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Größenwahn brachte großes Leid - Gedenken an die Russlanddeportation in München

Bei der Gedenktafel der Banater Schwaben im Parkfriedhof München-Untermenzing gedachte der Kreisverband München den Opfern der Deportation zur Zwangsarbeit in die ehemalige Sowjetunion, die sich zum 81. Mal jährt. Foto: Bernhard Fackelmann

Aus Anlass des 81. Jahrestags der Deportation unserer Landsleute zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion lud der Kreisverband München am 15. Januar 2026 zu seiner jährlichen Gedenkfeier bei der Gedenktafel der Banater Schwaben im Parkfriedhof München-Untermenzing ein. Der Kreisvorsitzende Bernhard Fackelmann ging in seiner Ansprache auf die Ursachen und Vorbereitungen ein, die zur Deportation führten. Dazu dienten ihm Daten, die er aus den Archiven des Instituts gegen den kommunistischen Totalitarismus aus Bukarest erhalten hatte. 

Sobald sich die Rote Armee über Rumänien ausbreitete, waren die  Deutschen in Rumänien einem Regime der Rechtlosigkeit und Brutalität ausgesetzt. Die Sowjetunion hatte von der rumänischen Regierung 70000 Personen zur Aufbauarbeit angefordert, diese schickte aber, so unsere bisherigen Informationen, ausschließlich Angehörige der deutschen Minderheit in die Deportation. Das Waffenstillstandsabkommen zwischen Rumänien und der Sowjetunion nach dem Putsch vom 23. August wurde am 12. September 1944 in Moskau unterzeichnet, wobei die rumänische Regierung auch eine Zahlung in Höhe von 300 Millionen Dollar leisten musste, die über sechs Jahre in Form von Waren erfolgte. 

Die Deportation der Deutschen erfolgte laut Aktenlage auf der Grundlage des Wissens über die in Absprache der Reichsführung mit der deutschen Volksgruppe unter Andreas Schmidt, wodurch im Januar 1940 bereits 1000 deutschen Jugendliche aus Rumänien zur Ausbildung bei der SS vermittelt wurden. Nach dem Desaster Stalingrad forderte der Reichsführer weitere 30000 Volksdeutsche als Freiwillige. Nach Angaben der deutschen Volksgruppe in Rumänien, waren Anfang Juli 1944 insgesamt 60000 rumäniendeutsche Soldaten im deutschen Heer, davon 50000 in der Waffen-SS. Aufgrund dieser Daten soll Stalin ausdrücklich 70000 Deutsche zum Wiederaufbau der Sowjetunion angefordert haben.

Schon im Herbst 1944 bereitete das sowjetische Militärkommando in Rumänien die Deportation der Deutschen in die UdSSR vor. Am 21. Dezember 1944 erhielt Oberst Lupulescu einen schriftlichen Befehl, der „Alliierten Kommission“ die Zahl der örtlichen Gendarmerien zu melden. Als er sich dem sowjetischen Kommando in der Hauptstadt vorstellte, wurde ihm mitgeteilt, dass er zusammen mit Major Leontiev in Kronstadt die Aufstellung von Tabellen mit ethnischen Deutschen erstellen solle. Am 28. Dezember 1944 gab der Präfekt der Hauptstadtpolizei, General Alexandru Ghica, dem Kabinett des Innenministers in dem Bericht Nr. 351, („Streng geheim“) bekannt, dass an diesem Tag Maßnahmen ergriffen worden waren, um die rumänischen Untertanen deutscher Nationalität zu internieren, und verlangte, bis zum 3. Januar 1945 über die Polizeikräfteinformiert zu werden, die für diese Operation notwendig seien, ebenso wie über die zusätzlichen Kräfte (Gendarmen) für den Transport in Lager. 
Am 31. Dezember 1944 übermittelte das Innenministerium die Anordnung über die Internierung von Personen deutscher Herkunft an die Gendarmerie. 

Die Instruktion Nr. 51093 vom 3. Januar 1945 („Persönlich und streng geheim“) an die Aufsichtsbehörden und Regionen enthielt die Angaben zu den Deutschen aus Rumänien, die zu internieren waren: alle Männer, unabhängig vom Beruf, im Alter von 17 bis 45 Jahren, und alle Frauen, unabhängig vom Beruf, im Alter von 18 bis 30 Jahren – sofern sie keine Kinder unter einem Jahr hatten. Am 6. Januar 1945 fand im Hauptquartier der Präfektur in Kronstadt (Braşov) eine Konferenz statt, an der der Präfekt der Gendarmerie, der örtliche Polizeisuperintendent, die sechs Bezirkschefs der Region, Oberst Lupescu, Major Leontiev und sechs weitere Offiziere der Roten Armee teilnahmen. Hier wurden alle Maßnahmen zur Durchführung der Deportation der deutschen Minderheit festgelegt, die in der Nacht vom 10. auf den 11. Januar in Kronstadt und nach 48 Stunden in den Landkreisen beginnen sollte. Um Unruhen zu vermeiden, galt für die Bevölkerung eine Ausgangssperre. Die Gendarmerie musste ihre Operation mit der Polizei koordinieren, aber die Konvois der Internierten wurden von den Gendarmen zu den Versammlungszentren transportiert. 

Nach dem Bekanntwerden der ersten Transporte versuchten die deutschen Führer in Rumänien – wie der ehemalige Senator Hans Otto Roth und der ehemalige Staatssekretär für Minderheiten in der Regierung Iorga-Argetoianu Rudolf Brandsch – vergeblich, Ministerpräsident Nicolae Radescu von der Aktion abzubringen. Der Ministerpräsident erklärte, dass der Plan aus Moskau kam, und dass die rumänische Regierung seine Umsetzung nicht verhindern könne. 

Aus heutiger Sicht bleibt bei allen berechtigten Fragen über Schuld und Verantwortlichkeit der Deutschen in Rumänien das Gedenken an das vielfache Leid und die Toten des Krieges und der Zivilbevölkerung. Hätte es den Größenwahn des Deutschen Reichs nicht gegeben und keinen Weltkrieg mit all den Katastrophen, hätten wir auch nicht die Folgen wie Flucht, Deportation, Enteignung und Verlassen unserer Heimat erleiden müssen.

So bleibt uns nur das Gedenken an die Opfer. Mit einer Kranzniederlegung und einem Vaterunser für alle Verstorbenen am Gedenkstein, den der Kreisverband im Jahr 2015 errichtet hat, endete der Gedenktag 2026.