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Jubiläumsfeier und Zukunftsperspektiven: Tagung der Kreisverbände und Heimatortsgemeinschaften in Frankenthal

Traditionell versammeln sich alle Teilnehmer am Ende der Veranstaltung zu einem Gruppenfoto vor dem Donauschwabenhaus in Frankenthal. Fotos: Nikolaus Dornstauder

Blick in den Saal: Aufmerksam verfolgen die Teilnehmer der Tagung der Landesverbände, Kreisverbände und Heimatortsgemeinschaften der Landsmannschaft der Banater Schwaben den Ausführungen des Referenten.

Am Sonntag, dem zweiten Tag der Tagung, erinnerte Pfarrer Paul Kollar die Teilnehmer daran, wie wichtig der christliche Glaube und der Zusammenhalt für unsere Gemeinschaft sind.

Die jährliche Verbandstagung unserer Landsmannschaft, die traditionell im Donauschwabenhaus in Frankenthal stattfindet, stand in diesem Jahr im Zeichen des 50-jährigen Jubiläums dieses Veranstaltungsformats, das sich im Laufe der Jahre von einer Tagung der Vorsitzenden der Heimatortsgemeinschaften durch die Einbeziehung der Vorsitzenden der Landes- und Kreisverbände zu einer Organisations- und Kulturtagung der Vorsitzenden der landsmannschaftlichen Gliederungen entwickelt hat. Sie ist ein Forum für innerlandsmannschaftliche Kommunikation und Interaktion, ein Podium zum Informations-, Meinungs- und Erfahrungsaustausch, das den adäquaten Rahmen bietet, die Verbandsarbeit zu reflektieren, jeweils eine Standortbestimmung vorzunehmen und die zukünftigen Aufgaben und Ziele abzustecken.

In diesem Jahr waren am Wochenende vom 28. zum 29. März insgesamt 153 Teilnehmer angereist, davon 53 HOG-Vertreter und 29 Vertreter der Kreisverbände.

Der Bundesvorsitzende Peter-Dietmar Leber begrüßte die Anwesenden und bat die neu gewählten Vorstände, die zum ersten Mal an der Tagung teilnehmen, sich kurz vorzustellen: Ingrid Kreiner für die HOG Moritzfeld, Marlen Hollerbach für die HOG Deutschsanktpeter, Monica Stoye-Petke, stellvertretende Vorsitzende des Landesverbandes Berlin und Neue Bundesländer und Herberth Frombach für die HOG Darowa. Bei der Hauptversammlung im Februar wurde der Bundesvorstand neu gewählt, den der Bundesvorsitzende präsentierte, wobei er darauf hinwies, dass die beiden neu gewählten Beisitzer, der Vorstand der HOG Sanktandres Johann Janzer und der Vorstand der HOG Orzydorf und gleichzeitig des Kreisverbandes Fürth Eduard Ortmann, den Bundesvorstand stärken und ihre Erfahrung miteinbringen werden.

Herzlich willkommen hieß er die Referenten Thomas Schneider vom Verband der Siebenbürger-Sächsischen Heimatortsgemeinschaften, Sergiu Dema, den Kulturreferenten der Stadt Hatzfeld mit Gattin, Dr. Hella Gerber Vorsitzende des KV Augsburg, Anton Enderle und Walter Niklos von der HOG Perjamosch. Des Weiteren begrüßte er: Bernhard Krastl, den Ehrenvorsitzenden der Landsmannschaft, die beiden Gastgeber Wolfgang Staudt und Hans Schmaltz von der Donaudeutschen Landsmannschaft Frankenthal, Hiltrud Leber, die Präsidentin des Frauenverbandes des BdV, Nikolaus Rennon, den Vorsitzenden des Hilfswerks der Banater Schwaben mit Gattin, Christine Schneider, die Leiterin des Seniorenzentrums in Ingolstadt, Bernhard Fackelmann, den Vorsitzenden des Kulturwerks Banater Schwaben in Bayern, Harald Schlapansky, den Landesvorsitzenden der Banater Schwaben in Bayern, Patrick Polling, den Vorsitzender der DBJT, Walter Tonța, den Leiter des Dokumentationszentrums der Banater Schwaben in Ulm, seitens der Presse Astrid Weisz (Radio Temeswar und Redakteurin der Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien) und Siegrun Jäger (Redakteurin der Banater Post) sowie die fleißigen Mitarbeiterinnen der Bundesgeschäftsstelle Katharina Spick, Karin Metzler und Yvonne Dornstauder mit ihren Ehegatten, die alle bereits im Vorfeld der Tagung in der Vorbereitung und Erstellung der Tagungsmappen tatkräftig mitgearbeitet hatten. Besonders erwähnte er Nikolaus Dornstauder, der auch die Veranstaltung aufzeichnet und fotografiert.

