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Heimat ist vor allem Gemeinschaft - Zwei Jubiläen beim Kulturtag in Augsburg

Radegunde Täuber (5. von links) beeindruckte die Besucher des Augsburger Kulturtags an ihrem 86. Geburtstag mit klaren Erinnerungen und Wissen zum „Geist“ der Banatia. Peter-Dietmar Leber (3. von rechts) hielt den Festvortrag zum 75. Jubiläum des Kreisverbands Augsburg. Fotos: Peter Bergmann

Die Festtagstorte zum 75. Jubiläum des Kreisverbands Augsburg wurde feierlich angeschnitten. Von links: Dr. Volker Ullrich, CSU-Bezirksvorsitzender und ehemaliger MdB, die Vorsitzende des Augsburger Kreisverbands Dr. Hella Gerber, der Augsburger OB Florian Freund, die Aussiedlerbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung Dr. Petra Loibl und der Bundesvorsitzende Peter-Dietmar Leber.

Die Musikkapelle der Banater Schwaben Augsburg unter der Leitung von Gerhard Hipp umrahmte den Festakt und gab zum Abschluss noch eine Kostprobe aus ihrem Repertoire.

Der diesjährige Kulturtag des Kreisverbands Augsburg am 14. Juni 2026 stand unter dem Motto: „Bildung, Wissen und Zusammenhalt“ und hatte gleich zwei Jubiläen im Fokus: Einerseits wurde der Kreisverband vor genau 75 Jahren gegründet und andererseits ist es genau 100 Jahre her, seit die „Banatia“ als größte deutsche Bildungsanstalt in Südosteuropa aus der Taufe gehoben wurde.

75 Jahre Kreisverband

Der erste Teil der Veranstaltung stand ganz im Zeichen des 75. Jubiläums des Kreisverbands Augsburg, der heute der bundesweit die meisten Mitglieder aufweist. So war es Ehrensache, dass die Besucher des Heimattags von der Musikkapelle der Banater Schwaben Augsburg unter der Leitung von Gerhard Hipp schon im Foyer der Tagungsstätte St. Ulrich deutlich hörbar empfangen wurden. 

Die Kreisvorsitzende Dr. Hella Gerber konnte in ihrer Begrüßungsansprache zahlreiche Ehrengäste und Freunde unseres Kreisverbands begrüßen. Der neu gewählte Oberbürgermeister von Augsburg Florian Freund war ebenso gekommen wie die Aussiedlerbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung Dr. Petra Loibl. Von den Augsburger Politikern, die stets gerne die Veranstaltungen des Kreisverbands besuchen, waren auch diesmal wieder etliche vertreten, unter anderen der CSU-Bezirksvorsitzende Dr. Volker Ullrich, der Landtagsabgeordnete Andreas Jäckel und Altbürgermeister Bernd Kränzle. Hella Gerber konnte parteiübergreifend auch mehrere Stadtratskolleginnen und -kollegen willkommen heißen sowie die Vertreter des BdV und befreundeter Landsmannschaften.

„Heimat ist nicht nur Herkunft – Heimat ist vor allem Gemeinschaft. Und diese Gemeinschaft lebt – seit 75 Jahren hier in Augsburg,“ lautete die Bilanz der Kreisvorsitzenden zum Jubiläum. Sie bot einen kurzen Rückblick auf die Entstehung und den Werdegang des Augsburger Kreisverbands, der im Jahr 1951 als einer der ersten – nur ein Jahr nach der Gründung der Landsmannschaft der Banater Schwaben – als Bezirksverband gegründet wurde. Gründungsvater war der Kaufmann und ehemalige Direktor der Banater Genossenschaft „Agraria“ Peter Ludwig, der sich nach Krieg und Gefangenschaft in Augsburg niedergelassen hatte. Bis 1976 stand er dem Verein als Bezirksvorsitzender vor. Parallel dazu entstand im Jahr 1952 die Donauschwäbische Trachtengruppe als selbstständiger Verein, dessen Aktivitäten sich mit denen des Bezirksverbands immer mehr überschnitten. 

