Die Situation der Deutschen im Banat sowie der Vereine und Verbände der Landsmannschaft der Banater Schwaben in Deutschland waren die zentralen Themen beim Besuch des neuen Vorsitzenden des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat Benjamin Neurohr in der Bundesgeschäftsstelle der Landsmannschaft in München am 12. Juli 2026. Es wurde einhellig vereinbart, dass ein beschleunigter Informationsaustausch und gemeinsame Abstimmungen mit den Vertretern des Forums im Banat die Zusammenarbeit verbessern sollen. Siegrun Jäger von der Redaktion der Banater Post führte mit dem neuen Vorsitzenden ein Interview, in dem Neurohr die Bedeutung des persönlichen Gesprächs für das gemeinschaftliche Miteinander hervorhob.
Herr Neurohr, herzlichen Glückwunsch, Sie sind zum Vorsitzenden des Regionalforums Banat des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien gewählt worden. Würden Sie für unsere Leser Ihren Aufgabenbereich erläutern?
Als Vorsitzender des Banater Forums ist man eigentlich für alles zuständig, man ist der Verantwortliche für die gesamte Tätigkeit innerhalb der Organisation und sogar darüber hinaus. Als Forum vertreten wir nämlich nicht nur unsere Mitglieder, sondern alle Deutschen aus dem Banat, auch wenn sie nicht Mitglieder sind. Wir fühlen uns sogar verantwortlich für die Deutschsprachigen, weil sie auch zu unserem Gemeinschaftsleben beitragen, beziehungsweise weil wir ein Interesse daran haben, dass die deutsche Sprache und Kultur über die Grenzen unserer Gemeinschaft ausstrahlt und dass damit alle Institutionen, die wir haben, beibehalten werden können. Das heißt, dass ich es als für meine Aufgabe halte, dass ich unsere Gemeinschaft zusammenhalte.
Könnten Sie kurz die Struktur des Deutschen Demokratischen Forums erläutern?
Es gibt das Landesforum mit dem Sitz Hermannstadt und dann gibt es fünf Regionalforen: das Banater Forum, das Siebenbürger Forum, das Nordsiebenbürger Forum, das Forum Bukowina und das Forum Altreich. Und innerhalb dieser Regionalforen gibt es dann Ortsforen, oder manchmal auch Kreisforen. Wir haben zum Beispiel innerhalb des Banater Forums das Kreisforum Arad, das Forum der Banater Berglanddeutschen, das den ganzen Kreis Karasch-Severin abdeckt und auch noch einen Teil von Mehedinți. Wir haben aber kein Temescher Kreisforum mehr, es gab eines in den 90er Jahren. Das sind eben Strukturen, die so gewachsen sind. Manchmal hat man auf einige verzichtet, weil es Überschneidungen gab, die nicht mehr notwendig waren. Und dann gibt es noch die Ortsforen. Dazu gehören aber auch die assoziierten Organisationen, die zwar nicht direkt Teil des Forums sind, aber mit dem Forum zu tun haben, und wo es über Vertreter in den jeweiligen Vorständen, Aufsichtsräten oder Leitungsräten institutionelle Verbindungen gibt, zum Beispiel der Banater Verein für Internationale Kooperation Banatia, also der wirtschaftliche Arm des Forums, und die Adam Müller-Gutenbrunn-Stiftung, also der soziale Arm des Forums. Dazu gibt es noch die Stefan-Jäger-Stiftung, die soziale und ein kulturelle Aufgaben hat. All diese gehören praktisch auch zu unserer Gemeinschaft, zum Forum. Und dann gibt es noch Gruppierungen, die nicht immer eigentragende Vereine sind, aber selbstständig funktionieren, wie die deutsche Vortragsreihe Reschitza, der Literaturkreis Stafette, die diversen Volkstanz- und Trachtengruppen. Vermutlich ist das ähnlich wie in der Landsmannschaft, es gibt eine Dachstruktur, unter der alles läuft, und dann gibt es verschiedene Gruppen, die mehr oder weniger unabhängig agieren und bei verschiedenen Veranstaltungen kooperieren, z.B. bei den Heimattagen.
Die Ortsforen sind bei uns besser bekannt, da diese oft auch mit den Heimatortsgemeinschaften kooperieren.
Das Ortsforum Arad ist sehr aktiv, in Reschitza und Großsanktnikolaus passiert viel, in Hatzfeld neuerdings auch, Lovrin ist neu gegründet worden, das Ortsforum Busiasch ist auch sehr rege. Sanktanna versucht sich gerade neu zu ordnen. Billed hatte kürzlich Neuwahlen nach dem Tod von Adam Csonti. In Deutschpereg hat sich auch einiges getan. Es fluktuiert immer wieder, abhängig davon, ob sich Personen finden, die sich ehrenamtlich engagieren und versuchen die Gemeinde zusammenzuhalten. Es gab kürzlich Neuwahlen in Tschanad. Auch in Dognatschka ist noch ein bisschen was los, ich wurde dorthin eingeladen, bislang habe ich es noch nicht geschafft, dorthin zu kommen. Lippa wäre auch noch zu erwähnen.
