Seit 1998 sind die „Hatzfelder Tage“ ein fester Termin im Veranstaltungskalender der Heimatortsgemeinschaft Hatzfeld wie auch vieler ihrer Mitglieder. Auch wenn in den letzten Jahren ein spürbarer Rückgang der Besucherzahlen aus Deutschland zu verzeichnen ist, bleibt das Stadtfest ein wichtiger Bezugspunkt im Wirken der HOG, ermöglicht es doch neben Begegnung und Austausch die Umsetzung satzungsmäßiger Vereinsziele. In diesem Sommer wurde das traditionsreiche Fest bereits zum 27. Mal gefeiert, und zwar vom 24. bis 26. Juli. Die HOG war durch die Vorstandsmitglieder Josef Koch, Walter Tonţa und Anita Pătruţi sowie Kassenprüfer Udo Friedmann vertreten. Angereist war auch die Kulturreferentin für den Donauraum am Donauschwäbischen Zentralmuseum (DZM) Ulm Dr. Swantje Volkmann.
Ausstellung zur Ziegelindustrie
Das Stadtfest startete diesmal mit einer Ausstellungseröffnung, zu der sich viele Besucher auf dem Vorplatz des Kulturhauses eingefunden hatten. Die großangelegte Schau mit dem Titel „Mit allen Ziegeln auf dem Haus. Die Geschichte der keramischen Industrie in Hatzfeld“ widmet sich einem wichtigen Kapitel der Orts- und der Banater Industriegeschichte. Die Bohn’sche Ziegelfabrik beziehungsweise, nach deren Nationalisierung, die „Ceramica“-Ziegelei prägten mehr als ein Jahrhundert die Wirtschaft des Heidestädtchens und das Leben vieler seiner Bewohner. Die Ausstellung erinnert an eine untergegangene Welt, die nach und nach aus dem kollektiven Gedächtnis zu verschwinden droht.
Der Hatzfelder Kulturmanager Sergiu Dema, der die Ausstellung gemeinsam mit der Museologin Cristina Dema und dem bildenden Künstler Theophil Soltesz kuratiert hat, lud die Besucher zu einem geführten Rundgang ein. Die Ausstellung beeindruckt allein durch ihren beträchtlichen Umfang, vor allem aber durch ihr fundiertes inhaltliches und ihr durchdachtes Gestaltungs- und Vermittlungskonzept. Anhand von Objekten, Fotografien, Dokumenten, Installationen, Videoprojektionen und interaktiven Bereichen lassen sich die einzelnen Schritte des Ziegelherstellungsprozesses von der Gewinnung des Rohmaterials aus den Tongruben über dessen Verarbeitung bis hin zu den Endprodukten nachvollziehen. Der Rundgang bietet ein unmittelbares, objektbezogenes und mehrsinnliches Erlebnis.
Einen zentralen Platz in der Ausstellung nimmt zwar die langlebige und leistungsstarke Bohn-Fabrik ein, jedoch finden auch die kleineren, heute kaum noch bekannten Unternehmen der Keramikbranche Berücksichtigung. Die Porträts von Industriellenpersönlichkeiten wie Michael Bohn, Josef Treiss oder Jakob Muschong erzählen von Unternehmergeist, von Konkurrenzkämpfen und wirtschaftlichen Konflikten, von Krisen und vom Niedergang der von ihnen geführten Unternehmen. Die Ausstellung lenkt die Aufmerksamkeit aber auch auf die Arbeiter und die ausgeübten Berufe, auf die Arbeitsbedingungen und Arbeitskämpfe sowie das soziale Leben rund um die Betriebe.
Der von Sergiu und Cristina Dema herausgegebene 88-seitige Begleitband „Amprente în lut. În căutarea fundaţiilor de cărămidă ale Jimboliei“ (Spuren im Ton. Auf der Suche nach den Ziegelfundamenten Hatzfelds) dokumentiert in Text und Bild die Geschichte der Ziegelfabrikation in Hatzfeld. Das informative, gefällig gestaltete Heft ist ebenso empfehlenswert wie der Besuch der Ausstellung selbst, die noch bis zum 20. Dezember 2026 zu sehen ist.