Zur Tagungseröffnung erfolgte das traditionelle Singen der Banater Hymne. Sodann die verlas der Bundesvorsitzende die Namen der seit der letzten Tagung 2025 verstorbenen, ehrenamtlich engagierten Banater Schwaben, denen in einer Schweigeminute gedacht wurde.

Unsere Initiativen und Projekte

Die Sprecherin des Bundesvorstandes Anita Maurer übernahm die Moderation und führte sogleich in die Tagesordnung ein. Als erster ergriff Harald Schlapansky das Wort und erläuterte im Detail die Mitgliederentwicklung des Jahres 2025. Aktuell habe der Verband 10029 Mitglieder. Die meisten Kündigungen erfolgen aufgrund von Todesfällen. Der Mitgliedsbeitrag habe sich 2026 um 2 € auf 58 € jährlich erhöht, Familienmitglieder zahlen nach wie vor jährlich einen Mitgliedsbeitrag von 12 €. Die Verbandsmitglieder wurden bezüglich der Erhöhung des Mitgliedsbeitrags über die Banater Post informiert. Durch die Neuerungen im Zahlungsverkehr der Banken habe sich allerdings die Zahl der Rücklastschriften erhöht, was zu zusätzlichen Kosten führe. Wünschenswert wären Übernahmen von Mitgliedschaften durch Angehörige bei Todesfällen. Er bat die Vorsitzenden und die Vorstände der HOGs die Landsleute bezüglich der Mitgliedschaften zu beraten und zu versuchen, auch jüngere durch stärkere Einbindung in die Gemeinschaft für eine Mitgliedschaft zu gewinnen. 

Auch eine freudige Nachricht sei zu vermelden: Nach vier Jahren mit einigen Rückschlägen wurde das Neujahrslied-Singen der Banater Schwaben aus Sanktanna ins Bayerische Landesverzeichnis als Teil des Liedguts der deutschen Minderheiten Südosteuropas aufgenommen. Diese Erfolgsbotschaft wurde von den Teilnehmern im Saal mit viel Beifall belohnt.

Der stellvertretende Bundesvorsitzender Georg Ledig, wies auf die Bedeutung des Abschlusses einer Vereinshaftpflicht, Veranstalterhaftpflicht oder Vermögensschadenhaftpflicht hin und gab Quellen an, über welche Informationen eingeholt werden können. Er erläuterte die Bedeutung des Vereinsschutzbriefes und gab anhand von Praxisbeispielen Tipps und Entscheidungshilfen, um die passende Versicherung zu finden. Es folgten Fragen und Anmerkungen seitens der Teilnehmer. Als wichtige Erkenntnis kristallisierte sich heraus, dass es sinnvoll ist, schon bei den Veranstaltungsankündigungen auf eine individuelle Haftung hinzuweisen.

