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Banater Post

An einem Tag im Januar - Zum Gedenken an die Opfer der Deportation

Ein Blumengebinde als Zeichen der Achtung für die Opfer der Deportation

Feierstunde am Glogowatzer Gedenkstein im Waldfriedhof in München

Pfarrer Peter Zillich bei der Gedenkfeier in München

Gedenkfeier in Waldkraiburg

Am Denkmal »Wider das Vergessen« in Landshut

Gedenkfeier in Augsburg

Es war ein Wintertag im Januar, ein Tag eben mit Frost und eisigem Wind, an dem man nicht gerne das Haus verlassen wollte. Die Arbeit auf dem Felde ruhte, und man machte es sich gemütlich in der Stube ...

Doch wie ganz anders war jener Januartag im Jahre 1945, als Kälte und Wind plötzlich unwichtig schienen. Schrecken und Angst zog in die Dörfer ein, ließ Menschen verzweifeln. Kein Haus blieb verschont, unsägliches Leid erfasste jede Familie. Überall wurden Menschen zusammengetrieben, mit Gewalt zu Sammelstellen gebracht, Söhne und Töchter von den Eltern getrennt und junge Mütter von ihren Kindern. An Flucht war nicht zu denken, Militär schirmte die Dörfer ab und sekundierte die Verschleppungsaktion mit Brutalität. In Viehwaggons verladen, traten Banater Deutsche, Siebenbürger Sachsen und Sathmarschwaben eine Reise ins Ungewisse an.

Für jeden sechsten der Betroffenen gab es keine Rückkehr in die Heimat. Zwangsarbeit und Lageraufenthalt in den Kohlengruben der Ukraine, auf Baustellen vom Don bis jenseits des Urals stellten die Menschen in den Jahren 1945–1949 auf die härtesten Proben. Das Schicksal der Verschleppten und das der verlassenen Kinder und Alten führte zu Traumata, die die psychische und körperliche Integrität so mancher Landsleute noch lange Zeit belasteten. Wenn auch die Zeit so manche Wunden geheilt hat, so sind die Schrecken jener Jahre bis heute nicht vergessen. Deshalb ist der Tag des Gedenkens an dieses dunkelste Kapitel in der Existenz der Banater Schwaben ein besonderer Tag und kein gewöhnlicher Wintertag im Januar. Mit kleinen Gedenkfeiern, Andachten und Aussprachen wurde auch in diesem Jahr wieder vielfach an die Vorkommnisse von vor 67 Jahren erinnert. Landes- und Kreisverbände der Landsmannschaft organisierten Gedenkfeiern und legten Kränze nieder.

München

Zu einem Gedenken an die Deportation der Deutschen aus Südosteuropa zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion im Januar 1945 luden der Landesverband Bayern, der Kreisverband München der Landsmannschaft der Banater Schwaben und die Heimatortsgemeinschaft Glogowatz am 14. Januar ein. Beim Glogowatzer Gedenkstein auf dem Münchner Waldfriedhof versammelten sich zahlreiche Landsleute, um gemeinsam der Opfer der Deportation zu gedenken. Auf eindrucksvolle Weise ging Bernhard Fackelmann (Vorsitzender des Kreisverbandes München) auf die Situation in seinem Heimatort Sanktmartin zum Zeitpunkt der Verschleppungsmaßnahmen ein. Die Schilderung einiger Schicksale aus seinem Verwandten- und Bekanntenkreis legten die besonders tragischen Ausmaße dieser menschenrechtswidrigen Aktion offen.

Der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft der Banater Schwaben, Peter-Dietmar Leber, wies in seiner Gedenkansprache darauf hin, dass nach Jahrzehnten des Schweigens – eines in der alten Heimat gar verordneten Schweigens – dem Wunsch der Betroffenen entsprochen werden konnte, über ihr Leid öffentlich zu sprechen. Deshalb sei es heute aus Respekt vor den Opfern eine Pflicht, an das zu erinnern, was vor mehr als einem halben Jahrhundert geschehen ist, damit sich Ähnliches nicht wiederhole: „Wir gedenken heute unserer Landsleute, all jener Menschen, Männer und Frauen, junge und ältere, die vor genau 67 Jahren in ihrer Heimat zusammengetrieben und zur Zwangsarbeit in die damalige Sowjetunion deportiert wurden. Sie alle hatten eines gemeinsam: sie waren deutsche Volkszugehörige und als solche im Kalkül der damals politisch Handelnden eine leicht verfügbare rechtlose Masse.“ Im weiteren ging der Redner auf die historischen Hintergründe und auf die Folgen der Deportation ein, erinnerte an die bislang erfolgte Aufarbeitung dieses Geschehens, an dessen veränderte öffentliche Wahrnehmung, die auch die Entschuldigung der rumänischen Regierung bei den Betroffenen mit einschließt, an Gedenkveranstaltungen und Veröffentlichungen zum Thema.

Ausgehend vom Schicksal eines Landsmannes erinnerte Franz Schlechter (Vorsitzender der Heimatortsgemeinschaft Glogowatz) an die Geschehnisse in seinem Heimatort bei der Gefangennahme der Menschen und an das Leid der Deportierten in den russischen Lagern. Zur Erinnerung an die Opfer der Verschleppung, des Krieges und der Gewaltherrschaft hat die HOG Glogowatz bereits im Jahre 1990 auf dem Waldfriedhof einen Gedenkstein errichtet und einen Ort geschaffen, an dem die Landsleute die Möglichkeit haben, innezuhalten und ihren Freunden und Weggefährten ein stilles Gedenken zu gewähren.

