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Ein unvergessliches Fest - Hochzeitsaufführung nach Deutschsanktpeterer Brauchtum

Zu Beginn der Aufführung der „Zamphedrer Hochzeit“ wurde das glückliche Brautpaar herzlich im Saal begrüßt. Fotos: Florian Gitzing

Beim „Brautabbinne“ nimmt die Taufpatin der Braut den Schleier ab und bindet ihr ein Kopftuch um.

Der Einladung zur „Zamphedrer Hochzeit“ am 20. Juni 2026 ins Donauschwabenhaus nach Frankenthal folgten 280 Gäste. Die Freude war groß als wir die Zamphedrer Landsleute und die vielen Kinder, Enkel und Urenkel begrüßen konnten. Herzlich willkommen hießen wir auch die Banater Schwaben aus den Nachbardörfern und aus dem gesamten Banat sowie auch Gäste ohne Banater Wurzeln, die alle erleben konnten, wie die Tradition der Zamphedrer Hochzeit über 300 Jahre bewahrt und gepflegt wurde und unsere Gemeinschaft geprägt hat. Dank gebührt unserem charmanten Brautpaar, das in Eleganz und Perfektion die Szenen einer Zamphedrer Hochzeit nachspielte. Zwei leidenschaftliche Zamphedrer Musiker sorgten für die entsprechende Begleitung während der Aufführung, Heini Lindner mit dem Keyboard und Stefan Köpf mit dem Akkordeon. Roland Huss illustrierte die Aufführung mit Fotos von einer Hochzeit aus den 1980er Jahren, im Hof der Braut und von der Trauung in der schön geschmückten Kirche. Glücklich und dankbar waren wir über die Zusagen von Florian Gitzing als Fotograf, Roland Huss, Linde und Nicki Laub für die Filme, sowie Johann Becker für die Zeitungsanzeigen von Verlobungen und Hochzeiten von Landsleuten aus dem Zampheder der 1930er Jahre. Ein herzliches „Vergelt’s Gott“ allen Zamphedrer Landsleuten und den Banater Schwaben aus Frankenthal, die zum Gelingen dieses Festes beigetragen haben. Stefan Köpf und Marlen Hollerbach erläuterten den Gästen die Teile der Zamphedrer Hochzeit, welche nicht aufgeführt wurden.

Verlobung 

In Zampheder lernten die jungen Leute sich oft am Sonntag beim Tanz kennen. Der junge Mann tanzte öfter mit seiner „Auserwählten“, meistens schon ab dem ersten Tanz. Die Verlobung hieß früher „Handstreich“, so wurde der Handschlag genannt, den sich die Eltern beim Besprechen der Heirat ihrer Kinder gaben. Die Verlobung wurde in der Kirche im Hochamt vom Pfarrer dreimal „vermelt“: „In den Stand der heiligen Ehe wollen sich begeben: Anton Gitzing und Fräulein Magdalena Schmitz.“ 

Eine Zamphedrer Hochzeit

In Zampheder wurde das Aufgebot für das Brautpaar drei Wochen im „Warischhaus ausghong“. Anfänglich war es der Dienstag, später der Samstag, an dem die Hochzeit stattfand. Nach der Frühmesse, in der Braut und Bräutigam beichteten und die Kommunion empfingen, gingen sie ins „Warischhaus“ (Rathaus), wo sie vom Richter „kupliert“ wurden. Das Mittagessen fand in kleinerem Rahmen statt. Am Samstagnachmittag gegen 2 Uhr (14 Uhr) versammelte sich die geladene Hochzeitsgesellschaft, im Durchschnitt 250 Gäste, im Hause der Braut. Hier wurde den Gästen der Rosmarein angesteckt und Kranzkuchen und Wein gereicht. In Frankenthal wurde unseren Gästen ebenfalls ein Rosmarein angesteckt. Zur Aufführung der „Zamphedrer Hochzeit“ wurde an dieser Stelle unser glückliches Brautpaar herzlich im Saal begrüßt, der Beginn der Hochzeitsaufführung.

Von Kindern wurden Gedichte vorgetragen und Abschiedslieder für das Brautpaar gesungen. Zur Hochzeitsaufführung sang das Quintett – Leni und Stefan Köpf, Andrea Griffaton (Zehr), Corinna Klingler-Winter, Harry Lindner – das Lied „Glückwunsch an die Braut“.

Der Hochzeitszug, angeführt von den Blumenkindern, der Braut mit dem Brautführer und dem Bräutigam mit der Bräutigamführerin, schritt in Zamphedr unter den Klängen der Blaskapelle zur Kirche. Die Trauung in der festlich geschmückten Kirche endete mit der Umrundung des Altars durch das Brautpaar und den Pfarrer. Beim Auszug aus der Kirche führte das Brautpaar den Hochzeitszug an durch ein Spalier von Menschen vor der Kirche, die nicht zur Hochzeit eingeladen waren und neugierig waren, die Braut zu sehen, genannt „Brautschau“. Mit den Hochzeitsgästen zogen sie zum schön geschmückten Hochzeitssaal – in Zampheder „Kamin“. 

