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Jubiläumsfeier 240 Jahre Darowa: Ein Gefühl von Gemeinschaft

Mit 18 Trachtenpaaren wurde bei der Jubiläumsfeier auch wieder eine traditionelle Darowaer Kerwei begangen. Fotos: Erwin Josef Tigla

Die Blaskapelle „Original Banater Echo“ aus Spaichingen unter der Leitung von Manuel Ries war mit 17 Musikern angereist.

Vor dem aus Spaichingen mitgebrachten Feuerwehrfahrzeug (v. li.): Christian Schmid, Stellv. Feuerwehrkommandant Spaichingen, Gemeinderat Patrick Kolmar, GR Walter Thesz, Bürgermeister Viorel Aurel Cherciu, BM Markus Hugger, GR und Feuerwehr-Zugleiter Stefan Keck, GR Frank Stoffel. Seitlich rechts stehen Ovidiu Ganț und Guido Wolf. Foto: Richard Wagner

Mit unzähligen Eindrücken im Gepäck sind die Gäste der 240-Jahr-Feier am 5. und 6. Juni 2026 aus Darowa zurückgekehrt. Sie erlebten ein harmonisches Fest in vertrauter Umgebung und können noch lang daran zehren.

Das Organisationsteam unter der Leitung der beiden Bürgermeister der Partnerstädte Darowa und Spaichingen, Viorel Aurel Cherciu und Markus Hugger, haben die umfangreichen Programmpunkte auf zwei Tage verteilt, damit auch ausreichend Zeit für Begegnungen bleibt. Darowaer aus Deutschland und Spaichinger Gemeinderäte reisten an. Auch die Bürgermeister Ralf Sulzmann aus Aldingen und Jörg Zetsche aus Regis-Breitingen in Sachsen, einer weiteren Partnerstadt von Spaichingen, und die Vertreter der Spaichinger Feuerwehr und der Spaichinger Narrenzunft informierten sich über den aktuellen Stand des Gemeinwesens in Darowa.

Rundgang mit den Gästen

Am Freitag lud der Darowaer Bürgermeister die Teilnehmer zu einem Rundgang durch den Ort ein. Man besichtigte den neu gestalteten Kindergarten, wo mehr als 70 Kinder unter modernen Bedingungen betreut werden. Für die daneben liegende Darowaer Allgemeinschule ist eine Modernisierung geplant. Das Sportzelt neben dem Schulgebäude macht den Sportunterricht für die Schüler auch im Winter möglich. Eine Gruppe Darowaer aus Würzburg hatte passenderweise einige Fußbälle für die Kinder als Gastgeschenk dabei und überreichte sie den Amtsträgern.

Die meisten Gäste waren angenehm überrascht, dass sämtliche Dorfstraßen im Laufe des vorletzten Jahres asphaltiert worden sind und sich die Verkehrsverhältnisse dadurch bedeutend verbessert haben. Auch die zwölf ortsprägenden Brunnen wurden im Laufe dieses Jahres aus Mitteln der Gemeinde restauriert und in ihren ursprünglichen äußerlichen Zustand versetzt. Bei deren Anblick kam bei den meisten Darowaern das Gefühl von Heimat auf. Das Wasser in den Haushalten kommt aber inzwischen längst aus einem artesischen Brunnen.

Kerweibuben und Kerweibaum

Für die Kerweibuben im Dorf gab es früher nichts Größeres, als mit der Blasmusik und dem Kerweibaum durchs Dorf zu ziehen. Diesen feierlichen Moment erlebten diesmal die „Kerweimänner“, als sie zu den Klängen des „Original Banater Echos“ – mit tatkräftiger Unterstützung der Darowaer Gemeinderäte – den vom Bürgermeister und seinem Stellvertreter Daniel Trufaș gefällten und präparierten Kerweibaum zum Tanzplatz am Kulturheim trugen und ihn ohne moderne Hilfsmittel neben der Tanzfläche aufstellten. Das geschah unter den Augen der vielen anwesenden Gäste, unter anderen Ovidiu Ganț, Abgeordneter für die deutsche Minderheit im Rumänischen Parlament, und Guido Wolf, Abgeordneter des Wahlkreises Tuttlingen im Landtag von Baden-Württemberg.

Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde

Danach begaben sich Ehrengäste, Gemeinderäte und interessierte Bürger in den Sitzungssaal des Rathauses, um die Partnerschaftsurkunde zu unterzeichnen. Bürgermeister Cherciu freute sich, diesen besonderen Moment mit so vielen liebgewonnen Menschen begehen zu dürfen. Ovidiu Ganț hob die besonderen Beziehungen der Spaichinger zu Darowa hervor und lobte das Zustandekommen der offiziellen Verbrüderung, da es zwischen Deutschland und Rumänien insgesamt nur ca. 30 Städtepartnerschaften gibt. Er hob hervor, dass in diesem Rahmen die gegenseitige Verständigung auf dem direktesten Wege erfolgen kann, die Freundschaft gegenseitige Vorteile bringe und ein Beitrag zur Völkerverständigung sei.

