65. Gelöbniswallfahrt der Donauschwaben nach Altötting - In tiefstem Elend, Leid und ohne Hoffnung für die Zukunft gelobten vor genau 80 Jahren Pater Wendelin Gruber und die Insassen der Vernichtungslager Gakowa und Rudolfsgnad (im ehemaligen Jugoslawien), jährlich aus Dankbarkeit zu wallfahren, „wenn wir am Leben bleiben“. An dieses Versprechen erinnerte der Pater seine Landsleute, nachdem er nach seiner Kerkerhaft in Jugoslawien nach Deutschland entlassen worden war. Seither wird dieses Gelöbnis von den Überlebenden und deren Nachkommen bei Wallfahrten in Europa, Nord- und Südamerika jedes Jahr aufs Neue eingelöst. Seit 1959 führt die bekannteste dieser donauschwäbischen Gelöbniswallfahrten am zweiten Wochenende im Juli in den Gnadenort Altötting. Kaum jemand der Überlebenden kann noch an den Wallfahrten teilnehmen, aber es kamen auch dieses Jahr am 11. und 12. Juli zahlreiche Kinder, Enkel, Verwandte und Landsleute, Nachfahren aus den ehemaligen Siedlungsgebieten der Donauschwaben, zur 65. Gelöbniswallfahrt nach Altötting, um ein Zeichen dafür zu setzen, dass das Vergangene nicht vergessen ist und um zu mahnen, dass Geschichte sich nicht wiederholen darf.
Glaubenskundgebung und Vortrag
Die Wallfahrt befolgt eine feste Struktur und begann am Samstag um 15 Uhr mit einer Glaubenskundgebung in der Stiftskirche, wo Josef Lutz im Namen des St. Gerhards-Werks Stuttgart, des Gerhardsforums und des Kulturwerks der Banater Schwaben Bayern die Pilger, die Amts- und Würdenträger sowie die Geistlichen begrüßte und ankündigte, dass als besonderer Gast László Böcskei, der Diözesanbischof von Großwardein (Oradea) und Vorsitzende der Katholischen Bischofskonferenz in Rumänien angereist sei und am Sonntag das Pontifikalamt zelebrieren werde. Anschließend eröffnete der Stiftskanoniker von Altötting Pfr. Johann Palfi wie in den Vorjahren zusammen mit Pfr. GR Klaus Rapp, Pfr. Otto Barth, Pfr. Paul Kollar und Pfr. Adam Possmayer die 65. Gelöbniswallfahrt. Stiftskanoniker Johann Palfi hieß seine Mitbrüder und die Wallfahrer aus Deutschland und Österreich, dem ehemaligen Jugoslawien, Rumänien und Ungarn willkommen. Musikalisch umrahmt wurde die Eröffnungsfeier von den „Weidenthaler Chormädels“, ein Chor aus Traunreut mit aus dem Banater Bergland stammenden Sängerinnen, begleitet an der Orgel von Gudrun Neumayer.
Die aus Temeswar angereiste Journalistin Dr. Raluca Nelepcu hielt einen Vortrag über den „Orden der Armen Schulschwestern von Unserer Lieben Frau“ und deren Wirken im Banat. Gut dokumentiert berichtete sie über den Mut und die Opferbereitschaft in den dunkelsten Zeiten des 20. Jahrhunderts. Anschließend beteten die Anwesenden in drei Sprachen - Deutsch, Ungarisch und Rumänisch - das Vaterunser, dem die Litanei zu Ehren des Hl. Gerhard mit Pfarrer Paul Kollar als Vorbeter folgte.
