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Vorträge und Präsentationen zum Heimattag 2026: Kochbuch, Trachten, Ortsnamen und Literatur

Katharina Kilzer (li.) und Betty Boras beim Interview mit anschließender Lesung aus ihrem Debüt-Roman Foto: Brunhilde Forro

Das Team der Arbeitsgruppe „Tracht“ mit dem Buch bei der Präsentation in Ulm (v.li.): Heidelinde Redl, Elwine Muth, Theresia Teichert, Hilde Bauer und Renate Krispin. Foto: Karin Bohnenschuh

Mit historischen Landkarten illustrierte Dr. Hertha Schwarz ihren Vortrag in dem vollbesetzten Konferenzraum. Foto: Karin Bohnenschuh

Literaturstunde mit Katharina Kilzer und ihrem Gast Betty Boras: 
Geschichten von Glogowatz und Temeswar

Die Literaturstunde beim Heimattag in der Donauhalle hat seit 2014 Tradition. Jedes Mal lädt Katharina Kilzer Gäste auf ihr „Grünes Sofa“, auch wenn es dieses gar nicht mehr gibt. Symbolisch dient eine farbige Tischdecke als Ersatz.
Wie gewohnt kamen auch diesmal viele Literaturfreunde schon frühzeitig in den Großen Konferenzraum, der sich schnell – wie erwartet – als viel zu klein erwies. Unbeirrt harrten viele im Stehen aus, um die aus Glogowatz stammende Autorin Betty Boras kennenzulernen, die in ihrem Debütroman „Das schönste aller Leben“ auch Glogowatz und ihrer Familiengeschichte ein Denkmal setzt.

Keine Frage, dass viele Glogowatzer da waren, auch die Familie (der Mann und die beiden Kinder sowie ihre Oma und die Eltern) saß in der ersten Reihe. Aber das Buch der 1984 geborenen Autorin, die als Vierjährige mit ihren Eltern nach Deutschland kam, ist viel mehr als eine pure Familiengeschichte. Die  Verlagsankündigung und auch die Besprechung von Siegrun Jäger in der „Banater Post“ (vom 15. März 2026) hatte literarischen Genuss versprochen und deshalb viele neugierig gemacht auf die persönliche Begegnung mit dem Buch und der Autorin. 

Zunächst wurden ein paar Bilder aus dem Privatarchiv von Betty Boras gezeigt: das Kind mit der Oma, die auch in dem Buch eine wichtige Rolle spielt, und die erwachsene Frau bei einer Reise ins Banat vor ihrem Elternhaus. Anschließend erläuterte Betty Boras anhand der Fragen von Katharina Kilzer, wie es zu dem Buch gekommen ist und wieviel Familiengeschichte und persönliches Erleben darin vorkommt. Die Autorin hat in „Das schönste aller Leben“ zwei Frauenbiografien zu einem „Teppich“ verwoben – Theresa, eine Auswanderin im 18. Jahrhundert, die mit dem „Wasserschub“ aus Wien weggebracht wird und schließlich in Glogowatz eine Familie gründet. Und Vio, die als Kind aus Glogowatz auswandert und sich – unter den erschwerten Umständen, dass ihr Kind einen Unfall hatte, an dem sie sich schuldig fühlt  –  den Herausforderungen der Integration stellen muss. Als Verbindungsglied zwischen den Frauen dient eine hölzerne Palme, die Theresa mit ins Banat nimmt und die die Oma Vio vor deren Abreise nach Deutschland in die Hand drückt. In dem Buch kommt auch immer wieder die „Banater Erde“ zu Wort, die die Besiedlung, die Urbarmachung und dann den Weggang der Menschen kommentiert. Betty Boras las einige markante Passagen, in dem es um Lebenserfahrungen aus spezifisch weiblicher Sicht geht, was angesichts der versammelten Familie einen besonders berührenden Effekt hatte. 

Bevor es ans Signieren ging, sprach Katharina Kilzer aber noch in eigener Sache: Sie stellte die Neuerscheinung: „Geschichten und Legenden aus Temeswar“ vor, die sie gemeinsam mit Anita Maurer im Noack & Block-Verlag Berlin herausgebracht hat. Statt einer Lesung daraus gab es eine stimmungsvolle Bilderschau von Temeswar, die Lust auf mehr machte – und natürlich auf das Buch. Katharina Kilzer sammelt schon seit einer Weile Material zu Temeswarer Geschichten und Legenden. Die Bilder hat Anita Maurer beigesteuert, die Temeswar häufig besucht und die Entwicklung der Stadt in den letzten Jahren fotografisch dokumentiert hat. Eine ausführliche Buchbesprechung folgt demnächst in der Banater Post.