Bürgermeister Markus Hugger erinnerte in seiner Ansprache an die ersten Treffen in Darowa vor sechs Jahren, denen Gegenbesuche in Spaichingen folgten, bis hin zu den Gemeinderatsbeschlüssen zur Partnerschaft. Er zeigte sich wieder zutiefst angetan von der Gastfreundschaft der Menschen in Darowa und im Banat und wünschte sich eine positive Entwicklung der Partnerschaft für die Bürger dieser beiden Ortschaften.

Steffen Mey, Präsident der Narrenzunft Spaichingen und der Württembergischen Karnevalsvereine, überreichte den Darowaern ein Gastgeschenk.

Für besondere Verdienste um die Partnerschaft wurde der HOG-Ehrenvorsitzende Franz Aulila geehrt. Er hat sich dafür über viele Jahrzehnte engagiert und kann nun mit Stolz auf das Erreichte zurückblicken.

Nach einem ausgiebigen Mittagessen im Kulturheim tauschte man sich am Nachmittag über gesellige und sportliche Betätigungen aus.

Pontifikalamt, Segnung und Kerweifeier

Der Samstag begann mit einem Pontifikalamt in der Darowaer Pfarrkirche. 18 Paare zogen in ihren schmucken Trachten in das festlich geschmückte Gotteshaus ein. Bereits im Vorfeld hatte Erich Meixner, der Chorleiter des Darowaer Kirchenchors in Spaichingen, beliebte Lieder für den Gottesdienst ausgesucht und an die Lugoscher Kantorin Monica Bati versendet. So konnte die Festgemeinde sich aktiv in die Gestaltung der heiligen Messe einbringen.

Der Temeswarer Bischof József-Csaba Pál zelebrierte die Messe, unterstützt vom griechisch-katholischen Ortspfarrer Ioan Grad und dem Lugoscher Kaplan Ovidiu Virag. Die Worte aus seiner Predigt: „Aus ihrem Glauben mögen Ihre Ahnen Kraft geschöpft haben, als sie vor 240 Jahren, aus dem Nichts heraus diese Gemeinde aufbauten. Und diesen Glauben, das Vertrauen auf die Liebe Gottes, auf Seinen Beistand, haben sie weitergegeben an ihre Kinder, an ihre Nachfahren,“ sprachen den vielen Darowaern aus dem Herzen. Er zeigte sich hoffnungsvoll, dass auch die Anwesenden ihren Glauben und ihr Vertrauen auf den lieben Gott an ihre Nachfahren weitergeben.

Nach dem Gottesdienst wurden das neue Kreuz vor der Kirche und das aus Spaichingen mitgebrachte Feuerwehrfahrzeug vom Bischof gesegnet. Danach gab es auf dem Kirchplatz noch den traditionellen „Kerweitanz“ der Trachtenpaare.

Ein Prozessionszug zog anschließend von der Kirche zum Friedhof zum Ahnengedenken. Die Vertreter der Heimatortsgemeinschaft Darowa trugen einen schönen Kranz mit der Aufschrift: „Zum stillen Gedenken an unsere lieben Verstorbenen, den Opfern der Weltkriege und der Verschleppung.“ sowie „Heimat ist, wo man auf dem Friedhof hinter den Namen noch die Schicksale kennt.“ Auch die Gemeindevertreter aus Spaichingen legten einen Kranz nieder. Im Friedhof segnete der Bischof auch die Kapelle, die 90 Jahre nach ihrem Bau durch den Einsatz der HOG Darowa mit Spendengeldern umfassend renoviert worden war. Der Bauzustand ist wieder gut, das Dach ist dicht, die Außenfassade und der Innenraum wurden neu verputzt und die Wände liebevoll vom Lugoscher Baumeister Jani Tanko bemalt. Davon konnten sich die Festgäste vor Ort überzeugen. Im Anschluss nutzten die Darowaer die Gelegenheit zum Besuch der Gräber ihrer Verwandten und Vorfahren.

Vor dem Mittagessen übergab der stellvertretende Feuerwehrkommandant aus Spaichingen Christian Schmid zusammen mit seinem Kollegen Stefan Keck noch das mitgebrachte Feuerwehrfahrzeug an die Darowaer Feuerwehr. Die neuen Besitzer zeigten sich erfreut über die umfangreichen Möglichkeiten, die das Fahrzeug bietet, und hatten dazu viele Fragen.

Ehrengäste bei der Feier

Zahlreiche Ehrengäste waren zur Jubiläumsfeier nach Darowa gekommen. Das Forum der Banater Deutschen war mit seinem Vorsitzenden Benjamin Neurohr und dessen Stellvertreter Erwin Josef Țigla vom Forum der Berglanddeutschen vertreten. Für den Bundesvorstand der Landsmannschaft nahm Johann Janzer an der Feier teil. Dr. Swantje Volkmann, Kulturreferentin für den Donauraum am Donauschwäbischen Zentralmusuem, war in Begleitung des Betreuers unseres Ulmer Kulturzentrums Walter Tonța nach Darowa gereist.