Vorabendmesse und Lichterprozession
Die Vorabendmesse in der Basilika St. Anna um 20 Uhr zelebrierte Heimatpfarrer Karl Zirmer zusammen mit Stiftskanoniker Johann Palfi, Pfr. Franz Maywurm, Pfr. Paul Kollar, Pfr. Adam Possmayer und weiteren Priestern, die die anwesenden Pilgergruppen begleiteten. In seiner Predigt ging Pfr. Karl Zirmer auf das Bild der Frau, mit der Sonne bekleidet, den Mond zu ihren Füßen und auf ihrem Haupt ein Kranz von 12 Sternen, ein, das Johannes im Buch der Geheimen Offenbarung zeichnet, um den christlichen Gemeinden, die schweren Verfolgungen ausgesetzt sind, Mut zu machen. Seit dem 6. Jahrhundert werde das Bild der Frau mit dem Kranz von 12 Sternen auch auf Maria bezogen: Maria mit Sternenkranz und Sonnenstrahlen, den Mond unter ihren Füßen, stehe dafür, dass sich das Gute am Ende durchsetzen wird. „Für uns heißt das: Nicht die Autokraten und die Herren dieser Welt, die ihre Macht missbrauchen und den Frieden gefährden, haben das letzte Wort in der Weltgeschichte, sondern der gütige und menschenfreundliche Gott“, so Pfr. Zirmer.
Im Anschluss an den Gottesdienst zog die Prozession der Pilger bei Einbruch der Dunkelheit im Licht der Kerzen betend und singend von der Basilika zur Gnadenkappelle. Vor der Kapelle erwarteten sie die „Weidenthaler Chormädels“ und sangen Marienlieder. Nach der Umrundung der Kapelle begrüßte der Wallfahrtsrektor und Stiftsprobst Prälat Dr. Klaus Metzel die Wallfahrer und hielt mit Pfarrer Karl Zirmer eine kurze Andacht, bei der Marienlieder angestimmt wurden. Diese erklangen nach Ende der Andacht auf dem kerzenbeleuchteten Platz vor der Gnadenkapelle weiter.
Feierliche Prozession zur Basilika
Am Sonntagmorgen zog zu den festlichen Klängen der Blaskapelle der HOG Sanktanna unter Leitung von Josef Wunderlich die Prozession der Wallfahrer, die von nah und fern mit Autos, Bussen (aus den Kreisverbänden Landshut und Ingolstadt) und mit der Bahn angereist waren. Vertreten waren zahlreiche Landsleute aus den vielen Orten des Banats, die jetzt in Augsburg, Ingolstadt, München, Nürnberg, Stuttgart, Ulm und zahlreichen anderen Orten in Deutschland leben. Es kamen aber auch Delegationen aus Österreich und Ungarn, u.a. die Delegation der Mitglieder im St. Gerhards-Werk Maria Herein-Körös und Csaba Schönberger aus Ungarn, eine Delegation österreichischer donauschwäbischer Pilger aus Linz mit Bürgermeister Paul Mahr aus Marchtrenk, dem Landesobmann aus Oberösterreich und Maria K. Zugmann-Weber, Vorsitzende der Donauschwaben-Arbeitsgemeinschaft in Österreich und stellv. Vorsitzende der Landsmannschaft der Donauschwaben in Österreich. Wie seit vielen Jahren war auch der Alt-Bürgermeister der Kreisstadt Altötting Herbert Hofauer dabei.
Banater Fahnenabordnungen, wie die der HOG Neuarad, der Kreisverbände Ingolstadt und Waldkraiburg, die Fahne des St. Gerhards-Werks, die des Landesverbandes der Donauschwaben Bayern, des Ortsverbandes Moosburg und der HOG Hodschag, reihten sich in den Zug der Wallfahrer. Dabei war diesmal auch eine Delegation der Sathmarer Schwaben mit ihrer stellvertretenden Vorsitzenden in Bayern Cornelia Perescsenyi, mit Trachtenträgern und einer Fahnenabordnung.
Den Fahnenträgern voran schritt als Kreuzträger Harald Schlapansky, gefolgt von Helmut Kierer mit einer Kerze mit der Inschrift „65. Gelöbniswallfahrt“, links und rechts flankiert von einer Tafel mit dem Bildnis Pater Grubers, getragen von Franz Wiesenmayer und einer mit der Kirche des Wallfahrtsortes Maria Radna, Trägerin Gerlinde Kierer.
Dahinter reihten sich die Vertreter der Landsmannschaften, des St. Gerhards-Werks Stuttgart, des Gerhardsforums und des Kulturwerks München mit den Ehrengästen ein. Es folgten die Geistlichkeit, die Trägerinnen der Marienstatue aus Sankt-anna, die Musikkapelle und die Prozession der zahlreichen Wallfahrer.