Jürgen Griebel, ebenfalls stellvertretender Bundesvorsitzender, der ehrenamtlich die Internetseite unserer Landsmannschaft (www.banater-schwaben.org) verwaltet, wies darauf hin, dass die Vorstellung der einzelnen Heimatortsgemeinschaften und Kreisverbänden aktuell noch nicht vollständig sei und bat die Anwesenden, darauf hinzuwirken, dies nachzuholen. Neu sei auch, dass auf der Website ein Tool implementiert wurde, über welches Zahlungen und Spenden online abgewickelt werden können. Dies gewährleiste auch, dass z.B. Eintrittskarten für den Heimattag in Ulm online bestellt und Zahlungen am Büchertisch online abgewickelt werden können.

Die Redakteurin der Banater Post Siegrun Jäger dankte den HOGs für ihre Mitarbeit, ermutigte sie weiterhin über das Vereinsleben zu berichten und bat, darauf zu achten, dass die Beiträge direkt an die die E-Mail-Adresse der Redaktion (redaktion@ banater-schwaben.de) gesandt werden.

Vom dem EU-Projekt einer Fahrrad-Route von etwa 10 000 Kilometern entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs berichtete Christine Neu, ebenfalls stellvertretende Bundesvorsitzende. In Rumänien durchquert „EuroVelo 13“ drei der Landkreise (Temesch, Karasch-Severin und Mehedinți) mit einer Gesamtlänge von 280 km. Im Verzeichnis der Route sind aktuell auch Ortschaften wie Hatzfeld, Grabatz, Sackelhausen, Temeswar, Otelek, Johannisfeld, Morawitza etc. eingetragen. Der Aufbau der Strecke erfolgt mit kommunaler Unterstützung. Der jeweils aktuelle Stand wird auf der Homepage des EuroVelo13 angezeigt.

Bernhard Fackelmann berichtete als Vorsitzender der HOG Sanktmartin von der Sanierung der Heimatkirche und der Kapelle sowie von der erfolgreichen Sammlung von Spenden, die nicht zuletzt den zahlreichen von ihm verfassten Büchern zu verdanken sei. Als nächstes Projekt sie die Errichtung eines Dokumentationszentrums in einem Nebenraum der Kirche in Sanktmartin geplant, das Ende August 2026 feierlich eröffnet werden wird.

Der Vorsitzende des Banater Hilfswerks Nikolaus Rennon sprach von der Bedeutung dieses Vereins, der eigenständig, aber als Partnerverein der Landsmannschaft der Banater Schwaben agiere. Der Verein kümmert sich ausschließlich um bedürftige Banater Schwaben. In Temeswar im Adam-Müller-Guttenbrunn-Haus ist die Landsmannschaft der Banater Schwaben durch Walter Altmayer mit einem Büro vor Ort vertreten. Das Seniorenzentrum in Ingolstadt ist das Vorzeigeobjekt des Vereins. 
Die Leiterin des Seniorenzentrum Josef-Nischbach Christine Schneider ergriff anschließend das Wort und schilderte die Aufgaben des Seniorenheims. Als Hauptaufgabe sehe sie die Aufrechterhaltung unserer „schwowischen“ Tradition. In Ingolstadt gibt es eine ambulante Pflege, eine stationäre Altenpflege und ein betreutes Wohnen. Um dies alles zu stemmen, sind auch hier Spenden wünschenswert. Am 4. Juli 2026 findet das alljährliche Sommerfest statt. „Dazu sind sie alle herzlich eingeladen“, so die Heimleiterin.

Der Vorsitzende des Kreisverbandes Heilbronn Anton Michels stellte den Heimatkanal des Kreisverbandes Heilbronn vor. Dieser ist nicht öffentlich, auf ihn kann nur durch eine Weiterleitung des Links zugegriffen werden.

Blick zu den  Siebenbürger Sachsen

„Blick über den Zaun“ hieß der nächste Tagesordnungspunkt, zu dem als Referent Thomas Schneider, der Vorsitzende des Verbandes der Siebenbürgisch-Sächsischen Heimatortsgemeinschaften eingeladen war. Im Unterschied zu den HOGs unserer Landsmannschaft haben sich die Heimatortsgemeinschaften der Siebenbürger Sachsen zu einem eigenständigen Verein zusammengeschlossen und agieren dezentral. Jährlich im Oktober treffen sie sich in Bad Kissingen zu einer Fachtagung. Die Organisation ist eine Plattform für alle 130 Heimatortsgemeinschaften von Siebenbürgen. Sie sind eng verbunden mit den Untergliederungen des Verbandes der Siebenbürger Sachsen, wie die „SJD“ (Siebenbürgisch-Sächsische Jugend in Deutschland) und den Kindergruppen, die eine wichtige Rolle in der Gemeinschaft spielen, erläuterte der Referent. 