Offizielle Eröffnung des Stadtfestes
Zur offiziellen Eröffnung der „Hatzfelder Tage“ begrüßte die stellvertretende Bürgermeisterin Maria-Andra Buduran die Gäste aus nah und fern und unterstrich den hohen Stellenwert des Festes im Veranstaltungskalender der Stadt. Mit seinem vielfältigen Programm locke es Jahr für Jahr zahlreiche Besucher an und wirke mit seinen kulturellen, sportlichen, religiösen und geselligen Angeboten sinnstiftend und identitätsfördernd, so die Vizebürgermeisterin. In diesem festlichen Rahmen wurde sodann dem Schüler Luca Lazăr der von Prof. Dr. Franz Quint gestiftete Preis für besondere Leistungen in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik überreicht. Dank der bei Wettbewerben und Olympiaden erzielten sehr guten Ergebnisse erweise sich der Schüler der Hatzfelder Gymnasialschule der Auszeichnung würdig, begründete Mathematiklehrer Ovidiu Geambazu die Entscheidung.
In seinem Grußwort wies der Ehrenvorsitzende der HOG Hatzfeld Josef Koch auf die Teilnahme des Vereins an allen 27 Auflagen sowie die aktive Mitgestaltung des Stadtfestes hin. Dies sei ein Ausdruck der engen freundschaftlichen Beziehungen und der fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen der HOG und der Stadtverwaltung. Der Vizebürgermeisterin sprach er dafür im Namen des Vereins und auch persönlich seinen Dank aus. Die HOG werde auch in Zukunft auf Mitarbeit und Kooperation mit den städtischen Behörden und Institutionen setzen, versicherte anschließend Walter Tonţa. Der HOG-Vorsitzende dankte Josef Koch für seinen jahrzehntelangen unermüdlichen Einsatz. Mit seinem Namen sei eine Vielzahl von Projekten und Veranstaltungen verbunden, die insbesondere auf die Bewahrung des kulturellen Erbes und die Pflege der Erinnerungskultur abzielten. Diese Aufgabe werde die HOG auch zukünftig wahrnehmen, beteuerte der Redner. Mit dem Hinweis, dass das von der HOG jährlich herausgegebene „Heimatblatt Hatzfeld“ eine Brücke schlage zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen neuer und alter Heimat, überreichte er Maria-Andra Buduran die aktuelle Ausgabe des Heftes.
Klassisches Konzert und Bărăgan-Ausstellung
Anschließend kamen die Musikliebhaber in den Genuss eines klassischen Konzerts. Die dritte Auflage des Brigitte-Bartzer-Festivals für klassische Musik fand erstmals im Rahmen der „Hatzfelder Tage“ statt. Von der Pianistin Aida Marc, Dozentin an der Temeswarer Musikfakultät, initiiert und organisiert, sind die jährlichen Konzerte dem Andenken der Musikpädagogin Brigitte Bartzer (1929-1988) gewidmet, die Hunderte von Kindern und Jugendlichen unterrichtet und vielen von ihnen die Liebe zur Musik vermittelt hat. Etablierte Künstler und junge Nachwuchstalente – darunter vier mit Hatzfelder Wurzeln – boten auf der Bühne des Kulturhauses anspruchsvolle Vokal- und Instrumentalstücke dar, womit sie dem Publikum einen Hörgenuss der besonderen Art bereiteten.
