Die Stiftung Verbundenheit mit den Deutschen im Ausland lud bereits zum zweiten Mal zu ihrem Wirtschaftsforum ein. Nach der Auftaktveranstaltung im Rahmen der „Tage der Verbundenheit“ im vergangenen Jahr in Bayreuth, fand die zweite Ausgabe dieses Jahr am 12./13. Juli im Haus des Deutschen Ostens in München statt.
Zur Eröffnung richteten Prof. Dr. Andreas Otto Weber, Direktor des HDO, und Josef Zellmeier MdL, Vorsitzender des Ausschusses für Staatshaushalt und Finanzfragen im Bayerischen Landtag Grußworte an die Anwesenden. Für Josef Zellmeier MdL sind die deutschen Minderheiten weit mehr als ein historisches Erbe, sie sind ein strategischer Faktor für die Wirtschaft.
Anschließend wurde in Form von Vorträgen, Podiumsdiskussionen und Austauschen inhaltlich zum Thema der deutschen Minderheiten und deutschsprachigen Gemeinschaften als Wirtschaftsbrücken in der Welt gearbeitet.
Wie eng Kultur und Wirtschaft in diesen Gemeinschaften zusammenhängen, machte der Hauptgeschäftsführer der Stiftung Dr. Marco Just Quiles in seinem Impulsvortrag deutlich. An konkreten Beispielen von Persönlichkeiten aus Kasachstan und Argentinien zeigte er, wie unternehmerischer Erfolg und kulturelles Engagement Hand in Hand gehen. Besonders ein Modell hob er hervor: die vom Bundesministerium des Innern geförderten Stiftungen der deutschen Minderheiten in Rumänien, Polen, Tschechien und der Slowakei. Sie vergeben zinslose Kleinkredite an kleine und mittlere Betriebe und schaffen so Arbeitsplätze weit über die Minderheit hinaus.
An der Podiumsdiskussion „Vom Potenzial zur Partnerschaft“ beteiligten sich Martin Grossmann, Ministerialrat im Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, Richard Neugebauer, Präsident der Landesversammlung der deutschen Vereine in der Tschechischen Republik, Bejamin Neurohr, Vorsitzender des DFD im Banat, und Arno Erdmann Direktor im Vorstand der Blohmgruppe und Präsident a. D. der deutsch-venezolanischen Handelskammer.
Grossmann wies darauf hin, dass lokale Partner der Schlüssel zu jedem Auslandsmarkt seien, überall „wo wir hinfahren mit Bayerischen Wirtschaftsdelegationen, geht es nur mit lokalen Partnern, aus Vertrauen kommt Zusammenarbeit, aus Zusammenarbeit kommt dann Innovation, Investition, Außenhandel.“ Richard Neugebauer aus dem tschechischen Schlesien sprach über seine Wirtschaftsstiftung, die seit den 90ger Jahren eng mit Deutschlang verwoben ist. Benjamin Neurohr war gleich mit vier Wirtschaftsvertretern aus dem Banat nach München gekommen. Peter Hochmuth, Unternehmensberater und langjähriger Vorsitzenden des Deutschen Wirtschaftsclubs Temeswar, Franz Jakoby, Landwirt in Ostern und Vertreter eines deutschen Landmaschinenherstellers, Dieter Probst, Inhaber eines Labors für Zahnersatz in Temeswar und Leo Frumuzache von der Firma Netex, die innerhalb von 26 Jahren zu einem führenden Anbieter im digitalen Dienstleistungsbereich avanciert ist und mittlerweile über 700 Mitarbeiter in 27 Staaten beschäftigt. Firmengründerin und Inhaberin ist Andreea Kremm. Neurohr unterstrich die Bedeutung der deutschen Wirtschaft für die Region Banat und machte dies auch an der hohen Zahl der Flugverbindungen aus dem Banat nach Bayern fest. Arno Erdmann hob den Ruf, den deutsche Qualität im krisengeprüften Venezuela bis heue genießt, hervor.
Anschließend erweiterte sich die Runde mit Vertretern deutscher Minderheiten und deutschsprachiger Gemeinschaften aus zahlreichen weiteren Ländern, so auch aus den Reihen der Donauschwaben in Serbien. Diese brachten ihre eigenen Erfahrungen und Anliegen ein. Gemeinsamer Nenner sei die deutsche Sprache als verbindendes Element zwischen Wirtschaft und Kultur. Die Landsmannschaft der Banater Schwaben war bei diesem Forum durch ihren Bundesvorsitzenden Peter-Dietmar Leber vertreten, der neue Kontakte für unseren Verband knüpfte.
Hartmut Koschyk, Vorsitzender des Stiftungsrats, ordnete das Forum in eine größere Strategie ein „Sprache ist der Schlüssel zur Brückenbildung international, deshalb sehen wir das Thema Sprache ganz eng in einem Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Vernetzung von Persönlichkeiten, die im Wirtschaftsleben stehen. Aus Potenzial sollen Partnerschaften werden, aus Kontakten dauerhafte Zusammenarbeit.“ Das Wirtschaftsforum 2026 in München hat dafür den Boden bereitet als Ort, an dem deutsche Minderheiten und deutschsprachige Gemeinschaften nicht als Bittsteller, sondern als strategische Partner Deutschlands in der Welt sichtbar wurden.