Ab hier begann im Donauschwabenhaus in Frankenthal gemeinsam mit den 280 Gästen die Hochzeitsfeier. Unter den Klängen unseres traditionellen „Kerweihmarsches“ zogen 150 Gäste in den Festsaal ins Donauschwabenhaus in Frankenthal ein, die anderen Gäste waren – wie daheim – die „Brautschauer“. Angeführt wurde der Hochzeitszug von einem süßen Blumenkind und dem Brautpaar. Wie es in Zampheder Tradition war, bildeten sie einen Kreis und es folgte der „Brauttanz“, ein Walzer. 
In Zamphedrer wurde, im „Kamin“ angekommen, den Gästen am Nachmittag Kranzkuchen und Bäckkipfle zusammen mit Kaffee und Zichorie–Kaffee mit Milch gereicht. Die Hochzeitstorte und der Kuchen wurden erst am Abend, als Abschluss des festlichen Essens, mit Marschmusik von der jüngeren Verwandtschaft aufgetragen. Bei unserer Hochzeitsaufführung zogen wir diesen Teil vor und bauten nach dem Brauttanz im Donauschwabenhaus in Frankenthal die Kuchentafel auf. Corinna Klingler-Winter bedankte sich herzlich bei allen Zuckerbäckerinnen und Zuckerbäckern für die Kuchenspenden. Angeführt von Walther Metz mit der dreistöckigen Brauttorte trugen die vielen Helfer traditionell – mit weißen Schürzen und Marschmusik – die weiteren 36 Torten und Kleingebäck in den Saal. Welch ein Augen- und Gaumenschmaus!

In Zampheder gingen die Hochzeitsgäste nach dem Empfang nach Hause, um das Vieh, Schweine, Hühner, Katz und Hund zu „fiedre“. Man wechselte die elegante Garderobe des Nachmittags – Etuikleid und schwarzer Anzug – in die festliche Garderobe für den Abend. Gegen 19 Uhr fanden sich alle Gäste wieder im Hochzeitssaal ein. Sie überreichen dem Brautpaar die mitgebrachten Geschenke, meistens in Form eines Geldbetrages, welche als Start für das gemeinsame Leben dienten. Es folgte das Hochzeitsessen: der erste Gang war das traditionelle Zamphederer Hochzeitspaprikasch, gefolgt von Braten mit Beilagen, den krönenden Abschluss bildeten die Hochzeitstorte und der gesamte Kuchen. Zwischen den einzelnen Gängen wurden Gedichte aufgesagt, meist von Kindern. 

Die Taufpaten, in Frankenthal zur Aufführung gespielt von Bettina und Richard Erli, saßen neben dem Brautpaar, um die Braut zu „hüten“. Das war auch nötig, da meist Kinder versuchten, die Schuhe der Braut zu stehlen, um ein Lösegeld zu bekommen. Auch zu unserer heutigen Hochzeitsaufführung wurden die Brautschuhe von den Enkelsöhnen von Hilde und Josef Schweitzer und der Enkeltochter von Joana und Franz Kaplan „gestohlen“. Nach zähem Verhandeln mit den Taufpaten rückten sie die Brautschuhe gegen drei Kilo Bonbons raus, damit die Braut wieder tanzen konnte. 

Brautabbinne

Obwohl bereits im Rathaus und in der Kirche getraut, d. h. bereits als Eheleute im Saal, wurde der Abschied von der Kameradschaft für die Braut und den Bräutigam um Mitternacht im Hochzeitssaal durch die Hochzeitsgesellschaft vollzogen, wobei den Patinnen und Paten eine besondere Rolle zukam. Das geschah beim „Brautabbinne“ und dem „Breidigambalwiere“. Dies war wohl die damalige Form des heutigen Junggesellenabschieds. 
Traditionell wurde in Zampheder um Mitternacht schwarzer Kaffee und am Morgen erneut Braten serviert. Danach wurde die Braut "hemmgspielt", wo die Unterhaltung mit einem Frühstück und allerlei Spielen fortgesetzt und dazu getanzt wurde. Danach kam das Brautpaar endlich zur Ruhe, da war es meistens schon um die Mittagszeit.

Nach Mitternacht wurde in Zampheder Braut „abgebunn“. In Frankenthal fand dies nach dem Abräumen des Kuchenbuffets statt. Traditionell saß sie umringt von ihren Kameradinnen in einem Kreis. Die Taufpatin nimmt der Braut den Kranz herunter und bindet ihr das Kopftuch um, ein Geschenk der Taufpatin. Dabei singen die Mädchen das altüberlieferte Brautlied, sie fordern die Braut auf, ihren Eltern, Geschwistern und Kameradinnen abzuschwören. 