Ein Grußwort sprach der stellvertretende Landrat des Kreises Temesch Alexandru Iovescu. Er traf den Geist der Begegnung mit den Worten, die er an die vielen anwesenden Darowaer richtete: „Sie sind keine Besucher hier, Sie sind heimgekommen!“ Auch Jürgen Harich, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Donauschwaben und Vorsitzender des Weltdachverbands, war voll des Lobes über die Leistungen der Darowaer vor Ort wie auch in ihrer neuen Heimat, seinem Geburtsort Spaichingen.

Zu einem vorzüglichen Mittagessen hatte die Gemeindeverwaltung in Darowa danach 350 Gäste ins Kulturheim eingeladen. Der Fortgang des Nachmittags fand nach altem Darowaer Kerwei-Brauch statt. Zunächst gab es einen choreografierten Aufmarsch der Trachtenpaare im Freien. Dem traditionellen Walzer folgte der Spruch des Kerweivaters Josef Bako, damit lud er die Gäste in deutscher und in rumänischer Sprache zur Kerwei ein. Die Vortänzerin Sandra Raible (geb. Mahalek) wandte sich mit ihrem Kerweispruch an die Dorfgemeinschaft und die Gäste und forderte alle zum Feiern und Genießen auf. Traditionsgemäß wurde dieser Teil mit einer Polka der Trachtenpaare unter dem Kerweibaum abgeschlossen.

Einen besonderen Höhepunkt des künstlerischen Programms bot die Jugendtanzgruppe „Edelweiß“ des Demokratischen Forums der Deutschen aus Detta unter der Leitung von Elena und Gerhart Sămanțu dem Publikum. Mit synchron abgestimmten Bewegungen war jeder ihrer Tänze ein Kunstwerk an choreographischer Gestaltung, Präzision und tänzerischem Können.

Leidenschaft und Kontinuität kennzeichnen auch die von Käthe und Hansi Winze in Spaichingen gegründete Tanz- und Trachtengruppe. Bei unzähligen Auftritten versprühen sie seit Jahrzehnten Frohsinn und gute Laune. Natürlich hat die Gruppe es sich auch nicht nehmen lassen, bei der Jubiläumsfeier – verstärkt durch einige Mitglieder der Jugendtanzgruppe – einige schöne Tanzbeiträge (wie etwa den Walzer „Unter den Linden“) ins Programm einzubringen.

Das Original Banater Echo

Ein unersetzlicher Bestandteil des geselligen Lebens der Darowaer ist die Musik. Die Blaskapelle „Original Banater Echo“ aus Spaichingen, deren Mitglieder weitestgehend aus dem Banat stammen, ist unter der Leitung von Manuel Ries mit 17 Musikern angereist, um die „Jubiläumskerwei“ nach alter Tradition und in bekannt hoher Qualität zu spielen. Die Musiker hatten im Banat noch zwei weitere Verpflichtungen und viele von ihnen mussten am Montag wieder in der Arbeit sein, weshalb ihnen die Festgäste für ihren Einsatz großen Respekt zollten.

Um Publikum und Gäste in das Kerweigeschehen einzubinden, hatten einige Darowaer um Richard Mahalek ein kleines Programm mit bekannten Volkliedern vorbereitet. Dank der verteilten Textblätter konnten bei der Darbietung alle mitsingen. Dazwischen trugen Käthe Winze („Mein Banat“) und Richard Wagner („Oweds am Brunne“) Heimatgedichte vor.

Einen sympathischen Programmbeitrag bot die Kinder- und Jugendtanzgruppe für rumänische Volkstänze aus Darowa. Bürgermeister Cherciu fördert die Brauchtumspflege und es gelang ihm, mit der Darbietung der über 30 Kinder in schönsten Volkstrachten die Vielfalt des rumänischen Brauchtums im Banat zu vorzuführen.

Dass das Funktionieren einer Gemeinschaft von vielen Mitwirkenden und von vertrauensvoller Zusammenarbeit abhängt, hat sich auch bei diesem Fest wieder eindrucksvoll gezeigt. Jeder hat sich mit seinen Gaben und Talenten eingebracht, hat mit viel Herzblut Ideen und Taten geliefert. Nur dadurch konnte eine so harmonische und beglückende 240-Jahr-Feier in Darowa auf die Beine gestellt werden! Für die finanzielle Unterstützung der Jubiläumsfeier bedankt sich die HOG beim Bundesvorstand der Landsmannschaft der Banater Schwaben und bei der Kulturreferentin für den Donauraum.

Das perfekte Leben gibt es ebenso wenig wie die perfekte Jubiläumsfeier. Doch wovon das Herz voll ist, davon spricht der Mund. Und so können wir festhalten, dass es der Darowaer Heimatortsgemeinschaft mit ihrem Vorsitzenden Herberth Frombach gelungen ist, einem großen Anlass den ihm gebührenden Rahmen zu geben. Viele Darowaer kehrten mit starken Eindrücken wieder in ihren Alltag zurück. Die Erinnerungen an schöne Zeiten von früher konnten aufgefrischt und den Kindern und Enkeln weitergegeben werden. Vor allem aber hat das Fest den von überall her angereisten Teilnehmern wieder das Gefühl von Gemeinschaft gegeben, wie sie es früher in Darowa hatten.