Vor 100 Jahren, am 19. Juli 1926, verstarb Katharina Ackermann, eine Gönnerin und Wohltäterin der Gemeinde Sanktanna und weit darüber hinaus. Sie wurde am 16. Januar 1881 in Sanktanna in eine reiche Bauernfamilie geboren. Wegen eines Lungenleidens wurde sie nur 45 Jahre alt. Trotz dieser kurzen Lebenszeit hinterließ sie vielfältige Spuren. Ihr Marmorgrab auf dem Friedhof von Neusanktanna mit der Inschrift: „Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen“ ist den meisten unserer Landsleute vertraut.
Wegen ihrer Krankheit konnte Katharina Ackermann ihren Beruf als Lehrerin nur kurz ausüben. Auch ein zeitweiliger Kuraufenthalt in Meran brachte nicht die gewünschte Besserung. Stattdessen widmete sie ihr ganzes Leben der christlichen Nächstenliebe und richtete ihr Augenmerk vor allem auf die Erziehung und Bildung der weiblichen Jugend, die Armenfürsorge und die Verbreitung des Glaubens.
Ihr Plan, in Zusammenarbeit mit Bischof Julius Glattfelder eine Wirtschaftsschule für Mädchen zu gründen, wurde leider nicht genehmigt. Stattdessen förderte sie das kirchliche Leben und die religiöse Erziehung in Sanktanna mit viel Eifer. Zusammen mit den Ortskaplänen und den Kindern der Großgemeinde veranstaltete sie jährlich zwei bis drei Vorstellungen mit religiösem Inhalt, die dankbar aufgenommen wurden. Dafür übernahm sie wie selbstverständlich sämtliche Kosten, den Erlös wiederum verwendete sie für religiöse und wohltätige Zwecke.
Für die Mutter-Anna-Kirche in Neusanktanna regte sie die Errichtung eines Hauptaltars aus weißem Marmor an. Zu diesem Zweck gründete sie den Altarverein, den sie auch leitete, und der sich jeden Mittwoch in ihrem Haus traf, um kirchliche Wäsche herzustellen. Das dafür benötigte Material wurde von ihr kostenlos zur Verfügung gestellt. Außerdem spendete sie für den Altar 10000 Gulden, ein Drittel der Gesamtkosten.
In der Kirche führte sie den Anbetungstag am jeweils ersten Sonntag des Monats ein und gründete einen Rosenkranz-Verein. Auch die Maiandachten wurden von ihr eingeführt. Eines ihrer Geschenke an die Gemeinde war der Mai-Altar der Ortskirche, den sie auch viele Jahre lang eigenhändig schmückte. Die Blumen dazu pflanzte sie im eigenen Garten.
Ihr Haus stand für jedermann offen, besonders für Arme und Kranke. Jeden Freitag gab es dort eine Armenspeisung. Außerdem half sie bei der Krankenwaschung. Es wird von ihr berichtet, dass sie einen der Armen, der im Gemeindestall starb, eigenhändig wusch und zur Beerdigung vorbereitete.
Um die Bedürftigen im Ort kümmerte sich die von ihr gegründete Gesellschaft der sozialen Mission. Dieser Gesellschaft vererbte sie auch ihr Wohnhaus. Für den Fall ihrer Auflösung sollte das Haus ein Gemeinde-Armenhaus werden.
Inspiriert von ihrem Kuraufenthalt in Meran plante sie für Sanktanna einen Gemeindepark und eine Promenade und nahm die Gestaltung auch selbst in die Hand. Mit eigenen Mitteln sorgte sie für die exquisite Bepflanzung des Parks, teils mit exotischen Nadelhölzern aus Meran. Der Park dient heute noch seinem Zweck als grüne Lunge des Ortes, was die HOG Sanktanna bewog, bei der Gemeinde zusammen mit dem Deutschen Ortsforum dessen Benennung mit dem Namen seiner Wohltäterin zu beantragen. Seit 1998 heißt der Park nun offiziell „Katharina Ackermann-Park“.
Die Wohltäterin wirkte auch über ihren Tod hinaus. Im Jahre 1931 konnte mit Hilfe ihrer Stiftung in der Temeswarer Elisabethstadt (Kronengasse 28) ein geräumiges Haus gekauft und zum Kloster umgebaut werden. Hier begannen 36 Liobaschwestern ihr segensreiches pädagogisches Wirken.
