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Baraganer Totenbuch 1951–1956

Umfassende Dokumentation über Sterbefälle von Deportierten aus dem Banat. 1951 verfügte das rumänische Innenministerium die Umsiedlung „gefährlicher Elemente“ aus einer 25 km breiten Zone entlang der Grenze zu Jugoslawien. 12 791 Familien mit 40 320 Personen wurden in die Baragan-Ebene deportiert. Nach Aufhebung des Zwangsaufenthaltes 1955/56 kehrten die meisten Familien in ihre Dörfer in der Grenzregion zurück. Im Baragan verblieben nicht nur ihre Häuser und Felder, sondern auch ihre Toten ...

Das vom Arbeitskreis donauschwäbischer Familienforscher (AKdFF) herausgegebene Werk dokumentiert alle 1000 Sterbefälle von Banatern aus 121 Ortschaften, unabhängig von ihrer ethnischen Zugehörigkeit. Erstmals konnte dabei auf Daten aus den Standesamtsregistern der Kreise Calarasi, Ialomita, Braila und Galatz zurückgegriffen werden, die von Mitarbeitern des rumänischen Internationalen Zentrums für Kommunismus-Studien ausgewertet wurden. Die Namensschreibweisen wurden unverändert übernommen, so, wie in den Originaldokumenten beurkundet. Die Forschungsergebnisse sind für Nachkommen und Familienforscher von großem Interesse, denn vielfach können damit Ergänzungen und Korrekturen in genealogischen Veröffentlichungen und Heimatbüchern vorgenommen werden.

Nach der Einleitung, die die Baragan-Deportation in den größeren zeitgeschichtlichen Zusammenhang einordnet, werden die ihrem jeweiligen Geburtsort zugeordneten Verstorbenen mit Namen, Alter, Sterbedatum und -ort aufgelistet. Bei Frauen ist, falls im Ausgangsmaterial vorhanden, der Geburtsname angegeben. Unter jedem Namen ist die Quelle aufgeführt und – für Familienforscher sehr nützlich – der Verweis auf das Ortsfamilienbuch, in dem die betreffende Person zu finden ist, mit Angabe der Familiennummer. So kann jeder Verstorbene in seinem Familienzusammenhang aufgefunden werden. Dafür hat der Autor, wie aus dem Quellen- und Literaturverzeichnis hervorgeht, mehr als fünfzig Familien- und Heimatbücher ausgewertet. Aufgenommen wurden alle im Baragan Verstorbenen, die im Kreis Temesch geboren wurden; berücksichtigt wurden aber auch Ortschaften aus den Kreisen Arad und Karasch-Severin sowie aus dem serbischen und ungarischen Banat. Auswahlkriterium für letztere war anscheinend die deutsche Volkszugehörigkeit der Verstorbenen. Somit sind in dem Buch sämtliche banatdeutschen Baragan-Toten enthalten. Jenseits aller Daten ist die Dokumentation auch ein wichtiger Beitrag im Bestreben, den Toten zu ihrem Recht auf Erinnerung zu verhelfen.

Uwe Detemple wurde 1963 in Hatzfeld geboren. Seine Arbeit über die „Vorfahren der Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller in Rumänien und Ungarn“ fand grenzüberschreitende Beachtung. 2008 erschien seine erste Buchveröffentlichung „Mein Rumänien. Revolution und Poesie“ über das Ende der Ceausescu-Diktatur und den demokratischen Neubeginn in diesem Land. Zuletzt veröffentlichte Detemple in der Banater Post einen Beitrag über „Die Temeswarer Studentenrevolte von 1956“.     

 

Uwe Detemple: Banater in Südostrumänien 1951–1956. Sterbefälle im Baragan. Hrsg.: Arbeitskreis donauschwäbischer Familienforscher (AKdFF). Norderstedt: Books on Demand 2012. 92 Seiten. 12 Euro. ISBN 978-3-8482-0843-2. Zu beziehen über den Buchhandel, bei Online-Buchhändlern oder direkt beim Autor (Tel. 089 / 79893145, contact@uwedetemple.de).

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