Lange angekündigt und viel geprobt: Am 20. und 21. Juni trat die Theatergruppe des Kreisverbands Augsburg endlich wieder vor das Publikum im Saal des Hubertushofs in der Firnhaberau. Sie hatten sich ein besonderes Stück ausgesucht: „Es geht um die Heirat“ von Hans Kehrer (eigentlich Stefan Heinz, der allen im Banat als „Vetter Matz“ bekannt ist). Das Stück hatte vor genau 60 Jahren seine Premiere am Temeswarer Deutschen Staatstheater und wurde zur meist aufgeführten und am besten besuchten Darbietung des Temeswarer Theaters mit einer Rekordzahl von 152 Vorstellungen. Das erfuhr das Publikum in Augsburg vom „Trummelmann“ und Allround-Betreuer der Theatergruppe Luzian Geier, der eine kleine Vorrede „auf schwowisch“ hielt. Dort sagte er auch, dass das Stück auf verschiedenen Dorfbühnen im Banat und dann später auch in Deutschland (vor allem im Repertoire der Theatergruppe Würzburg und mit Hans Kehrer persönlich in der Hauptrolle) weitere Erfolge feierte.
„Es geht um die Heirat“ – der Titel sagt schon fast alles, aber im banatschwäbischen Alltag der 70er Jahre ist das nicht so einfach mit dem Heiraten. Vor allem, wenn die Großmutter Bässl Evi (Tine Slavik) genau weiß, wer für ihre Enkelin Traudl (Karin Metzler) der passende Mann ist. Diese hat aber bereits mit Andres (Franz Rumesz) ihre eigene Wahl getroffen. Auch der Großvater Matz (Günther Krepil) hat mit der Bässl Evi seine Probleme, denn auch über ihn will sie bestimmen: Er soll zur Kur nach Wolfsberg fahren, um seiner Gesundheit willen, aber er sieht das nicht wirklich ein, will seiner Arbeit im Garten nachgehen und fürchtet sich vor dem Nichtstun. Doch die Doktorin (Brigitte Reichel) spricht ein Machtwort und gleichzeitig entsteht ein Plan, wie die beiden jungen Leute doch noch zusammenkommen und den Segen der Großmutter bekommen können. Involviert sind auch Traudls Eltern Nani (Monika Theissmann) und Sepp (Erich Theissmann) und die Wolfsberger Gastgeber des Großvaters Ludwig Köstner (Ferdinand Eichinger) und seine Frau Berta (Christa Eichinger). Eine Paraderolle hat, wie meistens in den Stücken von Kehrer, der „Dorfbesen“, die Bässl Kathi, gespielt von Edith Achim, bis sich schließlich alles in allgemeinem Wohlgefallen zum Besten fügt.
Das Stück erwies sich für das Theaterteam als Herausforderung, aber auch als Steilvorlage. Es dauert fast drei Stunden, erforderte intensives Textlernen und viele Proben. Eine Besonderheit der Augsburger Theatergruppe ist die Teamarbeit, auch bei der Regie, was den Entstehungsprozess nicht unbedingt einfacher macht. Helene Geier ist da viel mehr als nur „Souffleuse“, wie ihre offizielle Funktion lautet. Es wird diskutiert und probiert, bis alle (mehr oder weniger) zufrieden sind. Auch das Bühnenbild wurde wieder in Gemeinschaftsarbeit konzipiert und umgesetzt, Stefan Lehretter bot dabei fachkundige technische Unterstützung. Eine wichtige Rolle (wenn auch nicht auf der Bühne) spielt schließlich Herbert Rumesz für die Theatergruppe: Er stellt seine Firmenräume für die Proben zur Verfügung und dort kann auch das Bühnenbild gelagert werden.
Die Mühe hat sich gelohnt: Es war „schwowisch und luschtich“ wie versprochen. Schon im Vorfeld waren die beiden Vorstellungen so gut wie ausgebucht und das Publikum spendete begeisterten Applaus. Die Theatergruppe ist dankbar, dass die Aufführung vom Kulturwerk der Banater Schwaben Bayern mit Mitteln des Bayerischen Sozialministeriums gefördert worden ist. Im Namen des Kreisverbands gab es von der Kreisvorsitzenden Hella Gerber für die Beteiligten Lobesworte, Blumen und je eine Jubiläumstasse „75 Jahre Kreisverband Augsburg“. Aber auch die Zuschauer wurden überrascht: Auf den Tischen im Hubertushof gab es für jeden Besucher eine kleine Aufmerksamkeit, die Tine Slavik liebevoll hergestellt und verpackt hatte: Bei der Samstagsvorstellung Mohn- und Nusskipferl und bei der Sonntagsvorstellung Hausschokolade.
Ob es weitere Vorstellungen geben wird? Man denkt darüber nach. Gemeinsame Termine zu finden, ist nicht leicht. Aber es wäre schon deshalb sinnvoll, weil das Team viel Herzblut, Zeit und Arbeit in dieses Großprojekt investiert hat.









