso nahm die Vorsitzende des BdV-Frauenverbandes Dr. Maria Werthan am Festakt teil. Auch zahlreiche Vertreter der anerkannten nationalen deutschen Minderheiten kamen zum Festakt.

Dr. Günter Krings hatte nach Hartmut Koschyk selbst dieses Amt kurze Zeit inne. In seiner Begrüßung erinnerte er an den ersten und leider bereits verstorbenen Aussiedlerbeauftragten Horst Waffenschmidt (sein Sohn war zugegen), der den Satz „Das Tor bleibt offen“, aber auch dieses Amt inhaltlich geprägt habe.

Dr. Christoph Bergner, der acht Jahre lang dieses Amt innehatte, ging in seinem Redebeitrag auf die große Spannbreite der Aufgaben des Bundesbeauftragten von materiellen Hilfen für Landsleute in Notlagen bis zu Hilfen zum Erhalt der kulturellen Identität ein. Dies sei Teil einer „dauerhaften Verpflichtung“. Die Deutschen im Osten büßten schwerer für die Verbrechen Deutschlands im Zweiten Weltkrieg, sagte Bergner. Unvergesslich seien ihm Begegnungen in deutschen Altenheimen in Kirgisistan, mit ehemaligen Russlanddeportierten in Rumänien oder seine Rede im ungarischen Parlament anlässlich des nationalen Gedenktages für die vertriebenen Ungarndeutschen. Die Zuwanderung nach Deutschland aufgrund Artikel 116 Grundgesetz sei keine Migration, sondern eine Repatriierung, die das kulturelle Selbstverständnis der Aus- und Spätaussiedler berücksichtige, betonte Bergner unter dem Beifall der Gäste.

Für die in Ost- und Südosteuropa lebenden Deutschen hob der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Minderheiten Bernhard Gaida – er lebt in Oberschlesien in Polen –die Bedeutung der nationalen Minderheiten hervor. „Sie verschwinden still, aber ihr Fehlen ist gleich bemerkbar“, sagte er. Zugleich warb er um Verständnis für die besondere Situation der Deutschen im Osten. Johann Thießen, der neue Bundesvorsitzende der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, thematisierte die schwierige Lage der Deutschen aus den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion, vor allem die ältere Generation sei von den Kürzungen im Fremdrentenrecht betroffen.

In seiner abschließenden Ansprache hatte der amtierende Bundesbeauftragte nochmals konkret Aufgabenbereiche für die Zukunft benannt.

„Wir müssen die Aussiedler und Spätaussiedler in Deutschland mit offenen Herzen aufnehmen und ihnen dieses auch glaubhaft vermitteln. Wir müssen sie in ihrer kulturellen Selbstverortung als Deutsche bestärken und ihre ausgeprägte ‚Sehnsucht nach Heimat‘ erfüllen. Wo durch Versäumnisse Entfremdung und ein neues Gefühl der Heimatlosigkeit entstanden ist, müssen wir nachholend beherzt und empathisch gegensteuern und entstandene Missverständnisse beseitigen.

Wir müssen dringend die noch bestehenden Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten beseitigen. Das betrifft Fragen einer gerechten Rente ebenso wie die Anerkennung von Schul- und Berufsabschlüssen.
Wir müssen die Heimatvertriebenen und die Heimatverbliebenen in ihrer kollektiven Selbstwahrnehmung als zusammengehörende, grenzüberschreitende Gemeinschaften in einem heute friedvollen und freien Europa stärken.

Wir müssen dazu gerade auch die Heimatverbliebenen durch unsere gesamte Hilfenpolitik in ihrer kulturellen Selbstverortung als Deutsche unterstützen. Je besser dieses gelingt, desto stärker werden die Angehörigen deutscher Minderheiten als loyale Staatsbürger ihrer Heimatstaaten die dortigen Gesellschaften bereichern und gleichzeitig gemeinsam mit den Heimatvertriebenen und Aussiedlern in Deutschland eine fruchtbare Tätigkeit als Brückenbauer entfalten können.

Bei all diesem müssen wir – als zentrale Leitlinie – der Einbeziehung der jungen Generation und der Jugendarbeit an sich künftig ein noch größeres Gewicht geben. Nur die junge Generation (...) ist für unsere Anliegen die existenziell notwendige Brücke in die Zukunft.“

Kritisch vermerkte Bundesbeauftragte Dr. Fabritius: „Die Ignoranz gegenüber dem Sonderschicksal der Deutschen aus dem Osten gehört leider zu den großen Verdrängungsleistungen der deutschen Nachkriegs-gesellschaft, und dieser Verdrängung und Ignoranz entgegenzuwirken, ist eine der wichtigen Aufgaben des Beauftragten.“

Musikalisch umrahmt wurde der Festakt vom Sorbischen National-Ensemble und der Solistin Scarlett Rani-Adler. Ein Film zum Thema „Abschied – Ankunft – Neubeginn“ zeigte in eindringlichen Bildern Stationen in der bewegten Geschichte des Grenzdurchgangslagers Friedland. Der anschließende Empfang bot eine gute Gelegenheit zum Meinungs- und Gedankenaustausch zwischen Politik und Verbänden.