Die Kirchweih in Sanktanna im Jahr 2015 und ein kurz darauf folgender Hilferuf der Pfarramtssekretärin Marianne Hellstern zur Notwendigkeit eines neuen Kirchendachs waren der Anlass, einen Förderverein für die Mutter-Anna-Kirche zu gründen. Am 30. April 2016 folgten neunzehn Sanktannaer Landsleute der Einladung zur Gründungsversammlung nach Leingarten im Landkreis Heilbronn. Die Gründungsversammlung hat die ideelle und materielle Förderung und Unterstützung der römisch-katholischen Kirchengemeinde in Sanktanna, insbesondere zum Bauunterhalt und der Sanierung der Kirche, als Satzungszweck bestimmt. Der gemeinnützige Verein ist berechtigt, Zuwendungsbescheinigungen auszustellen.
Spenden und Benefizveranstaltungen
Um den Satzungszweck verfolgen zu können, organisierte der Förderverein, unterstützt von einem Helferteam, jedes Jahr mindestens zwei Benefizveranstaltungen zur Spendenakquise.
Als erstes wurden über 900 Bittbriefe versandt. Parallel dazu fanden Orgelkonzerte in Nürnberg, Stuttgart und Ulm mit dem Organisten Dr. Franz Metz statt. Die aus Sanktanna stammende Sängerin Mara Kayser gab ein Konzert, an dem sich auch der Sanktannaer Freiburger Singkreis musikalisch einbrachte. Mit Konzerten des Chors der Banater Schwaben Karlsruhe, der Blaskapelle Sanktanna unter Leitung von Josef Wunderlich, der Donauschwäbischen Blaskapelle Pforzheim sowie einem Auftritt der Tanzgruppe Leimen flossen weitere Spenden in die Vereinskasse. Das Landespolizeiorchester Baden-Württemberg trat in zwei Benefizkonzerten in Leingarten mit musikalischen Grüßen an das Banat und die Donau auf.
Als Benefizveranstaltungen wurden auch zwei Kulturnachmittage mit informativen Vorträgen organisiert – einer zu den Regionen Maramureș und Bukowina und einer aus aktuellem Anlass zu „Temeswar Kulturhauptstadt Europas 2023 und das Banat“. Referenten waren die Sanktannaer Anton Bleiziffer und Josef Budean. Eine Schülergruppe aus Sanktanna und eine Autorenlesung erweiterten das Kulturprogramm. Michael Reinholz, der Bruder von Mara Kaiser, spielte und sang zweimal für den guten Zweck auf der Bühne.
Ein Traubenball der Gruppe „Topklang“ und ein Faschingsball von „Schlagerzeit – die Band“ brachten weitere Spenden ein, ebenso wie die zwei Aufführungen der „Lustigen Schwaben“. Im April 2027 ist bereits ein Konzertabend mit der Original Donauschwäbischen Blaskapelle Reutlingen geplant.
Renovierungs- und Sanierungsmaßnahmen
Nur ein Jahr nach der Gründung des Fördervereins konnte das Kirchendach saniert werden. Dann war aber noch etwas Geld in der Kasse und man beschloss, weiterzumachen. Die Kirche vollständig zu sanieren, schien damals allerdings außerhalb jeglicher Vorstellung für den Verein. Zunächst brauchte man aber wieder Geld und die Spendenbereitschaft ermunterte zum Weitermachen. Der Verein organisierte weitere Benefizveranstaltungen. Jahr für Jahr erfolgten im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten weitere Sanierungsmaßnahmen, fallweise auch mit finanzieller Unterstützung von dritter Seite.
Im Zuge der Renovierung des Kirchendachs im Jahr 2017 wurden marode Dachsparren ersetzt oder verstärkt und Latten neu aufgebracht, Dachluken wurden eingebaut und Bleche zur Ableitung des Regenwassers erneuert. Das Dach wurde schließlich mit neuen Ziegeln eingedeckt und mit Taubenschutz und Schneeauffanggittern versehen.
2019 erfolgte der Anschluss an die Kanalisation. Dazu musste das Regenwasser vom Dach aufgefangen und mit neuen Fallrohren abgeleitet werden. 2020 wurden die Innenwände trockengelegt, denn das Mauerwerk wies hinter einer Verkleidung Feuchtigkeit auf. Die Verkleidung wurde dazu entfernt und das Mauerwerk ausgekratzt. Während der Austrocknung wurde die Elektrik der Seitenaltäre und der Kreuzwegstationen erneuert.
Im August/September 2020 wurde die Sanierung des Kirchturms in Angriff genommen. Turmkreuz und Turmblech wurden neu gestrichen, die Turmfenster durch Metallfenster ersetzt und der Balkon neu abgedichtet. Die Frontseite wurde mit neuem Farbanstrich versehen und dabei auch die Haupteingangstüre aufgearbeitet. Die Zäune sowie das Kreuz vor der Kirche und die beiden schmiedeeisernen Tore bekamen einen neuen Farbglanz.
Im Jahr 2021 erhielten die Innenwände einen neuen hochwertigen Putz. Zum Teil mussten Stellen an der Innenwand bis zu drei Meter hoch neu verputzt und gestrichen werden. Im Bereich des Herz-Jesu-Altars und des Kreuzaltars wurden die Wände vom Boden bis zur Decke neu gestrichen und die gesamte Decke mitsamt der Deckenmedaillons saniert. Die maroden und vom Holzwurm befallenen Podeste der Seitenaltäre und des Taufbrunnens wurden ersetzt. In dieser Phase wurden auch die vom eingedrungenen Regenwasser beschädigten Decken und Deckengemälde repariert und restauriert, ebenso wie die Wandgemälde in der Vorhalle.