Der langjährige Vorsitzende des Trachtenvereins, Franz Minnich aus Sanktmartin, wurde 1976 als Nachfolger von Peter Ludwig zum Vorsitzenden des Augsburger Kreisverbands und führte ihn bis Anfang der 1990er Jahre. Ihm folgten Anton Straub aus Glogowatz, Oswald Geltz aus Sanktanna, der den Kreisverband von 1999 bis 2007 leitete, sowie Dietmar Kirschenheuter aus Albrechtsflor/Kleintermin, der von 2007 bis 2017 Kreisvorsitzender war.
Mit der Aussiedlungswelle wuchs die Gemeinschaft der Banater Schwaben in Augsburg zunehmend. Es entstanden zahlreiche Gruppen, wie die erste Banater Vereinsmusikkapelle, die viele Jahre unter der Leitung von Werner Zippel stand. Einige Gruppen bestehen bis heute, etwa die sehr aktive Seniorengruppe oder der Chor der Banater Schwaben Augsburg, heute geleitet von Aniko Oster, der im April sein 40. Jubiläum feierte.

Seit 2017 leitet Hella Gerber den Kreisverband, der auf vielen Gebieten aktiv ist und auch Traditionen wie die jährlichen Wallfahrten nach Maria Vesperbild wieder aktiviert hat. Seither wird auch jedes Jahr ein Kirchweihfest gefeiert und an Allerheiligen eine Gedenkfeier mit Kranzniederlegung am Banater Stein neben der Kirche „Zum guten Hirten“ abgehalten. Drei Tanzgruppen (Kinder, Jugendliche, Erwachsene) zeigen Präsenz bei Veranstaltungen in Augsburg und den Veranstaltungen der DBJT und der Landsmannschaft. „Bewährtes bewahren, Neues gestalten und Gemeinschaft leben,“ umriss die Vorsitzende die Grundsätze des Kreisverbands.
Mit ihren Grußworten gratulierten der Augsburger Oberbürgermeister Florian Freund, der frühere Bundestagsabgeordnete und CSU-Bezirksvorsitzende Dr. Volker Ullrich und die Aussiedlerbeauftragte Dr. Petra Loibl dem Augsburger Kreisverband zum Jubiläum. 

Den Festvortrag hielt der Bundesvorsitzende Peter-Dietmar Leber. Er erinnerte an die enge Verbindung der Landsmannschaft in Augsburg, fand doch hier im Jahr 1947 auf Einladung von Peter Ludwig eine Gruppe Banater Schwaben zusammen, um über die Möglichkeiten der Unterstützung und der Interessensvertretung der Landsleute in der neuen Umgebung zu beraten. Diese Versammlung gilt als einer der „Vorläufer“ der späteren Landsmannschaft der Banater Schwaben. Es ging zunächst vor allem um elementare Fragen des Lebens und Überlebens, um die Erfassung der Banater Schwaben in Deutschland, um Beratung und Hilfe. Aber ein wichtiger Punkt war auch damals schon die kulturelle und religiöse Betreuung. Leber bilanzierte, dass die Aufgaben der Landsmannschaft sich im Laufe der Zeit stetig verändert haben. In den Zeiten des Kalten Kriegs stand die Familienzusammenführung, die Betreuung der Aussiedler und die Unterstützung der Landsleute in Rumänien im Fokus. Nun habe sich die Landsmannschaft im 76. Jahr ihrer Existenz einen anerkannten Ruf als Brückenbauerin zwischen Deutschland und Rumänien erworben, was vor allem auch durch dem aktiven Jugendaustausch und den vielfältigen Aktivitäten der HOGs und der Kreisverbände zu verdanken sei. Es sei gelungen, unser kulturelles Erbe der nächsten Generation als „etwas Wertvolles, etwas Besonderes“ zu vermitteln. Der Kreisverband Augsburg sei einer, „der sehr viel unternimmt, der breit gefächert auftritt, sich nicht einigelt, sondern öffnet“, hob Leber hervor.