Wichtig für den Verband sei, eine Plattform für die Zukunft zu bilden und das kulturelle Erbe zu wahren. Die Rolle des Verbandes sehe er in der Vernetzung der Gemeinschaften und in der Schaffung von Räumen der Begegnung. Deshalb seien die Stärkung der Gemeinschaft, die Einbindung der Jugend und die Erhaltung der Sitten und Bräuche Ziele, die nur durch Verantwortung und Zusammenhalt erreicht werden können. 

Trotz des strukturellen Unterschieds zu den HOGs unserer Landsmannschaft sind die Themen, mit denen sie sich auseinandersetzen und die in ihren Tagungen behandelt werden, die gleichen: Mitgliederwerbung und Mitgliederschwund, Organisation von Veranstaltungen, Einbeziehung der Kinder und Jugendlichen, u.ä. Eingebunden ist der Verband auch in der Organisation des Sachsentreffens in Dinkelsbühl, dem „Sommer in der Heimat“, seit 2017 dem Sachsentreffen in Hermannstadt. Eine wichtige Rolle spielt die Zusammenarbeit mit den Landeskirchen, die – genau wie die Gemeinschaft – immer kleiner werden. Deshalb müssen neue Konzepte erarbeitet und auch neue Wege gegangen werden, wie das Konzept der „offenen Kirchenburgen“ im touristischen Bereich. Die große Herausforderung sei dabei nicht nur das Bewahren, sondern das „Neubeleben“.

Eine wichtige Rolle für unsere Gemeinschaften spiele dabei das Ehrenamt, das gepflegt und gewürdigt werden sollte, denn Motivation sei sehr wichtig, so der Referent.

Abschließend lud Thomas Schneider alle Anwesenden der Tagung zu den „Festtagen in Siebenbürgen“ ein, die vom 7. bis zum 16. August 2026 stattfinden.

Die Teilnehmer nutzten die Gelegenheit zu Fragen und einem Austausch von Erfahrungen. So wurden die Unterschiede zwischen den Kirchengemeinden im Banat und den Kirchengemeinschaften in Siebenbürgen angesprochen. Fragen gab es auch zum Thema Digitalisierung. Der Verband betreibt eigene Clouds, erläuterte Thomas Schneider, in denen jede Heimatortsgemeinschaft eigenständig ihre Daten verschlüsselt verwalten könne.

Peter-Dietmar Leber bedankte sich bei dem Vorsitzenden des Siebenbürgisch-Sächsischen Verbandes für die aufschlussreichen Informationen und dem fruchtbaren Austausch.

Satzungsgemäße Wahl der HOG-Sprecher

Nach einer kurzen Pause folgte die – gemäß Satzung alle drei Jahre turnusgemäß anstehende – Wahl von zwei Sprechern, die die Heimatortsgemeinschaften im Bundesverband vertreten. Die Wahlleitung hatte 
Georg Ledig inne. 57 Stimmberechtigte hatten die Gelegenheit, sich an der Abstimmung zu beteiligen. Vorgeschlagen wurden erneut die beiden bisherigen Sprecher, Anita Maurer und Werner Griebel, die einstimmig im Amt bestätigt wurden.

