zur Druckansicht

Im Geist Gottes durch diese Zeit gehen: Festlicher Pfingstgottesdienst beim Heimattag in Ulm

Den festlichen Pfingstgottesdienst zum Heimattag 2026 zelebrierten die Pfarrer Paul Kollar, Markus Krastl und Ioan Cădărean, musikalisch gestaltete ihn die Original Donauschwäbische Blaskapelle Reutlingen unter der Leitung von Johann Frühwald. Fahnenträger und Trachtenpaare säumten den Altar. Foto: Karin Bohnenschuh

Pfarrer Ioan Cădărean beim Heimattag in Ulm Foto: Nikolaus Dornstauder

Pfarrer Markus Krastl während seiner Predigt Foto: Karin Bohnenschuh

Wie Pfarrer Paul Kollar stets betont, ist unser christlicher Glaube ein fester Bestandteil unserer donauschwäbischen Kultur. Er definiert unsere Identität und stellt die tiefe Verbundenheit zu unseren Wurzeln her. Der Glaube ist identitätsstiftend für unsere Gemeinschaft. Um uns darauf zu besinnen, feierten wir – wie bei jedem Heimattreffen – gemeinsam um 10 Uhr in der Donauhalle die Pfingstmesse mit Fahnenabordnungen, Trachtenträgern, Ministranten, Blasmusik und Gesang. Der Festgottesdienst wurde von Pfarrer Paul Kollar, Pfarrer Markus Krastl und Pfarrer Ioan Cădărean zelebriert.

Nach dem Geläut der Glocken von Maria Radna begleiteten zu den Klängen der Original Donauschwäbischen Blaskapelle Reutlingen unter der Leitung von Johann Frühwald die Fahnenabordnungen – mit Fahnen des Gerhardswerks, der Heimatortsgemeinschaften Sanktanna, Lenauheim, Ebendorf, Jahrmarkt, Neuarad, Sanktmartin, Nitzkydorf, Glogowatz und Deutschsanktpeter, der Marienfahne aus Lenauheim, der Kirchenfahnen aus Ebendorf und Glogowatz, der St. Anna-Fahne aus Ingolstadt, der Fahnen der Kreisverbände Nürnberg, Ingolstadt, München, Würzburg, Augsburg und Waldkraiburg sowie die Tanzgruppe Augsburg (BDTA) – , Trachtenträger der DBJT, die Gäste aus Neuarad sowie weitere Gäste, in einer Prozession die Zelebranten mit Lektorinnen und Ministranten in den Saal.

Pfarrer Ioan Cădărean, als Gesandter des Temeswarer Bischofs Josef Csaba Pál angereist richtete im Namen des Bischofs Grüße, alle guten Wünsche und Gottes Segen aus der alten Heimat aus und stellte sich kurz vor. Der Bischof habe ihn mit der Seelsorge in Seelsorgeraufgabe in Lippa (mit Traunau und Schöndorf und Neudorf mit Blumenthal, Fibisch, Königshof, Charlottenburg, Guttenbrunn und Aliosch betraut. Davor war er Priester in der Pfarrei Lowrin und in deren Filialen Pesak, Bogarosch, Lenauheim, Grabatz, Gottlob und Wiseschdja. Als Kustos von Maria Radna durfte er schon vielen Landsleuten im Wallfahrtsort der Mutter der Gnade begegnen. Er freue sich sehr, in Ulm beim Heimattreffen der Banater Schwaben dabei sein zu dürfen und begrüßte – auch im Namen von Pfr. Krastl und Kollar – alleAnwesenden, die Vertreter der Landsmannschaft der Banater Schwaben, der Heimatortsgemeinschaften und deren Mitglieder sowie Landsleute aus all unseren Heimatgemeinden aus dem Banat ganz herzlich. Grüße richtete er auch an den Oberbürgermeister Martin Ansbacher, die Honoratioren der Stadt Ulm, die Vertreter des öffentlichen und politischen Lebens und dankte der Donauschwäbischen Blaskapelle aus Reutlingen, die den Gottesdienst musikalisch gestaltete.
„Heute, am Pfingstsonntag, begleiten uns zwei untrennbare Wahrheiten: der Glaube und die Heimat.“, sagte Pfarrer Cădărean. Es sei ein Tag der Dankbarkeit und der Freude, da an ihm Gottes Liebe und Barmherzigkeit in Gestalt des Heiligen Geistes über uns ausgegossen werden. Er wünschte allen „schöne Tage, viel Gesundheit, viele Tage wie heute und ein wunderbares Fest.“
„Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“ eröffnete Pfarrer Paul Kollar den Gottesdienst, nach Kyrie und dem von der Gemeinde gesungenen Gloria trugen Isolde Griebel und Helmine Buchsbaum die Lesungen vor. Das Pfingstevangelium verkündete Pfarrer Cădărean.
In seiner Predigt sprach Pfarrer Markus Krastl vom Heiligen Geist als Geist der Liebe und der Gemeinschaft. Dieser Geist, der die Jünger Jesu aus ihrer Isolation heraus in die Welt sandte, fordert auch uns auf, der Zukunft zu begegnen, „im Bewusstsein, dass wir niemals allein sind, sondern im Geist Gottes durch diese Zeit gehen.“
Nach dem gemeinsamen Glaubensbekenntnis und den Fürbitten, gelesen von Rita Schlechter und Brigitte Braun-Gruber, leitete das begleitet von der Blaskapelle von der Gemeinde gesungene „Ich bete an die Macht der Liebe“ zur Eucharistiefeier über, die die drei Priester gemeinsam zelebrierten. Pfarrer Kollar forderte zum gemeinsamen „Vater unser“ auf. Während der Kommunion spielte die Reutlinger Blaskapelle beliebte Marienlieder wie „Segne du Maria“ und „Mit frohem Herzen“.
Vor dem Schlusssegen bedankte sich Pfarrer Kollar – auch im Namen von Pfarrer Krastl und Pfarrer Cădărean – für die Teilnehme am Gottesdienst, besonders dankte er der Donauschwäbischen Blaskapelle Reutlingen für die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes, den Lektorinnen und Ministranten, den Fahnen- und Trachtenträgern und allen, die zur Feier dieses Gottesdienstes beitragen haben und wünschte allen ein schönes Fest.
Nach dem Schlusssegen waren alle eingeladen, begleitet von der Blasmusikkapelle, das „Großer Gott wir loben dich“ zu singen. Zu diesen Klängen erfolgte der Auszug.

