Der Bund der Vertriebenen ist nichts Geschichtliches, er ist etwas Gegenwärtiges, sagte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) beim Jahresempfang des Verbandes. In seiner Festrede betonte der Minister, der ein großer Unterstützer der Anliegen der Vertriebenen, Aussiedler und deutschen Minderheiten ist, eindrucksvoll den Beitrag des BdV zur Erinnerung an Flucht und Vertreibung der Heimatvertriebenen und zur Versöhnung – und damit zum Frieden in Europa. Der BdV erfüllt diesen Auftrag Tag für Tag und die Bundesregierung unterstützt ihn weiterhin bei seinen Anliegen, sagte Dobrindt. Das Schicksal der deutschen Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg dürfe nicht vergessen werden. „Die Geschichte kann man nur verstehen und die Zukunft darauf positiv entwickeln, wenn man eben nicht bereit ist, zu vergessen, sondern zu versöhnen“, so der Bundesinnenminister, der für seine Rede viel Zustimmung und Beifall erhielt. Er sicherte dem BdV Unterstützung bei dessen Anliegen zu. Diese hatte eingangs der neue BdV-Präsident Stephan Mayer MdB thematisiert. Er sprach drei zentrale Säulen an, auf welchen die Arbeit des BdV basiere: Erinnerung, Verständigung und Zukunft. Vor dem Hintergrund des 80. Jahrestags der Hauptvertreibung im Jahr 1946 machte er zudem deutlich, welche große Bedeutung einer verantwortungsvollen Erinnerungskultur zukomme. Mayer sprach auch Themen an, bei denen es Handlungsbedarf gibt, unter anderen das Fremdrentengesetz und den Spätaussiedlerzuzug. Er versäumte es nicht, unter viel Applaus dem Bundesinnenminister den Titel eines Bundesvertriebenenministers anzudienen, was Dobrindt gerne annahm. Nicht abwegig, wenn man bedenkt, dass nun auch die Kulturarbeit der Vertriebenen in diesem Ministerium gebündelt ist.
Von beiden Rednern angesprochen wurde das Dokumentationszentrum Flucht-Vertreibung-Versöhnung, dem nun mit Dr. Roland Borchers ein neuer Direktor vorsteht. Mayer sagte, dass die vom BdV gestellten Stiftungsräte alles dafür tun würden, dass die Ausstellung so gestaltet werde, „dass sie empathisch für uns als Betroffene, Vertriebene, für deren Nachkommen“ sei. Dobrindt betonte, dass „die Idee, die Aufgabe und die Zuständigkeit der Stiftung Flucht, Vertreibung und Versöhnung ist, die Vertreibung, das Leid, das Unrecht der Deutschen ins Zentrum ihrer Aufgabe zu stellen.“
Am Jahresempfang des Bundes der Vertriebenen unter Führung des neuen Präsidenten Stephan Mayer kamen zahlreiche Gäste aus Politik, Kultur, aus den Landsmannschaften des BdV und viele Vertreter der deutschen Minderheiten zusammen. Bundesbeauftragter Dr. Bernd Fabritius war zugegen, Staatsekretär Christoph de Vries, zahlreiche Bundestagsabgeordnete, die Kulturreferenten und Direktoren der ostdeutschen Museen, die Botschafterin Rumäniens in Berlin, Adriana-Loreta Stănescu, Unterstaatssekretär Thomas Şindilariu aus Bukarest, Benjamin Josza aus Hermannstadt, Hartmut Koschyk von der Stiftung Verbundenheit, die Bundesvorsitzenden der Landsmannschaften, die ehemalige BdV-Präsidentin Erika Steinbach, zahlreiche BdV-Landesvorsitzende, der BdV-Landesvorstand Bayern sogar mit den kompletten Vorstand. Die Banater Schwaben waren durch den Bundesvorstand, die Landesvorstände Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, den BdV-Frauenverband, den BdV Bayern, den BdV-Saarland, die Kulturreferentin für den Donauraum und nicht zuletzt durch den Vertreter der rumänischen Botschafterin sehr gut vertreten.
Traditionell tagt um das Datum des Jahresempfangs auch der BdV-Bundesausschuss, dem das BdV-Präsidium, die Bundesvorsitzenden der Landsmannschaften und die BdV-Landesvorsitzenden angehören. Erstmals unter dem Vorsitz von BdV-Präsident Stephan Mayer MdB wurden nach dem Bericht des Präsidenten zur Lage, die politische Vertretung satzungsgemäßer Anliegen, die Aktivitäten der Mitgliedsverbände und Verbandsfragen besprochen. Bundesvorsitzender Peter-Dietmar Leber informierte über die Arbeit unserer Landsmannschaft in Deutschland und im Banat, über aktuelle Entwicklungen und Perspektiven unseres Verbandes. Täglich gehen Beitrittserklärungen zur Landsmannschaft ein, leider verlieren wir aber mehr Mitglieder aufgrund von fortgeschrittenem Alter oder Todesfällen. Trotzdem weist unser Verband ein breites Spektrum von Aktivitäten auf und es gibt in den Gliederungen immer wieder hoffnungsvolle Zeichen von Kontinuität und Neubeginn.
Zu einem weiteren Sitzungstermin hatte die Stiftung Zentrum gegen Vertreibungen im Tagungszentrum Katholische Akademie in Berlin eingeladen. Hier informierte der Vorsitzende der Stiftung, Staatsminister a.D. Peter Beuth, den BdV-Bundesausschuss über die Arbeit dieser Institution, neue Entwicklungen und Aussichten. Die Stiftung wird vom Land Hessen institutionell gefördert, veranstaltet im September eine wissenschaftliche Fachtagung zu Flucht und Vertreibung, verleiht alle zwei Jahre den Franz Werfel Menschenrechtspreis, hat zahlreiche Zeitzeugenberichte aufgenommen und weitere Vorhaben im Visier.










