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Heimat im Herzen – Zukunft prägen: Heimattag der Banater Schwaben in Ulm (2)

Der Bundesvorsitzende Peter-Dietmar Leber übergibt dem Staatsminister für Europaangelegenheiten und Internationales in der Bayerischen Staatskanzlei Eric Beißwenger MdL die „Banater Lieblingsrezepte“. Foto: Nikolaus Dornstauder

Die schwungvolle Musik der Band Akustik3 lockte viele Teilnehmer bis zum „Wahre Freundschaft“-Singen lange nach Mitternacht auf die Tanzfläche. Foto: Axel Stoßno

Am Pfingstsonntag wurden die Besucher schon vor der Donauhalle von der „Original Donauschwäbischen Blaskapelle“ aus Reutlingen, geleitet von Johann Frühwald, in Empfang genommen.
Im Foyer der Halle waren wie immer Info- und Bücherstände aufgereiht, wo die zahlreich strömenden Besucher sich den ganzen Tag über einen Überblick über einschlägige Publikationen und Angebote verschaffen und miteinander ins Gespräch kommen konnten.

Ausstellungseröffnung

Zunächst wurde jedoch die Ausstellung „Finef Johr vum meim Lewe“ eröffnet, die einen anschaulichen Überblick über die Deportation in die Bărăgan-Steppe 1951-1956 bot. Sie wurde von der Kulturreferentin für den Donauraum am DZM Dr. Swantje Volkmann gemeinsam mit dem Betreuer des Kultur- und Dokumentationszentrums unserer Landsmannschaft Walter Tonța aus Anlass der 75-jährigen Wiederkehr dieses für viele Banater Schwaben traumatischen Ereignisses konzipiert und erstellt. Dazu wurden die Bilder und Texte einer früheren Ausstellung, die 2001 zum 50. Jahrestag nach der Konzeption des damaligen Kulturreferenten Dr. Walther Konschitzky entstanden ist, verwertet. Im Gegensatz zu jener ist die aktuelle Ausstellung mobil auf Rollups und kann als Wanderausstellung von den Gliederungen für Veranstaltungen ausgeliehen werden. Schwerpunkt der Darstellung ist der Alltag der Deportierten, der die Betrachter mit eindrucksvollen Bildern und prägnanten Zitaten in den Bann zieht.

Aus Anlass der Ausstellungseröffnung war auch ein besonderer Gast aus Rumänien gekommen: Rechtsanwalt Tiberiu-Silviu Sarafolean, der Vorsitzende des Temeswarer Vereins der ehemaligen Bărăgan-Deportierten. Diese Deportation hatte außer den Banater Schwaben auch andere Ethnien betroffen, zahlreiche Rumänen und Serben waren darunter. Im Anschluss an die Ausstellungseröffnung gab der Vereinsvorsitzende den interessierten Besuchern Einblick in die vielfältigen Aktivitäten des Vereins.

Pfingstmesse

Im Foyer der Halle formierten die Fahnenträger und Trachtenpaare mit den „Original Donauschwäbischen Musikanten“ zum Einzug in die Donauhalle. Mit Fahnenabordnungen waren das Gerhardswerk, die Heimatortsgemeinschaften Sanktanna, Lenauheim, Ebendorf, Jahrmarkt, Neuarad, Sanktmartin, Nitzkydorf, Glogowatz und Deutschsanktpeter, die Kreisverbände Nürnberg, Ingolstadt, München, Würzburg, Augsburg und Waldkraiburg sowie die Tanzgruppe Augsburg (BDTA) vertreten. Zu den rund 300 Trachtenträgern der DBJT und der Gäste aus Neuarad gesellten sich noch rund 40 weitere zu der feierlichen Prozession zum Pfingstgottesdienst. Dieser wurde von den Heimatpfarrern Paul Kollar und Markus Krastl sowie dem aus dem Banat angereisten Gesandten des Bischofs von Temeswar Pfarrer Ioan Cădărean zelebriert. Die musikalische Umrahmung besorgten die Original Donauschwäbische Blaskapelle Reutlingen mit gesanglicher Unterstützung der Messebesucher, denn diesmal gab es keinen Chor.

