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Banater Post

Heimattag 2018: Gelebte Gemeinschaft − lebendige Kultur (2)

Für zwei Stunden verwandelte sich der Platz vor dem Neuen Brunnen in der Ulmer Fußgängerzone in eine Tanzfläche. Die Trachtengruppen aus Esslingen, Spaichingen und dem Banat präsentierten traditionelle Tänze.

Die Stadt Ulm sei stolz auf ihre Patenkinder, bekräftigte Oberbürgermeister Gunter Czisch beim Empfang einer Abordnung der Banater Schwaben im Rathaus.

Festzug der Verbandsspitze, Ehrengäste und Trachtenträger entlang der Donau zum Auswandererdenkmal. Fotos: Cornel Simionescu-Gruber

Temeswar - und Ferch-Ausstellung

Am Sonntagmorgen wurden die in Scharen eintreffenden Besucher vor der Donauhalle von der Original Donauschwäbischen Blaskapelle Reutlingen unter der Leitung von Johann Frühwald musikalisch begrüßt.

Im Foyer der Donauhalle wurden noch vor der Kundgebung zum Heimattag zwei Ausstellungen eröffnet: zum einen die von der Landsmannschaft der Banater Schwaben erstellte deutsche Fassung der Ausstellung „Temeswar 1716 – Die Anfänge einer europäischen Stadt“, die vor zwei Jahren anlässlich des 300. Jubiläums der Eroberung der Festung Temeswar in der Banater Hauptstadt gezeigt worden war, zum anderen die Kunstausstellung „Die Bilderwelt des Banater Malers Franz Ferch“. In die Temeswar-Ausstellung führte Claudiu Călin, Archivar der Diözese Temeswar ein, die Ferch-Ausstellung wurde von Peter Krier, Ehrenvorsitzender des Hilfswerks der Banater Schwaben, präsentiert. (Näheres zu den beiden Ausstellungen in der nächsten Ausgabe)

Kundgebung zum Heimattag 2018

Höhepunkt des großen Begegnungsfestes der Banater Schwaben war auch diesmal die Kundgebung in der vollbesetzten Donauhalle. Der Einzug der Fahnenabordnungen und Trachtenträger zu den Klängen des Prinz-Eugen-Marsches, gespielt von der Original Donauschwäbischen -Blaskapelle Reutlingen, und das Singen der Banater Hymne läuteten die Festkundgebung ein.

Bundesvorsitzender Peter-Dietmar Leber begrüßte alle Besucher des Heimattages und hieß zahlreiche
Ehrengäste namentlich willkommen (siehe Kasten). Anschließend überbrachte Oberbürgermeister Gunter Czisch den Gruß der Patenstadt Ulm. Festredner des diesjährigen Heimattages war Guido Wolf, Minister der Justiz und für Europa des Patenlandes Baden-Württemberg. Die Grüße Rumäniens entbot Dr. Sergiu Nistor, Präsidialberater im Ministerrang, der im Anschluss an seine Rede Peter-Dietmar Leber den Nationalen Orden für treue Dienste im Rang eines Kommandeurs überreichte. Die europäische Perspektive des Wirkens der Banater Schwaben unterstrich Siegfried Mureşan, Mitglied des Europäischen Parlaments. Der Konsul der Bundesrepublik Deutschland in Temeswar Ralf Krautkrämer umriss in seinem Grußwort die Schwerpunkte seiner Tätigkeit, während der Vorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat Dr. Johann Fernbach die Grußbotschaft der Landsleute in der alten Heimat überbrachte. Da sämtliche Ansprachen und Grußworte in vollem Wortlaut in dieser Ausgabe veröffentlicht werden, soll hier nicht näher darauf eingegangen werden.

Zum Abschluss der Festkundgebung zeichnete der Bundesvorstand Ministerialdirigent Herbert Hellstern vom Innenministerium in Stuttgart und Ehrenbundesvorsitzenden Bernhard Krastl mit der Prinz-Eugen-Nadel aus. Die Verdienste der Geehrten wurden vom Bundesvorsitzenden Leber beziehungsweise vom stellvertretenden Bundesvorsitzenden Jürgen Griebel gewürdigt (siehe Seite 10).

Mit dem Singen des Deutschlandliedes und der Europa-Hymne endete die Festkundgebung. Danach betrat der Donauschwäbische Siedlerchor aus Entre Rios / Brasilien die Bühne. Die Singgruppe, die auf ihrer Europa-Tournee auch den Heimattag der Banater Schwaben besuchte, wurde von der stellvertretenden Bundesvorsitzenden Christine Neu vorgestellt. Der Chor unter der Leitung von Márcia Klann Milla sang drei Lieder und gewährte damit einen kleinen Einblick in sein spezifisches Repertoire, das neben deutschen und donauschwäbischen Volksliedern auch brasilianische Folklore umfasst.

