zur Druckansicht

Rückblick auf ein gelebtes Jahrhundert - Zum 100. Geburtstag von Susanna Bücher

Ein besonderer Anblick, der nicht vielen Menschen vergönnt ist: vier Generationen auf einem Foto (v. li.): Lisa Bücher, Mathea Kubica, Anita Bücher, Susanna Bücher, Simone Kubica, geb. Bücher mit Juna und Franz Bücher. Foto: Anita Bücher

100 Lebensjahre zu erreichen ist eine Gnade, die nicht jedem gewährt wird. Der 100. Geburtstag ist ein besonderes Ereignis, für die Jubilare selbst, aber auch für die Familie und die Nahestehenden. Ein Jahrhundert bringt viele Ereignisse mit sich, grundlegende gesellschaftliche Veränderungen prägten in dieser Zeit den langen und erfüllten Lebensweg meiner Oma Susanna Bücher aus Bogarosch, die diesen besonderen 100. Geburtstag am 31. August begeht. Anlass genug, um einige Stationen dieses langen Lebenswegs näher zu beleuchten.

Susanna wurde am 31. August 1926 in Bogarosch als einziges Kind der Eheleute Nikolaus und Barbara Sadorf geboren. In ihrem Geburtsort verbrachte sie eine unbeschwerte Kindheit und besuchte auch die Schule. Ihren Enkeln erzählte sie von den Lehrern Josef Hubert, Andreas Kovacs, Josef Schaus und Anna Bieber. Sie gaben den Schülern damals die Werkzeuge für den weiteren Lebensweg an die Hand.

Eingebunden in das Werk- und Feiertagsleben ihres landwirtschaftlich geprägten Heimatortes verlebte sie ihre Jugendjahre. Ein Einschnitt war jener Januar 1945, an dem sie mit vielen anderen Landsleuten zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion deportiert wurde. Das Lager Jenakiewo im Donezbecken an der russisch-ukrainischen Grenze sollte für fast drei entbehrungsreiche und schwierige Jahre ihr erzwungener Wohnort werden. 1947 wurde sie entlassen und kehrte nach Bogarosch zurück. Zuhause angekommen, fand sie eine grundlegend veränderte Heimat vor, wirtschaftliche und soziale Umwälzungen stellten die Heimkehrer vor neue Herausforderungen. Im Jahr 1954 heiratete sie meinen Großvater Anton Bücher, der aus dem Nachbardorf Lenauheim stammte. Die jungen Eheleute waren beide „Kollektivisten“. Bei der örtlichen, neu gegründeten Landwirtschaftlichen Genossenschaft verdienten sie sich ihren Lebensunterhalt.

Neben der Arbeit in der LPG galt es, die Familie zu versorgen und den Haushalt zu führen. Mein Vater Franz kam 1955 zur Welt, somit lebten, Omas Eltern mitgerechnet, drei Generationen unter einem Dach in der Bogaroscher „letscht Gass“. In Laufe der Zeit wurde es stiller im Haus, 1962 bzw 1977 verstarben die Urgroßeltern. 1970 zog mein Vater nach Temeswar, um eine Schneiderlehre zu beginnen, dort lernte er seine spätere Ehefrau Rosita, meine Mutter, kennen. Das Paar gab sich 1980 in der Freidorfer Kirche das Ja-Wort. 1981 wanderte die junge Familie in die Bundesrepublik Deutschland aus, wo ich 1981 geboren wurde. Meine Schwester Simone kam 1987 zur Welt.

Die Großeltern, beide nun schon um die 60 Jahre alt, blieben zunächst allein in Bogarosch zurück, jedoch wanderten auch sie im Herbst 1987 nach Deutschland aus. Diese Auswanderung bedeutete wiederum eine neue Herausforderung, galt es doch, sich in der zwar erwünschten, aber bis dahin ungewohnten Umgebung einzuleben. München, wo meine Eltern sich niederließen, sollte auch ihre neue Heimat werden.

Seit ihrer Ankunft kümmerten sich unsere Großeltern um uns, während meine Eltern berufstätig waren. Nach wie vor, auch im hohen Alter, verwöhnt Oma uns kulinarisch mit der ganzen Palette Banater Köstlichkeiten. „Niemand kocht und backt so gut wie sie …“. Nach fast 50jähriger Ehe meiner Großeltern mussten wir im Jahre 2004 Abschied nehmen vom Ehemann, Vater und Opa Anton Bücher.

Die Zeit verging, eine Generation löst die andere ab. Die Geburt meiner Tochter Lisa sowie meiner Nichten Mathea und Juna brachten jedoch neues Leben in die Familie. Als stolze Uroma nimmt die Jubilarin noch regen Anteil am Familienleben. Bis heute lebt sie, mit Hilfe und Unterstützung der Familie, in ihrer eigenen Wohnung, wo wir sie gerne, oft und hoffentlich noch lange, besuchen.