Festkundgebung

Bei der anschließenden Kundgebung zum Heimattag konnte der Bundesvorsitzende Peter-Dietmar Leber nach dem gemeinsamen Singen der Banater Hymne zahlreiche Ehrengäste willkommen heißen.

Das erste Grußwort sprach der Ulmer Oberbürgermeister Martin Ansbacher, dabei nannte er die Banater Schwaben als „unsere Freunde“ herzlich willkommen. Er betonte die gemeinsame Verantwortung der Stadt Ulm und der Banater Schwaben für eine Zukunft in Frieden und Freiheit. Die Stadt Ulm pflege vielfältige Beziehungen im Donauraum, die Auswanderung der Deutschen von Ulm aus sei Teil der Geschichte der Stadt und Europas. Nun gelte es auch, gemeinsam ein „neues Haus“ zu bauen. Er würdigte die „große europäische Erfahrung“ der Banater Schwaben, denn ein starkes und geeintes Europa sei der Garant für Frieden und Demokratie. Der OB bedankte sich herzlich für die Einladung nach Temeswar, die er gerne annehmen wird, und äußerte seine Überzeugung darüber, dass durch die vielfältigen Begegnungen „die Weichen für ein gutes Miteinander“ gestellt sind. 

Der Staatsminister für Europaangelegenheiten und Internationales in der Bayerischen Staatskanzlei Eric Beißwenger MdL überbrachte der Festgemeinschaft die Grüße des Bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Markus Söder. Zwar sei er hier nicht in Bayern, aber er sehe Ulm, die Doppelstadt an der Grenze, als „symbolträchtigen Ort für Begegnung“ und als gebürtiger Badener sei er in Baden-Württemberg auch nicht ganz fremd. Er würdigte die Leistungen der Banater Schwaben, die „Tradition und Offenheit immer verbunden haben.“ Ihre Geschichte sei Teil der Geschichte Deutschlands. Sie sind „mit Glauben, Fleiß und Bildung im Gepäck“ gekommen und haben sich stets für Versöhnung und gebaute Brücken, für Verständigung und europäische Einheit eingesetzt. Dafür gebühre ihnen Dank und Respekt.

Als Vertreter der Botschafterin Rumäniens in Berlin Adriana Stănescu war Michael Fernbach, selbst Banater Schwabe, zum Heimattag gekommen. Er bescheinigte seinen Landsleuten, Brücken zu schlagen zwischen der alten und der neuen Heimat, und gleichzeitig die Werte der Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit hochzuhalten. In einem vereinten Europa müssten Deutschland und Rumänien als enge Partner zusammenhalten. Es gäbe zahlreiche bilaterale Beziehungen, insbesondere zu Bayern und Baden-Württemberg, und diese seien „so gut wie noch nie“. Das liege auch an der Vermittlerrolle der Rumäniendeutschen, denn „Kontakte von Menschen sind von herausragender Bedeutung“.

Die Bayerische Beauftragte für Aussiedler und Vertriebene Dr. Petra Loibl sandte eine Videobotschaft, weil sie diesmal nicht zum Heimattag kommen konnte. Als Kennerin der Banater Schwaben, die eine hervorragende Jugendarbeit vorweisen können und das Verständnis zwischen Völkern und Generationen fördern, sehe sie „Grund zum Optimismus“. Sie erinnere sich gerne an ihre Reise nach Temeswar und ins Banat, das für sie zu den „verborgenen Schätzen Europas“ gehöre und äußerte auch ihre Freude darüber, dass ein Banater Brauchtum, das Neujahrsliedersingen, nun zum UNESCO-Welterbe gehört.

