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Banater Post

Glaube war Schlüssel zur Integration

Bischof László Német aus Serbien zelebrierte Pontifikalamt, Baden-Württembergs Innenminister Heribert Rech sprach zu den Pilgern bei Gelöbniswallfahrt

Bei heißem Sommerwetter und bayerisch blauem Himmel begann am 10. Juli 2010 um 16.00 Uhr die Auftaktveranstaltung bei der diesjährigen Gelöbniswallfahrt der Donauschwaben mit einer Glaubenskundgebung in der Stiftskirche von Altötting. Msgr. Andreas Straub, der Visitator der Donauschwaben und Deutschen aus Südosteuropa, begrüßte die zahlreichen Wallfahrer, insbesondere die Gäste aus Fünfkirchen/Pécs. Die Pilgergruppe des Vereins Katholischer Ungarndeutscher unter Leitung des Ehepaars Ruszek und Margit Kellers war mit P. Albert SJ aus der europäischen Kulturhauptstadt angereist. Herzlich hieß Straub den neuen, für Vertriebenen- und Aussiedlerseelsorge zuständigen Weihbischof Dr. Reinhard Hauke aus Erfurt willkommen, dem man erstmals begegne. Das Leben erfülle sich mit Begegnungen, betonte Straub mit Bezug auf den jüdischen Religionsphilosophen und Klassiker des dialogischen Denkens Martin Buber. Hauke habe für die 52. Wallfahrt bereits seine Zusage gegeben, als Hauptzelebrant mitzuwirken. Straubs Dank galt auch allen Pilgerinnen und Pilgern für ihre Teilnahme. Wallfahren biete immer auch die Möglichkeit, das Leben und unsere von Gott geschenkte Zeit zu nutzen und neu zu ordnen, damit wir reinen Gewissens vor unseren Herrn treten können.

Die Begegnung mit Gott thematisierte Weihbischof Hauke in seiner anschließenden Predigt. Unter den Wallfahrtsorten als spirituell dichten Orten, wo die Kraft Gottes bewährtermaßen zu spüren ist, wo man Gott begegnen kann, nannte Hauke Bad Niedernau und Altötting als von Pater Wendelin Gruber ins Leben gerufene Gelöbniswallfahrten. Aber entsprechend dem Gleichnis Jesu vom barmherzigen Samariter akzentuierte er als Orte der Gottesnähe vor allem die Schauplätze der Nächstenliebe, die sogar dem kultischen Gottesdienst vorzuziehen seien. Überall, wo wir durch die Begegnung mit Menschen zu nachsichtigem Verständnis, zur Nächstenliebe aufgefordert sind, öffne sich für den Glaubenden der Himmel, und es werde erkennbar, wie gegenwärtig Gott unter uns ist. Überall dort – schloss der Weihbischof – sei heiliger Boden.

Den Vorabendgottesdienst um 20.00 Uhr in der St. Anna Basilika zelebrierte Msgr. Andreas Straub. Er ging zunächst auf die schwer gebeutelte Diözese Augsburg ein. Dort hatte Papst Benedikt XVI. kurz zuvor den 66-jährigen Konrad Zdarsa, bisher Bischof von Görlitz, als neuen Oberhirten und Nachfolger von Walter Mixa eingesetzt. Zdarsa zeigte sich zuversichtlich, den Zwiespalt und Unmut in der ihm neu anvertrauten Diözese mit der Devise Jesu vom Anfang seines öffentlichen Wirkens überwinden zu können: „Kehrt um und glaubt an das Evangelium. Das Reich Gottes ist nahe!“ Straub blendete auf eine ähnliche Erfahrung aus dem Jahr 2002 zurück, als der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick in sein Amt eingeführt wurde und Ähnliches gesagt hatte. Schick schenkte damals außerdem allen Interessierten eine Sonderausgabe des Lukas-Evangeliums mit der Absicht der Neuevangelisierung. Denn Lukas überliefert manches „Sondergut“, das sonst nirgendwo zu finden ist.

Ohne Lukas kein Magnificat, keine so menschennahe Weihnacht, keine Berichte von der Frohbotschaft des Friedens. Ohne Lukas wüßten wir nichts vom „barmherzigen Samariter“, von Zachäus, dem Zöllner, oder vom reumütigen Schächer am Kreuz, es fehlte uns das Gleichnis vom verlorenen Sohn und der bewegende Gang der Emmausjünger. Eine Antwort auf die Frage – so Straub weiter – wie wir das ewige Leben erlangen, geben Altes und Neues Testament im Doppelgebot der Nächsten- und der Gottesliebe. Sie seien das Wichtigste und Wesentlichste unseres Christseins, ja unseres Menschseins. Die Pilger forderte Straub auf, ihre Herzlichkeit und Gastfreundschaft in der neuen deutschen Heimat zu bewahren und dieses Erbe weiterzugeben. Schließlich mahnte er, niemals Gott zu vergessen, der unser (Aller-)Nächster sei. Er habe uns in Jesu Menschwerdung aus Maria berührt und uns ein Beispiel gegeben.

