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"Durch nichts zu rechtfertigen" - Gedenkfeier zur Deportation in Waldkraiburg

Bei der Kranzniederlegung am Mahnmal gegen Vertreibungen auf dem Rathausplatz Waldkraiburg: (von links) Pater Walter Kirchmann SDB, Georg Ledig, Stephan Mayer, Bürgermeister Robert Pötzsch und Richard Fischer. Foto: KV Waldkraiburg

Am 11. Januar fand in Waldkraiburg eine Gedenkveranstaltung statt, um an das grausame Schicksal der Banater Schwaben zu erinnern, die vor 81 Jahren zur Zwangsarbeit in die ehemalige Sowjetunion deportiert wurden. Dieses traumatische Ereignis hat sich tief in das Gedächtnis der Betroffenen, sowie deren Kinder eingegraben. Die Sonne strahlte bei eiskaltem Winterwetter auf die Versammelten am Rathausplatz als die Banater Blaskapelle die Veranstaltung mit dem im Banat beliebten Marienlied „Mit frohem Herzen“ eröffnete.

Der Opfer zu gedenken „ist nicht nur ein regelmäßiger Brauch, sondern das Schicksal unserer Väter und Mütter, die vor 81 Jahren ein unsagbares Opfer für uns vollbrachten“, so Vorsitzender Georg Ledig in seiner Begrüßung. Ihr Schicksal und Leiden darf nicht in Vergessenheit geraten. „Das Gedenken an die Deportation mahnt uns, Verantwortung zu übernehmen – für Erinnerung, für Menschlichkeit und für den Schutz der Menschenwürde. Möge diese Erinnerung uns verpflichten, Unrecht niemals zu verdrängen und Frieden, Respekt und Versöhnung aktiv zu leben“, so Ledig. Ihr Vermächtnis ist, dass wir unsere Stimme erheben sollten, wenn Menschenrechte und Grundwerte, die für alle gelten, bedroht sind. In unserer heutigen Zeit, geprägt von unkalkulierbaren Entwicklungen und allgemeiner Verunsicherung, wiederholt sich vielfach das Schicksal der Menschen, die getrennt von Familie, Sprache und Kultur, ihr Leben damals in Arbeitslagern verbringen und mit Zwangsarbeit und Vertreibung leben mussten. Der stellvertretende Landrat Richard Fischer erinnerte daran, dass damals ganze Dorfgemeinschaften willkürlich zerstört wurden. Gerade deshalb sei in der Vertriebenenstadt Waldkraiburg die Sehnsucht nach Stabilität besonders groß: „Haben wir den Mut, uns gegen radikale, demokratiefeindliche Bestrebungen zur Wehr zu setzen.“ 

Der Bundestagsabgeordnete und Präsident des Bundes der Vertriebenen Stephan Mayer erinnerte zunächst an die circa 70.000 Verschleppten, von denen 15 Prozent nicht mehr zurückkehrten. Die Deutschen sollten sich – laut eines Geheimerlasses von Stalin – am Wiederaufbau von Russland beteiligen. „In Wirklichkeit wollte man sie durch Zwangsarbeit vernichten“, so Stephan Mayer. Zu Abschluss sagte der Präsident des BdV: „Es gibt keine Rechtfertigung von Vertreibung und Zwangsarbeit. Derzeit leiden 110 Millionen unter Bedrohung und Vertreibung, darunter Menschen in Kiew bei minus 20 Grad.“ 

Nachdem die Banater Kapelle „Ich bete an die Macht der Liebe“ intonierte, lud Pater Walter Kirchmann ein, gemeinsam ein „Vater unser“ zu beten, „das uns inneren Frieden schenken möge“. Zum Gedenken an die Opfer wurde am Mahnmal gegen Vertreibungen auf dem Rathausplatz Waldkraiburg unter den Klängen der Blaskapelle ein Kranz niedergelegt. Dazu neigten die Fahnenabordnungen der Banater Schwaben, der Sudetendeutschen, des Krieger- und Veteranenvereins, der Siebenbürger Sachsen und des Böhmerwaldbundes ihre Fahnen.