Vor 300 (+2) Jahren, im Jahr 1724, begann die Geschichte der deutschen Ansiedlung in Glogowatz im Banat. Mit großem Mut, tiefem Glauben und unermüdlichem Fleiß machten sich damals die ersten deutschen Siedler auf den Weg in eine neue Heimat. Sie bauten Häuser, bestellten Felder, gründeten Familien und schufen mit Zusammenhalt und harter Arbeit eine lebendige Gemeinde, deren Traditionen und Werte bis heute weitergetragen werden.
Der christliche Glaube spielte dabei seit jeher eine bedeutende Rolle im Leben der Glogowatzer. Besonders die Verehrung des heiligen Johann von Nepomuk, ein Schutzpatron vieler Banater Gemeinden, war Ausdruck der tiefen Verbundenheit mit Kirche und Heimat. Kirchweih, Wallfahrten und gemeinsames Feiern gehörten über Generationen hinweg zu den wichtigsten Bestandteilen des gesellschaftlichen Lebens und stärkten stets den Zusammenhalt der Gemeinschaft.
So machten sich in diesem Jahr zahlreiche Landsleute und Freunde der HOG Glogowatz auf den Weg, um gemeinsam das nachgeholte Jubiläum mit einem Kirchweihfest in der alten Heimat zu feiern und die jahrhundertealten Traditionen wieder aufleben zu lassen.
Die Busreise mit dem Busunternehmen Feil aus Augsburg startete am 13. Mai um fünf Uhr morgens. Schon während der Fahrt herrschte eine fröhliche und ausgelassene Stimmung im Bus. Unser Ehrenvorsitzender Franz Schlechter sorgte mit seinem Akkordeon und vielen bekannten Liedern für beste Unterhaltung und weckte bei allen schönen Erinnerungen an vergangene Zeiten. Besonders herzlich wurde unser Geburtstagskind Alfred Walkersdorfer begrüßt, die Reisegruppe brachte ihm ein stimmungsvolles Geburtstagsständchen. Dieser schöne und heitere Moment sorgte für große Freude und unterstrich die herzliche Gemeinschaft innerhalb der Gruppe.
Am Abend erreichte die Reisegruppe Arad, wo im Hotel Continental die Zimmer bezogen wurden. Beim gemeinsamen Abendessen ließ man den ersten Tag gemütlich ausklingen.
Der nächste Tag stand ganz im Zeichen von Maria Radna. In der ehrwürdigen Wallfahrtskirche wurde eine feierliche heilige Messe gefeiert, die Pfarrer Andreas Reinholz in besonders würdevoll und festlich zelebrierte. Nach einer kleinen Stärkung mit Kaffee und Kuchen folgte der Kreuzweg, der von unserem Landsmann Josef Haidt sowie der stellvertretenden Vorsitzenden der HOG Glogowatz Brigitte Braun-Gruber würdevoll begleitet und geführt wurde. Nach dem Kreuzweg sprach Magdalena Schlechter vor der Gnadenkapelle der Muttergottes von Radna weitere einfühlsame Gebete und besinnliche Worte. In einer Atmosphäre der Ruhe und Andacht gedachte man der Heimat, der Familien und aller Menschen, die der Gemeinschaft verbunden sind.
Für die feierliche musikalische Umrahmung sorgte die Musikkapelle unter der Leitung von Johann Höllich. Gemeinsam mit Franz Schlechter, Sebastian Bauer, Walther Janson und Alfred Walkersdorfer begleiteten die Musikanten die Wallfahrt mit vertrauten Kreuzwegliedern. Nicht zu vergessen ist dabei Walther Marksteiner, der mit großer Hilfsbereitschaft für das Halten des Notenheftes zuständig war. Den Nachmittag nutzten die Teilnehmer für persönliche Begegnungen, Spaziergänge oder Gespräche mit alten Bekannten.
