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Ein besonderes Fest in Guttenbrunn - 90 Jahre Verbundenheit – 103 Jahre Gedenken

Die Geistlichkeit, die Trachtenträger, die Ehrengäste und der HOG-Vorstand bei der Weihe des Kriegerdenkmals mit dem neuen Adler und der Gedenktafel mit den Namen der Gefallenen und Vermissten des Zweiten Weltkrieges aus Guttenbrunn . Foto: Katharina Kilzer

Erst vor zwei Jahren hatte Guttenbrunn mit zahlreichen Gästen sein 300-jähriges Gründungsjubiläum gefeiert. Am 8. August 2026 kamen erneut rund 150 Menschen in Guttenbrunn, heute Zăbrani, zusammen. Dieses Mal boten gleich zwei historische Ereignisse den Anlass: Vor 90 Jahren besuchte erstmals eine Delegation aus dem Odenwald Guttenbrunn, und vor 103 Jahren war das Guttenbrunner Kriegerdenkmal eingeweiht worden. Nach seiner umfassenden Restaurierung konnte es nun mit einem neuen Adler feierlich wieder geweiht werden. 

Eine Delegation aus Fürth im Odenwald hatte sich 90 Jahre nach dem ersten Besuch ihrer Vorgänger wieder auf den Weg ins Banat gemacht. Angeführt wurde sie von Bürgermeister Volker Oehlenschläger. Mit ihm waren Dirk Grassinger, Vorsitzender der Gemeindevertretung, Juliette Grassinger, Mitglied des Gemeindevorstandes, der Erste Beigeordnete Klaus Emig sowie Bernd Schmitt, Vorsitzender der CDU-Fraktion, mit seiner Ehefrau Martina Schmitt nach Zăbrani gekommen. 
Die Beziehungen zwischen Guttenbrunn und dem Odenwald reichen allerdings noch weiter zurück. Bereits 1934 waren 21 Guttenbrunner in die Herkunftsorte ihrer Vorfahren gereist. Anlass war unter anderem die Einweihung des Gedenksteins für den aus Guttenbrunn stammenden Schriftsteller Adam Müller-Guttenbrunn in Fürth. Zwei Jahre später, 1936, erfolgte der Gegenbesuch: 31 Gäste aus dem Odenwald und anderen Teilen Hessens und Badens kamen nach Guttenbrunn. Aus diesen frühen Begegnungen entwickelte sich eine Verbindung, die auch nach Krieg und Auswanderung bestehen blieb. 1953 übernahm Fürth die Patenschaft für die Guttenbrunner Gemeinschaft. Über viele Jahrzehnte wurden dort die Heimattreffen der Guttenbrunner veranstaltet. Im Jahr 2003 wurde schließlich die kommunale Partnerschaft zwischen Fürth im Odenwald und Zăbrani geschlossen. Die HOG Guttenbrunn ist bis heute ein Bindeglied zwischen beiden Gemeinden. 

Kriegerdenkmal mit neuem Adler 

Der Festtag begann mit einem feierlichen Hochamt in der römisch-katholischen Kirche von Guttenbrunn, zelebriert von Generalvikar Johann Dirschl, Ortspfarrer Ioan Cădărean und dem griechisch-katholischen Pfarrer Christian Bonte. Nach dem Gottesdienst wurde eine neu geschaffene Gedenktafel mit den Namen der Gefallenen und Vermissten des Zweiten Weltkrieges aus Guttenbrunn eingeweiht. Sie hat ihren Platz im Eingangsbereich der Kirche gefunden. Anschließend versammelten sich die Gäste am hinter der Kirche gelegenen Kriegerdenkmal. Vor 103 Jahren war es errichtet und erstmals geweiht worden. In den Monaten vor dem Fest wurde die Anlage umfassend instandgesetzt. Die Gemeinde Zăbrani stellte dafür Baumaterialien zur Verfügung und übernahm deren Anlieferung sowie den Abtransport des Bauschutts, die HOG Guttenbrunn finanzierte die Arbeitskosten aus Spendengeldern. Besonders auffällig ist der neue Adler, der nach vielen Jahrzehnten wieder seinen Platz an der Spitze des Denkmals gefunden hat. Im Rahmen des Festes wurde das restaurierte Denkmal feierlich wieder geweiht. Bei der anschließenden Kranzniederlegung erklang ein vertrautes Lied: Der aus Schweden angereiste Guttenbrunner Johann Schiller spielte auf der Trompete „Ich hatt‘ einen Kameraden“. Drei junge Mädchen in rumänischer Volkstracht begleiteten die Zeremonie und auch ein Paar in der Guttenbrunner Tracht war an diesem Tag zu sehen. Das gemeinsame Gedenken führte die Festgesellschaft anschließend weiter zum zweiten Kriegerdenkmal vor der orthodoxen Kirche. Auch dort wurde ein Kranz niedergelegt und der Toten gedacht. Eine besonders freundliche Begegnung ergab sich gleich im Anschluss: Beide orthodoxen Pfarrer hießen die Gäste herzlich willkommen und luden sie ein, die Kirche zu  betreten und das Gotteshaus kennenzulernen. Viele folgten dieser Einladung. So bekamen auch die aus Deutschland angereisten Gäste Gelegenheit, einen Blick in die orthodoxe Kirche und damit in einen weiteren Teil des heutigen kirchlichen Lebens von Zăbrani zu werfen. 

