Unter dem Motto: „Heimat im Herzen – Zukunft prägen“ lockte der Heimattag der Banater Schwaben 2026 am Pfingstwochenende (23. und 24. Mai) rund 4000 Besucher aus nah und fern in die Patenstadt Ulm.
Schon ab 10 Uhr nutzten am Pfingstsamstag viele die Gelegenheit, die Ausstellungen im Donauschwäbischen Zentralmuseum in der Oberen Donaubastion zu besuchen, die einen anschaulichen Einblick in die Geschichte und einen Überblick über die Länder entlang der Donau gewähren. Für die Besucher des Heimattags war der Eintritt an diesem Wochenende frei und der Ansturm auf die kostenlosen Führungen war auch diesmal groß.
Im selben Gebäude ist auch das Kultur- und Dokumentationszentrum unserer Landsmannschaft untergebracht. Dort versammelten sich die Trachtengruppen der DBJT aus Würzburg, Spaichingen und Ingolstadt und die Gastgruppe aus Neuarad und bildeten einen festlichen Trachtenzug in die Ulmer Innenstadt, begleitet von der Musikkapelle „Original Banater Echo“ aus Spaichingen unter der Leitung von Manuel Ries.
Trachten in der Innenstadt
Bei strahlendem Sonnenschein zeigten die Trachtenpaare danach in der Ulmer Fußgängerzone einiges aus ihrem Repertoire – erst einzeln, um danach in einem großen Kreis mit den imposanten Gemeinschaftstänzen ihre Zusammengehörigkeit zu zelebrieren. Die Gäste des Heimattags, aber auch die Ulmer Stadtbummler genossen die Darbietungen sichtlich.
Der Zug setzte sich danach in Richtung Rathaus in Bewegung, wo eine Delegation der Landsmannschaft von Bürgermeister Martin Bendel empfangen wurde. Als Überraschungsgast war der Ulmer Alt-OB Gunter Czisch beim Empfang zugegen – als jahrelanger Weggefährte und „Patenonkel“ der Banater Schwaben ließ er es sich nicht nehmen, alte Bekannte persönlich zu begrüßen.
Bürgermeister Bendel hieß neben den Banater Schwaben auch den rumänischen Generalkonsul in Stuttgart Dr. Vlad Vasiliu im Rathaus willkommen. Er würdigte das jahrelange Engagement der Banater Schwaben und ihrer Landsmannschaft, die ihre Werte und Traditionen in die Zukunft tragen und mit dem Heimattag in Ulm der Stadt „ein Gesicht geben“. Die Verbundenheit der Stadt und der Banater Schwaben werde damit offensichtlich, für beide gelte es, das Erbe der historischen Vorfahren gemeinsam weiter zu entwickeln.
Der Bundesvorsitzende unserer Landsmannschaft Peter-Dietmar Leber dankte für den Empfang und die langjährige treue Patenschaft der Stadt Ulm über die Banater Schwaben. Vor 300 Jahren seien unsere Vorfahren als Auswanderer hier gewesen. Daraus sei nun eine Einwanderungs- und Integrationsgeschichte geworden. „Eine gelungene Integration, wie Wissenschaftler und Politiker immer wieder betonen.“ Diese Geschichte sei noch nicht zu Ende. In ihrer Fortsetzung zeigen wir in unserem Wirken als Landsmannschaft, „dass es möglich ist, Vergangenheit in unsere Gegenwart zu integrieren.“ Dazu lassen wir auch in Ulm „das Banat, die Menschen und die Region“ immer wieder aufleben. Der Bürgermeister und die Vertreter der Patenstadt seien zu einer Reise ins Banat jederzeit herzlich eingeladen.
Gedenkfeier am Auswandererdenkmal
Bürgermeister Martin Bendel begleitete den Zug danach auch zur traditionellen Gedenkfeier am Auswandererdenkmal, wo er in seiner kurzen Ansprache an das aktuelle Datum anknüpfte: Am 23. Mai 1948 wurde die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland verabschiedet. Dass die Gedenkfeier an die Auswanderung und an die Rückwanderung nach Flucht und Vertreibung an diesem Tag stattfinde, sei eine „mahnende Symbolik“, die uns dazu verpflichte, gemeinsam für eine bessere Welt in Frieden und Freiheit einzustehen.
Die Gedenkansprache hielt der Temeswarer Bistumsarchivar Dr. Claudiu Călin, der gemeinsam mit dem Pfarrer von Lippa und Guttenbrunn Ioan Cădărean als Vertreter der Diözese Temeswar angereist war. Er erinnerte daran, dass die Geschichte des Banats nicht erst mit der Befreiung im Jahr 1716 begonnen hat und dass das Bistum gerade dabei ist, sein 1000-jähriges Jubiläum zu feiern. Erst kürzlich sei in Temeswar der zweite Teil der Milleniumsausstellung eröffnet worden, der die Zeit der Türkenherrschaft zum Thema habe. Im Laufe der Jahrhunderte seien viele Siedler mit einer „Heimat im Herzen“ ins Banat gekommen und viele mit der Banater „Heimat im Herzen“ weitergezogen.
Die feierliche musikalische Gestaltung der Gedenkstunde besorgte das „Original Banater Echo“. Wie immer erfolgte anschließend eine Kranzniederlegung am Auswandererdenkmal.
Erinnerungskultur im DZM
Den Besuchern des Heimattags war danach nur eine kurze Erholungspause vergönnt, denn im Donauschwäbsichen Zentralmuseum lockte die Konditorin Ariane Löffler aus Fürth mit Doboschtorte in verschiedenen kreativen Abwandlungen.
Die Abendveranstaltung fand auch in den Räumen des Donauschwäbischen Zentralmuseums statt: Die „Lustigen Schwaben“ hatten zu ihrem beliebten Programm „Leit, wie schnell die Zeit vergeht“ eingeladen. Obwohl es viele schon von anderen Anlässen kannten, kamen sie dennoch so zahlreich, dass der Saal brechend voll war. Durch das Programm führten Anneliese und Hans Lang.
Im ersten Teil des Programms wird mit Liedern und Gedichten an die alte Heimat erinnert, „ein kurzes Wort, in dem so viel steckt.“ Nostalgie und Sehnsucht („Homweh“) bestimmen den Ton, aber auch Selbstbewusstsein („Ich sen a Schwob“) und Selbstironie („Wir Ex-Banater“).
Nostalgisch geht es auch im zweiten Teil zu, doch hier kommt die heitere Note zum Tragen: Nach einer Idee und unter der Regie von Anneliese Lang gehen die „Lustigen Schwaben“ auf Zeitreise und schildern ein Leben im Banat der 60er/70er Jahre (wie es ihre Generation erlebt hat). Banater Brauchtum (Taufe, Hochzeit, Kirchweih, Schweineschlacht) vermischt sich mit den Realitäten des sozialistischen Alltags: Schuluniform, „tanzen la senti“ und ähnliches. Musik und Bildprojektionen sorgen zusätzlich für Stimmung.
Diese war ansteckend, ließ sich auch am Ende des Stücks nicht vertreiben, denn die „lustigen Musikanten“ mit Hasi Sterbling am Akkordeon gingen dann zum allgemeinen Liedersingen über, wie man das im Banat gewöhnt ist. Texthefte machten die Runde, aber viele im Saal brauchten die gar nicht. „Wie in der Jugend“, habe man sich gefühlt, war von einigen zu hören. Die Verantwortlichen hatten einige Mühe, die Veranstaltung zu beenden.











