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Hauptversammlung: Bundesvorstand der Landsmannschaft neu gewählt

Peter-Dietmar Leber wurde von den Delegierten der Hauptversammlung in Ulm einstimmig erneut zum Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft der Banater Schwaben gewählt. Foto: Nikolaus Dornstauder

Der neu gewählte Bundesvorstand der Landsmannschaft der Banater Schwaben, von links: Patrick Polling, Anita Maurer, Jürgen Griebel, Georg Ledig, Harald Schlapansky, Peter-Dietmar Leber, Christine Neu, Johann Janzer und Eduard Ortmann. Foto: Nikolaus Dornstauder

Entsprechend den Vorgaben der Satzung unserer Landsmannschaft fand am 14. Februar 2026 im Ulmer Haus der Begegnung die Hauptversammlung des Bundesverbands mit der Neuwahl des Bundesvorstands statt. Zur Teilnahme eingeladen und stimmberechtigt waren die gewählten Delegierten der Landesverbände und der Heimatortsgemeinschaften, als Gäste nahmen weitere Mitglieder teil.

Als Tagungsleiter eröffnete Patrick Polling, Vorsitzender der DBJT, die Versammlung und übergab das Wort an den Bundesvorsitzenden Peter-Dietmar Leber, der in seiner Begrüßung besonders den Vorsitzenden des Hilfswerks Nikolaus Rennon, den Leiter des Kulturwerks Bayern Bernhard Fackelmann, die Landesvorsitzenden von Bayern und Baden-Württemberg sowie den stellvertretenden Landesvorsitzenden von Berlin-Neue Bundesländer hervorhob. Er übermittelte auch die Grußworte des Ehrenvorsitzenden Bernhard Krastl und des Oberbürgermeisters unserer Patenstadt Ulm Martin Ansbacher.

Zur ordentlichen Hauptversammlung waren 81 der 95 eingeladenen Delegierten erschienen. Zum Einstieg erinnerte der Bundesvorsitzende namentlich an verdiente Mitglieder der Gemeinschaft, die uns seit der letzten Hauptversammlung vor drei Jahren verlassen haben, und bat um eine Gedenkminute. „Wir sind uns stets dessen bewusst, dass ihr Einsatz für die Landsmannschaft unserem Wirken heute zugrunde liegt“, gab er zu bedenken.

75 Jahre Landsmannschaft 

Der Tätigkeitsbericht des Bundesvorsitzenden fokussierte auf der Erkenntnis, dass der Verband im Jahr 2025 sein 75-jähriges Bestehen begangen hat und bemerkte dazu, dass keine andere Organisation in der 300jährigen Geschichte der Banater Schwaben eine so lange, ununterbrochene Existenz aufweisen kann. „Darauf können wir stolz sein, daraus können wir auch lernen.“  Für den Wandel, der über so eine lange Zeit unvermeidlich sei, müssten wir offen bleiben. 
Den Wandel der Funktionen des Verbands zeigte er aufgrund der Historie der Landsmannschaft auf: Zunächst wäre es darum gegangen, in den Wirren der Nachkriegszeit Familienmitglieder und Landsleute zu suchen (Suchfunktion), danach um Hilfe in rechtlichen Fragen – etwa bei der Anerkennung von Schulabschlüssen (Rechtsfunktion), drittens hätte man sich während des Kalten Kriegs Hilfe bei der Familienzusammenführung erhofft (Sozialfunktion) oder man wollte die Landsleute in der alten Heimat unterstützen (Verantwortungsfunktion). Erst danach hätten Brauchtumspflege und Geselligkeit eine Rolle gespielt. Im Laufe der Zeit hätte sich das Spektrum landsmannschaftlichen Handelns auf zwei Anliegen konzentriert: Sie betrafen einerseits das Banat, andererseits die Kontakte zur Politik. 

Anhand einer Bildpräsentation wurde das gegenwärtige Spektrum der landsmannschaftlichen Betätigung aufgefächert, das eine Vielfalt kultureller, sozialer und politischer Aspekte auf allen Ebenen aufweist. Erwähnt wurde die Situation der Geschäftsstelle, der Banater Post, des Kultur- und Dokumentationszentrums, die Aktivitäten der Kreisverbände, der Landesverbände, die Kooperationen mit Schwesterverbänden in Deutschland und im Banat, die Publikationen und Tagungen, die Jugendarbeit, die Sozialfürsorge über das Hilfswerk und vieles mehr.

Als herausragende Veranstaltungen der Präsenz des Verbandes im Berichtszeitraum erwähnte der Bundesvorsitzende den Heimattag in Ulm 2024 wie die Banater Heimattage in Temeswar in den Jahren 2023 und 2025.
Angesichts deutlich sinkender Mitgliederzahlen ändere sich das Potenzial und die Qualität der Veranstaltungen, darauf müsse der Verband reagieren. Befremdlich seien z.B. Kündigungen wegen nicht veröffentlichter Geburtstagsgratulation, wie es sie nach dem Inkrafttreten der Datenschutzverordnung gegeben habe, wobei die Landsmannschaft auf Dienstleistungen in der Banater Post reduziert werde. Als Fazit für die weitere Verbandsarbeit bleibe die Erkenntnis: „Uns gibt es nur, wenn wir was für die Gemeinschaft tun.“

Auch der stellvertretende Bundesvorsitzende und Kassenwart Jürgen Griebel ging in seinem Finanzbericht auf die sinkenden Mitgliederzahlen ein, was die Möglichkeiten des Vereins deutlich einschränke. Durch den Mitgliederschwund gäbe es einerseits weniger Einnahmen, andererseits steigen die Kosten für das Angebot, beispielsweise für Personal, Zeitung, Versand und Veranstaltungen. Die Einnahmen kämen derzeit aus den Beiträgen der ca. 10000 Mitglieder, den Inseraten und dem Bücherverkauf. Der Heimattag 2024 habe ein Minus von 26000 Euro gebracht. Die Heimattage seien längst keine Selbstläufer mehr, Planung und Kalkulation dieser großen und kostspieligen Veranstaltungen ohne Kenntnis über die zu erwartenden Besucherzahlen seien eine Herausforderung für den Bundesvorstand.

