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Erinnerung, Versöhnung, Miteinander - Gedenkveranstaltung zum 80. Jahrestag der Vertreibung der Ungarndeutschen

Der Bundesvorsitzende und Vertreter der Landsmannschaft der Banater Schwaben, des Kulturwerks Bayern und des BdV Bayern mit dem Präsidenten Ungarns Dr. Tamás Sulyok... Fotos: Banater Post

... und mit dem Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, dem Präsidenten des BdV Stephan Mayer, der Generalkonsulin Rumäniens in München Miheia-Mălina Diculescu-Blebea, der Aussiedlerbeauftragten Dr. Petra Loibl und dem Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten Bernd Fabritius.

Am 19. Januar 2026 fand in der Allerheiligen-Hofkirche der Münchner Residenz die Gedenkveranstaltung anlässlich des 80. Jahrestags des Beginns der Vertreibung der Ungarndeutschen statt, an der Dr. Frank-Walter Steinmeier, Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, und Dr. Tamás Sulyok, Präsident der Republik Ungarn, gemeinsam teilnahmen. 

Prof. Dr. Andreas Otto Weber, Direktor des Hauses des Deutschen Ostens, moderierte die Veranstaltung, die mit Grußworten von Ulrike Scharf, Bayerische Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales, und Seiner Exzellenz Dr. Péter Györkös, Botschafter von Ungarn in der Bundesrepublik Deutschland, begann. An dem Gedenken, das vom Haus des deutschen Ostens, dem ungarischen Generalkonsulat und der Botschaft Ungarns veranstaltet wurde, nahmen auch zahlreiche Ehrengäste teil, darunter seine königliche Hoheit Ludwig Prinz von Bayern, die Vorsitzende der jüdischen Kultusgemeinde München Charlotte Knobloch, der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten Dr. Bernd Fabritius, der Präsident des Bundes der Vertriebenen Stephan Mayer MdB, die Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene Dr. Petra Loibl MdL, die Generalkonsulin Rumäniens in München Miheia-Mălina Diculescu-Blebea,  die Leiter der Kulturzentren sowie zahlreiche Abordnungen landsmannschaftlicher Verbände. Zugegen waren auch Joschi Ament, der Bundesvorsitzende und Georg Hodolitsch, der Landesvorsitzende der Landsmannschaft der Ungarndeutschen, der Direktor am DZM Ulm Tamás Szalay, der Landesvorsitzende des BdV in Bayern Christian Knauer und des BdV von Baden-Württemberg Hartmut Liebscher, die Präsidentin des BdV-Frauenverbandes Hiltrud Leber sowie Jürgen Harich, Präsident des Dachverbandes der Donauschwaben und Vorsitzender des Verbandes der Donauschwaben in Deutschland. 

Zahlreich vertreten war auch die Landsmannschaft der Banater Schwaben mit ihrem Bundesvorsitzenden Peter-Dietmar Leber, dem Vorsitzenden des Banater Kulturwerks Bernhard Fackelmann und dessen Kulturreferenten Dr. Michael Nusser, dem Landesvorsitzenden der der LM Bayern Harald Schlapansky mit seiner Stellvertreterin Ramona Sobotta, den Kreisvorsitzenden Dr. Hella Gerber (Augsburg) und Georg Ledig (Waldkraiburg) sowie Johann Janzer, dem Vorsitzenden der HOG Sanktandres und Vorstandsmitglied im Förderverein des HDO München.

Die Bayerische Staatsministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin Ulrike Scharf begrüßte die zahlreichen Gäste und dankte in ihrem Grußwort den vertriebenen Ungarndeutschen, die nach ihrer Ankunft in Deutschland tatkräftig am Wiederaufbau des Landes mitgewirkt hätten und bis heute Leistungsträgerinnen und Leistungsträger unserer Heimat sind. Sie wies auf das Schicksal der Vertreibung der Ungarndeutschen hin und betonte die Verantwortung Bayerns, die Erinnerung an die Vertreibung weiter wachzuhalten, denn: „Was damals war, ist nicht Vergangenheit. Es ist ein Vermächtnis. Wer Frieden will, muss erinnern. Wer Verständigung will, muss zuhören.“
Der Botschafter von Ungarn in Deutschland Dr. Péter Györkös begrüßte in einem fließenden Deutsch die Anwesenden und flocht in seiner Rede private und familiäre Gegebenheiten mit ein. Er betonte, dass eine völlige Einbindung Ungarns in die europäische Gemeinsamkeit sehr wichtig sei.