Die Schlange beim Büchertisch, wo beide Bücher sofort erworben werden konnten, war beachtlich. Viele entschieden sich für den „Doppelpack“. Übrig blieb nichts, zuletzt musste Betty Boras noch auf ihre „geheimen Reserven“ zurückgreifen. Geduldig standen die Besucher dann auch noch zum Signieren an. Wer leer ausgegangen ist, kann die Bücher allerdings beide leicht über den Buchhandel erwerben.

Betty Boras, die als Lehrerin mit ihrer Familie in Eislingen in der Nähe von Stuttgart lebt, zeigte sich erfreut über die Gelegenheit, mit so vielen Menschen ins Gespräch zu kommen und auch viele Glogowatzer wiederzusehen.  Man sah sie danach noch eine ganze Weile mit ihrer Familie durch die Donauhalle schlendern. (Halrun Reinholz)

Betty Boras: „Das schönste aller Leben“, Berlin (hanserblau Verlag) 2026, 240 Seiten, 22 €, ISBN 978-3-446-28451-7
Katharina Kilzer, Anita Maurer: Temeswarer Geschichten und Legenden. Berlin (Noack & Block-Verlag) 2026, 286 S., 28 €, ISBN 978-3-86813-227-4 

 

Buchpräsentation „Das Sonntagsgewand. Frauentrachten der Banater Schwaben“ 
Die Tradition als roter Faden

In diesem Frühjahr erschien das Buch „Das Sonntagsgewand. Frauentrachten der Banater Schwaben“, herausgegeben von der Landsmannschaft der Banater Schwaben. Erstellt wurde es mit viel Herzblut und mühsamer Arbeit von der Arbeitsgemeinschaft „Tracht“ der Deutschen Banater Jugend- und Trachtengruppen (DBJT). In dieser engagieren sich seit 2019 Frauen unserer Gemeinschaft, die sich zum Ziel gesetzt haben, die zahlreichen vielfältigen Trachten der Banater Schwäbinnen und Schwaben zu dokumentieren und so für die künftigen Generation zu erhalten. Sie sind überzeugt, dass Tracht weit mehr als Kleidung beinhaltet. „Sie erzählt Geschichten von Herkunft, von Familien, von Gemeinschaft und von einem Leben, das stark mit Tradition verbunden ist.“, betont Renate Krispin bei der Buchvorstellung Sonntag, den 24. Mai beim Heimattag in Ulm. Trotz fortgeschrittener Stunde kamen viele Interessierte in den Konferenzraum, um der Präsentation beizuwohnen und viele Details zur Entstehungsgeschichte und Handhabung des Buches zu erfahren.

Viele Kleidungsstücke wurden über Generationen weitergegeben, teilweise fanden sie auch den Weg in die neue Heimat, in den oft zitierten „Kisten“. Dies, weil sie Menschen gehörten, die sie als Teil ihres Lebens und ihrer Familientradition betrachteten.
Die Arbeitsgemeinschaft hat die Aufgabe übernommen, diese Kleidungsstücke zu dokumentieren, Originale zu identifizieren und zu untersuchen, Materialien zu vergleichen, Schnitte nachzuvollziehen und versucht, dieses Wissen so genau wie möglich festzuhalten. In dem vorliegenden Buch gehen sie sogar einen Schritt weiter: sie stellen Schnittmuster zur Verfügung, mit deren Hilfe die typische Sonntagstracht nachgeschneidert werden kann. So hofft die Arbeitsgemeinschaft mit diesem ersten Band aus der Reihe „Trachten der Banater Schwaben“ ein Stück des kulturellen Erbes zu bewahren und gleichzeitig für kommende Generationen zugänglich zu machen.

Im Verlauf der Präsentation sprachen die Mitglieder der AG zunächst über die Bedeutung der Tracht, stellten anschließend das Buch und seine Entstehung vor und gingen auf besondere Aspekte des Projekts ein – sowohl inhaltlich als auch praktisch.
Auf die Frage, wozu es eines solchen Buches bedarf, haben sie eine einfache Antwort: „Weil vieles sonst verloren gehen würde.“

Systematisch suchten die Mitglieder der AG nach Sonntagsgewändern von Frauen aus dem Banat, dokumentierten diese, nähten sie nach  und führten sie in einem umfassenden Buchprojekt zusammen. 