Barbara Hirth berichtete sodann aus der Sicht einer unmittelbar Betroffenen über die Ereignisse in ihrem Heimatort Schöndorf bei Arad, wie sie festgenommen und weggebracht wurde. Ein Schlüsselerlebnis hatte das junge Mädchen von damals beim kurzen Zwischenaufenthalt des Eisenbahnzuges mit den Deportierten im Bahnhof von Radna. Dort hörte sie das Läuten der Glocken der Wallfahrtskirche Maria Radna. Mit diesem Klang verband Barbara Hirth in diesem Augenblick alles, was ihr lieb und teuer war und auch die Hoffnung, die Heimat wiederzusehen. Der Klang der Glocken begleitete sie in Gedanken über die Jahre hinweg. Der Wunsch, einmal wieder diese Glocken zu hören, war stets gegenwärtig und stärkte ihre Hoffnung auf Freiheit. Sie schilderte sodann einige Erlebnisse aus der Zeit des Zwangsaufenthaltes in verschiedenen Kohlengruben Russlands, über ihre Rückkehr und über den Neuanfang in Deutschland. Abschließend zog auch sie das Fazit: Nie wieder Krieg, nie wieder Gewaltherrschaft.
Pfarrer Peter Zillich, Geistlicher Beirat des Sankt-Gerhards-Werkes, begleitete die Gedenkfeier mit Gebeten und einem Segensspruch. Er erinnerte an die im Glauben verankerte Kraft, die es den Deportierten ermöglichte, auch die schlimmsten Zeiten zu überleben. Das Vertrauen auf die Hilfe Gottes gab ihnen stets neuen Mut und bewahrte sie vor der Verzweiflung. Zum Abschluss der Gedenkfeier wurde gemeinsam ein Gebet gesprochen und aller in der Deportation und im Krieg verstorbenen Landsleute gedacht.
Als Zeichen der Verbundenheit mit dem Leid der Betroffenen und der Achtung vor den Opfern legten Vertreter der Banater Jugendorganisation am Denkmal einen Kranz nieder. Musikalisch umrahmt wurde die Feier von einer Bläsergruppe der Heimatortsgemeinschaft Glogowatz. Zum Abschluss der Feier erklang ein Lied, das in der Zeit der Deportation in Russland entstand und dort von den Gefangenen gesungen wurde. (Walter Wolf)

Waldkraiburg

Auch in Waldkraiburg wurde der Deportation der Banater Schwaben in die ehmalige Sowjetunion gedacht. Bei der Feier begrüßte Georg Ledig als Vorsitzender des Kreisverbandes am Mahnmal beim Rathaus zahlreiche Landsleute, Vertreter der Vereine, Fahnenabordnungen und Ehrengäste. „Wir gedenken der Opfer der Deportation. Schlimmste ihr vorausgehenden Gerüchte wurden am 14. Januar 1945 tragische Wahrheit. 33 000 Banater Schwaben, 30 336 Siebenbürger Sachsen und 5000 Sathmarer Schwaben waren von dem schlimmen Schicksal betroffen“, so Ledig. Die Deportation sei nach einem von den rumänischen Behörden in enger Zusammenarbeit mit den sowjetischen Besatzern vorbereiteten Plan abgelaufen. „Die Ortseingänge wurden von Militär und Miliz abgeriegelt, der Telefon-, Telegraf- und Eisenbahnverkehr wurde unterbrochen, und rumänisch-sowjetische Patrouillen gingen mit Listen zur Aushebung der Menschen von Haus zu Haus. Die Reise ins Ungewisse führte in die sowjetischen Kohle- und Industriereviere zu schwerster Arbeit bei unmenschlichen Bedingungen. Erst Ende 1949 kehrten die letzten Überlebenden zurück.“

Bürgermeister Siegfried Klika mahnte in seinem Grußwort, „dass Unrecht nicht gegen ein anderes Unrecht angerechnet werden darf. Mit diesem Mahnmal hier erinnern wir an die alte Heimat und haben zugleich ein Symbol für die neue Heimat aufgestellt“. Pfarrer Martin Garmaier erinnerte an das Leid, das über die Deportierten und ihre Angehörigen gekommen war und sprach zur Stunde des Gedenkens Gebete mit den Anwesenden. Ein Trachtenpaar legte zum Gedenken, zur Mahnung und Erinnerung einen Kranz nieder, die Fahnen senkten sich, und die Blaskapelle der Banater Schwaben umrahmte die Gedenkstunde musikalisch. (bac)

Landshut

Am Samstag, dem 14. Januar, versammelten sich um 14 Uhr der Vorstand des Kreisverbandes und zahlreiche Landsleute am Mahnmal „Wider das Vergessen“ in Landshut. Anlass war das Gedenken an die Deportation der Banater Schwaben 1945 in die damalige Sowjetunion. Der Schriftsteller Hans Bohn – selbst ein Betroffener dieses menschenverachtenden Geschehens – schilderte die tragischen Vorkommnisse in den Jahren 1945–1949. Seitens des Kreisverbandes Landshut der Banater Schwaben wurde am Denkmal ein Blumengesteck niedergelegt mit der Aufschrift „Die Banater Schwaben, Kreisverband Landshut – Wir werden Euch nie vergessen“. Die Gedenkfeier endete mit einem gemeinsamen Gebet. (Hans Seghedi)