Hatzfeld im Banat, ein identitätsstiftender Ort 

Der beeindruckendste Beitrag zur Tagung war sicherlich der von dem Gast aus Rumänien Sergiu Dema, Direktor des Kulturheims Hatzfeld, gehaltene Vortrag. Die Entscheidung, ihn als Referenten einzuladen, fiel auf Vorschlag des DBJT-Vorsitzenden Patrick Polling, der – wie alle Teilnehmer des Ausflugs der DBJT nach Hatzfeld während der Heimattage in Temeswar – von ihm und seiner Arbeit begeistert war. Dema ist Kulturmanager in dem Heidestädtchen und gab sich sichtlich Mühe, seinen Vortrag auf Deutsch zu bestreiten. Als ein seit vielen Jahren in Hatzfeld lebender ethnischer Rumäne setzt er sich tatkräftig zur Wahrung des deutschen Erbes der Stadt ein. Für ihn ist es eine Selbstverständlichkeit, Veranstaltungen zu organisieren, um an die Deportation der Hatzfelder in die UdSSR (wie letztes Jahr) und in die Bărăgan-Steppe zu erinnern. Mit Stolz stellte er die vielen Museen Hatzfelds vor. Das Pressemuseum beherbergt Dokumente einer in ganz Rumänien einzigartigen deutschen Presselandschaft. Das Stefan-Jäger-Museum zeigt einmalige Bilder des berühmten Banater Malers. Das Eisenbahnmuseum ist ein Freilichtmuseum an einem der ersten Bahnhöfe des Banats (Linie Temeswar–Hatzfeld–Szeged), einst ein Tor zur Auswanderung in die freie Welt, nach Amerika, aber auch ein Ort, an dem Menschen in Viehwaggons in die Sowjetunion und in die Bărăgan-Steppe deportiert wurden. Des Weiteren gibt es auch ein Feuerwehrmuseum „St. Florian“ und erwähnenswert auch  die Gedenkstätten „Dr. Karl-Diehl“ und „Petre Stoica“. Es herrsche sehr gute Zusammenarbeit mit der HOG Hatzfeld, deren Vorsitzender Walter Tonța ist. Ein Meilenstein der Kooperation mit deutschen Institutionen sei die Übersetzung des Bandes „Hatzfeld. Ordnungen im Wandel“. Er finde es wichtig, der jungen und den zukünftigen Generationen das kulturelle Erbe der Banater Schwaben zu bewahren. Zahlreiche Gedenkveranstaltungen, Konzerte und Führungen sollen darauf hinweisen, aber auch digitale Projekte werden gefördert.

Mit seinem Vortrag gelang es Sergiu Dema, die Zuhörer zu begeistern und der Bundesvorsitzende bedankte sich bei dem Referenten und wünschte ihm für die Zukunft viel Erfolg.

„Tradition im Herzen“: DBJT stellt sich vor

Ohne Jugend keine Zukunft – das gilt auch für unseren Verband. Unter dem Motto „Tradition im Herzen“ berichtete der Vorsitzende der DBJT Patrick Polling von den Veranstaltungen im Banat rund um die Heimattage 2025, dem gut besuchten Seminar in Bad Wurzach (150 Teilnehmer) und den Plänen für dieses Jahr, u.a. dem Auftritt der Tanzgruppe bei dem Heimattag in Ulm, der Teilnahme an den Folkloretagen in Rimini, dem Sportfest mit Zeltlager und vielem mehr. Anschließend stellte er die Arbeitsgemeinschaften Tanz, Geschichte und Tracht vor. Deren Faltblatt „DBJT – ERLEBE Gemeinschaft“ bezeuge eindeutig, wie Brauchtum, Geschichte und Gemeinschaft im Jugendverband gelebt werden.

Danach sprach Elwine Muth über die AG Tracht, die u.a. das Projekt „Sonntagsgewand“ ins Leben gerufen hat und teilte mit, dass das dazu kürzlich fertig gestellte Buch „Schnittmuster“ eben erschienen sei und erworben werden kann. Beim Heimattag in Ulm wird es ausführlich vorgestellt werden. An dem nächsten Projekt „Kirchweihtrachten“ werde schon gearbeitet.

Zum Schluss startete der Vorsitzende der DBJT eine digitale Umfrage, bei der die Teilnehmer sich mit einem Barcode einloggen und so anonym die gestellten Fragen beantworten konnten. Eine Analyse von der DBJT wird zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen.