Begrüßung , Wort des Laien und Pontifikalamt
Nach dem Einzug in die Basilika begrüßte Josef Lutz aus Sanktanna / Nürnberg, der Organisator der Wallfahrt und stellvertretende Vorsitzende des St. Gerhards-Werks Stuttgart, die Pilger und Gläubigen sowie namentlich eine Reihe von Ehrengästen, zuerst den Hauptzelebranten des Pontifikalamts S.E. László Böcskei, Bischof von Großwardein, und die konzelebrierenden Priester. Herzlich willkommen hieß er auch Dr. Kathi Gajdos-Frank aus Budaörs, den Bürgermeister der Großen Kreisstadt Altötting Stephan Antwerpen und deren Alt-Bürgermeister Herbert Hofauer, die Referentin des Vortags Dr. Raluca Nelepcu, den Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft der Banater Schwaben Peter-Dietmar Leber, den Vorsitzenden des Kulturwerks der Banater Schwaben und Vorstandsmitglied des BdV in Bayern Bernhard Fackelmann, den Landesvorsitzenden der Banater Schwaben in Bayern Harald Schlapansky, die Präsidentin des Frauenverbands im Bund der Vertriebenen Hiltrud Leber, die schon erwähnten Mitglieder der Delegationen aus Ungarn und Österreich und der Sathmarer Schwaben aus Bayern, den Vorsitzenden des Weltdachverbands der Donauschwaben und Vorsitzenden der Donauschwaben in Deutschland Jürgen Harich, die Delegation der Donauschwaben des Landesverbands Bayern, die Donauschwäbische Singgruppe aus Landshut, die Fahnenträger, die Fotografinnen und Berichterstatterinnen vom „Passauer Bistumsblatt“ und der „Banater Post“, die Trachtenträger, Kreuz-, Bild-, Kerzen- und Marienstatuen-Träger, die Blaskapelle der HOG Sanktanna, das gesamte Organisationsteam mit Maria und Johann Noll aus Burghausen und nicht zuletzt alle Pilger und Gläubigen von nah und fern.
Vor dem Pontifikalamt sprach die aus Ungarn stammende Dr. Kathi Gajdos-Frank, stellvertretende Vorsitzende des St. Gerhards-Werks, das Wort des Laien zum Thema „Mitgefühl und Zusammenhalt – Europa unter dem Schutz Marias“. Sie erinnerte daran, dass der Glaube ihre Großeltern selbst in den dunkelsten Stunden getragen habe, und appellierte an die Verantwortung der heutigen Generation: „Wir dürfen nicht den Schmerz, sondern den Glauben, nicht die Angst, sondern die Hoffnung, nicht die Bitterkeit, sondern die Liebe weitergeben.“ Zum Schluss richtete sie den Blick auf Europa: „Ich wünsche mir ein Europa unter dem Schutz Marias. Ein Europa, das seine christlichen Wurzeln nicht vergisst.“
Danach begann in der voll besetzten St.-Anna-Kirche das Pontifikalamt, zelebriert von Bischof László Böcskei gemeinsam mit dem geistlichen Beirat im St. Gerhards-Werk Stuttgart und im Gerhardsforum München Pfr. Paul Kollar, dem Vorsitzenden des St. Gerhards-Werks Stuttgart Pfr. GR Klaus Rapp, dem Vorsitzenden des Südostdeutschen Priesterwerks Stuttgart Pfr. Karl Zirmer, Pfr. Adam Possmayer aus dem Vorstand des Südostdeutschen Priesterwerks, dem Stiftskanoniker in Altötting Johann Palfi, Msgr. Pfr. Otto Barth und Pfr. i. R. Franz Maywurm.
Der römisch-katholische Bischof von Großwardein und zugleich Vorsitzende der Katholischen Bischofskonferenz in Rumänien László Böcskei zog mit den Konzelebranten, Fahnenabordnungen und Ehrengästen unter den Orgelklängen von Beatrix Erndt zum Altar. Für die musikalische Gestaltung sorgte eindrucksvoll die Donauschwäbische Singgruppe Landshut unter der Leitung von Reinhard Scherer.