Nach der Messe zogen die Wallfahrer, begleitet von der Altöttinger Blasmusik, in einer Lichterprozession zur Gnadenkapelle, wo Prälat Ludwig Limbrunner – Administrator und Wallfahrtsrektor vor Ort – sie empfing und ihnen für die alljährlich erwiesene Treue zum Gnadenort dankte. In Begleitung der Musikanten wurden gemeinsam bei Kerzenschein Wallfahrts- und Marienlieder gesungen. Wie in den vergangenen Jahren zog Oberstudienrat Pfarrer Peter Zillich – auch „Pfarrer mit dem Akkordeon“ genannt – die Anwesenden mit Liedern wie etwa „Nie vergeß’ ich Mutters Hände“ in seinen Bann, so daß manch einem Tränen der Rührung in den Augen standen. S. E. László Német SVD spendete zum Abschluß des Tages seinen bischöflichen Segen.

Am Sonntagmorgen zogen Fahnen- und Trachtenabordnungen, die Marienmädchen mit Marienstatue sowie die Blaskapelle über den Kapellplatz zur Basilika, darunter der Trachtenzug der Heimatortsgemeinschaften St. Anna, der Franztaler aus Mondsee mit den Mariemädchen, die Banater Schwaben aus Ingolstadt und Waldkraiburg, sowie die 20 Bläser der Kapelle aus Sanktanna unter Leitung von Josef Wunderlich.

Johannes Weißbarth, der Vorsitzende des St. Gerhardswerks in Stuttgart, begrüßte die versammelte Gemeinde, allen voran Diözesanbischof László Német aus Zrenjanin/Betschkerek in Serbien, die donauschwäbische Geistlichkeit aus Deutschland, Österreich und Ungarn mit den Konzelebranten P. Albert SJ aus Pécs, Prälat Josef Eichinger aus St. Pölten, Anton Häusler aus Kißlegg, Josef Neumann aus Bischofshofen, Michael Sauer aus Altötting, Msgr. Andreas Straub aus Bayreuth und Peter Zillich aus Regensburg. Er begrüßte persönlich Innenminister Heribert Rech MdL aus Stuttgart, den Beauftragten des Landes Baden-Württemberg für Vertriebene, Flüchtlinge und Aussiedler. Weißbarth bedankte sich beim Orden der Kapuziner sowie bei den Repräsentanten der Stadt Altötting mit Bürgermeister Hofauer für die gastgebende Rolle, bei allen Mitwirkenden für ihren Beitrag. Er bat die Wallfahrer, den Inhalt des Gelöbnisses an die kommenden Generationen weiterzugeben. An der Wallfahrt nach Altötting habe sich seit fünf Jahrzehnten gezeigt, daß Kirche und Heimat für die donauschwäbischen Vertriebenen untrennbar miteinander verbunden sind.

Das Wort des Laien sprach Innenminister Heribert Rech. Er wies auf seine enge Verbundenheit mit den Heimatvertriebenen und Flüchtlingen hin. Die Altöttinger Wallfahrt sei ein beeindruckender Beweis der Treue zur alten Heimat, ein Bekenntnis der Dankbarkeit an die Mutter Gottes, Erinnerung an das unsägliche Unrecht, das die von Titos Regime Entrechteten in Jugoslawien erleiden mußten, ein demütiges Gedenken unserer Toten – weit ab vom trendigen Eventcharakter heutiger Pilgerreisen. Deshalb werde das Gemeinschaft stiftende, Heimat im christlichen Glauben schaffende Erlebnis der donauschwäbischen Wallfahrt Bestand haben und diese Tradition sich fortsetzen. Millionen entwurzelter Menschen hätten durch den Krieg alles verloren, nur ihren Glauben nicht, das einzige Verläßliche, was ihnen geblieben war. Mit Hilfe der Kirchen konnten deshalb die ersten wichtigen Schritte zur Integration der Heimatlosen gemacht werden. Aus dem kirchlichen Freiraum heraus sei es den Heimatvertriebenen gelungen, auch im gesellschaftlichen und politischen Leben Fuß zu fassen. An die Unterzeichnung der Charta der deutschen Heimatvertriebenen vor 60 Jahren – ein richtungsweisendes, von christlichem Glauben getragenes Dokument – werde im August mit einer Gedenkfeier in Stuttgart-Cannstatt erinnert, so Rech weiter. Dieses einzigartige Dokument zeuge vom Weitblick und Großmut der deutschen Heimatvertriebenen und habe zum Aufbau eines friedlichen Europas beigetragen. Der Prozeß des Zusammenwachsens sei aber noch unvollendet und müsse im Vertrauen auf Gottes Wort fortgeführt werden.