Die Mädchen singen: 
Merket auf ihr Gäste groß und klein,
ein Lied muss heute gesungen sein.
Und weil nicht ein jeder singen kann,
so fange ich gleich selber an.
Bringt herein, bringt herein, den Stuhl herein, 
die Braut muss abgebunden sein.
Es soll sich setzen die Braut darauf
Und lassen den Tränen freien Lauf.
Sie schwört Geschwistern und Eltern ab,
sie schwöret all ihrer Kameradschaft ab.

Die Braut schwört ab, und bittet um Aufnahme bei den jungen Frauen.

Tretet ab ihr jungen Mädchen mein, 
mit euch darf ich nicht mehr lustig sein.
Kommt herein ihr jungen Weiber mein,
und schließt mich in eure Gesellschaft ein.

Daraufhin wird ihr das Kopftuch aufgebunden und sie tanzt mit der Taufpatin und mit den Mädchen und Frauen, die den Kreis bilden.

Alle:
Jetzt binden wir der Braut das Tüchlein auf,
das muss sie tragen ihr Lebenslauf.
Sie muss es tragen ob weiß oder rot,
ihren Mann muss sie lieben bis in den Tod.
Das Kränzlein herab, das Tüchlein auf,
die Musik soll spielen ein Stücklein darauf.

Junge Männer versuchen, den Frauenkreis zu durchbrechen, um die Braut zu stehlen, doch gegen ein Schaar von Frauen, die die Braut schützen, leider ohne Erfolg. Letztendlich schafft es der Bräutigam in den Kreis, um mit seiner Frau die letzten Takte Walzer zu tanzen. 

Bräutigambalwiere

Nach dem Ende der „Brautabbinne“ folgte die Einladung der Männer zum „Bräutigambalwiere“. Dieser Akt wurde traditionell in Pantomime von zwei „Balwierer“, einem Meister mit seinem Lehrling, der grundsätzlich alles falsch macht, durchgeführt. Verkleidet und mit Kartoffelzähnen spielten dies in Frankenthal Nikolaus Wiener und Walter Winter nach. Es zog der Bräutigam mit den zwei Balwierern ein, sie setzten ihn auf einen Stuhl inmitten des Kreises seiner Kameraden. Einige Frauen durchbrachen den Männerkreis, um den Bräutigam zu stehlen. In Zampheder wurde traditionell zum „Bräutigambalwieren“ das Lied „Brüder, setzt euch in die Ruhe, denn es heißt Reservemann“ gesungen. Wir haben uns in Frankenthal für das Lied „Geh deinen Weg“ entschieden, vorgetragen von unserem Quintett als Abschluss des „Bräutigambalwierens". 

Wird das „Brautabbinde“ sehr emotional vollzogen, so wird mit dem „Bräutigambalwieren“ genau das Gegenteil bewirkt, die Lachmuskeln werden strapaziert. 

Die Verkleetne

Der Tradition gemäß kommen im Laufe des Abends „Verkleetne“, meist junge Bekannte, die nicht eingeladen sind. Sie geben an, dass sie gerade selbst eine Party feierten und ihnen das Essen und der Wein ausgegangen waren. Darum seien sie gekommen, um ein-zwei Tänze mit der Braut zu tanzen und ein Gläschen Wein zu trinken. Sie sind verkleidet und tragen Masken, sprechen meist nicht und sind schwer zu erkennen. Für den Heimweg bekamen sie – so ist es Brauchtum – eine Kanne voll Hochzeitspaprikasch, einen Teller Kuchen und Wein.

Auch zur Hochzeitsaufführung kamen die „Verkleetne“ und – wie früher zuhause oft üblich – nicht nur eine Gruppe, sondern gleich zwei. Nach dem Einzug der „Verkleetne“ folgte ein Walzer mit dem Brautpaar, inzwischen wurde die mitgebrachte „Kandel“ mit Hochzeitspaprikasch gefüllt und die Kanne mit Wein. Eine Polka mit den Gästen musste sein, bevor das Brautpaar angeführt von den „Verkleetne“ mit Marschmusik den Saal verließ.

Damit endet die Hochzeitsaufführung. In Frankenthal folgte nun das Abendessen, gekocht von Walther Metz und seinem Küchenteam, das köstliche traditionelle Hochzeitspaprikasch und als Alternative leckere Krautwickel (Särmale). Ab 20 Uhr konnte unter den Klängen der Band „Akustik3“ das Tanzbein bis weit nach Mitternacht geschwungen werden. Am Ende der Hochzeitsaufführung gab es rührende und glückliche Gesichter, Erinnerungen wurden geweckt, Emotionen und „Gänsehaut“. Unvergesslich schön bleibt uns dieser Tag wohl lange in Erinnerung.