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„Viel arbeiten und viel bewegen“ - Zum 100. Geburtstag von Johann Dreier

Johann Dreier mit Anton Enderle Foto: Günther Dreier

Die Perjamoscher Tell-Straße scheint ein guter Nährboden für 100-Jährige zu sein! Im vergangenen Jahr hatten wir die Ehre, Anna Koch, geb. Bogner, zum 100. Geburtstag zu gratulieren – und in diesem Jahr ihrem ehemaligen Nachbarn Johann Dreier.

Unser Jubilar wurde am 8. August 1926 in Perjamosch geboren. Nach dem Schulbesuch im Heimatort erlernte er das Schreinerhandwerk in der bekannten Möbeltischlerei Gebrüder Bauer in Perjamosch. Seinen Beruf konnte er kriegsbedingt nur kurz ausüben, denn 1944 wurde er zwangsrekrutiert. Insgesamt fünf schwere Kriegsverletzungen hat er überlebt und wurde nach dem Zusammenbruch als Kriegsgefangener an Rumänien ausgeliefert. Er kam in ein Lazarett nach Temeswar, wo er nach seiner Genesung Pflichtarbeit als Krankenpfleger in einem Temeswarer Sanatorium leisten musste. Nach seiner Entlassung 1947 arbeitete er zunächst in seinem erlernten Beruf in einer privaten Temeswarer Schreinerei, wo er nach deren Verstaatlichung auch übernommen wurde. Als sich in der Hutfabrik in Perjamosch eine Arbeitsstelle als Schreiner ergab, zog es ihn in seinen Heimatort zurück. 30 Jahre lang sollte er dem allmorgendlichen Ruf der Fabriksirene folgen.

In Perjamosch heiratete er Margarete Ritter, 1961 wurde ihr Sohn Günther geboren. 1977 durfte Johann zur Behandlung seiner Kriegsverletzungen, die ihm ein Leben lang den Alltag erschwerten, nach Deutschland zur Behandlung kommen. Zwei Jahre später konnte seine Familie ihm folgen. Anfangs wohnte die Familie in Regensburg, nach ein paar Jahren zog sie nach Sinzing, eine Vorortgemeinde von Regensburg, in ein schmuckes Eigenheim. Hier kümmerte sich Johann Dreier bis ins hohe Alter um das Gemüse im eigenen Garten und um die Weinreben am Spalier. Sein selbstgekelterter Traubensaft fand stets dankbare Abnehmer. Die Leidenschaft für Holz ließ ihn auch als Rentner in Deutschland nicht los: An einer Drechselbank konnte er durch sein handwerkliches Können, gepaart mit einem Gespür fürs Schöne, Holz zu Teller, Schalen, Vasen und Schüsseln verarbeiten.  

Ehrenämter zogen sich wie ein roter Faden durch das lange Leben unseres Jubilars. Jahrzehntelang war er Kassier der einst so erfolgreichen Perjamoscher Handballmannschaft. Perjamosch schaffte 1951 im Großfeldhandball den Aufstieg in die rumänische erste Division, das damalige Oberhaus. Das war eine Pionierleistung: Zum ersten Mal gelang in der Geschichte des rumänischen Handballs einer reinen Dorfmannschaft (trainiert von Roland Wegemann) der Sprung in die höchste Spielklasse. Der damalige Bukarester Armeesportklub, später Steaua Bukarest, der auch Meister wurde, musste für sein Auswärtsspiel wohl eine Landkarte bemühen, um den Austragungsort seines Spiels zu finden.

Nach der Aussiedlung engagierte sich Johann Dreier von Anfang an im Kreisverband unserer Landsmannschaft in Regensburg. Seit mehr als 45 Jahren ist er Mitglied in unserem Verband, liest heute noch mit großem Interesse die Banater Post und den Perjamoscher Heimatbrief. Seit 1981 war er sehr aktiv, wenn es um Bälle oder Gartenfeste ging. Johann Dreier und seine Frau Margarete, die in diesem Jahr am 3. Mai ihren 95. Geburtstag feierte, werden liebevoll von ihrem Sohn Günther und dessen Frau Heidi betreut. Im vergangenen Jahr feierten sie am 7. März ihre Eiserne Hochzeit – ein Jubiläum, das nur wenigen Ehepaaren vergönnt ist.

Viel Ehre für einen Menschen, der ein Jahrhundert erlebt hat: In die Schar der Gratulanten reihten sich Martin Brix, der Bürgermeister von Sinzing, Klaus Nebel, der Ortsvorsitzende des Sozialverbands VdK, und der Ortspfarrer ein. Seitens der Perjamoscher Landsleute überbrachte der HOG-Vorsitzende Toni Enderle die Glückwünsche der Landsleute aus Perjamosch und Großsanktpeter. Der Nachmittag war viel zu kurz, um die vielen Ereignisse eines Jahrhunderts mit Landsleuten und Verwandten in Erinnerung zu rufen. Zahlreiche Glückwünsche bekam der Gefeierte auch über die WhatsApp-Gruppe der Perjamoscher.  

Dabei stand der kulinarische Höhepunkt der Feier noch aus: Die Nichte des Jubilars, die noch in Perjamosch lebt, reiste zur Überraschung aller mit ihren Kindern und Enkelkindern zur Feier des Tages an und hatte Köstlichkeiten aus dem Banat im Gepäck: vom Kesselgulasch bis zum frischen Brot aus der Bäckerei Bortscher aus Perjamosch, von Melonen bis Zuckermais, vom Baumstamm bis zur Dobosch-Torte.

Beim Abschied fragte ich unseren Jubilar, den wir alle nur Jani-Phat nannten, nach seinem Rezept fürs Altwerden: „Viel arbeiten und viel bewegen“, sagte er. Auch Anna Koch, die am 27. März ihren 101. Geburtstag feierte, antwortete auf dieselbe Frage: „Bewegung ist alles“. So Unrecht dürften unsere Jubilare wohl nicht haben!