Der neue Vorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat Benjamin Neurohr betonte in seinem Grußwort die Bedeutung des Zusammenhalts der weit verstreuten Banater Schwaben, die trotz allem wie eine Familie zusammengehören. Er erinnerte daran, wie schmerzvoll die Zeiten der willkürlichen Trennung waren und betonte unsere Verantwortung, „eine Lanze für Europa“ zu brechen. Die Kundgebung wurde von der Musikkapelle dezent untermalt, der Bundesvorsitzende überreichte den Rednern als Gastgeschenk jeweils ein Exemplar des neu erschienenen Banater Kochbuchs „Banater Lieblingsrezepte“.

Als Fazit der Veranstaltung erinnerte Peter-Dietmar Leber noch einmal an das Motto des Heimattags: „Heimat im Herzen – Zukunft prägen“, das uns Banater Schwaben mit auf den Weg gibt, uns einzubringen, uns mit all dem zu beschäftigen, „was uns ausmacht, was uns geprägt, und dies in unserer Gesellschaft einzubringen.“ Es gehe darum, „unsere Herkunft mit den ganz speziellen Ausprägungen von Mundart, Brauchtum, Mehrsprachigkeit im Banat nicht als Verpflichtung oder gar als Last zu begreifen, sondern als Chance, die uns gegeben ist.“ Vor allem aber: „Es gibt uns nur, wenn wir etwas tun, als Banater Schwaben tun. Machen wir weiter!“

Kulturelles Programm

In den beiden Konferenzräumen der Donauhalle fanden ab 12 Uhr wechselnde Vorträge und Präsentationen statt, die allesamt gut besucht, teils sogar überfüllt waren. 

Die Historikerin und Familienforscherin Dr. Herta Schwarz berichtete von ihren Forschungen über „Die Entstehung der Banater Ortsnamen“ im Rahmen der Beiträge zur Banater Familienforschung. 

Gerhard Temari war aus Entre Rios in Brasilien angereist, wo die donauschwäbische Genossenschaft „Agraria“ in diesem Jahr ihr 70. Jubiläum feiert. Sein Vortrag darüber fand großes Interesse.

Dr. Hildegard Zappel stellte ihr Kochbuch „Banater Lieblingsrezepte“ vor, das erst kürzlich erschienen ist und auch am Büchertisch des Heimattags reißenden Absatz fand.

Auch die Neuerscheinung der AG Tracht in der DBJT, der Band „Das Sonntagsgewand. Frauentrachten der Banater Schwaben“ wurde von den Autorinnen vorgestellt.

Das „Grüne Sofa“ gibt es mittlerweile nicht mehr, die „Literaturstunde“ in der Verantwortung von Katharina Kilzer ist jedoch ein fester Bestandteil jedes Heimattags. Diesmal war die in Glogowatz geborene Betty Boras zu Gast, die ihren kürzlich erschienenen Debutband: „Das schönste aller Leben“ vor einem brechend vollen Saal vorstellte. Im zweiten Teil wurde das Buch „Temeswarer Geschichten und Legenden“ vorgestellt, das Katharina Kilzer und Anita Maurer gemeinsam herausgegeben haben.

Tanzprogramm der DBJT

Nach der Mittagspause gehörte die Donauhalle den Tanzgruppen der DBJT. Die Trachtengruppen aus Bayern und Baden-Württemberg und die Gastgruppe aus Neuarad präsentierten zu den Klängen der Weinberg-Musikanten unter der Leitung von Gerhard Wetzler ein „Festival der Volkstänze“. Die Gesamtkoordination lag beim DBJT-Vorsitzenden Patrick Polling. 

Tanz für alle

Geselligkeit und Tanz kamen bei den Heimattagen natürlich auch nicht zu kurz. In der Donauhalle spielten die Weinbergmusikanten unter der Leitung von Gerhard Wetzler nach den Darbietungen der Jugendgruppen für alle zum Tanz auf. Parallel dazu hatte sich die Original Donauschwäbische Blaskapelle unter der Leitung von Johann Frühwald in der Halle 1 aufgestellt, wo weitere Tanzlustige auf ihre Kosten kamen. Ab 18 Uhr gehörte die Bühne der Donauhalle der Party-Band „Akustik 3“, die bis zum Kehraus für Stimmung sorgte.