Glaube und Heimat verbinden
Auszug aus der Ansprache von Pfarrer Ioan Cădărean


Auf der Suche nach Frieden machten sich auch jene auf den Weg, die vor mehr als 300 Jahren im Banat eine neue Heimat gefunden hatten – jene, die unsere heutigen Dörfer und Städte gründeten, jene, die sich aus tiefstem Glauben und im Vertrauen auf die Hilfe und den Schutz des lieben Gottes leiten ließen. Denn ohne Vertrauen und Glauben kann kein Ort zur Heimat werden. Und die Heimat bleibt Heimat. 

Was die beiden Wahrheiten verbindet, die ich erwähnt habe – den Glauben und die Heimat –, trägt einen Namen: Banat. Ein Land, ein Wort, das vielen Menschen, Familien und Gemeinschaften Leben geschenkt hat das nicht zulässt, dass die Erinnerung an das Elternhaus, an die Eltern, an Verwandte und Freunde verloren geht, das nicht zulässt, dass die Sorge um unsere Kirchen und Friedhöfe erlischt und das alle Menschen guten Willens aufruft, den Heimatorten einen Tropfen Leben zu schenken. An vielen Orten im Banat werden Traditionen wiederbelebt und die Verbindungen zwischen dem Banat dort und dem hier wieder geknüpft, denn in den letzten 35 Jahren ist unsere Welt immer kleiner geworden: Die Menschen reisen leichter, kommen viel leichter miteinander ins Gespräch und öffnen sich einander immer mehr. Und dafür müssen wir Gott danken, aber auch euch allen, die ihr die Erinnerung und die Sehnsucht nach der Heimat lebendig haltet und die ihr oft, und nicht ohne Mühe den Weg auf euch nehmt, um an so vielen Veranstaltungen und Treffen sowohl im Banat als auch an den verschiedenen Orten hier in Deutschland teilzunehmen, die ihr so oft zur Unterstützung der Einheit und der Tätigkeiten innerhalb der Gemeinschaft der Banater Schwaben beitragt.

Den heutigen Tag können wir als Tag der Dankbarkeit und der Freude bezeichnen. Und langsam sehen wir, dass sich auch unsere menschliche und kirchliche Einheit erneuert. Wir sind nichtmehr so viele, aber wir sind aktiv, voller Arbeitslust und Plänen für die Zukunft. Gemeinsam beten wir, gemeinsam freuen wir uns, gemeinsam bereiten wir uns vor und feiern wir. 

Und der liebe Herrgott vollbringt auch heute noch Wunder, – und das schönste Wunder für uns heute ist, dass wir hier zusammen sind. Wir tragen auch diejenigen in unseren Herzen, die nicht mehr unter uns sind, wir erinnern uns an sie und beten für sie. Wir denken auch an diejenigen zu Hause und wünschen uns gegenseitig schöne Tage und viel Freude, viele Tage wie heute und ein wunderbares Fest! 