In ihrer Präsentation erläuterte Renate Krispin, dass sich aufgrund des gesellschaftlichen Wandels auch der Umgang mit Tracht verändert hat. Im Vereinsalltag tragen viele Mitglieder der DBJT heute altersentsprechende Trachtenkleidung, während die Festtrachten besonderen Anlässen vorbehalten bleiben – wie Kirchweih, Jubiläen oder große Festtage. Die Tracht passt sich an das heutige Leben an. 

Das Sonntagsgewand ist schlichter gearbeitet, angenehmer zu tragen und alltagstauglicher. Es bietet dadurch den Trägerinnen die Möglichkeit, die Banater Tracht nicht nur zu besonderen Festen, sondern auch bei verschiedenen Anlässen im Vereinsleben zu tragen. Deshalb steht es nicht in Konkurrenz zur Kirchweihtracht, sondern ergänzt sie sinnvoll.

Exemplarisch stellte Elwine Muth die Trachtenjacke „Barbara“ vor, die erstmals 2017 in einem Nähseminar in Bad Herrenalb von Frau Fetzer mitgebracht wurde; zusammen wurde ein Schnitt erstellt und die Jacke wurde nachgenäht. Aufgrund dieser Erfahrung reifte die Idee, Schnitte zu erstellen, die nachgenäht werden können. Gleichzeitig zeigte diese auch, dass dazu weitere Kenntnisse notwendig sind, wie die Beschaffenheit des Materials. Es war der Anfang der Sammlung. Im Buch werden weitere 12 Jacken vorgestellt, die im Banat gesammelt wurden, teils sind es Originale, teils wurden einige nachgenäht. Die Orte, aus welchen die Jacken stammen, wurden bewusst nicht mit aufgenommen, weil die Unterschiede zwischen den einzelnen Herkunftsorten nicht relevant sind. Damit die Tracht komplett nachgenäht werden kann, wurden dazu im Buch noch eine Vorlage für einen Rock, einen Unterrock und eine Bluse mitaufgenommen. 

Es zeigte sich, dass das Projekt sehr aufwendig ist, darum wurden die Aufgaben aufgeteilt: Als Teamleiterin kümmerte sich Elwine Muth um die praktische Arbeit, mit der Erstellung der Anleitungen und der Dokumentation befasste sich Heidelinde Redl, als Schneiderin agierte Hilde Bauer, Theresia Teichert erstellte die CAD-Digitalisierung, die technische Leitung übernahm Renate Krispin, während Edith Singer beratend zur Seite stand. 

Theresia Teichert erzählte über die Schwierigkeiten, die Schnittzeichnungen in CAD umzusetzen, wobei sie aus den Erfahrungen ihres Arbeitslebens profitieren konnte, sich aber immer wieder neuen Herausforderungen stellen musste.
Eine große Herausforderung war es auch, die Schnitte einheitlich zu erstellen, wobei viel Recherche notwendig war, vor allem orientierte sich das Team an den Schnittmustern von Burda, aber auch an anderen Nähzeitschriften. Die Schnitte wurden eingescannt und Theresia Teichert setzte sie in CAD-Zeichnungen um. Das Buch gestaltete letztendlich die Graphikerin Svetlana Fichtner. 

Theresia Teichert betonte, dass dieses Projekt nur dank einer hervorragenden Zusammenarbeit gelingen konnte und wies darauf hin, dass das Buch erst der Anfang sei, man arbeite bereits am nächsten Projekt, die Dokumentation der Kirchweihtrachten.
Nach praktischen Hinweisen zur Benutzung des Buches und des QR-Codes bedankte sich Renate Krispin bei allen, die dazu beigetragen haben, dieses einmalige Projekt zu realisieren. Sie dankte Peter-Dietmar Leber, dem Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft, der das Projekt von Anfang an unterstützt hat und dem Bundesvorstand, der die Finanzierung mitgetragen hat, Hilde Bauer, die dem Team immer helfend zur Seite stand, sowie Walter Tonța für die Korrekturen. Ebenso dankte sie allen, die inhaltlich, organisatorisch oder gestalterisch mitgewirkt haben. Jeder einzelne Beitrag – ob groß oder klein – hat dieses Projekt vorangebracht.

