zur Druckansicht

Ideengeber und tatkräftiger Unterstützer - Zum Ableben von Dorin Imbrescu

Anlässlich der Gedenkfeier für Ludwig Schwarz im Dezember 2025 begrüßte Dorin Imbrescu (Mitte mit gelber Jacke) in Neupetsch die Gäste. Foto: Bürgermeisteramt der Gemeinde Neupetsch

Mit seiner humorvollen Intelligenz sowie seiner ruhigen, bescheidenen Art beeindruckte Dorin Imbrescu sein Gegenüber und begründete so einen großen, facettenreichen Freundeskreis, den er geschickt in seine Projekte einzubinden wusste.
Er war ein Meister der Selbstironie. Zu meiner Überraschung sprach er auch recht gut Deutsch – zwar gebrochen, doch stets gewürzt mit originellen und bisweilen gewagten Formulierungen. Bei offiziellen Anlässen bat er mich meist um eine Übersetzung ins Deutsche, damit es unter den Zuhörern keine „unfreiwilligen Lachopfer“ gäbe.

Für die Heimatortsgemeinschaft Ulmbach-Neupetsch war Dorin Imbrescu ein wahrer Segen. Sein Einfallsreichtum war beeindruckend und zugleich fordernd. Die Ideen sprudelten oft noch während des geplanten Ablaufs einer Veranstaltung. So fragte er mich etwa am Ende eines ereignisreichen Tages im Rahmen der Bărăgan-Gedenkveranstaltungen überraschend, aber höflich, ob ich nicht noch kurzfristig mit seinem Freund, Prof. Mihai Vlădia, eine Fernsehsendung zum Thema Deportation gestalten würde. Ihm konnte man kaum etwas abschlagen – und so fanden wir uns wenig später spontan in einem Temeswarer Fernsehstudio wieder.

Aus der Fülle gemeinsamer Veranstaltungen seien nur einige Projekte hervorgehoben: das jährliche Entzünden von Kerzen auf dem katholischen Friedhof an Allerheiligen, die Kreuzweg-Prozession, das Wiederaufleben der Tradition des Maibaumsetzens, die Gedenkveranstaltungen zum 70. Jahrestag der Bărăgan-Deportation in Roseți mit Enthüllung einer Gedenktafel an der Friedhofskapelle in Neupetsch, die 300-Jahr-Feier Ulmbach-Neupetsch mit Kirchweihfest in der alten Heimat, die Kartierung des Ulmbacher Friedhofs sowie die umfangreichen Veranstaltungen zu Ehren des Schriftstellers Ludwig Schwarz im Banat und schließlich das einschlägige Symposium im Februar 2026 im Haus der Heimat in Nürnberg. 
Bei größeren Veranstaltungen legte er großen Wert auf die Anwesenheit von Medien, Honoratioren und Ehrengästen. „Worüber die Medien nicht berichten, hat nicht stattgefunden“, war sein Credo. Seine Ziele waren – im Gegensatz zu seiner persönlichen Bescheidenheit – oft ehrgeizig. Sein Ideenreichtum kannte kaum Grenzen, und seine Begeisterung vermochte er auf seine Mitstreiter zu übertragen. So brachte er mich vor einigen Jahren sogar dazu, nach älteren Männern zu suchen, die noch über das Wissen um gestampfte Mauern verfügten und bereit gewesen wären, einige Wochen in Neupetsch zu verbringen, um dort den Bau eines Lehmhauses im Stil der Einwandererhäuser zu begleiten – gedacht als Dorfmuseum im Rahmen der 300-Jahr-Feier. Dieses Vorhaben erwies sich letztlich als eine Nummer zu groß.

Doch er hatte auch ein Auge für die kleinen Freuden – alljährlich zum Frühlingsanfang überraschte er die Damen unserer Gemeinschaft mit dem traditionellen rumänischen „mărțisor“, dem inzwischen auch von den Rumäniendeutschen liebgewonnenen „Märzchen“.

Ohne Dorin Imbrescu hätte die Zusammenarbeit unserer Heimatortsgemeinschaft mit der alten Heimat niemals jene Intensität und Lebendigkeit erreicht, die wir seiner unermüdlichen Kreativität und seinem selbstlosen Einsatz verdanken. Mit großem persönlichem Engagement verstand er es, Brücken zu bauen, Menschen zusammenzuführen und gemeinsame Projekte mit Herz und Weitblick voranzubringen.

Er war nicht nur Ideengeber, sondern auch ein tatkräftiger Umsetzer – stets darauf bedacht, das Verbindende zu stärken und den Austausch zwischen Ethnien, Religionen und Generationen lebendig zu halten. Sein Wirken hat bleibende Spuren hinterlassen und wird uns allen in dankbarer Erinnerung bleiben.

Dorin Imbrescu ist am 23. April 2026 im Alter von nur 62 Jahren überraschend in Neupetsch verstorben. Am 25. April 2026 wurde er auf dem Friedhof seines Geburtsortes Slatina Nera im Kreis Karasch-Severin beigesetzt. Möge er in Frieden ruhen.