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240 Jahre Orzydorf beim Heimattreffen in einer Ausstellung gewürdigt: Schätze aus der Orzydorfer Vergangenheit

Die Trachtenpaare der Tanzgruppe Nürnberg und der HOG Orzydorf zusammen mit den Ehrengästen: Anita Maurer und Angela Schmidt (1., 2. v. li.), Pfarrer Piry Radulov (Mitte) rechts von ihm Harald Schlapansky und Lucian Mot, links Dr. Claudiu Călin. Fotos: Laura Ortmann

Der neu gewählte Vorstand der HOG Orzydorf mit Ehrengästen (v. li.): Dr. Claudiu Călin, Archivar der Diözese Temeswar, Stefan Istrate, Hannelore Helmer, Siegrun Jäger, Eduard Ortmann, Pfarrer Piry Radulov, Karin Ortmann, Karl Scheible, Karla Rehlinger.

In diesem Jahr trafen sich die Orzydorfer am Samstag, den 16. Mai, zum 28. Heimattreffen im Markgrafensaal in Schwabach. Bei unserem 28. Treffen gedachten wir der Gründung Orzydorfs, die sich im Jahr 2025 zum 240. Mal jährte. Aus diesem Anlass hat der Vorstand den derzeitigen Pfarrer von Orzydorf Piry Radulov eingeladen, der von Dr. Claudiu Călin, Archivar der Diözese Temeswar, begleitet wurde. Der aus Vinga stammende Pfarrer Radulov hat sich – seit er für die Pfarrei Orzydorf zuständig ist – um die Erhaltung der Kirche und des Pfarrhauses sowie um die Pflege des Friedhofs verdient gemacht.

Als um 12 Uhr der Saal geöffnet wurde, warteten bereits die ersten Orzydorfer. Da auch in diesem Jahr unsere Veranstaltung vom Kulturwerk der Banater Schwaben Bayern aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales gefördert wurde, war der Eintritt frei. Die Orzydorfer haben die HOG aber trotzdem großzügig mit Spenden bedacht. Vielen Dank dafür!

Ausstellung zur Dorfgeschichte

Als Teil des Rahmenprogramms standen wie jedes Jahr Pinnwände zur Verfügung, auf denen Fotos von früher – von Festen, früheren Treffen etc. – gezeigt wurden. Anlässlich des Jubiläums hatte sich Rainer Kierer kurzfristig bereit erklärt, Schautafeln zur Geschichte Orzydorfs zu bestücken. Rainer Kierer ist nicht nur ein bekannter Mundartdichter, sondern bemüht sich als Heimatforscher seit Jahrzehnten, Informationen und Dokumente zur Geschichte Orzydorfs zu sammeln. Aus seiner großen Sammlung hatte er Fotos und Texte ausgesucht, die einen Überblick über die Gründung des Dorfes und Leben der einst prosperierenden deutschen Gemeinde boten. Beginnend mit Kopien der Ausreisepapiere der Familie Schäuble aus Wurmlingen aus dem Jahr 1784, zeigte die Ausstellung ein Dokument eines „Ehe-Contracts“ unterschrieben von Fideli „dem ersten in Orzydorf“, Bilder von den ersten Siedlungshäusern, Kopien alter Ansichtskarten, Feldpostkarten aus den beiden Weltkriegen, von Briefen aus der Deportation in die Sowjetunion sowie Bilder dazu, historische Aufnahmen wie die der Glockenabnahme 1916, Bilder zu Läden und Gaststätten, Landwirtschaft und Getreidemühlen usw. Eine Kopie der Einladung zur 150-Jahrfeier der Gemeinde am 28.- 29. September 1935 war auch zu bestaunen. Auch das kirchliche Leben, die ehemaligen Pfarrer, die Kirchweihfeste sowie Brauchtum (Fasching, Rätschebuwe), das Schulleben mit Fotos der Lehrer, Schulen und alte Klassenfotos wurden dargestellt. Nicht zuletzt gab es auch eine ausgiebige Dokumentation zu den Orzydorfer Musikkapellen, die nicht nur im Banat, sondern auch darüber hinaus Berühmtheit erlangten: Knabenkapelle Josef Metz, Kapelle Johann Dietrich, Kapelle Johann Schröder, Knabenkapelle Fidel Eipert, die Kapellen Fidel Erdöly, Michael Trettner, Stefan Günther, Peter Lambing und nicht zuletzt die Kapelle Fidel Unterweger, die vor genau 100 Jahren eine Konzertreise nach Baden-Württemberg unternahm. Das wäre nur eine kurze Zusammenfassung.

