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Banater Post

„In meinen Adern fließt kasachischer Tee“ (Filmsoirée)

26.03.

19:00 -
21:00

Veranstalter: Haus des Deutschen Ostens
Ort: Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, 81669 München

Referent: Jurij Diez (München)

Moderation: Dr. Lilia Antipow, Haus des Deutschen Ostens, München

 

Über einen Zeitraum von vier Jahren portraitiert der Film die achtköpfige russlanddeutsche Aussiedlerfamilie Diez in ihrer neuen Heimat, dem oberbayrischen Freilassing, unmittelbar an der österreichischen Grenze. 15 % der ca. 18.000 Einwohner und Einwohnerinnen sind Aussiedler und Aussiedlerinnen aus der ehemaligen Sowjetunion.

Die Doku rekonstruiert anhand des umfangreichen privaten Foto- und Videoarchivs die Odyssee der Familie, die in Kasachstan ihren Ausgang nimmt, wohin ihre Großeltern 1941 nach dem Einfall der Nazis in die UdSSR als potentielle Verräter in Viehwagons von der Wolga deportiert wurden. Erst 1956, nach dem Tod Stalins, endet ihr Dasein als Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen. 1985 siedelt die Familie in den Wolgograder Bezirk zurück, wo sie bis zu ihrer Auswanderung nach Deutschland 2002 lebt.

Nach ihrer Ankunft in der Bundesrepublik kämpfen sich die Diez bravourös durch das soziale Unterholz und verfolgen hartnäckig ihre Pläne. Die Eltern, Tatjana (Mitte 50) und Jakob (Ende 50), finden einen festen Job in einem der großen Supermärkte Freilassings. Der ehemalige Lokführer Jakob als Wagenschieber, Tatjana als Reinigungskraft. In Russland leistete Vitalij (36) noch seinen Militärdienst ab, hier tauscht er die Kalaschnikow gegen die Schere: Im eigenen Frisörsalon „Fire Hair“ frönt er seinem Faible zu überdimensionalen Turmfrisuren. Jurij (32) eignet sich in rekordverdächtiger Zeit die deutsche Sprache an und reüssiert als Schauspieler. Sergius (25) arbeitet unermüdlich an seinem Master-Plan: Im Herbst 2011 eröffnet er seinen „Diez Sonderposten Markt“. Marina (33) baut gemeinsam mit ihrem Mann Jewgenij und den Eltern ein kleines Häuschen. Das karottenfarbige Domizil liegt unübersehbar unterhalb des Bahndamms auf der Bahnstrecke Freilassing – Salzburg. Mit viel Humor, Verve und Fleiß kämpfen sich die Diez voran, doch dann kassieren sie einige herbe Rückschläge, wie z.B. das Hochwasser vom Juni 2010 (Text: Studio west. Independent Film).

Jurij Diez (geb. 1981 in Nowo-Donezk/Kasachstan) ist Theater- und Filmregisseur und Schauspieler. Seit 2002 lebt und arbeitet er in Deutschland. Zu seinem Repertoire gehören zahlreiche Rollen in Stücken aus klassischem und modernen Theaterrepertoire sowie in Mono-Stücken, mit denen er weltweit zu Festivals, unter anderem zum Theaterfestival auf dem Broadway (New York/USA) eingeladen wurde. Darüber hinaus führte er Regie in mehrsprachigen Inszenierungen in der Ukraine, in Russland und in China. 2015 wurde Jurij Diez als Bester männlicher Schauspieler beim Festival für zeitgenössisches Theater (Astrachan) und 2018 für Beste Regie beim Theaterfestival „Turgenev Fest“ (Sankt Petersburg) ausgezeichnet.