Abschließend teilte sie noch ihre persönliche Motivation, dieses Buch zu veröffentlichen, mit. Es sei ihr ein großes Anliegen, dass das Sonntagsgewand als tragbare Kleidung erhalten bleibt – nicht nur als Erinnerung, sondern als lebendige Tradition. Denn Tradition bedeute für sie nicht Stillstand, sondern Weitergabe. So bleibt Kultur lebendig – nicht nur in Büchern, sondern im gelebten Alltag. Und wenn künftige Generationen dazu angeregt werden, die Tracht nachzunähen, wäre der Zweck erfüllt.
Die Anwesenden bedachten das Team mit viel Beifall. Dies zeigt die Anerkennung, mit der die Bemühungen der Arbeitsgemeinschaft gewürdigt wurden.    (Siegrun Jäger)

Deutsche Banater Jugend- und Trachtengruppen (DBJT): Das Sonntagsgewand. Frauentrachten der Banater Schwaben, Schnittmuster, Herausgeber: Landsmannschaft der Banater Schwaben e.V., München 2026
ISBN 978-3-910556—07-2 Preis: 25 €, zzgl. Versandkosten

 

Beiträge der Familienforschung zur Geschichte des Banats:
Vortrag von Dr. Hertha Schwarz über die Entstehung der Banater Ortsnamen 

Schon die Ankündigung eines Vortrags von Dr. Hertha Schwarz ist ein Garant für einen vollen Vortragssaal. Auch diesmal beim Heimattag nahmen die Zuhörer Stehplätze in Kauf, um der promovierten Historikerin und Familienforscherin zuzuhören. 
Im Rahmen des Vortrags gab Dr. Hertha Schwarz (München) nicht nur einen Überblick zum aktuellen Stand dieser Forschungen geben, sondern erläuterte die Entstehung von Banater Ortsnamen an zahlreichen Beispielen. 

Warum ein Ort zum Beispiel Jahrmarkt, Bruckenau, Semiklosch, Schanderhas, Emlek, Marienfeld oder Blumenthal heißt, erschließt sich nur selten – wie im Falle von Charlottenburg oder Lenauheim – von selbst. In den meisten Fällen bleibt der tatsächliche Ursprung im Dunkeln. Diesem Thema ist die Wissenschaftlerin mit einer akribischen Recherche auf den Grund gegangen. Wenn sie darüber spricht, sind die vielen Stunden und Tage in Archiven und die Arbeit, die dahinter steckt, nicht zu merken und ihre Begeisterung wirkt ansteckend.

Wie die deutschen Orte im Banat – in einer Region, in der immer schon unterschiedliche Ethnien und Gruppen nebeneinanderlebten – zu ihren Namen gekommen sind, ist oft nicht einfach zu beantworten, da noch hinzukommt, dass es für die meisten Orte mindestes zwei, für viele sogar drei oder – je nach geografischer Lage – gar vier Namen gibt. 

Das Beispiel der Hauptstadt zeigt das sehr anschaulich: Temesvár (ung., gesprochen Temeschwar), Temeswar und Temeschburg (dt.), Темишвар (serb. Temišvar, gesprochen Temischwar), Timişoara (rum.).
Da die offizielle Bezeichnung von Orten im Banat immer auch ein Politikum war, das in Zeiten nationalistischer Erregung besonders zu Tage trat, erlebten im Banat viele Orte mehrfache Umbenennungen. Auch wenn diese im deutschen Sprachgebrauch so gut wie ohne Wirkung blieben, führten sie doch zu intensiven Diskussionen über die Berechtigung der neuen Namensformen, die als willkürlich empfunden wurden. Das fehlende Wissen über die tatsächliche Entstehung der deutschen Ortsnamen führte auch zu manchem gravierenden Irrtum. 

So wurde Blumenthal nicht, wie es die Ortschronisten vermuten, nach einer blühenden Blumenwiese benannt; der Name hat einen ganz anderen Ursprung. Vielmehr gab es an der Bergsau vor dem deutschen Blumenthal, das in seiner Gründungsphase noch Maschlak hieß, gleich mehrere Orte dieses Namens, ein Befund, der unsere überlieferte Vorstellung von der Gründung deutscher Orte in seinen Grundfesten erschüttert. Wie im Falle Blumenthals, hat das intensive Quellenstudium im Zuge der Familienforschung mittlerweile viele Erkenntnisse zur Vorgeschichte der Banater Orte wie auch deren Namen erbracht. 

Dr. Hertha Schwarz hat zugesagt, dass sie ihren Vortrag – in mehreren Folgen – für die Banater Post aufbereiten wird. Wir danken ihr schon jetzt dafür und freuen uns darauf. (Siegrun Jäger)

 

Hildegard Zappel präsentiert ihr Kochbuch "Banater Lieblingsrezepte": 
„Mama, mir schmeckt‘s nicht“

Hildegard Zappel ist keine Unbekannte für die Mitglieder unserer Landsmannschaft, denn von 2016 bis 2023 erschienen regelmäßig Kochrezepte von ihr in der „Banater Post“. Von Anfang an hatte sie die Idee, diese Rezepte gesammelt als praktisches Kochbuch herauszugeben, und viele Zuschriften ermunterten sie dazu. Im Frühjahr 2026 ist das Buch „Banater Lieblingsrezepte“ erschienen und erfreut sich - wie erwartet - guten Zuspruchs. Auch zur Buchpräsentation im Konferenzraum der Donauhalle kamen viele interessierte Landsleute, die die Autorin auch mal persönlich kennenlernen wollten.