Am Freitag wurde eine feierliche Andacht auf dem Friedhof von Glogowatz abgehalten, die von Pfarrer Laszlo Balogh würdevoll gestaltet worden ist. Gemeinsam gedachte man aller verstorbenen Landsleute, die einst in der Heimatgemeinde lebten und wirkten. In stillem Gedenken wurde ein Kranz niedergelegt – als Zeichen der Verbundenheit, des Dankes und der Erinnerung an die Vorfahren und Angehörigen, die diese Gemeinschaft über Generationen geprägt haben. Dabei wurde auch am Grab des verstorbenen Priesters Franz Pettla ein Kranz niedergelegt und gesegnet. Mit stiller Einkehr und gemeinsamen Gebeten gedachte man seines Wirkens und seines langjährigen Einsatzes für die Gemeinde Glogowatz.
Am Abend traf man sich erneut zum gemeinsamen Abendessen. In geselliger Runde wurde bei Tanz und Gesang bis in die späten Abendstunden gefeiert. Franz Schlechter sorgte erneut mit seinem Akkordeon für eine außergewöhnlich herzliche und heimatverbundene Atmosphäre. Mit viel Freude, musikalischem Können und zahlreichen bekannten Liedern begeisterte er die Teilnehmer und lud Jung und Alt zum Mitsingen ein. Die vertrauten Melodien sorgten für unvergessliche Stunden voller Gemeinschaft und weckten bei vielen schöne Erinnerungen.
Der Samstag stand ganz im Zeichen des traditionellen Kirchweihfestes. Insgesamt nahmen 75 Trachtenpaare am Kirchweihzug teil, darunter acht mitgereiste Trachtenpaare aus Deutschland, die dem Zug vorangingen. Angeführt wurde der Festzug vom Vorsitzenden der HOG Glogowatz Wilhelm Gruber und seiner Frau Anna. Danach folgten Elfriede Gruber und Franz Schlechter, Brigitte Braun-Gruber und Manfred Braun, Renate Gruber und Valentin Hirsch, Monika und Hans Merle, Eva Schmalz und Walther Marksteiner, Erika Böszörmenyi und Franz Danecker sowie Erika und Hans Bleichner. Ergänzt wurde der Trachtenzug von etlichen Trachtengruppen des Banater Deutschen Forums: „Vergissmeinnicht“ aus Busiasch, „Florile Mureșului!“ aus Vladimirescu, „Buntes Sträußchen“ aus Großsanktnikolaus, „Edelweiss“ aus Detta, „Hatzfelder Pipatsche“, „Heiderose“ aus Billed, die Tschanader Tanzgruppe, „BanatJa“ aus Arad und der „Banater Kranz“ aus Temeswar.
Begleitet von festlicher Marschmusik zog der Kirchweihzug vom Kulturzentrum Glogowatz zur Kirche. Immer wieder erklang dabei der traditionelle Ruf: „Puwa was he mer heint?“ worauf der gesamte Kirchweihzug laut und voller Begeisterung rief: „Kirchweih!“ Dieser traditionelle Spruch sorgte für eine besonders festliche und heimatverbundene Stimmung. Zahlreiche Besucher säumten die Straßen und verfolgten mit großer Begeisterung den festlichen Trachtenzug.
Vor der Kirche wurden alle Trachtenpaare sowie die zahlreichen Gäste von Monsignore Johann Dirschl, Generalvikar der römisch-katholischen Diözese Temeswar, dem Dechant Árpád Kiraly, Pfarrer György Zoltán, dem Administrator der Kirche Lászlo Balogh sowie dem griechisch-orthodoxen Priester Ioan Ardelean herzlich empfangen. Die feierliche heilige Messe wurde von Pfarrer Lászlo Balogh zelebriert, sie verlieh der Kirchweih einen würdevollen und festlichen Rahmen. Die Ansiedlung der Schwaben wurde als Meilenstein in der Geschichte des Ortes gewürdigt, ebenso wie die Beständigkeit der banatschwäbischen Tradition.
