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Im Fahrwasser der Ulmer Schachteln: Radtour auf den Spuren der Ahnen

Ankunft in Wien beim Denkmal von Maria Theresia. Fotos: Erhard Kolleth

Die Radlergruppe bei der Abfahrt aus Ulm vor der Ulmer Schachtel am Donauschwäbischen Zentralmuseum.

Karin Ortmann und Anita Maurer zeigen die eigens für die Tour gedruckten T-Shirts.

Eine kleine Gruppe radlbegeisterter Banater Schwaben des Kreisverbands Fürth fand zusammen, um „Auf den Spuren ihrer Ahnen – Im Fahrwasser der Ulmer Schachtel“ von Ulm nach Wien zu radeln. Über 10 Tage, vom 4. bis zum 14. Juni 2026, war die für die Strecke geplante Zeitspanne. Als Team ließen wir uns für diese besondere Tour auch passende T-Shirts drucken, die wir während der Tour als unser „Markenzeichen“ trugen. Teilnehmer waren Anita und Daniel Maurer, Helene und Hermann Klaskin, Renate und Erwin Schulz, Gerlinde und Jimmy Schwiegerath, Karin und Eduard Ortmann und unsere Tochter Julia, die extra dafür aus Wien angereist ist. Erhard Kolleth begleitete die Tour als „Mann für alles“ mit dem Auto mit Anhänger, er war mit Werkzeug und allem ausgestattet, was man auf so einer Fahrradtour brauchen könnte.

Er brachte auch die Fahrräder samt Gepäck zum Startpunkt, dem Donauschwäbischen Zentralmuseum in Ulm. Wir anderen fuhren mit dem Zug. Um 10 Uhr machten wir (mit dem Banner des KV Fürth) noch ein Gruppenfoto an der „Ulmer Schachtel“, die als Modell neben dem DZM steht. Einen kurzen Fotostopp gab es noch am Donauschwabenufer, aber dann ging es auf dem Donauradweg über Lauingen bis Donauwörth. Ein Gewitter teilte die Gruppe: einige radelten danach bei Regen weiter, die weniger Tapferen ließen sich im Auto mitnehmen. Damit hatten wir gleich am ersten Tag eine der längsten Etappen von 90 km bewältigt.

Der zweite Tag führte am Schloss Leipheim und über Neuburg an der Donau (wo wir Mittagspause machten) nach Ingolstadt, die Patenstadt der Banater Schwaben in Bayern. Hier gibt es Erinnerungen an unsere Ahnen, die wir gewissenhaft erkundeten: das moderne Denkmal der Banater Schwaben am Donauufer und den Banater Weg im Klenzepark. Doch es gibt auch „gegenwärtige“ Zeugnisse unserer Kultur, wie das Banater Seniorenzentrum Josef Nischbach. Von den Bewohnerinnen Elfriede Andor (aus Deutschbentschek) und Anna Bischof (aus Orzydorf) wurden wir dort sehr herzlich empfangen. Frisch gebackene Bäckerkipfl und Grammlbogatschl warteten auf uns. Elfriede Andor ließ es sich nicht nehmen, uns durch das Haus zu führen. Viel Wärme und Freude durften wir spüren, bevor wir schließlich in unsere Unterkunft weiterzogen. Die Tagesetappe betrug 71 km. 

Der dritte Tag führte über Regensburg nach Straubing. Allerdings fuhren wir erst einmal mit dem Zug nach Regensburg, um erst von dort wieder den Radweg zu nehmen. Die „Steinerne Brücke“, die älteste Brücke Deutschlands, war unser erster Zwischenstopp. Bald kamen wir an der bekannten Ruhmeshalle, der Walhalla, vorbei. Über Feld und Flur, bei strahlend blauem Himmel und viel Sonnenschein fiel das Radeln auch an Tag 3 nicht schwer. Immer wieder war mal eine Trinkpause drin und die eine oder andere  kleine    Tanzeinlage durfte natürlich auch nicht fehlen. 

Unseres Tour-T-Shirts bescherten uns immer wieder sehr angenehme Erfahrungen. Wir wurden öfter darauf angesprochen: „Oh, Banater Schwaben“ – für manche schien es ein vertrauter Begriff. Andere zeigten sich neugierig, fragten nach, wer denn die Banater Schwaben sind, woher sie kommen. Uns wurde damit erst bewusst, wieviel Aufmerksamkeit man nur durch das Tragen eines T-Shirts erreichen und wie locker man ins Gespräch über unsere Geschichte kommen kann. Nach einer Tagesetappe von 58 km erreichten wir Straubing.