Hildegard Zippel ist eine der „frühen“ Aussiedlerinnen, sie kam schon Anfang der 1970er Jahre aus Deutschsanktpeter nach Deutschland. Humorvoll schilderte sie in ihrem Vortrag, wie sie als junge Studentin das neue Land und die kulinarischen Segnungen der Wirtschaftswunder-Zeit erlebte: Bihun-Suppe aus der Tüte, das allgegenwärtige Maggi oder Spaghetti Miracoli im Gesamtpaket mit dem geriebenen Käse – und keine Familie in der Nähe. „Mama. Mir schmeckt`s nicht“, schrieb sie nachhause. Und da wurde ihr bewusst, wie wichtig das Essen als Identifikationsmerkmal in der Fremde ist. Zumal in Norddeutschland, wo sie lebte, weil es da auch kaum eine Gemeinschaft der Banater Schwaben gab.
Sie fing an, die Rezepte ihrer Mutter aufzuschreiben. Als ihre Eltern auch ausgereist waren, übernahm die Mutter das Kochen und es gab das Essen, das man von zuhause gewohnt war. Die Kinder von Hildegard Zappel wuchsen mit „Paradeissupp“ und „Praumeknedle“ auf. Doch irgendwann konnte die Oma nicht mehr, die Kinder zogen aus und riefen an: „Wie kocht man Juwetsch?“

Genau das sei die Zielgruppe ihres Buchs, bestätigte Hildegard Zappel.  Die bekannten Gerichte wollte sie verständlich zum Nachkochen aufbereiten – für die Generation der Nachkommen, die mit den traditionellen Gerichten den Geschmack ihrer Kindheit und die Erinnerung an ihre Großeltern verbinden. Denn anders als die Neuankömmlinge in den 70er Jahren, die vor allem unauffällig und „integriert“ sein wollten, sei diese Generation hier zuhause und betrachte die Wurzeln ihrer Familie meist als interessante Bereicherung. Das Essen, betonte Hildegard Zappel, sei die „konservativste“ aller Traditionen, die überlieferten Speisen halten sich noch mehrere Generationen in den Familien.

Obwohl es schon viele Banater Kochbücher gibt – Hildegard Zappel erwähnte in ihrem Vortrag auch einige, die ihr als Inspiration dienten – sei die Nachfrage immer groß. Sie habe viele der Kochbücher auf dem Markt als abgehoben und realitätsfern empfunden. Deshalb richte sie ihren Fokus ganz bewusst auf die Umsetzbarkeit im praktischen Alltag.  Genaue Angaben und Anleitungen waren ihr ebenso wichtig wie die Bilder, die das fertige Gericht zeigen. Und auch die schwowischen oder fremdsprachigen Bezeichnungen der Gerichte dienen zur Erkennung: „Sauri Umorke“ und „Sarmale“ oder „Tschorba“ – damit können ihre Kinder was anfangen.

Ihre „Banater Lieblingsrezepte“ fanden auch beim Bücherstand des Heimattags reißenden Absatz – nicht zuletzt, weil viele die Gelegenheit nutzten, sie von der Autorin signieren zu lassen. Manche kauften gleich mehrere Exemplare: „Geschenk für meine Tochter und meine Nichte“, erläutert eine Besucherin. Die freuen sich bestimmt darüber. 

Für die Umsetzung des Buchprojekts dankte Hildegard Zappel ausdrücklich den zahlreichen Einsendern (oder eher Einsenderinnen) von Rezeptvarianten. Durch die Reihe in der Banater Post sei ein fruchtbarer Dialog entstanden, sodass man von einem „Gemeinschaftswerk“ sprechen könne. In diesem Zusammenhang  sei sie auch dankbar für die Unterstützung durch die Redaktion der Banater Post und vor allem von Karin Bohnenschuh, die für das Layout und die Bildgestaltung zuständig war. Das Kochbuch kann weiterhin bei der Geschäftsstelle der Landsmannschaft oder über den Online-Shop bestellt werden. (Halrun Reinholz)

Hildegard Zappel: Banater Lieblingsrezepte. Hrsg. von der Landsmannschaft der Banater Schwaben, München 2025 (Banater Bibliothek 30). 235 S. ISBN 978-3-910556-08-9, 34 € (zuzügl. Versandkosten)