Die Krönung ihres Lebenswerkes, den Bau der Kirche in Altsanktanna, sollte Katharina nicht mehr erleben. Dafür hatte sie 30 Joch Feld gespendet, den größten Teil ihres Vermögens. Mit dem Bau der doppeltürmigen Klosterkirche des Salvatorianerordens wurde erst zehn Jahre nach ihrem Tod begonnen, doch heute steht sie als Zeugnis der Güte und Großherzigkeit der gläubigen Gönnerin weithin sichtbar da.
Wohltätigkeit liegt in der Familie
Es ist vielleicht kein Zufall, dass die Großzügigkeit von Katharina Ackermann in den nächsten Generationen eine Fortführung erlebte. Zeitlebens hatte diese ihren Neffen Anton (Toni) Weckerle, den Sohn ihrer Schwester Elisabeth, unterstützt. Auf ihr Betreiben wurde dieser aufs Gymnasium nach Temeswar geschickt, der erste Schritt zu seiner erfolgreichen beruflichen Laufbahn.
Anton Weckerle wurde 1909 in Sanktanna geboren und machte sein Abitur an der Brukenthal-Schule in Hermannstadt. Danach studierte er Rechtswissenschaften in Berlin, Paris und Klausenburg. Mit dem Doktordiplom aus Wien in der Tasche eröffnete er 1935 eine Anwaltskanzlei in Sanktanna. 1944 flüchtete er mit seiner Familie und wagte einen Neustart in Deutschland, wo er ein Studium der Wirtschaftswissenschaften mit dem Schwerpunkt Landwirtschaft in Freising-Weihenstephan absolvierte. 1951 wanderte die Familie jedoch in die USA aus. An der Universität in Columbus, Ohio, studierte Weckerle auch noch Politische Wissenschaften. Er machte Karriere als Rechtsberater beim US-Kongress, später als Abteilungsleiter im amerikanischen Außenministerium. Dank seiner umfassenden Bildung und Sprachgewandtheit erfreute sich Dr. Anton Wekerle (so die amerikanische Schreibweise seines Namens) allgemeiner Anerkennung. Er starb 2008 in Washington.
Im Herzen ist Toni Weckerle immer Sanktannaer geblieben, dem das Wohl seiner Landsleute am Herzen lag. Er hatte die Landsmannschaft 1950 mit begründet und verfolgte das Geschehen in Deutschland und im Banat. 1996 besuchte er als weit über 80-Jähriger die Bundesgeschäftsstelle der Landsmannschaft in München und er war schon über neunzig, als er das letzte Mal an einem Treffen der HOG Sanktanna in Deutschland teilnahm und am Rednerpult über die Verantwortung der folgenden Generationen für das Erbe der Vorfahren sprach.
Dieses Verantwortungsbewusstsein vererbte Anton Wekerle auch an seine Tochter Dr. Inge Wekerle-Steiner, die in Wien Germanistik studierte und zeitweilig Präsidentin des Goethe-Instituts in Washington war. Sie war Mitglied unserer Landsmannschaft und starb 2019. In ihrem Testament hatte sie die Landsmannschaft der Banater Schwaben e.V. mit 500000 Euro bedacht, das Hilfswerk der Banater Schwaben e.V. mit 100000 Euro. Der Bundesvorstand der Landsmannschaft der Banater Schwaben hat dieses Geld in eine gemeinnützige Stiftung mit dem Namen „Wekerle“ überführt, um damit Projekte zur Pflege und Vermittlung des kulturellen Erbes der Banater Schwaben zu fördern.
Ein aus diesen Mitteln gefördertes Projekt war die Neugestaltung der Grabanlage mit dem Grabstein der Familie Weckerle auf dem Friedhof in Sanktanna. Hier sind der Großvater und die Großmutter von Inge Wekerle-Steiner bestattet. Auf einem zweiten Grabstein ist nun auch Sohn Anton Weckerle als Gründungsmitglied der Landsmannschaft, Mitarbeiter des amerikanischen Kongresses und Wohltäter der Banater Schwaben mit seinen Lebensdaten vermerkt.