Inzwischen waren wir ein gut eingespieltes Team. Nach dem Frühstück wurden morgens die Fahrräder startklar gemacht und die Gepäckstücke verladen. Tag 4 sollte uns bis Passau führen. Aufgrund von Baumaßnahmen zum Hochwasserschutz mussten wir allerdings an diesem Tag sehr viele Umleitungen fahren. Dies wirkte sich auf die Zeit und die gefahrenen Kilometer aus. 

Die Landschaft war aber sehr schön, vorbei an vielen Getreide- und Pipatsch-Feldern. Da blühte das „Schwoweherz“ auf. In der schönen Altstadt von Deggendorf standen wir in einem Café angesichts der riesigen Auswahl an Kuchen und Torten vor einer schwierigen Entscheidung. Dieses „Problem“ der zu großen Auswahl an Kuchen sollte uns für den Rest unserer Reise begleiten. Frisch gestärkt kamen wir über Vilshofen am späteren Nachmittag in der Dreiflüssestadt Passau an. Der Kuchen war nötig gewesen, denn an diesem Tag hatten wir wegen der Umleitungen unglaubliche105 km zurückgelegt. Das brachte alle schier an ihre Grenzen.

Mitten in Passau hatten wir bei der Suche nach einem Bäcker wieder mal ein witziges Erlebnis mit unseren T-Shirts: „Bist Du a Schwob? Ich a, ich kumm aus Kowatschi“. Bevor es weiterging, wollten wir erst einmal die Dreiflüssestadt Passau besichtigen. Besonders spektakulär ist der Ort, wo die drei Flüsse Ilz, Inn und Donau zusammenfließen und dann gemeinsam als Donau ihren Lauf zum Schwarzen Meer fortsetzen. Danach ging die Radtour auf dem Donauradweg weiter und bald passierten wir schon die Grenze nach Österreich. Die ganze Zeit verlief der Weg direkt am Fluss, mit einem herrlichen Blick auf die wunderschöne Landschaft. Eduard ließ es sich nicht nehmen, auf die Plattform „Schlögener Donaublick“ zu wandern, um den atemberaubenden Panoramablick auf die beeindruckende Flusslandschaft zu genießen. Bevor wir unser Tagesziel Aschach erreichten, gab es noch ein Tänzchen direkt am Ufer. Die Tagesetappe an Tag 5 betrug 75 km.

Am Tag darauf erwartete uns wieder ein besonderes Highlight unserer Reise: Marchtrenk in Oberösterreich. Die Wettervorhersage war für den Nachmittag etwas schlechter, daher fuhren wir zügig los. Das erste Zwischenziel Linz durchquerten wir zügig und kamen gegen Mittag in Marchtrenk an. Hier wurden wir erwartet, Bürgermeister Paul Mahr (mit Schöndorfer Wurzeln) empfing uns im Rathaus.  Er ist seit 13 Jahren Bürgermeister in Marchtrenk und konnte viel über die Stadt erzählen. Auch über die Donauschwaben, die ein wichtiger Bestandteil der Ortsgeschichte sind, denn in den 1950er Jahren ließen sich viele Heimatvertriebene, auch Donauschwaben, im Ort nieder. Mahr ist selbst Obmann der Donauschwaben in Oberösterreich. In das neue Heimatmuseum Marchtrenk durften wir schon mal reinspitzen, obwohl die Eröffnung erst für Anfang Juli anberaumt war. Der Bürgermeister lud uns an diesem Abend noch in den urigen Gasthof Roitmeier ein, wo wir den Radltag mit nur 57 km ausklingen lassen konnten.

Am Tag 7 unserer Tour machte uns das schlechte Wetter leider einen Strich durch die Rechnung. Die Etappe hätte uns über 75 km von Marchtrenk ein gutes Stück an der Traun entlang nach Grein geführt. Für den Regentag brauchten wir einen Plan B. 
Nach der Lagebesprechung bildeten wir zwei Teams: Eins davon fuhr mit den Fahrrädern im Zug, das zweite fuhr bei Erhard im Auto mit, die Fahrräder im Hänger. Beide Teams kamen fast gleichzeitig in der Unterkunft in Grein an. Leider hielt der Dauerregen an und uns blieb nur eine kleine Stadtbesichtigung bei Regen. Mit Regenoutfit und Schirm wanderten wir sogar noch bis zum Schloss Greinburg hoch. So konnten wir doch noch das Beste aus diesem verregneten Tag herausholen. Wir sahen es auch als „Erholtag“: null Kilometer geradelt, dafür gut erholt und weiterhin sehr motiviert für die Weiterfahrt am nächsten Morgen.

Der brachte uns wieder besseres Wetter und wir radelten über Emmersdorf (das Tor zur Wachau) in die „Marillenstadt“ Krems. Vor dem Start in Grein gab es aber noch das klassische Starterfoto an der Donau. Das Wetter war durchwachsen, die Regenjacken mussten mal an-, mal ausgezogen werden. Auch von ein paar Tropfen blieben wir nicht verschont. 

