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Tradition sichtbar und erlebbar machen: Die AG Tracht der DBJT dokumentiert Banater Kirchweihtrachten in Temeswar

Hilde Redl, Anette Unterweger, Heidelinde Redl, Theresia Teichert, Edith Singer, Jasmin Muth und Elwine Muth im AMG-Haus. Fotos: Elwine Muth

Edith Singer und Jasmin Muth beim Anziehen einer Tracht.

Vom 15. bis zum 20. Februar reiste die Arbeitsgemeinschaft (AG) Tracht der Deutschen Banater Jugend- und Trachtengruppen (DBJT) nach Temeswar, um die Kirchweihtrachten der Banater Schwaben möglichst vollständig zu dokumentieren. Ziel war es, bislang ungesicherte Varianten zu erfassen, regionale Besonderheiten festzuhalten und bestehende Lücken im bisherigen Bestand zu schließen.

Bereits im Vorfeld hatten die Mitglieder in Deutschland über persönliche Kontakte und vorhandene Unterlagen zahlreiche Trachtenstücke zusammengetragen. Doch erst vor Ort zeigte sich, welche Varianten und Besonderheiten im Banat noch existieren und bislang nicht dokumentiert worden waren. Die Reise diente daher nicht nur der Vertiefung, sondern vor allem der gezielten Ergänzung des bisherigen Materials.Dass dieses Vorhaben in dieser Form umgesetzt werden konnte, ist nicht zuletzt dem persönlichen Einsatz und der großen Verbundenheit der Beteiligten mit ihrem kulturellen Erbe zu verdanken. Ihr Engagement ging dabei über das rein Fachliche hinaus und unterstreicht den ideellen Charakter der Arbeit der AG Tracht.

Teilnehmerinnen und Engagierte vor Ort

An der Reise nahmen Heidelinde Redl, Hilde Redl, Elwine Muth und Resi Teichert teil. Die Organisation vor Ort übernahmen Edith Singer und Anette Unterweger, die ein detailliertes Arbeitsprogramm vorbereitet hatten.

Am ersten Tag in Temeswar verwandelten sich die Räume des AMG-Hauses in eine kleine Forschungswerkstatt. Kleiderständer mit Trachten, kunstvoll bestickte Blusen, Schürzen und mehrere Lagen gestärkter Unterröcke füllten den Raum. Die Trachten wurden gesichtet, fotografiert, vermessen und zeichnerisch dokumentiert. Zwischen Maßbändern, Kamera und Skizzenblock herrschte konzentrierte Betriebsamkeit: Immer wieder wurden die einzelnen Stücke neu angelegt, um Schnitt, Aufbau und ursprüngliche Trageweise originalgetreu zu rekonstruieren. Gespräche mit Ortskundigen lieferten wertvolle Hinweise zu regionalen Besonderheiten und traditionellen Verarbeitungstechniken, vom fachgerechten Stärken der Röcke bis zu kunstvollen Stickmustern, die oft über Generationen weitergegeben wurden.

Exkursionen in die Umgebung

Exkursionen führten die Gruppe in umliegende Ortschaften. In Neuarad demonstrierte Adelheid Simon anhand historischer Fotografien Schritt für Schritt das Anlegen einer Tracht – eine Gelegenheit, bei der die Teilnehmerinnen selbst Hand anlegen und Details aus nächster Nähe beobachten konnten.

In Sanktanna erläuterten Claudius Höniges und Frau Höniges die Besonderheiten der dortigen Trachten und zeigten spezifische Techniken, wie das Stärken und „Stöckeln“ der Unterröcke.
Bei der Worschtkoschtprob in Sackelhausen konnten weitere Trachten dokumentiert und direkte Gespräche mit den Trägerinnen geführt werden. Es waren Momente, in denen lebendige Tradition sichtbar und erlebbar wurde. Die Reise wurde medial begleitet: Balthasar Waitz berichtete in der Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien, zudem ergänzte ein Interview mit Astrid Weisz vom deutschsprachigen Rundfunk die Berichterstattung.

Zusammenarbeit Banat – Deutschland

Besonders deutlich wurde während der Reise die enge Zusammenarbeit zwischen Mitgliedern im Banat und in Deutschland: Während vor Ort Originalstücke, Wissen und praktische Erfahrungen eingebracht wurden, erfolgt in Deutschland die systematische Auswertung, die Erstellung von Schnittzeichnungen sowie die Vorbereitung der Publikationen. Dieses grenzüberschreitende Miteinander trägt maßgeblich zur nachhaltigen Sicherung des kulturellen Erbes bei und unterstreicht den besonderen Wert der Arbeit der AG Tracht.

Ergebnisse der Reise

Die Tage waren intensiv und arbeitsreich, zugleich jedoch äußerst erfolgreich. Zahlreiche Schnitte, Maße und Detailaufnahmen konnten gesichert, Trachtenteile originalgetreu dokumentiert und rekonstruiert werden. Die Ausarbeitung der Skizzen, Fotos und Maßangaben für den geplanten Bildband sowie für eine ergänzende Publikation mit Schnittmustern und Detailbeschreibungen erfordert erfahrungsgemäß einen längeren Zeitraum und kann sich über mehrere Jahre erstrecken.
Im Mittelpunkt der weiteren Arbeit steht derzeit ein Bildband über die Banater Kirchweihtrachten, der deren Vielfalt und regionale Besonderheiten anschaulich dokumentieren wird. Bereits im März erscheint mit „Das Sonntagsgewand – Frauentrachten der Banater Schwaben“ die erste Publikation der AG Tracht. Der Bildband wird als zweite Veröffentlichung die bisherige Forschungsarbeit konsequent fortführen.

Die Reise hat einmal mehr gezeigt: Tracht ist weit mehr als Kleidung. Sie ist Ausdruck von Geschichte, Handwerk und kultureller Identität und ihre Bewahrung lebt vom gemeinsamen Einsatz engagierter Menschen über Ländergrenzen hinweg.
Ein herzlicher Dank gilt allen, die ihre Trachten zur Verfügung gestellt, ihr Wissen geteilt sowie die Organisatoren und Helfer in Temeswar unterstützt haben.