Da die Pinnwände das umfassende Material, welches Rainer Kierer vorbereitet hatte, gar nicht fassen konnten, hatte Eduard Ortmann dieses auch als Buch zusammengebunden und zur Ansicht ausgelegt.

Gottesdienst und Vorstandswahl

Nach und nach füllte sich der festlich geschmückte Saal. Die Tische und die Bühne waren auch dieses Jahr mit sehr schönem Blumenschmuck, erstellt von der Orzydorfer Floristin Simona Forga von Sunshine Floristik in Zirndorf, dekoriert. An der Bühne stand traditionell das „Stehtierl“ als Roll-up, das auch gern als Hintergrund für Fotos genutzt wurde. Das „Stehtierl“ ist ein für Orzydorf typisches Element der Hausfassade und wurde von Anna Bischof in einem Gedicht verewigt. Speziell für sie hat Johann Ortmann dieses vertont und hat es im Laufe der Veranstaltung interpretiert und der „Brot-Nani“, die auch anwesend war, gewidmet.

Die Orzydorfer freuten sich sichtlich über das Wiedersehen und erzählten eifrig. Da die Kirche St. Sebald an diesem Nachmittag nicht zur Verfügung stand, feierten wir den Gottesdienst im Markgrafensaal. Wie seit vielen Jahren zelebrierte ihn Domkapitular i.R. Alois Ehrl, in diesem Jahr gemeinsam mit Pfarrer Piry Radulov. Pfarrer Ehrl freute sich über die Verbundenheit und die Zusammenarbeit der HOG Orzydorf mit der Kirchengemeinde in Orzydorf und betonte, wie wichtig diese sei. Am Ende des Gottesdienstes wurde der verstorbenen Orzydorfer der letzten zwei Jahre gedacht. Musikalisch wurde der Gottesdienst von Hans Ortmann am Keyboard mit dem Gesang der Versammelten gestaltet. Am Ende des Gottesdienstes sang er das Lied „Überall klingen Glocken der Heimat“ und danach wurde das Glockenläuten von Maria Radna eingespielt: All das erinnerte an längst vergangene Zeiten.

Nach dem Gottesdienst konnten es die meisten kaum erwarten, die leckeren Torten, die unsere fleißigen Bäckerinnen gespendet hatten, zu probieren und so manche hatten die Qual der Wahl – es war zum Glück genug da, so dass man mehrere Sorten probieren konnte.

Nachdem alle gestärkt waren, begann der offizielle Teil. Als Ehrengäste begrüßte der Vorstandsvorsitzende Eduard Ortmann neben Pfarrer Piry Radulov und Dr. Claudiu Călin auch den stellvertretenden Bundesvorsitzenden und Landesvorsitzenden Bayern Harald Schlapansky sowie die Sprecherin der Heimatortsgemeinschaften, Vorsitzende der HOG Schöndorf und Mitglied im Vorstand des Kreisverbandes Fürth Anita Maurer. Ebenfalls vom Kreisverband Fürth waren Carmen Dauttner sowie vom Kreisverband Roth-Schwabach Angela Schmidt und Lucian Mot vom Kreisverband Nürnberg anwesend. Im Tätigkeitsbericht des Vorstands dankte der Vorsitzende Pfarrer Radulov für sein Engagement bei der Friedhofspflege, der Erhaltung der Kirche und des Pfarrhauses in Orzydorf und verwies auf das Wirken von vier Orzydorfern in der letzten Zeit: Rainer Kierer und Willi Michl, die vor zwei Jahren die sehr erfolgreiche CD „Luschdiche un ernschte Lieder iwer‘s Banat“ herausgebracht haben, Rainer Kierer, der eine Ausstellung zur Chronik von Orzydorf erstellt hat, Siegrun Jäger, die neue Redakteurin der Banater Post ist, und Hans Ortmann, der aktuell sehr erfolgreich im Duo „Hans & Herbert“ bei den Tanznachmittagen des Kreisverbands Fürth die Besucher unterhält. Es folgte der Kassenbericht und die Entlastung des Vorstands – einstimmig und ohne Enthaltungen. Der Vorstand stellte sich fast vollständig zur Wiederwahl. Marlene Waldner, Beisitzerin, verließ auf eigenen Wunsch den Vorstand. Sie war seit elf Jahren für unsere Gemeinschaft tätig und hat v. a. die Arbeit ihres Vaters Georg Kierer zur Ermittlung und Pflege von Familiendaten weitergeführt. Wir danken ihr sehr für ihr Engagement und wünschen ihr für die Zukunft alles Gute.