Die Unterkunft in Krems war wunderschön und unbeschreiblich: ein ehemaliges Kloster mit einer angeschlossenen „Eventhalle“ (der früheren Kirche). Auf Empfehlung ging es zum Abendessen in die „Schwarze Kuchl“, ein uriges Gasthaus mit sehr leckeren Speisen. Zum Abschluss des Tages gab es noch eine Marillenlikör-Verkostung, für die unser Erhard vorausschauend gesorgt hatte. Damit fand unsere Tagesetappe von 81 km ein sehr fröhliches Ende. 

Nun waren wir bei der letzten Etappe angekommen. In Krems machten wir vor der Weiterfahrt noch eine kleine Tanz-Pause an der Donau mit dem Walzer „Wenn die Donau fließt nach Süden“ und der Polka „Bei den Donauschwaben“. Die verwunderten und belustigten Blicke der vorbeifahrenden Radler kann man sich lebhaft vorstellen. Die Strecke war nun Richtung Wien stark befahren, doch es ging fast immer an der Donau entlang, was wir sehr genossen haben. Auf halber Strecke lag Tulln, da stärkten wir uns, wie schon die Tage davor immer, mit Kaffee und Kuchen. Und natürlich auch mit Eis, das gehörte mittlerweile zu unserem täglichen Ritual. Auf dem Hauptplatz war Markttag, die Marillen aus der Wachau waren nicht zu übersehen. 

Unser Endziel nahte und die Aufregung und die Vorfreude wurden immer größer. Am Nachmittag fuhren wir in der Hauptstadt Wien ein, dem Ziel unserer Radreise! Das genaue Ziel war am großen „Maria Theresia“- Denkmal, so wurde es unserem Motto „Auf den Spuren der Ahnen“ gerecht. Ein Glücksmoment, der sich nicht in Worte fassen lässt! Mit Freudentränen überströmt fielen wir uns in die Arme, die Emotionen brachen aus uns heraus. Wir waren unglaublich stolz auf uns. Und auch glücklich und froh, weil diese Tour ohne Unfälle oder Zwischenfälle verlaufen ist. Die letzte Tagesetappe hatte 87 km. Das restliche Wochenende in Wien wollten wir ohne Fahrrad verbringen. Am Abend belohnten wir uns in der „Palatschinkenkuchl“ mit allen nur erdenklichen Mehlspeisen.

Auch wenn der Tag in Wien nicht in die Fahrradbilanz fällt, wandelten wir trotzdem „auf den Spuren der Ahnen“. Wie schon jeden Tag zuvor starteten wir mit einem Frühstück beim Bäcker, danach spazierten wir durch die Stadt: Hofburg, Graben, über die Kärntner Straße zum Stephansdom und über den Naschmarkt. 

Am Nachmittag stand ein Besuch auf dem Zentralfriedhof auf dem Plan. Nicht nur Friedhof, sondern auch Kulturstätte, denn einige namhafte Persönlichkeiten sind dort begraben. Für uns Banater Schwaben ist das Grab von Adam Müller-Guttenbrunn am berühmtesten. Auf dem Friedhof kann man eine Rundfahrt mit der Kutsche oder eine Führung buchen und im Café einen leckeren Kuchen genießen.

Am Abend ließen wir uns im „Salm Bräu“ die besten Schnitzel der Stadt schmecken. Danach wartete noch die Krönung unserer Reise auf den Spuren der Ahnen auf uns: ein Besuch des Musicals „Maria Theresia“ im wunderschönen Ronacher-Theater. „Die Mutter der Nation“ hatte im 18. Jahrhundert als Regentin der Habsburgermonarchie den Hauptanteil der Siedler ins Banat geholt. Die komplizierten historische Ereignisse wurden in dem Musical modern dargestellt. Wunderschöne Kostüme, ein anspruchsvolles Bühnenbild und die grandiose Livemusik rundeten den Gesamteindruck ab. Das Musical war ein Genuss für Augen und Ohren, eines der schönsten, die wir je gesehen haben. Auch ohne Fahrrad hatten wir an Tag 10 eine beachtliche Bilanz von ca. 15 km (21800 Schritte).

Nun nahte der Abschied und Wehmut kam auf. Doch wir wussten: „Das alles nimmt uns niemand mehr“ – dieses Lied hatte uns auf dieser einmaligen Fahrradtour täglich begleitet und spiegelte perfekt unsere Befindlichkeit. Wir erlebten wunderschöne, erlebnisreiche, beeindruckende und harmonische Tage, die Gruppe hat schön harmoniert. Wir haben viel gelacht, Blödsinn gemacht, auf dem Donauradweg getanzt und jede Minute genossen. Diese unvergessliche Fahrradtour zeigt, was Gemeinschaft möglich macht!