Zwei neue Beisitzer im Bundesvorstand

Nach dem Bericht der Rechnungsprüfer wurde der Vorstand einstimmig entlastet, Neuwahlen konnten durchgeführt werden. Helmine Buchsbaum vom Kreisverband Nürnberg wurde zur Wahlleiterin bestellt, als Wahlhelfer fungierten Walter Tonța und Horst Metzler.

Die Wahlleiterin erinnerte die Delegierten daran, dass der Bundesvorstand uns Banater Schwaben nach außen vertritt. Laut Satzung wird der bzw. die Bundesvorsitzende in geheimer Wahl per Stimmzettel bestimmt. Als Bundesvorsitzender wurde Peter-Dietmar Leber als einziger Kandidat vorgeschlagen. Er wurde einstimmig zum neuen Bundesvorsitzenden gewählt.

Die Wahl der vier stellvertretenden Bundesvorsitzenden erfolgte im Block in offener Abstimmung. Es wurden vier Personen vorgeschlagen: Jürgen Griebel, Georg Ledig, Christine Neu und Harald Schlapansky. Die Abstimmung war einstimmig. Alle Kandidaten nahmen die Wahl an.

Auch für die Wahl der Beisitzer war eine offene Abstimmung vorgesehen. Walter Keller aus Frankenthal kandidierte nicht mehr. Neu vorgeschlagen wurden Johann Janzer, HOG Sanktandres, wohnhaft in Sindelfingen und im Vorstand des HDO München aktiv, sowie Eduard Ortmann, HOG Orzydorf, der auch seit einigen Jahren den KV Fürth neu aktiviert hat. Bei der offenen Abstimmung gab es eine Enthaltung. Beide nahmen die Wahl an. Beisitzer im Bundesvorstand bleiben von Amts wegen noch Anita Maurer (Sprecherin der Heimatortsgemeinschaften) und Patrick Polling, Vorsitzender der DBJT.

Als Rechnungsprüfer wurden erneut Kurt Lohmüller und Anton Michels gewählt. Einstimmig wurde auch das Schiedsgericht (Hans-Günter Huniar, Sorin Braun, Theresia Teichert, Richard Wagner und Peter Mallinger) von den Delegierten bestätigt. Die Wahlleiterin wünschte dem neuen Vorstand gutes Gelingen.

Kräfte bündeln und als Gemeinschaft auftreten

Der alte und neue Bundesvorsitzende Peter-Dietmar Leber dankte allen Delegierten für das entgegengebrachte Vertrauen. Er verabschiedete den aus dem Bundesvorstand ausgeschiedenen Walter Keller mit einem herzlichen Dank für seinen langjährigen Einsatz mit der Hoffnung, dass er die Anliegen der Landsmannschaft auch weiterhin in Rheinland-Pfalz vertreten möge, und wünschte dem neuen Bundesvorstand viel Erfolg bei den anstehenden Aufgaben.
Angesichts der Gesamtsituation und der Sparmaßnahmen machte Peter-Dietmar Leber keinen Hehl daraus, dass in den nächsten Jahren „schwere Aufgaben auf die Landsmannschaft zukommen“. Aus seiner Sicht brauche der Verband nach 75 Jahren eine neue Satzung, die für die aktuelle Situation tauglich sei. Beispielsweise seien in der alten Satzung keine Online-Sitzungen vorgesehen, die vielen Gliederungen die Neuwahlen erleichtern könnten. Der neue Bundesvorstand werde sich dieser vorrangigen Aufgabe mit juristischer Hilfe zeitnah widmen.

Im Hinblick auf die geschrumpfte Gemeinschaft sei es seiner Ansicht nach künftig noch mehr notwendig, als Landsmannschaft geschlossen aufzutreten, an einem Strang zu ziehen und Alleingänge zu vermeiden. Alle Gliederungen sind Teil der „einen“ Landsmannschaft, das soll auch nach außen sichtbar sein, deshalb sei auf das Gesamterscheinungsbild verstärkt zu achten. Es gäbe immer noch Doppel- und Parallelveranstaltungen, wo die Kräfte gebündelt werden könnten. 
Der „Dienstleistungsgedanke“, den manche Landsleute mit ihrer Mitgliedschaft in der Landsmannschaft verbinden, könne nicht die Grundlage für Gemeinschaftsarbeit sein. Der persönliche Kontakt in den Kreisverbänden, der auch als Anregung vom Kreisverband Schwabach bei der Aussprache bekräftigt wurde, sei der richtige Weg, die Menschen Gemeinschaft fühlen zu lassen und sie zur Mitarbeit zu motivieren.

„Kommunikation ist erwünscht“, betonte der Bundesvorsitzende. Bundesvorstand und Bundesgeschäftsstelle seine offen für Anregungen und Ideen, auch wenn angesichts der personellen Situation nicht alles gleich umgesetzt werden könne. Grundlage aller Überlegungen müsse immer sein: „Was ist gut für uns, für die Gemeinschaft?“ Mit der Aufforderung an die Delegierten: „Kommen Sie auf uns zu, fordern Sie uns“, schloss der Bundesvorsitzende die Versammlung.