Abendprogramm mit Führungen und Blasmusik 

Zum Ausklang dieses Tages boten Johann Schmaltz und Walter Keller zwei Führungen durch die heimatkundliche Sammlung des Donauschwabenhauses an. Sie befindet sich im ersten Obergeschoss des Donauschwabenhauses und zeigt Bilder und viele Gegenstände aus dem Alltagsleben der Banater Schwaben. Aufgeteilt in zwei Gruppen konnten die Teilnehmer die Sammlung mit Führung besichtigen.

Die „Kleine Banater Blechmusik“ unter der Leitung von Günther Klein ließ den Abend mit beliebten Melodien aus Mähren und dem Egerland, aber auch aus dem Banat ausklingen. Die DBJT präsentierte eine Tanzeinlage mit Trachtenpaaren der BTG Frankenthal. Danach spielte die Kapelle bis Mitternacht für alle zum Tanz auf.

Geistlicher Impuls für den Tag und unsere Arbeit

Der Sonntag war wie immer der Vorstellung einzelner Gliederungen und der Aussprache über Pläne und Probleme der Verbandsarbeit gewidmet. Diesmal stellte sich der Kreisverband Augsburg und die HOG Perjamosch vor. Doch bevor zur Tagesordnung übergegangen wurde, bat der Bundesvorsitzende unseren Heimatpfarrer Paul Kollar, der aus Ebendorf im Banat stammt, als Priester für unsere Landsleute, die Donauschwaben und die Banater Schwaben wirkt und verschiedene Ämter innerhalb des Gerhardswerks und Gerhardsforums inne hat, um „einen geistlichen Impuls für diesen Tag und unsere Arbeit“. 

Pfarrer Kollar erinnerte daran, dass unser christlicher Glaube ein fester Bestandteil unserer donauschwäbischen Kultur sei, der unsere Identität definiere und die tiefe Verbundenheit zu unseren Wurzeln herstelle. Viele unserer Landsleute engagieren sich ehrenamtlich in der Kirche, aber auch in der Landsmannschaft für unsere Gemeinschaft. Seit Jahrhunderten sei die Verbundenheit mit Gott, die Verbundenheit im Glauben identitätsstiftend, aber auch identitätserhaltend für das Miteinander der Schicksalsgemeinschaft der Banater Schwaben. Dies zeige sich bei den Gottesdiensten während den Heimattreffen und bei den zahlreichen Wallfahrten, sowohl in Deutschland nach Altötting, Oggersheim, zum Dreifaltigkeitsberg in Spaichingen, nach Ave Maria Deggingen, München Ramersdorf oder in der alten Heimat nach Maria Radna oder Tschiklowa. Das Zusammenrücken im Glauben war zu jeder Zeit nicht nur eine Herausforderung, sondern immer auch eine Chance. Diese gemeinsame Erfahrung, dass unser Glaube uns zusammenführt, ist gerade in dieser Zeit der ständigen Veränderungen, in der der wirtschaftliche Zusammenhalt oft massiv herausgefordert wird, identitätserhaltend, denn – zitiert er Aristoteles – „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“ Als Banater Schwaben haben wir durch die Botschaft unseres Glaubens eine gute Basis, die uns im Laufe der Geschichte schon immer getragen hat und auch heute trägt.