Im Stefan-Jäger-Haus fand am frühen Nachmittag die Präsentation der Ausstellung „Finef Johr vun meim Lewe. Die Deportation in die Bărăgan-Steppe Rumäniens 1951-1956“ statt. Hatzfeld war die zweite Station der Wanderausstellung, die erstmals beim diesjährigen Heimattag der Banater Schwaben in Ulm gezeigt wurde. Walter Tonţa, Betreuer des Kultur- und Dokumentationszentrums der Banater Schwaben in Ulm, der zusammen mit der Kulturreferentin für den Donauraum am DZM Dr. Swantje Volkmann für die Konzeption verantwortlich zeichnet, stellte die Ausstellung kurz vor, wonach er das schwere Schicksal der Deportierten am Beispiel einer Hatzfelder Familie (Anna Weggesser mit ihren Kindern Johann, Anna und Hedwig) anhand überlieferter Briefe aus ihrem Verbannungsort Dropia veranschaulichte. Für das Publikum lagen Begleithefte zur Ausstellung in deutscher und rumänischer Sprache aus.
Zusammenkunft im Deutschen Forum
Ein fester Bestandteil der „Hatzfelder Tage“ ist seit Anbeginn der Begegnungsnachmittag im Hof des Deutschen Forums. Der Einladung zu diesem „Generationentreffen“ sind auch diesmal zahlreiche in Hatzfeld lebende wie auch zu Besuch weilende Landsleute aus Deutschland gefolgt. Zu den Ehrengästen zählten der Abgeordnete der deutschen Minderheit im rumänischen Parlament Ovidiu Ganţ, die Kulturreferentin Dr. Swantje Volkmann, der Hatzfelder Seelsorger Daniel Pozsonyi sowie der HOG-Ehrenvorsitzende Josef Koch. Der Forumsvorsitzende Dr. Hademar Böss begrüßte die Gäste und hob die Bedeutung des jährlichen Treffens hervor, das zur Stärkung des Zusammenhalts der deutschen Gemeinschaft beitrage. Der Bezug zum Heimatort und die Mitverantwortung für die Bewahrung seines kulturellen Erbes seien Teil der DNA der HOG Hatzfeld, unterstrich deren Vorsitzender Walter Tonţa in seinem Grußwort. Er dankte dem Ortsforum für die Organisation dieser traditionellen Zusammenkunft, die Raum für Begegnung und regen Austausch schaffe.
In diesem Jahr stellte das Wetter die Veranstalter und Besucher vor eine Herausforderung. Immer wieder gingen kräftige Regenschauer nieder. Dennoch ließen sich die Gäste die gute Stimmung nicht verderben und feierten gemeinsam weiter. Und auch der von allen mit Spannung erwartete kulturelle Höhepunkt des Nachmittags, der Auftritt der Tanzgruppen der „Hatzfelder Pipatsche“, fiel nicht aus. Sowohl die Kinder- als auch die Jugendtanzgruppe ließen sich vom Regen nicht beirren und sorgten mit ihren Volkstanzvorführungen für Begeisterung beim Publikum.
Gedenkfeier am Denkmal der „Sieben von Hatzfeld“
Am Samstag, dem 25. Juli, veranstaltete die HOG Hatzfeld eine Gedenkfeier am Grabdenkmal der sieben antifaschistischen Kämpfer – so der gängige Topos –, die Mitte September 1944, unmittelbar nach der Besetzung der Ortschaft durch deutsche Truppen, auf Befehl eines Funktionsträgers der Deutschen Volksgruppe in Rumänien und unter Mitwirkung der Ortsgruppenleitung von Männern der Waffen-SS ermordet wurden.
Das Denkmal hat den Status einer Ehrengrabanlage, für deren Instandhaltung und Pflege die Stadt Hatzfeld aufzukommen hat. Da sich die Anlage in einem unansehnlichen Zustand befand, hatte die HOG der Stadtverwaltung den Vorschlag unterbreitet, die Restaurierung des Grabdenkmals gemeinsam zu bewerkstelligen. Infolgedessen sorgte die Stadtverwaltung für die Reinigung der Erinnerungsstätte, während die HOG für die Erneuerung der Inschriften auf dem Denkmal und den Grabplatten aufkam.