Sie sind ja auch als Geschäftsführer des Vereins für internationale Kooperationen Banatia in Vollzeit tätig. Wie schaffen Sie es, Ihre hauptamtliche Tätigkeit mit den Ihren Aufgaben als Forumsvorsitzender zu verbinden?
Das ist eine ständige Gratwanderung. Ich habe Glück, dass ich überhaupt einen Arbeitsplatz bei einem Verein habe, der dem Forum angegliedert ist, so dass einiges miteinander verbunden werden kann. Ich versuche gewöhnlich, wenn ich verreisen muss, dass ich mehrere Sachen auf einmal erledige. Wenn ich für die Banatia reisen muss, z.B. um die Nutznießer der Banatia zu besuchen, dann versuche ich, gleich zwei Fliegen auf einem Schlag zu treffen, indem ich dann eine oder mehrere Forumsaufgaben dazu plane und mit einer Reise erledige. Tagsüber ist es so, dass ich manchmal aus dem Büro der Banatia sowohl für den Verein als auch für das Forum oder umgekehrt aus dem Büro des Forums für die Banatia arbeite. Es ist nicht leicht und wäre ohne zuverlässige Mitarbeiter nicht möglich.
Wie sieht es mit Ihren Mitarbeitern aus? Sicherlich haben Sie sowohl Hauptamtliche, als auch Neben- und Ehrenamtliche, die gemanaged werden müssen?
Ein Verein kann ohne ehrenamtliche Arbeit nicht überleben. Bei einem Verein mit einer relativ breiten geografischen Streuung wie das Banater Forum bedeutet dies, dass es viele Ehrenamtliche in Ortsforen gibt, aber auch anderswo, vor allem in den verschiedenen Tanzgruppen, die es in den Ortschaften gibt. Das alles ist ohne Ehrenamtliche nicht machbar und mit viel ehrenamtlicher Arbeit verbunden. In unserem Büro in Temeswar brauchen wir natürlich für die Büroarbeit hauptsächlich hauptamtlich Angestellte, da der Aufwand für die Bürokratie für Jahr für Jahr größer wird. Als Forum werden wir für unsere kulturellen Tätigkeiten vom rumänischen Staat finanziert, über die Minderheitenfinanzierung. Allerdings ist der bürokratische Aufwand nicht unerheblich: Anträge müssen gestellt und geprüft werden, für die Kosten der Veranstaltungen müssen wir erst einmal in Vorkasse gehen, dann werden die Abrechnungen über das Landesforum nach Bukarest zur Regierung geschickt. Bis letztendlich das Geld überwiesen wird, muss alles beantragt, bearbeitet, überprüft und überwacht werden, dass alles stimmt. Darum kümmern sich im Forum die hauptamtlich angestellten Mitarbeiter. Wir haben auch eine Jugendreferentin für die Jugendarbeit, auch bei deren Veranstaltungen fällt diese Bürokratie an. Dazu kommt noch eine Teilzeitarbeitskraft, die zwei Stunden täglich aushilft und gerade eingelernt wird, um der Geschäftsführung des Banater Forums und der Jugendreferentin bei dem eigentlich viel zu großen bürokratischen Aufwand zu helfen. Um die Mitarbeiter zu entlasten, planen wir, unseren Ehrenamtlichen im ganzen Banat Seminare anzubieten, um sie beim Projekte-Schreiben und bei den Abrechnungen zu unterstützen. So hoffen wir, dass der Aufwand in der Geschäftsstelle kleiner wird, aber auch, dass der Frust, der auf beiden Seiten entsteht, wenn die Anträge und Abrechnungen nicht in Ordnung sind, vermieden werden kann und sich damit auch der Aufwand, der nachher in der Geschäftsstelle entsteht, verringert.
Jetzt haben Sie schon einen Ihrer Pläne erwähnt, die Sie angehen wollen. Davon gibt es sicherlich viele. Was haben Sie sich sonst noch vorgenommen?