Nach der heiligen Messe fanden zunächst die drei traditionellen Ehrentänze aller Kirchweihpaare vor der Kirche statt. Anschließend marschierte der Kirchweihzug weiter zum Kirchweihbaum. Zahlreiche Gäste und Besucher verfolgten die Tänze mit Begeisterung und großem Applaus. Danach setzte sich der Zug unter den Klängen der Nadlaker Blaskapelle weiter in Richtung Gemeindehaus in Bewegung. Dort wurden alle Trachtenpaare sowie die zahlreichen Gäste vom Bürgermeister der Gemeinde Glogowatz Mihai Mag und vom Vizebürgermeister Ioan Plaveți, herzlich empfangen. Der Bürgermeister hieß alle Anwesenden willkommen und brachte seine Freude über das festliche Ereignis zum Ausdruck. Als Ehrengäste begrüßte er die Konsulin der Bundesrepublik Deutschland in Temeswar Anja Zougouari, den stellvertretenden Forumsvorsitzenden Erwin Josef Țigla, die Forsitzende des Arader Forums Bettina Nicoara-Szellner und dessen Geschäftsführerin Adelheid Simon und nicht zuletzt unseren HOG-Vorsitzenden Wilhelm Gruber. Bei kühlen Getränken und einer kleinen Stärkung bot sich danach Gelegenheit zu guten Gesprächen und zum geselligen Beisammensein.
Vor dem Kulturzentrum stellten sich dann alle Trachtenpaare zum Gruppenfoto auf, bevor das Festprogramm im eigens aufgestellten Zelt neben der katholischen Kirche begann. Den Nachmittag über präsentierten die verschiedenen Tanzgruppen des Banater Deutschen Forums ihre Tänze und begeisterten die zahlreichen Besucher mit farbenfrohen Darbietungen. Wir stellten erfreut fest, dass das banatschwäbische Brauchtum von den jungen Mitwirkenden mit viel Freude und Können gepflegt und dargebracht wird.
Beim anschließenden Kirchweihball sorgte die Musikband „Tornado“ aus Ungarn für gute Stimmung. Bis weit nach Mitternacht herrschte bei allen beste Partylaune und ein fröhliches Beisammensein.
Leider vergingen die gemeinsamen Tage in der alten Heimat viel zu schnell. Die vielen schönen Begegnungen, die festlichen Stunden voller Musik, Tanz und Gemeinschaft werden allen Teilnehmern noch lange in Erinnerung bleiben. Mit vielen schönen Erinnerungen im Herzen, großer Dankbarkeit und der Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen machte sich die Reisegruppe wieder auf dem Heimweg.
Die HOG Glogowatz bedankt sich herzlich bei den Mitwirkenden, den Musikanten, Trachtenträgern, Fahnenträgern, den Frauen, die beim Ankleiden der Kirchweihmädchen halfen, und allen Helferinnen und Helfern für ihren großen Einsatz für den Erhalt unserer Traditionen. Ein besonderer Dank gilt der Geschäftsführerin und stellvertretenden Vorsitzenden des Arader Forums Adelheid Simon. Mit ihrer großartigen Unterstützung und ihrer herzlichen Hilfsbereitschaft hat sie wesentlich zum Gelingen der Kirchweihtage beigetragen. Ohne diese wertvolle Hilfe wäre vieles in dieser schönen Form nicht möglich gewesen. Die HOG Glogowatz spricht ihr dafür ihre aufrichtige Anerkennung aus.
Diese Tage in Glogowatz haben erneut gezeigt, wie stark die Verbundenheit zur alten Heimat auch nach vielen Generationen geblieben ist. Tradition, Glaube und Gemeinschaft leben weiter in den Herzen der Menschen und verbinden Jung und Alt über Ländergrenzen hinweg. Möge diese Gemeinschaft auch in Zukunft bestehen bleiben und noch viele weitere Kirchweihfeste in Freude, Friede und Zusammenhalt erleben.