Bischof László Német (geboren in Hodschag/Odzaci) begrüßte seine Diözesanen und „seine donauschwäbischen Landsleute“ und freute sich über die bis auf den letzten Platz besetzte Kirche. Wiederholt hat sich Német in den vergangenen Jahren den Donauschwaben zugewandt. Überhaupt ist er durch seine Studien in Polen und Italien, seine Missionstätigkeit auf den Philippinen, seinen diplomatischen Dienst in Österreich, seine Lehrtätigkeiten in verschiedenen Ländern und aufgrund seiner Aufgabe als Sekretär der Ungarischen Bischofskonferenz ein echter Brückenbauer zwischen Ländern und Nationalitäten im Dienste des Herrn geworden. Seine eindringliche Predigt nahm Bezug auf das Motto der diesjährigen Wallfahrt, ein Wort aus dem Matthäus-Evangelium (Mt 24,43-44): „Haltet auch ihr euch bereit … der Menschensohn kommt!“

Dazu erläuterte der Bischof: „Jede Wallfahrt hat einen Anfang und ein Ende – dazwischen liegt das Ziel.“ Ziel sei der Dank an Gott für die Befreiung aus Not und Schrecken, Dank für die neue Existenz und die neue Heimat. Die in Gottes Plänen angekündigte „Wiederkunft des Herrn“ bedeutet, so Német, für uns Menschen keineswegs ein Ende, sondern im Gegenteil eine neue Schöpfung. Es sei deshalb von größter Wichtigkeit, sich bereitzuhalten. Dazu gehöre auch das Loslassen von allen Belanglosigkeiten, selbst von Erinnerungen, die uns festhalten und einschränken. Vergebung sei ein wesentlicher Schritt des Loslassens. Dabei könnten wir gerade von der „schmerzhaften Gottesmutter“ Hilfe erwarten, denn sie selbst habe erlebt, was Flucht und Vertreibung bedeuten.

Vor dem Schlußsegen gedachte die Musikkapelle St. Anna mit den Stücken „Ich hatt’ einen Kameraden“ und dem „Totenmarsch“ der donauschwäbischen Opfer.

Zum Mariensingen und zur Marienandacht versammelten sich die Pilger wieder in der Basilika. Eröffnet wurde das traditionelle Mariensingen durch die musikalische Darbietung der aus St. Anna stammenden Familie Scheuer, heute in Bruchsal zu Hause. Mit dem Lied „Wir sind Donauschwaben Kinders-Kinder“ – gesungen von Maria Scheuer, begleitet auf der Trompete von Anton Scheuer sowie den Kindern Eva Marie am Keybord und Anna-Lena auf der Blockflöte – konnte die Familie die Anwesenden begeistern.

In beeindruckender Bibelfestigkeit und Gedankenschärfe wußte Prof. Josef Eichinger bei der folgenden Marienandacht das Motto dieser Wallfahrt zu deuten. Der aus Filipowa stammende Prälat ließ seine Gedanken um das Ankommen Gottes in unserem Leben kreisen und stellte die einmalige Rolle Marias durch ihre Bereitschaft für die Ankunft Gottes nicht nur als exemplarisch für alle Gläubigen heraus, sondern auch als schlechthin unabdingbar für das gesamte Heilsgeschehen, ja als apokalyptisch ungeheuerliche Tatsache. Denn der körperlose und unverwesliche, der zeitlose und jenseitige Gott ist in ihrem Schoß zum Menschen herangereift, „der Schöpfer aller Dinge macht ihren Leib zu seiner menschlichen Wohnung, macht sie zum Tempel seines irdischen Lebens“. Maria sei durch ihre empfangsbereite Offenheit eine Art Schnittpunkt zwischen Göttlichem und Menschlichem geworden – führte Eichinger aus –, durch sie habe der neue Bund Gottes mit den Menschen begonnen. Marienfrömmigkeit bedeute deshalb nichts anderes, als daß wir wie sie ja sagen zur himmlischen Botschaft an uns und das Wort Gottes in uns wachsen lassen.

Nur mit großer Anerkennung und exquisiten Qualifizierungen kann das Frauenvokalensemble „Coro degli angeli“ unter Leitung von Elisabeth Haumann hervorgehoben werden. Die insgesamt neun Sängerinnen und Margrit Egge an der Orgel verliehen – wie schon im Jahr zuvor – der Wallfahrt durch ihre musikalische Begleitung Firnis und Glanz, sowohl dem Vorabendgottesdienst wie auch Pontifikalamt und Mariensingen. Zur Aufführung kamen Stücke von W. A. Mozart, F. Mendelssohn-Bartholdy, C. Franck, E. Humperdinck und dem donauschwäbischen Komponisten M. Balatoni-Wissinger.