Alle Redner erhielten als Gastgeschenk eine Jubiläumstasse mit der Aufschrift „75 Jahre Kreisverband der Banater Schwaben Augsburg“ und in der Kaffeepause wurde eine festlich dekorierte Jubiläumstorte angeschnitten. Bei der Kirchweih im September wird die Jubiläumsfeier in anderem Rahmen fortgesetzt.

100 Jahre Banatia

Der zweite Teil der Veranstaltung widmete sich dem 100. Jahrestag seit der Gründung der „Banatia“ im Jahr 1926. Dr. Volker Ullrich hatte bereits in seinem Grußwort kundig darauf hingewiesen, warum diese Bildungsinstitution „nur 18 Jahre Bestand“ hatte – sie konnte erst gegründet werden, als das Banat nicht mehr zu Ungarn gehörte und wurde 1944 mit dem Regimewechsel in Rumänien aufgelöst.

Halrun Reinholz gab einen kurzen Überblick über die historischen Eckdaten, danach hatte mit Radegunde Täuber, langjährige Dozentin an der Temeswarer germanistischen Fakultät und Erforscherin der Banater Geschichte,  eine wichtige Zeitzeugin zu Wort. Schon im Vorfeld hatte Luzian Geier Dokumente und Fotos aus ihrem umfangreichen Archiv nach Augsburg gebracht, die im Foyer ausgestellt waren und von ihm vor Beginn der Vorträge erläutert wurden. Das Thema der Referentin waren die Nachwirkungen des „Banatia-Geistes“ in der kommunistischen Zeit in Rumänien. Ihr Vater war Schüler an der Lehrerbildungsanstalt der Banatia gewesen und durch ihn kannte sie zahlreiche Persönlichkeiten, die die Tradition dieser Schule in der Nachkriegszeit fortführten. Der Zufall wollte es, dass die Tagung ausgerechnet mit dem 86. Geburtstag der Referentin zusammenfiel, und die Musikkapelle ließ es sich nicht nehmen, ihr mit einem zünftigen Ständchen zu gratulieren. Radegunde Täuber referierte aus ihrem Erinnerungsschatz, zeigte Verbindungen und Kontinuitäten auf und überraschte die Zuhörer mit einem packenden Vortrag. Da das Abendessen bereits wartete, musste der Vortrag von Luzian Geier zum Banatia-Schüler Ludwig Schwarz auf einen anderen Zeitpunkt vertagt werden. 

Zum Abschluss der Tagung gab die Musikkapelle der Banater Schwaben Augsburg nach dem Abendessen mit einem beschwingten Konzert noch eine Kostprobe aus ihrem vielseitigen Repertoire. 

 

75 Jahre Kreisverband Augsburg: Fotos und Dokumente gesucht!

Der Kreisverband Augsburg der Landsmannschaft der Banater Schwaben feiert heuer 75 Jahre seit seiner Gründung. Der Vorstand plant dazu eine Ausstellung. Leider haben wir wenig Material aus der Zeit vor 2017. Darum brauchen wir dringend Ihre Hilfe: Wer hat Fotos oder andere Dokumente (Urkunden, Ehrungen, Ausschnitte aus der Zeitung oder ähnliches) aus der Zeit von 1951 bis 2017? 

Wir können alles gebrauchen! Vor allem freuen wir uns über gute Scans von Fotos und Dokumenten. Gerne scannen wir die Originaldokumente auch selbst ein und geben sie den Eigentümern danach selbstverständlich zurück. Wir hoffen auf Ihr fleißiges Stöbern in alten Alben und Unterlagen und bedanken uns jetzt schon für Ihre Mithilfe!

Wer etwas zur Dokumentation beitragen kann, meldet sich bitte bei Hella Gerber, Tel. 0821-441440, E-Mail: gerber.hella@t-online.de oder bei Luzian Geier, Tel. 0821-665634, E-Mail: luziangeier@rkspcg.de