Im Jahr 2022 spendete der Verein neue Teppiche für den Hauptgang und für den Bereich der Seitenaltäre. Sie vermitteln nun die einem Gotteshaus eigene würdevolle Atmosphäre. 2023 wurden die seitlichen Kirchentüren abgebaut und erhaltend restauriert. Schadhafte Stellen des Holzes bei den schweren Kirchentüren wurden ausgebessert.
Das letzte große Projekt war die Sanierung der Fassade. Im Jahr 2024 wurde zunächst mit der Seite zum Altenheim hin begonnen. Die alten Fallrohre der Regenrinne mussten zunächst ersetzt werden. Danach wurden alle Fensterrahmen und Fenstergitter abgeschliffen, neu gestrichen und abgedichtet. Alle Ornamente am Außenputz wurden vor dem Streichen originalgetreu nachgebildet. In den Jahren 2025 und 2026 erfolgte dann die Sanierung der Fassade zum Urbarialhaus. In ihrem oberen Bereich mussten zuerst die Risse im Mauerwerk repariert werden, ihre finale Sanierung wurde im März 2026 begonnen.
Zehn Jahre nach der Gründung des Fördervereins steht die Sanierung der Mutter-Anna-Kirche vor dem Abschluss und sie erstrahlt als alsbald im neuen Glanz. Die Kirche ist ein besonderer Ort, ein weithin sichtbares Wahrzeichen von Sanktanna, Zeugnis der christlichen Tradition jener Väter und Mütter, die einst den Weg ins Banat und nach Sanktanna genommen haben. Für die Sanktannaer ist sie auch ein Ort voller Geschichten und Erinnerungen an ihr früheres Leben. Symbolisch ist sie Heimat für alle, die nicht mehr dort leben. Mit ihrer Sanierung wird ein Stück Identität erhalten. Die Sanktannaer nehmen die Verpflichtung wahr, das kulturelle Erbe ihrer Väter und Mütter zu bewahren. Möge die nachfolgende Generation sich auch diesem Erbe verpflichtet sehen.
Danksagung an die Unterstützer
Dass es gelungen ist, die Finanzierung dieses Großprojekts zu gewährleisten, verdankt der Förderverein den vielen Spenderinnen und Spendern und den Institutionen, die Zuwendungen gewährten. Namentlich gilt unser Dank dem Hochwürdigsten Bischof von Temeswar Josef-Csaba Pál für die Unterstützung seitens des Ordinariats sowie den Hochwürdigen Herren Pfarrern Ladislau Bariak, Ioan Ciuraru, Miklos Erös und Attila Kozovits, die die Sanierung mit Rat und Tat begleitet haben. Zu großem Dank verpflichtet ist der Förderverein dem Abgeordneten im Rumänischen Parlament Ovidiu Ganț für seinen Einsatz beim Kultusministerium, das uns in dankenswerter Weise für das Kirchendach und die Sanierung der Fassaden finanzielle Unterstützung gewährte, sowie dem Präsidenten des Kreises Arad für die finanzielle Unterstützung der Fassadensanierung. Der Förderverein ist auch der Stadt Sanktanna mit Bürgermeister Daniel Tomuță und dem Bundesvorstand der Landsmannschaft der Banater Schwaben mit ihrem Bundesvorsitzenden Peter-Dietmar Leber für die Unterstützung dankbar. Für finanzielle Unterstützung bei der Durchführung von Benefizveranstaltungen danken wir der Kulturreferentin für den Donauraum Dr. Swantje Volkmann. Unser Dank gilt auch der Baufirma „Jozef Clas Construct SRL“ und ihrem Inhaber Iosif Pintye, die alle Sanierungsmaßnahmen fachmännisch, zuverlässig und kooperativ durchführte. Ein herzlicher Dank gilt allen Sanktannaer Landsleuten in der neuen Heimat und in Sanktanna für Spenden, ebenso dem Helferteam in Leingarten für die Unterstützung.
Zu großem Dank verpflichtet ist der Vorstand der Pfarramtssekretärin Marianne Hellstern, die das Sanierungsvorhaben als Projektleiterin vor Ort mit großem Einsatz steuerte. Danke auch an Maria Deaconu für die Unterstützung der Projektleiterin und die Begleitung der Sanierungsmaßnahmen. Den Mitgliedern des Kirchenrats danken wir für ihren Zuspruch zum Sanierungsprojekt, ebenso wie den Landsleuten von Sanktanna, die tatkräftige beim Räumen sowie bei der großen Reinigungsaktion in der Kirche mithalfen. Mögen alle Beteiligten für ihr Engagement für die Mutter-Anna-Kirche mit Gottes reichem Segen beschenkt werden.
In einem Kirchenlied heißt es: „Ein Haus voll Glorie schauet, weit über alle Land, von ewigem Stein erbauet, von Gottes Meisterhand“. Damit die Mutter-Anna-Kirche weiterhin „voll Glorie schauet“ weit ins Banater Land, bedurfte es des Engagements von Menschen, die ein Herz für die Heimat haben. Solche Menschen haben sich im Förderverein hier und in Sanktanna zusammengefunden oder als Helfer und Spender engagiert. Möge ihnen allen Gottes reicher Segen beschieden sein.
Der Erfolg der Sanierung der Mutter-Anna-Kirche ist Genugtuung für alle Anstrengungen und Mühen der vergangenen zehn Jahre. Möge sie der Kirchenpatronin zur Ehre, der Stadt Sanktanna zur Zierde und dem Gotteshaus zur Glorie gereichen.