Verbandsgliederungen stellen sich vor

Die Vorsitzende des Kreisverbandes Augsburg Dr. Hella Gerber stellte den mitgliedstärksten Kreisverband unserer Landsmannschaft vor. Er wurde bereits 1951 als Bezirksverband Augsburg von Peter Ludwig gegründet. Sie gab einen kurzen historischen Überblick über die Entwicklung des Verbandes, der Gründung der Tanzgruppe, der Theatergruppe, der Kochgruppe, des Chors der Banater Schwaben Augsburg und der Musikkapelle, die alle bis heute die Gemeinschaft beleben. Seit 2017 ist sie Vorsitzende des Kreisverbandes. Mit Fotos und Videoaufnahmen illustrierte sie die Tätigkeit des Verbandes. Sie berichtete über die Aktivitäten der Seniorengruppe, der Tanz- und der Theatergruppe, des Chors, über das Gertrude-Baumstark-Schachturnier, über Kirchweihfeste und regelmäßige Radtouren, über Maiandachten, Wallfahrten und Totengedenken an Allerheiligen, aber auch über die Präsenz der Banater Schwaben auf Stadtebene, wie beim Europatag mit einem Stand auf dem Rathausplatz und beim Empfang der Landsmannschaften im „Goldenen Saal“ in Augsburg. Ihr sei sehr wichtig, auf die Präsenz der Banater Schwaben in Augsburg aufmerksam zu machen. Dies alles sei nicht alleine zu bewerkstelligen, deshalb bedankte sie sich bei den Vorstandsmitgliedern des Vereins und allen Beteiligten für deren hervorragende Arbeit.

Nach dieser ausführlichen Präsentation des Kreisverbandes Augsburg stellten Walter Niklos und Anton Enderle die Heimatortsgemeinschaft Perjamosch vor. Die Großgemeinde Perjamosch an der Marosch feierte 2025 ihr 300-jähriges Bestehen. Zu diesem Anlass reisten viele Perjamoscher zur Feier in die alte Heimat und bei der Enthüllung des von Walter Niklos entworfenen Denkmals dabei zu sein. Der Künstler stellte dieses detailliert vor. Es soll die Vergangenheit der Gemeinde darstellen, aber auch auf Zukunftsperspektiven hinweisen: „Wir trauern nicht um die Vergangenheit. Wir glauben an die Zukunft.“, ist das Credo des Künstlers. Er ging auf die langjährige Schultradition in Perjamosch ein und berichtete, dass  – trotz der großen Veränderungen in der Struktur der Bevölkerung des Ortes – es auch heute noch eine deutsche Kindergartengruppe und eine Elementarschule eine Abteilung mit deutscher Unterrichtssprache gebe. Gewürdigt wurden die Denkmäler, Schulen, Kirchen und Friedhöfe, aber auch die zahlreichen Persönlichkeiten, die Perjamosch hervorgebracht hat. Viele Werke von Perjamoscher Literaten sind im Ulmer Dokumentationszentrum aufbewahrt.

Erfreulich sei die hervorragende Zusammenarbeit der HOG Perjamosch mit dem jetzigen Bürgermeister Cornel Dumitraș, bei dem sich der HOG-Vorsitzende Anton Enderle auf diesem Wege bedanke, nicht zuletzt für die Unterstützung bei der Übersetzung ins Rumänische und Verbreitung der beiden Monografien über Perjamosch. Dank gelte auch dem Banater Kulturwerk in Bayern und dem Demokratischen Forum der Deutschen im Banat für die große Unterstützung. 

Der Bundesvorsitzende Peter-Dietmar Leber beglückwünschte die Referentin und die beiden Referenten für die beeindruckenden Präsentationen, die zeigten, wie vielfältig landsmannschaftliche Arbeit sein könne und bedankte sich dafür. 

Vorausschau auf den Heimattag 2026

Unter dem Motto „Heimat im Herzen – Zukunft prägen“ findet in diesem Jahr, am 23. - 24. Mai, der Heimattag in Ulm statt. Der Bundevorsitzende ging auf den geplanten Ablauf ein und bat die Vorstände der Kreisverbände und Heimatortsgemeinschaften, ihre Mitglieder zu mobilisieren, möglichst zahlreich teilzunehmen.

Bevor die Tagung mit der Nationalhymne Deutschlands beschlossen wurde, hatten die Teilnehmer die Möglichkeit zu Aussprachen und Wortmeldungen. Nach dem gemeinsamen Fototermin verabschiedeten sich die Teilnehmer in der Hoffnung auf ein Wiedersehen in Ulm.