Der HOG-Ehrenvorsitzende Josef Koch, dem die Verwirklichung des Restaurierungsprojekts zu verdanken ist, rief in einer kurzen Ansprache die Ereignisse im Herbst 1944 in Erinnerung, in deren Zuge sieben unbescholtene Bürger mit dem Leben bezahlen mussten, nur weil sie andere politische Ansichten als die tonangebenden Nationalsozialisten vertraten. Dieser inhumane Akt sei ein trauriges Kapitel der Ortsgeschichte und dürfe nicht aus dem kollektiven Gedächtnis der Stadt entschwinden, mahnte Josef Koch. Mit der Restaurierung des Denkmals der „Sieben von Hatzfeld“ habe die HOG ein Zeichen gegen das Vergessen gesetzt. Der Stadtverwaltung dankte der Redner für die gute Zusammenarbeit.
Anschließend ergriff Valerică Niculescu das Wort. Seit vielen Jahren setzt er sich für die Aufarbeitung der Geschehnisse vom September 1944 ein, denen auch sein Großvater Nikolaus Petri zum Opfer gefallen ist, und macht sich dafür stark, dass die „Sieben von Hatzfeld“ wieder den ihnen gebührenden Ehrenplatz in der Geschichte des Ortes einnehmen. Er ordnete zunächst die tragischen Ereignisse in ihren historischen Kontext ein, um dann auf die Festnahme und Erschießung der als Gegner des Nationalsozialismus bekannten Männer und schließlich auf die Instrumentalisierung ihres Opfers durch die Kommunisten sowie die Tilgung ihrer Namen von den Straßenschildern nach der politischen Wende in Rumänien einzugehen.
Daran anknüpfend, betonte Walter Tonţa in seiner Ansprache, dass die kritische Auseinandersetzung mit der belasteten Vergangenheit eine unabdingbare Voraussetzung sei, um der historischen Wahrheit zum Durchbruch zu verhelfen. Der HOG-Vorsitzende wertete die Gedenkfeier als ein – wenn auch spätes – Zeichen dafür, dass sich die Hatzfelder deutsche Gemeinschaft zu ihrer Geschichte mit all ihren Licht- und Schattenseiten bekenne und dem Opfer der „Sieben von Hatzfeld“ die gebührende Anerkennung entgegenbringe. Er schloss mit dem Appell: „Ihr Opfer sollte uns heute Mahnung und Ansporn sein, für Freiheit, Demokratie und Frieden einzustehen.“ Die Gedenkfeier endete mit einer kurzen Andacht und der Segnung des Grabdenkmals durch Pfarrer Daniel Pozsonyi.
Beisammensein nach der heiligen Messe
Der Hatzfelder Seelsorger stand am nächsten Vormittag auch der heiligen Messe in der Pfarrkirche St. Wendelin vor. Die sonntägliche Messe zelebrierte Pfarrer Pozsonyi in rumänischer und deutscher Sprache und kam damit einem im vergangenen Jahr von den aus Deutschland angereisten Gläubigen geäußerten Wunsch entgegen. Die gesamte Liturgie, die ansprechende Predigt, die Orgelklänge und der Chorgesang weckten bei den Gläubigen ein erhabenes Gefühl und riefen bei den in der alten Heimat weilenden Landsleuten Erinnerungen an vergangene Zeiten wach. Zur Tradition gehört das Beisammensein der deutschen Gläubigen im Hof der Kirche im Anschluss an den Gottesdienst. Bei schönem Wetter kam man miteinander ins Gespräch und tauschte sich über Vergangenes und Gegenwärtiges aus.
Alles in allem war das diesjährige Hatzfelder Stadtfest eine gelungene Mischung aus Kultur, Musik, Sport und Unterhaltung. Zu dessen Gelingen leistete auch die Heimatortsgemeinschaft Hatzfeld wieder ihren Beitrag.
Walter Tonţa