Der bisherige Vorstand – bestehend aus Eduard Ortmann, Vorsitzender, Karl Scheible, 2. Vorsitzender, Karin Ortmann, Schriftführerin, Karla Rehlinger, Kulturbeauftragte, Hannelore Helmer, Kassenwart und Stefan Istrate, Beisitzer – wurde einstimmig ohne Enthaltungen gewählt. Siegrun Jäger hat sich erfreulicherweise zur Mitarbeit im Vorstand der HOG Orzydorf bereit erklärt und somit zur Wahl gestellt. Sie wurde ebenfalls einstimmig gewählt. Wir freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit.

In diesem Jahr hatten wir uns für die Ehrung der ältesten Teilnehmer etwas Besonderes ausgedacht: Vor der Bühne wurden Stühle aufgestellt, auf denen die 14 ältesten Frauen und Männer Platz nahmen und als kleine Anerkennung Pralinen (für die Damen) und eine Flasche Wein (für die Herren) erhielten. Folgende Orzydorfer waren anwesend und konnten somit geehrt werden: Hans Schwemlein (92), Anna Bischof (88), Mathilde Speichert (84), Nikolaus Helmer (80), Friedrich Koller (78), Mathilde Guthe (83), Kathi (77) und Hans (80) Ortmann, Maria Guss (89), Nikolaus Frank (85), Hermann Gieb (82), Johann Maxim (80), Gertrude (78) und Nikolaus (85) Frank. Ebenfalls gekommen war Barbara Janko (84), die allerdings bei der Ehrung nicht mehr anwesend war. Passend zu der Ehrung wurde das Lied „Ich hab‘ Ehrfurcht vor schneeweißen Haaren“ gesungen.

Aufmarsch der Trachtenpaare und Tanz

Nach 17 Uhr begann die Band „Schwowe-Express“ mit Wilfried Bernath, Armin Heinz und Horst Reiter zu spielen und schon bald folgte der Einmarsch der Trachtentanzgruppe Nürnberg und der neun Orzydorfer Trachtenpaare mit dem Kirchweihstrauß, den Katharina Ortmann gestiftet und zusammen mit Elfriede Koller geschmückt hatte.

Die vorgeführten Tänze der Tanzgruppe – mit Zugabe – sorgten für Begeisterung und beste Stimmung ebenso wie die vielen Polkas, Walzer und anderen schwungvollen Stücke des „Schwowe-Express“, so dass schon gleich nach der Aufführung fleißig getanzt wurde, was bis zum Ende um 24 Uhr anhielt. In den Pausen unterhielt Hans Ortmann die Gäste mit Orzydorfer Liedern. Am Abend gab es die Möglichkeit, im Saal zu essen, die viele Orzydorfer auch wahrgenommen haben. Ab 19 Uhr waren auch Nicht-Orzydorfer zum Tanz eingeladen.

Für die finanzielle Unterstützung unseres 28. Orzydorfer Treffens bedanken wir uns sehr herzlich beim Kulturwerk der Banater Schwaben Bayern sowie beim Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales. Ein herzliches Dankeschön geht an alle Landsleute, die mit ihrem persönlichen Einsatz zum Gelingen dieses schönen Festes beigetragen haben, insbesondere an Karin und Eduard Ortmann, die das Fest organisiert und für einen reibungslosen Ablauf gesorgt haben. Dank geht auch an Rainer Kierer für seine Ausstellung, die das Jubiläum angemessen gewürdigt hat. Nicht zuletzt bedanken wir uns auch bei allen, die zu unserem Orzydorfer Treffen gekommen sind – es waren dieses Mal ca. 180, manche von ihnen waren noch nie oder seit vielen Jahren nicht mehr dabei. Auch der Altersdurchschnitt war niedriger als in den Vorjahren. Im Anschluss an die Veranstaltung gab es sehr viele positive Rückmeldungen der Teilnehmenden, was uns als Vorstandsmitglieder sehr gefreut hat.

Wir hoffen, dass alle viel Freude und viele schöne Begegnungen an diesem Tag hatten und dies auch begeistert weitererzählen und sich, wie wir, auf ein Wiedersehen in zwei Jahren freuen.