Ein Höhepunkt der Gedenkfeier war die Festrede des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier. Darin betonte er, dass es in der Geschichte immer wieder unerwartete positive Wendungen gibt, die Hoffnung schenken, dass belastende Zeiten nicht ewig dauern. Er würdigte, dass Ungarn und Deutschland heute an einem 19. Januar – dem Jahrestag der Vertreibung der Deutschen aus Ungarn – in friedlicher Versöhnung zusammenkommen. Das gemeinsame Gedenken an das erlittene Unrecht und Leid sei wichtig, ebenso wie die Bereitschaft zum Verzeihen und für ein neues Miteinander. Besonders hervorgehoben wurde in der Rede der bemerkenswerte Schritt des ungarischen Parlaments, einen nationalen Gedenktag an die Vertreibung der Ungarndeutschen einzurichten. Frank-Walter Steinmeier erinnerte an die Verbrechen des Zweiten Weltkriegs und den Holocaust, an das Leid der Millionen Flüchtlinge und Vertriebenen, darunter über 200000 Ungarndeutsche, sowie an die besondere Rolle der Frauen, die Geschichte und Traditionen und in die nächsten Generationen weitergeben. 

Auch der ungarische Staatspräsident Dr. Tamás Sulyok hielt eine Festrede. Seine Ansprache war eine bedeutende Geste der Versöhnung und Erinnerung an die schmerzlichen Ereignisse nach dem Zweiten Weltkrieg. Er betonte die Wichtigkeit eines Gedenkens, um Hass zu erkennen und gleichzeitig zu bekämpfen. Der Präsident entschuldigte sich höchstpersönlich für die damalige Vertreibung der Ungarndeutschen aus seinem Land. Umso wichtiger sei es, dass das ungarische Parlament 2012 dafür einen nationalen Gedenktag eingeführt habe.

Olívia Schubert, die Präsidentin der Föderalistischen Union Europäischer Nationalitäten (FUEN) und Vizevorsitzende der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen, hielt eine weitere Festrede, die die Bedeutung der kulturellen Identität und des Zusammenhalts der Ungarndeutschen hervorhob.

Ein bewegender Abschluss der Gedenkstunde war das Zeitzeugengespräch mit Anna Hahn, geb. 1934 in Pusztavám, Ungarn, moderiert von Dr. Sybille Krafft. Die Zeitzeugin berichtete eindrucksvoll von ihren Erfahrungen während der Flucht und Vertreibung und von der Ankunft in einer Umgebung, die zu ihrer neuen Heimat wurde. So vermittelte sie die persönliche Dimension dieses historischen Ereignisses.
Musikalisch wurde die Veranstaltung von Szandra Holczinger (Gesang) und Mariann Molnár (Akkordeon) begleitet, die traditionelle Lieder wie „Morgen will mein Schatz verreisen“, „Heimat oh Heimat“, „Wenn man die Welt umgeht“, „Adije main Schotz“ und „Nach meiner Heimat“ vortrugen.

Die Veranstaltung endete mit dem gemeinsamen Singen der Nationalhymnen und einem Empfang, zu dem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Ehefrau Elke Büdenbender einluden.
Im Rahmen des offiziellen Programms wurde in der Allerheiligen-Hofkirche der Münchner Residenz zudem die HDO-Ausstellung „Ungehört. Die Geschichte der Frauen. Flucht, Vertreibung und Integration“ präsentiert, die die besonderen Erfahrungen und Beiträge der Frauen zur Geschichte der Vertreibung beleuchtet.

Die Gedenkveranstaltung war ein bewegendes Zeichen des Erinnerns, des Respekts und der Versöhnung und ein wichtiger Beitrag zur Bewahrung der historischen Wahrheit und zur Förderung des friedlichen Miteinanders in Europa.