Wir sind Menschen des Heiligen Geistes
Predigt von Pfarrer Markus Krastl zum Heimattag der Banater Schwaben in Ulm


Pfingsten, das Fest des Heiligen Geistes, Pfingsten, das Fest des Geburtstags unserer Kirche, ist immer aber auch das Fest unserer Landsleute, das Fest der Landmannschaft, zu diesem wir uns aus vielen Orten aufmachen, um hier zusammenzukommen und miteinander den Heimattag zu feiern, aber auch das Pfingstfest. Wir Banater Schwaben, wir sind, könnte man sagen, Menschen des Heiligen Geistes. 

Er führt uns zusammen im Bewusstsein unserer Vergangenheit, unserer Traditionen, unserer Heimat. Er führt uns zusammen und stärkt uns im Miteinander, so wie wir heute hier in dieser Halle versammelt sind. Pfingstliche Menschen wollen und dürfen wir sein. Deshalb möchte ich euch fragen, wessen Geistes Kind ihr seid. Was macht dieser Heilige Geist in jedem von uns ganz persönlich eigentlich aus? Hören wir auf das Pfingstereignis, den Text, den wir in der ersten Lesung gehört haben? In diesem brechen die Jünger mit der Kraft des Heiligen Geistes auf, gehen aus ihrer Abschottung, aus ihrer Einsamkeit, aus ihrem Rückzug hinaus in die Welt und zu den Menschen hin. Der Geist des Aufbruchs ist in ihnen und diesen Geist, den, glaube ich, kennen wir alle nur zu gut. Der Geist des Aufbruchs steckt immer und immer wieder in uns Banater Schwaben und in uns Christen. 

Dafür sind wir durch Taufe und Firmung mit dem Heiligen Geist ausgestattet, dass wir die Kraft finden, immer wieder nach neuen Anfängen zu suchen, hinauszugehen und dieser Welt zu begegnen. Und dann ist es auch der Geist der Offenheit: Die Jünger gehen hinaus und begegnen den unterschiedlichsten Menschen mit unterschiedlichster Herkunft und sie sprechen zu ihnen in der Sprache des Heiligen Geistes, in der Sprache der Liebe. Diese Sprache kommt bei jedem an und sie wird von jedem verstanden. Es ist der Geist der Begegnung, der Neues möglich macht, der im Miteinander etwas Neues schafft, nämlich eine Gemeinschaft, die über Grenzen weit hinausgeht. Und er ist auch hier heute Morgen in dieser wunderbaren Messehalle präsent. 

Es ist der Geist Gottes, der uns stärkt, der uns für unseren Lebensweg ausrüstet, so wie er die Jünger ausgerüstet hat. Er gibt uns die Möglichkeit, eine neue Welt zu bauen, so wie die Jünger mit der Botschaft Jesu Christi eine neue Welt gebaut haben. 
Was auf jeden Fall wichtig ist: Es ist nicht der Geist des Hasses, es ist nicht der Geist der Exklusivität, es ist nicht der Geist, der besagt, dass die einen besser sind als die anderen, dass die einen frömmer sind als die anderen. Es ist der Geist, der uns alle gleich macht, der uns einlädt, uns allen gegenseitig, so wie heute an diesem Tag, auf Augenhöhe im Miteinander zu begegnen. Es ist der Geist, der uns lebendig macht – eine Lebendigkeit, so wie wir sie gestern schon und auch heute in diesen Stunden hier im Miteinander feiern. Es ist der Geist Gottes, der uns heilig macht und der uns die Chance gibt, im Miteinander eine bessere Welt zu bauen. 

Liebe Schwestern und Brüder, wenn wir unser Erbe im Herzen mitnehmen, wenn wir uns unsere Traditionen bewahren, wenn wir den Geist der Landsmannschaft vereint bleiben und gemeinsam durch diese Zeit gehen, dann kann uns, unserer Geschichte, unserem Erbe nichts und niemand irgendetwas anhaben, denn wir werden vom Geist unseres Gottes begleitet sein, der uns in die Zukunft führt. Uns und die Generationen, die mit uns und nach uns kommen werden. Das mag vielleicht alles anders aussehen, als es die Alten einmal gekannt haben, aber auch die Welt der Jünger sah anders aus mit dem Pfingstfest und nach dem Pfingstfest als in den Tagen, Wochen und Jahren davor. Es ist nicht die Zeit, uns zurück zu ziehen oder zu verschließen, sondern der Zukunft und dem Zeitgeist zu begegnen und mit ihnen zu arbeiten und zu gestalten, im Bewusstsein, dass wir niemals allein sind, sondern im Geist Gottes durch diese Zeit gehen.