Ich hatte schon erwähnt, dass mir Teamarbeit wichtig ist. Wir haben viele Menschen, die was tun, viele Leute, die sich innerhalb des Forums engagieren. Gerade deshalb ist es wichtig, deren Arbeit zu koordinieren und das Informationsmanagement straffen. Viele engagieren sich und organisieren schöne Veranstaltungen. Wenn diese aber mangelhaft kommuniziert werden, erfahren viele nichts davon, die vielleicht auch gerne teilnehmen würden. Dabei ist das Informationsmanagement eng auch mit dem Personalmanagement verbunden. Es gibt sehr viele Veranstaltungen. Oft kommen auch lokale Behörden auf uns zu, die z. B. gerne eine deutsche Tanzgruppe für eine multikulturelle Veranstaltung hätten. Wenn solch eine Anfrage nur an eine Tanzgruppe geht, die vielleicht gerade eine anderweitige Verpflichtung hat, ist es schade, da wir dann nicht repräsentiert sein können. Darum muss das Informationsmanagement optimiert werden, die Informationen gebündelt, damit – wie in dem erwähnten Beispiel – Alternativen angeboten werden können. Genauso könnte auch der Personaleinsatz besser koordiniert werden, damit wir als Deutsches Forum – wenn gewünscht – Präsenz zeigen können. Das impliziert natürlich effizientes Terminmanagement, um Terminüberschneidungen zu vermeiden. Gerade weil sich so viele Menschen engagieren, ist es mir aber wichtig, dass nicht der Eindruck entsteht, es käme alles „von oben“, vom Vorsitzenden und vom Vorstand. Jeder Beitrag ist willkommen.
Da steht Ihnen noch viel Arbeit bevor, dazu wünschen wir Ihnen gutes Gelingen. Wie gedenken Sie die digitalen Möglichkeiten der Social Media dazu einzusetzen?
Auch wenn wir kein Unternehmen sind und nie so professionell agieren können wie ein Unternehmen, haben wir schon damit begonnen, unsere Auftritte in den digitalen Medien professioneller zu gestalten. Was zumindest unsere Generation betrifft, ist das Facebook, für die Jugendlichen ist es wahrscheinlich eher Instagram. Wer auf Facebook recherchiert, wird feststellen, dass es viele verschiedene Auftritte gibt: des Banater Forums, des Temeswarer Forums, ein Auftritt der Kultur- und Jugendjugendgruppe Banat-Ja, des Forums der Berglanddeutschen, aber auch einzelne Tanzgruppen wie Edelweiss Detta haben einen separaten oder manchmal eine Gruppe von Tanzgruppen, die Banater Tanzgruppen zum Beispiel, haben einen gemeinsamen Facebook-Auftritt und noch weitere. Ziel sollte es sein, dass es irgendwo eine Informationsquelle gibt, die alles zusammenfasst und wo man alle Veranstaltungen finden kann, die z. B. im nächsten Monat in Banat stattfinden. Außerdem arbeiten wir daran, unsere Webseite des Banater Forums www.fdgb.ro zu verbessern. Diese gibt es seit 2023. Es wird ab Herbst, – ich hoffe, dass wir es bis dahin schaffen – auch einen Newsletter per E-Mail geben. Wir wollen versuchen, die Menschen sowohl passiv durch die Webseiten und Facebook zu erreichen als auch aktiv auf die Leute in einem Newsletter zuzugehen, die dann auch Informationen weitergeben und miteinander kommunizieren.
Nachdem wir nun viel über das Organisatorische gesprochen haben, gehen Sie bitte auch auf die kulturellen Vorhaben ein.
Erstmals wollen wir die etablierten und die sonstigen Veranstaltungen, die wir haben, beibehalten und ggf. erweitern. Vor allem die Jugendarbeit soll verstärkt werden. Neben dem Generationswechsel, den es gab, sind es die Herausforderungen der heutigen Zeit, vor allem die Digitalisierung und die Mobilität, von denen auch die Banater Jugend geprägt ist. Zum Beispiel war der Banater Rosmarein ein soziales Konstrukt, das in den 90er Jahren so gut funktionierte, da es die Jugendlichen begeistert hat und sie gerne mitgemacht haben. Mittlerweile ist es viel schwieriger geworden als früher, Jugendliche zu motivieren, mitzumachen, und es wirkt sich auf die Tätigkeit der Jugendorganisation aus. Da muss man kreativ sein. In manchen Orten, wie zum Beispiel Lovrin und Großsanktnikolaus funktioniert das. Im vergangenen Jahr wurde Mario Mateaş mit dem Stefan-Jäger-Preis ausgezeichnet, weil er das geschafft hat: junge Menschen zu motivieren. Es sollte ein Ansporn sein, das, was ihm in Lovrin gelungen ist, auf Banatebene auszuweiten, damit die Jugendorganisation wieder mehr Leben eingehaucht bekommt oder am besten sich selber einhaucht.
