zur Druckansicht

Auf Erkundungstour im Banat - Eine Reise mit vielen Erlebnissen und neuen Freunden

Spontan erhielt die Reisegruppe eine Privataudienz bei dem deutschen Bürgermeister von Temeswar Dominic Fritz. Fotos: Eduard Binschedler

Nach der Wanderung zu den Ausläufern der Westkarpaten erwartete uns ein festlich gedeckter Tisch im Freien und im Bach gekühltes Bier.

Der Traunauer Taufbrunnen ist im Diözesanmuseum in Temeswar zu sehen.

Unser monatlicher Banater Stammtisch, an dem zehn Personen teilnehmen, bot den Auslöser für eine fünftägige Reise ins Banat. Zwei Lokalpolitiker unserer kleinen Stadt Kandel in der Südpfalz machten auch mit: Eine locker ausgesprochene Einladung an unseren Bürgermeister Michael Gaudier, der väterlicherseits Banater Vorfahren hat und in der Banater Post (Nr. 20 vom 20. Oktober 2025) von der Reise zu seinen Wurzeln in Schag bei Temeswar berichtet hat, führte dazu, dass nicht nur er, sondern auch der 1. Beigeordnete der Stadt Kandel Volker Merkel sich in unsere Banater Runde gesellten und dabei offenbar sehr wohl fühlen. Das rumänische Menü (salată de vinete, ciorbă cu perişoare, sarmale, clătite cu gem – also Auberginenaufstrich, Gemüsesuppe mit Hackfleischbällchen, gefüllte Krautwickel und Pfannkuchen mit Marmelade), das der aus Busiasch stammende Koch der Pizzeria ausnahmsweise für uns gezaubert hatte, tat seine Wirkung: Alle fanden es so schmackhaft und die Stimmung war so gut, dass bereits einen Tag später der Anruf bei mir einging, doch bitte eine Kennenlern-Reise ins Banat zu organisieren.Volker äußerte den Wunsch, der Bürgermeister war auch mit Begeisterung dabei, obwohl er terminlich nicht sofort abkömmlich war und erst zwei Tage später anreisen konnte. Mein Schwager, der aus Hatzfeld stammt und dessen Großeltern mütterlicherseits in Sackelhausen beheimatet waren, war sofort mit von der Partie. 

In Gedanken begann ich sofort mit der Planung der Reise. Als gebürtiger Traunauer räumte ich dem Besuch meines Heimatortes und der Stadt Arad mit Umgebung einen großen Raum ein. Es fiel mir zugegebenermaßen schwer, auf den Einwand meines Schwagers Günther eingehen zu müssen, dass von den fünf Tagen doch Temeswar als die größere und wichtigere Stadt drei Tage und Arad mit Umland nur zwei Tage zustanden. Es kam mir vor, als hätte Poli mit 3:2 gegen UTA gewonnen!
Volker buchte für uns einen Flug von Baden Airport nach Temeswar und reservierten zwei Übernachtungen im Hotel „Continental“ in Arad und drei Übernachtungen im gleichnamigen Hotel in Temeswar. Günthers Part war es, den Mietwagen und die Stadtführung in Temeswar zu organisieren und ich kümmerte mich um unsere Verpflegung und die Stadtführung in Arad. Ich hatte mir vorgenommen, unsere beiden Kandeler mit landestypischem Essen zu verwöhnen, allerdings nicht in Restaurants, sondern in den Familien von zwei früheren Schulfreunden – schließlich sollten sie „Land und Leute“ kennenlernen. Die Banater Schwaben sind zwar kaum noch da, aber überall sind Spuren von ihnen und immer wieder konnte man auch Gespräche auf Deutsch führen, so auch bei meinem Freund in Arad. Die beiden Einladungen waren Höhepunkte dieser Reise, wir wurden mit unzähligen Spezialitäten verwöhnt, auch eine selbstgebackene Doboschtorte fehlte nicht. Immer wieder wurden die Herzlichkeit und die Gastfreundschaft der Gastgeber geschätzt.

Eine Wanderung führte uns bei herrlichem Wetter über etwa 20 Kilometer in den Ausläufern der Westkarpaten (Ţara Moţilor) entlang eines kleinen Flusses in den Geburtsort meines Schulfreundes. Hinter dem kleinen Ort endet die Straße, man käme nur noch zu Fuß auf den Berg. Aber das mussten wir nicht, für uns war auf der Wiese ein langer Tisch mit weißer Tischdecke gedeckt worden, die Steaks und Mici brutzelten bereits auf dem Grill und das Bier lag zum Kühlen im klaren Bach. Unsere beiden Kandeler kamen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Zum Nachtisch wurde Ziehstrudel mit Käse gereicht, in salziger und süßer Variante.

