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Banater Post

300 Jahre Industriegeschichte des Banater Berglands

Bei der Ausstellungseröffnung (von links): Günther Friedmann, Vorsitzender des Heimatverbandes der Banater Berglanddeutschen, Leni Perenčević, Kuratorin der Ausstellung, Erwin Josef Ţigla, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Banater Berglanddeutschen, Christian Glass, Direktor des Donauschwäbischen Zentralmuseums Ulm

Die dem Banater Bergland gewidmete Ausstellung zeigt den Aufstieg und Niedergang einer Industrieregion. Fotos: Robert Babiak

Die Industriegeschichte des Banater Berglands, einer an Erzen und Kohle, an Wäldern und Gewässern reichen Region, nahm vor 300 Jahren ihren Anfang, als nach dem Friedensvertrag von Passarowitz die habsburgische Administration die Erzgewinnung und -verhüttung in Gang brachte. Und es sollte eine beispiellose Erfolgsgeschichte werden. Mit Schweiß und Fleiß, Wissen und Können, Hartnäckigkeit und Ausdauer, Leid und Freud geschrieben von den hauptsächlich aus Tirol, der Steiermark, Oberösterreich, der Zips herbeigeholten deutschen Fachleuten und Arbeitern, gemeinsam mit den hier ansässigen Rumänen, Serben, Ungarn und weiteren Nationalitäten. So entstand im Banater Bergland das bedeutendste Industriezentrum Südosteuropas. Die Region war und ist bis heute ein Beispiel gemeinsamen Schaffens und friedlichen Zusammenlebens verschiedener Nationalitäten, praktisch eine Europäische Union im Kleinen, noch lange bevor diese gegründet wurde. Das 20. Jahrhundert brachte einen raschen Modernisierungsschub, dem ein ebenso rasanter Niedergang ab den 1990er Jahren folgte. Heute rauchen im Banater Bergland kaum noch Schlote. Dafür bestimmen Industrieruinen das Bild der Städte und der Landschaft.
Angesichts dieser Entwicklung hatte der Heimatverband der Banater Berglanddeutschen und dessen Vorsitzender Günther Friedmann die Idee, anlässlich des 300-jährigen Jubiläums der Ansiedlung deutschsprachiger Bergleute im Banater Bergland eine Ausstellung zu gestalten, die dieses weitgehend unbekannte Kapitel europäischer Industriegeschichte beleuchten und den Blick auf diese Region richten sollte. Gesagt, getan, könnte man meinen, aber es dauerte fast zwei Jahre, bis die Idee Wirklichkeit wurde. Friedmann konnte dafür das Donauschwäbische Zentralmuseum in Ulm (DZM) begeistern, dessen Direktor Christian Glass von dem im Besitz des Banater Montanmuseums Reschitz befindlichen historischen Fotobestands des langjährigen Werkfotografen Hermann Heel (1895-1964) wusste. Die Realisierung der Ausstellung übernahm die Historikerin Leni Perenčević, wissenschaftliche Mitarbeiterin am DZM. Von der Ausstellungsidee ließ sich auch der Historiker Dr. Volker Wollmann begeistern. Der erste Direktor des heutigen Museums des Banater Montangebiets hat sich besonders auf dem Feld der Industriearchäologie und der Rettung des Industrieerbes in Rumänien verdient gemacht. Wollmann wählte aus 2000 nie inventarisierten Glasplatten 100 Bilder Heels aus, die er für die Ausstellung fotografierte und digitalisierte.

Währenddessen überlegten Perenčević und Friedmann, welche Themen die Ausstellung aufgreifen sollte. Keine leichte Aufgabe, denn mit dem von Günther Friedmann und Walter Woth vorbereiteten, vom Heimatverband der Banater Berglanddeutschen und Privatpersonen zur Verfügung gestellten Bild- und Textmaterial hätte man gleich mehrere Ausstellungen gestalten können. Nach vielen Überlegungen und intensiven Diskussionen musste die Kuratorin Leni Perenčević sozusagen den Rotstift ansetzen, um der Ausstellung die aktuelle Form zu geben. Diese beginnt mit einem historischen Abriss der Industriegeschichte von 1718 bis heute. Sie zeigt die Anfänge, den Aufbruch in das Industriezeitalter, die Entwicklung bis hin ins vergangene Jahrhundert mit seinen gewaltigen politischen und wirtschaftlichen Umbrüchen. Weiter beleuchtet die Ausstellung verschiedene Einzelaspekte und stellt dabei die Menschen und ihren Alltag in den Vordergrund. Abgerundet wird sie durch die Werksfotografien von Hermann Heel.

Die Tafeln, Exponate und Fotografien sind in fünf Bereiche gegliedert: Die Industrielandschaft; Produktionsstätten; Erzeugnisse; Die besonderen Momente; Arbeitswelten. Der letzte Bereich rückt die Menschen bei ihrer Arbeit in den Vordergrund und stellt das Herzstück der Ausstellung dar.

Eine Ausstellung auf die Beine zu stellen, erfordert die Zusammenarbeit vieler Fachleute. Der Museumsdirektor und die Kuratorin wurden bereits genannt, aber im Hintergrund brachten sich auch die anderen Museumsmitarbeiter in die Entstehung der Ausstellung ein. Andreas Ochs vom Gestaltungsbüro agil goss aus dem Rohmaterial ein wunderbares Gestaltungskonzept, während Michael Frank von der Druckerei Fresko die Ausstellungstafeln blitzschnell und in Topqualität produzierte. Und es brauchte jemanden, der die Unternehmung finanziert und das Produkt auf den Markt bringt. Der Heimatverband der Banater Berglanddeutschen hat dazu einen wichtigen Beitrag geleistet. Die Kulturreferentin für den Donauraum am Donauschwäbischen Zentralmuseum, Dr. Swantje Volkmann, hat die Ausstellung mitfinanziert und wird diese in den kommenden Jahren auf Wanderschaft schicken, um sie einem breiten Publikum bekannt zu machen.

Die Ausstellung „Glühender Stahl und rauchende Schlote. 300 Jahre Industriegeschichte des Banater Berglands“ wurde am 29. November 2018 im Donauschwäbischen Zentralmuseum eröffnet. Vor einem fachkundigen und interessierten Publikum, das den Vortragssaal des Museums bis auf den letzten Platz füllte, sprachen DZM-Direktor Christian Glass, der Vorsitzende des Heimatverbandes der Banater Berglanddeutschen Günther Friedmann, der aus Reschitza angereiste Vorsitzende des Demokratischen Forums der Banater Berglanddeutschen Erwin Josef Ţigla sowie die Kuratorin Leni Perenčević, die in die Ausstellung einführte. Ein virtuoses Violinen-Duo verzauberte das Auditorium mit Klängen aus Béla Bartóks inspirierter „Bauernmusik“.

An die Gäste gewandt, sagte Leni Perenčević: „Wenn Sie das Banater Bergland bereits kennen, vielleicht sogar von dort stammen, so hoffe ich, dass Sie die Ausstellung miteinander ins Gespräch bringt und dass Sie mit Ihren Kindern und Enkelkindern wiederkommen. Wenn Sie das Banater Bergland noch nicht kennen, dann hoffe ich, dass die Ausstellung Ihr Interesse weckt für diese vielfältige Region mit ihrem reichen Kultur- und Industrieerbe.“ Die Ausstellung ist bis 28. April 2019 geöffnet und kann zu den Öffnungszeiten des Museums (Dienstag bis Sonntag, jeweils von 11 bis 17 Uhr) besichtigt werden.