In seiner Predigt spannte Bischof Böcskei einen weiten Bogen von den Massengräbern in Rudolfsgnad bis zur Hoffnung, die die Wallfahrt nach Altötting seit 65 Jahren trägt. Er erinnerte an die Tausenden Donauschwaben, die in den Lagern des ehemaligen Jugoslawien starben, und an das Gelübde, das dort seinen Ursprung nahm. Eindringlich mahnte er: „Daher ist es wichtig, ja lebensnotwendig, dass das Evangelium Christi unsere ganze Lebensexistenz durchdringe. Ein Evangelium, eine Frohbotschaft, die Heilung für die Wunden bedeutet, Kraft in den Prüfungen verleiht und unserem irdischen Lebensweg die Richtung vorgibt.“ Immer wieder richtete der aus dem Banat stammende Bischof in seiner Predigt den Blick auf Maria. Er erinnerte daran, dass Menschen seit Jahrhunderten nach Altötting pilgern, gerade in Zeiten der Not. „Jede Not ruft nach der Mutter“, begründete er dies schlicht. Er forderte die Gläubigen auf, ihre Blicke und Gedanken auf die apokalyptische Frau zu wenden, die der Wallfahrt das Motto verliehen hat. Sie sei die mit Leib und Seele zur Herrlichkeit des Himmels erhobene Gestalt Marias, die durch Schmerz vollendete und nun mit Herrlichkeit gekrönte Mutter, die vor dem Angesicht Gottes für uns „in diesem Tal der Tränen“ unablässig und getreu Fürsprache einlegt. Der Bischof schlug schließlich den Bogen in die Gegenwart und erinnerte daran, dass der Glaube immer auch Auftrag sei. Er verwies auf Glaubenszeugen wie Pater Wendelin Gruber und die Märtyrerbischöfe Wilhelm Apor und Konstantin Ignatz Bogdánffy und ermunterte die Pilger, „am Bau einer schöneren und liebenswerteren Welt mitarbeiten“ zu wollen – aus der Kraft des Glaubens und aus dem Erbe der Vorfahren.
Andacht, Gebete, Weihrauch und Gesang verliehen dem Gottesdienst Feierlichkeit und Würde. Nach dem Bischöflichen Segen forderte Josef Lutz – wie es zur Tradition gehört – zum Gedenken an die Toten auf: „Wir gedenken nun aller Donauschwaben, die in den Vernichtungslagern, bei Flucht und Vertreibung, als Opfer der kommunistischen Regime, als Russlandverschleppte, fern von uns verstorbenen sind. Wir gedenken unserer Toten in der alten und in der neuen Heimat.“ Bei geneigten Fahnen spielte die Blaskapelle der HOG Sanktanna unter der Leitung von Josef Wunderlich das traditionelle Lied vom guten Kameraden und den Trauermarsch „Ewige Nacht“.
Vor dem Auszug bedankte sich Josef Lutz im Namen des Vorstands des St. Gerhards-Werks und des Südostdeutschen Priesterwerks in Stuttgart, des Gerhardsforums und des Kulturwerks Bayern bei den Pilgern und allen, die zur Organisation und zum Gelingen der Wallfahrt beigetragen und diese mitgestaltet haben. Im Hotel Plankl waren nach dem Gottesdienst die „Nachgeborenen“ von Pfr. GR Klaus Rapp zu einem Gespräch eingeladen, in dem erörtert wurde, wie die Wallfahrt künftig junge Leute, eben die „Nachgeborenen“ einbinden kann.
Marienandacht und Segen
Am Nachmittag sang die Donauschwäbische Singgruppe Landshut unter der Leitung von Reinhard Scherer mit den Wallfahrern in der Basilika beliebte und altbekannte Marienlieder. Die Marienandacht, in der der Gnadenmutter von Altötting gedacht wurde, hielt danach Pfr. Paul Kollar. Am Ende der Andacht erteilte er allen Anwesenden den Segen und bat die Wallfahrer nach vorne, die Andachtsgegenstände erworben hatten, um diese zu segnen.