Pfingstmesse als Pontifikalamt gefeiert

Die Pfingstmesse im Anschluss an die Festkundgebung wurde, wie schon vor zwei Jahren, wieder als Pontifikalamt vom ehemaligen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof emeritus Dr. Robert Zollitsch, zusammen mit Monsignore Johann Dirschl, Generalvikar der Diözese Temeswar, Monsignore Andreas Straub, Visitator emeritus für die Seelsorge an den Donauschwaben und Deutschen aus Südosteuropa, Pfarrer Peter Zillich, Bischöflicher Beauftragter für die Vertriebenenseelsorge in der Diözese Regensburg, und Pfarrer Markus Krastl gefeiert.

Für viele Besucher stellt der Festgottesdienst den emotionalsten Teil des Heimattages dar. Beim Einzug der Fahnenabordnungen und der HOG-Vertreter mit dem Bild ihrer Heimatkirche zum Glockengeläut von Maria Radna und zu Blasmusikklängen standen vielen Gästen Tränen in den Augen. Die musikalische Umrahmung durch die Donauschwäbische Singgruppe Landshut und die Original Donauschwäbische Reutlingen verlieh dem Hochamt einen besonders feierlichen Charakter. Neben Teilen der „Deutschen Messe“ von Franz Schubert sang der Chor weitere zu Herzen gehende geistliche Lieder. Pfarrer Zillich ließ es sich auch diesmal nicht nehmen, mit dem Lied „An die Donauschwaben“ einen Beitrag zur musikalischen Gestaltung des Gottesdienstes zu leisten. Den Ministrantendienst versahen Philipp und Benedikt Leber.

Die Lesung aus der Apostelgeschichte (Apg 2, 1-11) übernahm Pfarrer Krastl, das heilige Evangelium nach Johannes (Joh 20, 19-23) wurde von Monsignore Straub verkündet. In seiner Predigt, die wir in vollem Wortlaut in dieser Ausgabe veröffentlichen, interpretierte Erzbischof Zollitsch die schicksalhafte Geschichte der Donauschwaben vor dem Hintergrund der Pfingstbotschaft: Frieden schaffen, Brücken bauen, Versöhnung stiften. Die Gläubigen rief er dazu auf, zu diesem Auftrag Jesu heute neu ja zu sagen.

Zum Schluss des Gottesdienstes überbrachte Generalvikar Dirschl den Gruß und Segen von Bischof Martin Roos und stellte den vor wenigen Tagen von Papst Franziskus ernannten neuen Bischof der Diözese Temeswar József-Csaba Pál kurz vor. Dirschl übermittelte sodann die Grüße des neuen Oberhirten an die Banater Schwaben.

Ein Nachmittag im Zeichen von Kultur und Brauchtum

Auch die Kunst- und Literaturliebhaber kamen bei diesem Heimattag auf ihre Kosten. Als Begleitveranstaltung zu der Ferch-Ausstellung stand um 13 Uhr ein Vortrag von Franz Heinz mit dem Titel „Das, was zu tun war. Nachträgliche Annäherungen an den Maler Franz Ferch“ auf dem Programm.
Seit 2014 wird im Rahmen des Heimattages ein von Katharina Kilzer und Walter Roth moderierter  „Literarischer Salon“ veranstaltet. Ihre Gäste waren diesmal die Schriftsteller Katharina Sigrid Eismann (Offenbach/Freidorf), Marius Koity (Gera/Großsanktnikolaus) und Balthasar Waitz (Temeswar/Nitzkydorf).

Die DBJT (Deutsche Banater Jugend und Trachtengruppen), seit einigen Jahren für die Gestaltung des Nachmittagsprogramms in der Donauhalle zuständig, hatte ihren Beitrag unter das Motto gestellt: „Zwischen Tradition und Moderne“. Das in drei Teile gegliederte Kulturprogramm – Modern, Dirndl, Tracht – umfasste Tanzvorführungen der Gruppen aus Deutschland und aus dem Banat. Ein wahrer Renner waren auch diesmal die gemeinsamen Auftritte der Trachtengruppen in den Messehallen im Anschluss an das Kulturprogramm. (Auf die Kultur- und Brauchtumsveranstaltungen kommen wir in der nächsten Ausgabe ausführlicher zurück.)