Nach den Gedenkfeiern setzte sich das Programm im Kulturheim fort, wo Bürgermeister Dănuț Codrean rund 150 Gäste aus Rumänien und Deutschland begrüßte. Durch das Programm führten Hiltud Reinholz und Argentina Tufor. Zu den Ehrengästen gehörten neben der Delegation aus Fürth auch Iustin Cionca, Präsident des Arader Kreisrats, Pompilia Szellner als Vertreterin des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat sowie der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft der Banater Schwaben Peter-Dietmar Leber. Bürgermeister Volker Oehlenschläger knüpfte in seinem Grußwort an die lange gemeinsame Geschichte von Guttenbrunn und Fürth an und erinnerte an die Wurzeln zahlreicher Guttenbrunner Familien im Odenwald und an die daraus entstandenen Kontakte. Aus den historischen Begegnungen seien über Jahrzehnte persönliche Bekanntschaften und Freundschaften gewachsen. Dass Fürth auch 90 Jahre nach dem Besuch von 1936 wieder mit einer Delegation in Guttenbrunn vertreten sei, unterstreiche die Kontinuität dieser Beziehungen. Auch Peter-Dietmar Leber stellte die gewachsene Verbindung zwischen der früheren Heimat im Banat und den Guttenbrunnern in Deutschland in den Mittelpunkt und würdigte deren kontinuierliche Pflege durch die Heimatortsgemeinschaft. Gerade die Verbindung zwischen HOG, Herkunftsort und Partnergemeinde habe dazu beigetragen, dass Guttenbrunner Geschichte nach der Auswanderung weitergeführt und sichtbar geblieben sei. 

Odenwälder Begegnungen

In ihrer Festansprache erinnerte die HOG-Vorsitzende Hiltrud Leber zunächst an die Reisen von 1934 und 1936, an Professor Emil Maenner und an die historischen Verbindungen der Guttenbrunner Familien zum Odenwald. Von dort spannte sie den Bogen zu der 1953 begründeten Patenschaft und der Partnerschaft zwischen Fürth und Zăbrani und hob die besondere Verbindung von Fürth, Zăbrani und der HOG Guttenbrunn hervor. Die Heimatortsgemeinschaft habe über Jahrzehnte Kontakte gepflegt und dazu beigetragen, die Beziehungen zwischen dem Herkunftsort und Fürth lebendig zu halten. Zugleich ging sie auch auf eine Aufgabe der HOG ein, die mit dem Abstand zur Erlebnisgeneration immer wichtiger wird: Erinnerungen, Familiengeschichten und historische Dokumente müssten festgehalten und an Kinder, Enkel und Urenkel weitergegeben werden. Gleichzeitig gelte es, auch die Menschen einzubeziehen, die heute in Zăbrani leben, und neue Begegnungen zwischen den Gemeinden anzustoßen. 

Dazu passte ein weiterer Programmpunkt des Festes: Die zum 300-jährigen Ortsjubiläum erschienene Chronik „Guttenbrunn 1724–2024“ liegt inzwischen vollständig in rumänischer Sprache vor. Die Übersetzung stammt von Werner Kremm, das Lektorat von Walter Tonta, Layout und Bildbearbeitung lagen bei Johann Rothgerber. Ermöglicht wurden Übersetzung und Druck durch die Förderung von Dr. Swantje Volkmann, Kulturreferentin für den Donauraum am Donauschwäbischen Zentralmuseum in Ulm. Mit der rumänischen Ausgabe wird die über 300-jährige Geschichte des Ortes nun auch den heutigen Bewohnern von Zăbrani in ihrer Sprache zugänglich. Dr. Claudiu Călin stellte die neue Ausgabe vor und Hiltrud Leber überreichte Bürgermeister Codrean die gedruckten Exemplare. 

Für den kulturellen Teil der Feier sorgte unter anderem die Tanzgruppe Banat-JA des Demokratischen Forums der Deutschen in Arad. Sie präsentierte mehrere Tänze und erhielt an diesem Abend eine Guttenbrunner Kirchweihtracht, die Gerlinde Lulay für die Gruppe gespendet hatte. Die Arader Gruppe sammelt Trachten aus den ehemals deutschen Orten des Kreises Arad und trägt sie bei ihren Auftritten. 
Auch die Gemeinde Zăbrani hatte einiges vorbereitet: An das Jubiläum erinnern eigens gestaltete Urkunden, Anstecker und Plaketten sowie eine Broschüre, ein Flyer und ein Rollup über die Geschichte und die Beziehungen der Gemeinden. 
Und weil zu einem Fest schließlich auch etwas Süßes gehört, wartete als besonderer Blickfang eine dreistöckige Festtorte auf die Gäste. Darauf fanden sich die drei Wappen der Gemeinde Zăbrani, der Gemeinde Fürth im Odenwald und der HOG Guttenbrunn wieder. 

So endete ein Tag, an dem vieles zusammenkam: die Erinnerung an die ersten Odenwälder Besucher vor 90 Jahren, die Wiederweihe eines 103 Jahre alten Denkmals, Begegnungen zwischen früheren und heutigen Guttenbrunnern und vor allem viel Zeit für Tanz und Gespräche für die Gäste aus Rumänien und Deutschland. Nach dem großen 300-jährigen Ortsjubiläum von 2024 hatte Guttenbrunn damit schon zwei Jahre später wieder einen guten Grund zum Feiern – und zugleich zum gemeinsamen Gedenken.