Ein weiteres Problem ist, dass die Mobilität, vor allem bei den Jugendlichen, viel größer ist als früher. Seit mehr als 20 Jahren gibt es die Spezialabteilung an der Lenau Schule, von der viele nach dem Abitur in Deutschland studieren. Wenn wir früher Jugendliche „verloren“ haben, wenn sie ins Berufsleben eingetreten sind und Kinder bekommen haben, konnten wir sie nach 10 oder 20 Jahren wieder zurückgewinnen für die Forumsarbeit, wenn ihre Kinder erwachsen oder zumindest schon größer waren. Die einmal ins Ausland gegangen sind, gewinnen wir selten zurück. Bei den Jugendlichen, die während des Studiums die Jüngeren betreut haben innerhalb der Jugendorganisation, ist so eine Lücke entstanden. Denn es ist nicht immer nur der Tanzgruppenleiter, der 30 oder 40 Jahre alt ist, der die Kinder und Jugendlichen motiviert, sondern oft ist es diese Zwischengeneration, die schon seit zehn Jahren dabei ist und die dann die Jüngeren Generationen betreut und mitorganisiert.
Wäre da nicht eine engere Zusammenarbeit der Jugendorganisation des Forums mit der Jugendorganisation der Landsmannschaft sinnvoll, um in Deutschland Studierende in die DBJT einzubinden?
Das ist eine interessante Idee. Mein Plan ist es ohnehin, die Beziehung zur Landsmannschaft auszubauen. Ich hatte schon in meiner Ansprache beim Heimattag in Ulm gesagt, dass unsere Gemeinschaft im Banat kleiner wird, sie wird aber auch in Deutschland kleiner. Das sind natürliche Assimilationsprozesse, die im Gange sind. Und ich glaube, wir werden uns nicht den Luxus leisten können, dass jeder sein kleines Süppchen kocht in seiner eigenen Küche. Noch sind wir eine Gemeinschaft, ob hier oder dort. Die heutige Welt macht es uns leichter, eine Gemeinschaft zu sein, als zu der Zeit, als es noch einen Eisernen Vorhang gab oder in den 1990ern, als man noch Visa gebraucht hat, um miteinander zu feiern und zusammenzukommen. Heute ist es ein Klacks, sich zu besuchen und Gemeinschaft zu leben. Wir haben keine andere Wahl, als kreativ zu sein, um unsere Gemeinschaft zu bewahren, weil die Zeiten sich so schnell ändern, dass der, der das nicht ist, letztendlich untergeht.
Was planen Sie für die nächste Zeit?
Da muss ich selbst noch einiges konkretisieren. Ich bin gerade dabei, mit sehr vielen Menschen zu sprechen. Nach meiner Wahl habe ich festgestellt, dass sehr viele Menschen mit mir sprechen wollten, im Banat, aber auch hier. Und ich selber will das auch. Ich bin überzeugt, wenn man miteinander spricht, wie wir es soeben tun, dann entstehen auch neue Ideen und es konkretisiert sich einiges. Das ist auch der Grund, warum ich heute in der Geschäftsstelle bin. Ich konnte mich mit dem Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft Peter Leber jetzt länger unterhalten. Auch wenn wir das schon bei verschiedenen Gelegenheiten taten, war das immer nur am Rande einer Veranstaltung. Darum habe ich die Gelegenheit, dass ich in München bin, wahrgenommen, um ausführlicher miteinander reden zu können, um uns auszutauschen, ohne eine bestimmte Agenda. Ich denke, der erste Schritt, damit etwas Konkretes entsteht, ist, dass man miteinander spricht und erst einmal schaut, wie es dem anderen geht. Die nächsten Schritte werden sich dann in der nächsten Zeit konkretisieren. Im Moment ist unser größtes Projekt, sowohl hier als auch im Banat, die Gestaltung der Heimattage im nächsten Jahr. Wir reden darüber und planen schon einiges – ist natürlich noch nichts reif für die Öffentlichkeit – aber ich meine, wir sind gerade dabei, allerlei Sachen zu konkretisieren. Weder das Forum noch die Landsmannschaft sind Nischenorganisationen, die für eine kleine Nische zuständig sind, vielmehr sind wir für vieles zuständig, für Kultur, Soziales, Politisches und für noch unzählig anderes. Deswegen gibt es sehr viele Themen und etwas zu wenige Menschen, die sich damit beschäftigen. Und deswegen muss man immer überlegen, was am wichtigsten ist. Mein Bestreben ist es, nicht nur das Tagesgeschäft zu erledigen, das, was Priorität hat, sondern auch ein bisschen über den Tellerrand zu schauen. Denn wenn man immer nur das Tagesgeschäft im Blick hat, vergisst man irgendwann seine Zukunft und scheitert, weil man sich nie Gedanken über die Zukunft gemacht hat.
Ich danke für das Gespräch und wünsche Ihnen alles Gute und viel Erfolg.