In Traunau habe ich mich, zugegeben, ein bisschen in Details verrannt: Kirche, Friedhof, mein Geburtshaus, das Pfarrhaus – alles hatte in meinen Augen seine Berechtigung und leider ist es uns dadurch nicht mehr gelungen, nach Radna zu fahren. 
Im Diözesanmuseum von Temeswar konnte ich allen den Traunauer Taufbrunnen zeigen, der es zu Berühmtheit gebracht hat, war er sogar schon bei einer Ausstellung in Bukarest.

In Arad hatten wir einen sehr kompetenten deutschsprachigen Stadtführer und selbst für mich, der ich mit meinen Eltern viele Jahre dort gelebt habe und glaubte, die Stadt zu kennen, gab es viel Neues zu entdecken. Nie hatte ich z.B. gewusst, dass es auch heute noch eine jüdische Synagoge gibt. Der Spaziergang am Maroschufer, die nachts wunderschön beleuchteten Gebäude, das alles verlieh Arad das Flair einer attraktiven, modernen Stadt.

Temeswar toppte das Ganze noch einmal. Die Stadt, die 2023 Europäische Kulturhauptstadt war, kann sich durchaus mit vielen westlichen Großstädten messen. Mit ihren Parks, Blumenarrangements und Plätzen, mit ihren prägnanten Bauwerken wie Oper, orthodoxe Kathedrale mit Mosaikziegeln und dem Dom zum Heiligen Georg hat die Stadt uns durch ihr reiches kulturelles Erbe begeistert. Aber es ist auch eine überaus lebendige, junge Stadt, in der das Leben pulsiert, in der junge Leute scheinbar ohne Eile und Hektik unterwegs sind und Musik- und Tanzdarbietungen auf Straßen und Plätzen genießen. Wir haben uns bei einer sehr fundierten Stadtführung einen guten Überblick verschaffen können und am Sonntagmorgen eine deutsche Messe im Dom besucht. Im Gottesdienst trafen wir zufällig die stellvertretende Bundesvorsitzende Christine Neu und ihren Mann Ewald. Da Christine aus Sackelhausen stammt, kennt sie natürlich Günther. Und ich kenne sie von unserer Reise nach Brasilien im Jahre 2012 zu den Donauschwaben in Entre Rios. Christine und Ewald begleiteten uns den Rest des Tages. In Schag nahm Michael bei einer Kranzniederlegung am Kriegerdenkmal teil.

Zusammen gingen wir danach in Sackelhausen in die Kirche und auf den Friedhof, denn die Inschriften auf den Grabsteinen sind ein bleibendes Zeugnis von der früheren Präsenz der Deutschen. Nachmittags luden die Neus uns zu Kaffee und Kuchen in Christines Elternhaus ein, das die beiden aktuell bewohnen. Bis spät in die Nacht ging uns der Gesprächsstoff nicht aus – und auch nicht die Getränke.

Ein weiterer Höhepunkt unserer Reise war die Privataudienz bei dem aus dem Schwarzwald stammenden Temeswarer Bürgermeister Dominic Fritz. Ein Bundesdeutscher, der in Rumänien Bürgermeister ist – das hätte man zu unserer Zeit in Rumänien nicht einmal zu denken gewagt. Es war nicht klar, ob wir überhaupt einen Termin bekommen, aber der für Traunau zuständige Pfarrer Ion Cădărean hat uns durch seine Vermittlung dazu verholfen. Während der halben Stunde, die in angenehmer, entspannter Atmosphäre stattfand, konnten die beiden Bürgermeister Vergleiche anstellen über die jeweilige Situation in ihren Städten (wobei Kandel als Kleinstadt nicht mit Temeswar vergleichbar ist). Ein Kandeler Jubiläumswein „875 Jahre Kandel“ und ein Wimpel mit der Aufschrift „Freundschaft kennt keine Grenzen“ wurden dem Bürgermeister als Gastgeschenk überreicht.

Fünf Tage waren viel zu schnell vorbei und wir mussten Abschied nehmen, obwohl wir gerne noch mehr gesehen hätten. Doch bei einem Nachtreffen in Kandel hatte ich eine Idee, wie wir Maria Radna doch noch sehen können: Aus der Runde kam der Vorschlag, diese wunderbare Reise unbedingt mit den Ehefrauen zu wiederholen.