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Banater Post

„300 Jahre Banater Schwaben – Wir schreiben unsere Geschichte fort“

Wir dürfen auf ein ereignisreiches Jahr 2018 zurückschauen, in dem wir innerhalb unseres Verbandes in vielen Gliederungen und Einrichtungen durch große und kleine Veranstaltungen dazu beigetragen haben, dass unser Verband und unsere Gemeinschaft lebendig geblieben sind. Ich erinnere an den großen Heimattag in Ulm, an Kultur- und Organisationstagungen, an Volkstanzveranstaltungen und Kirchweihfeste, an Wallfahrten und Andachten, an Seminare und Vortragsreihen, an Zeltlager, Sportfeste und Reisen, an Seminare für Kinder und Kaffeenachmittage für Senioren, an Treffen von Frauen, Jahrgängen und Schulklassen, an gesellige Tanzveranstaltungen und gemeinsame Reisen, an internationale Begegnungen und Betätigungen im Banat. Viel ist geschehen, über manches auch in der Banater Post berichtet worden, über einiges aber auch nicht. Wir sollten uns stets vor Augen halten, dass die öffentliche Verbreitung und Dokumentation dieses Wirkens mindestens genauso wichtig ist wie die Veranstaltung selbst. Denken Sie daran, was Sie oder andere in 10, 20 oder SO Jahren über ihre Gliederung suchen und finden werden. Wo suchen Sie, wo werden Sie fündig?

In den nächsten Jahren stehen uns zahlreiche Jubiläen bevor, größere Ereignisse kündigen sich an. Siebzig Jahre Landsmannschaft der Banater Schwaben, 300 Jahre seit der Ansiedlung unserer Vorfahren im Banat, 25 Jahre Adam Müller-Guttenbrunn-Haus in Temeswar, Temeswar - Kulturhauptstadt Europas 2021, 50 Jahre Schubert-Chor, zahlreiche Gründungsjubiläen von Kreisverbänden, Heimatortsgemeinschaften, Chören, Trachtengruppen, Blasmusikkapellen - alle diese Daten bieten sich an, in unser Veranstaltungsprogramm mitaufgenommen zu werden oder bei traditionellen Veranstaltungen entsprechende Bezüge herzustellen. Gleichzeitig sollen sie aber auch Anlass sein, uns als Verband für die Zukunft fit zu machen, unsere Strukturen zu überprüfen, anzupassen und rechtzeitig für personelle Kontinuität zu sorgen. Wurden wirklich überall satzungsgemäß Wahlen abgehalten, Sitzungen protokolliert, neue Kräfte herangezogen, dort wo keine sind, Kooperationen angebahnt, neue Wege gesucht? Einen Impuls in dieser Sache haben wir von außen durch die neue Datenschutzgrundverordnung erhalten. Sie zwingt uns, Farbe zu bekennen. Nicht nur in Fragen der Mitgliedschaft in unserer Landsmannschaft, sondern auch in der Zugehörigkeit zur Gemeinschaft der Banater Schwaben heute. Mehr als eine Generation nachdem die letzten Aus- und Spätaussiedler aus dem Banat nach Deutschland ausgesiedelt sind, sollte sich die Zugehörigkeit zu unserer Gemeinschaft in Deutschland über die Mitgliedschaft in deren größten Verband definieren, wenn sie als solche aktiv und gestalterisch auftreten will. Ja, auch Rückblicke auf die Vergangenheit, auf einstige Höhen und Tiefen dieser Gemeinschaft sind wichtig, aber das allein reicht nicht. Die Frage, die sich heute stellt, lautet doch: Wie gehen wir mit unserem Erbe um, was machen wir daraus?

Hier lohnt manchmal der Blick über die Schulter, auf das Wirken anderer Landsmannschaften und
Gemeinschaften. Mitte November traten bei einer Ausschusssitzung des BdV Bayern zwei Vertreter
der Pontosgriechen auf. Ich gestehe, dass ich vorher nichts über diese Gemeinschaft wusste. Sie
wurden vor 100 Jahren aus dem Gebiet der heutigen Türkei nach Griechenland vertrieben. Selbst
diejenigen von ihnen, die heute in Deutschland leben, sind in Vereinen organisiert, pflegen ihr
Brauchtum, ihre Kultur. Es sind junge Menschen dabei und sie sind stolz auf dieses Erbe, 100 Jahre
nachdem ihre Vorfahren ihre Heimat verlassen mussten.

Manchmal denke ich mir, dass uns Banater Schwaben mehr Selbstbewusstsein gut stünde im Umgang
mit dem, was in den 300 Jahren mit uns im Banat, aber auch überall dort, wo wir heute leben,
entstanden ist. Warum schätzen dies unsere ehemaligen Nachbarn im Banat oder auch hier in
Deutschland oft höher ein als wir selbst? Warum schätzen das die Vertreter der Politik, der Wirtschaft
mehr als wir selbst? Vor einiger Zeit hatte ich auf Einladung eines Rotary-Clubs im Raum München
einen Vortrag über die Banater Schwaben gehalten. Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik waren
anwesend. Sie bewunderten unseren Zusammenhalt, unsere organisatorischen Strukturen, die vielen
Ebenen unseres Wirkens und unseren starken Willen, immer wieder von vorne anzufangen und
erfolgreich zu sein. Sie zogen Parallelen zu den Strukturen ihrer Unternehmen und Körperschaften und
bekundeten ihre Anerkennung für unsere Landsmannschaft, für all das, was in deren Rahmen
geschieht. Und wir, wie stehen wir dazu?

Die politische und gesellschaftliche Entwicklung in Europa wird uns vor neue Herausforderungen
stellen. Was hält unser Land, was hält Europa zusammen, was ist der Kitt, der festigt? Der rechtliche
Rahmen ist in unserem Grundgesetz festgeschrieben, aber zur Kultur, Brauchtum, Tradition und
Werteordnung unseres Landes und Europas ist auch unser Beitrag erforderlich. Bringen wir ihn auch
im kommenden Jahr als selbstbewusste Bürger und selbstsichere Banater Schwaben ein.
Der Bundesvorstand dankt Ihnen und Ihren Familien, die Ihre Arbeit unterstützen, für die gute
Zusammenarbeit und Ihr Wirken entlang dieses Jahres. Darauf aufbauend wollen wir auch in Zukunft
mit Zuversicht unsere Ziele ins Auge fassen und unsere Projekte verwirklichen. Bringen Sie sich ein,
arbeiten Sie mit, fordern Sie uns. Unsere Zukunft liegt in unserer Zusammenarbeit.

In landsmannschaftlicher Verbundenheit

Peter-Dietmar Leber
Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Banater Schwaben e.V.