Am 5. Dezember 2025 wurde in Deutschland – wie in vielen anderen Ländern weltweit – der Internationale Tag des Ehrenamts begangen. Dieser Tag ist den Menschen gewidmet, die sich freiwillig und mit großem Engagement für das Wohl anderer einsetzen – sei es in Vereinen, sozialen Projekten oder im Umweltschutz. Damit rückt ein besonderer Termin in den Fokus, den die Vereinten Nationen bereits im Jahr 1985 als Internationalen Tag des Ehrenamts (International Volunteer Day) ins Leben gerufen haben. Ziel dieses Tages, welcher unter dem Motto „Jeder Beitrag zählt“ stand, ist es, jene zu ehren, die sich uneigennützig für ihre Mitmenschen und die Gesellschaft engagieren, ihre Arbeit sichtbar zu machen und die Bedeutung des Ehrenamts hervorzuheben.
An diesem Tag lud das Karlsruher Amt für Stadtentwicklung, Büro für Mitwirkung und Engagement, zu einem feierlichen Ehrungsabend in den Bürgersaal des Rathauses am Marktplatz ein. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen Bürgerinnen und Bürger aus Karlsruhe, die sich durch ihr herausragendes ehrenamtliches Engagement für das Gemeinwohl verdient gemacht haben. Auch unser Landsmann Werner Gilde, der aus Billed stammt, wurde für seinen unermüdlichen Einsatz in unserer Landsmannschaft gewürdigt. Die Ehrung verdeutlicht die Wertschätzung und Anerkennung, die den ehrenamtlich Engagierten in der Stadt entgegengebracht wird, und rückt die Bedeutung des Ehrenamts für das gesellschaftliche Zusammenleben in den Fokus. „Die engagierten Menschen in unserer Stadt leisten einen unschätzbaren Beitrag für das solidarische Miteinander. Ohne den unermüdlichen Einsatz so vieler Engagierter wäre Karlsruhe nicht die lebendige, offene und lebenswerte Stadt, die sie heute ist. Mit der Ehrung möchten wir Danke sagen und diesen Einsatz sichtbar würdigen“, betonte Bürgermeister Dr. Albert Käuflein.
Ich lernte Werner durch unsere Arbeit zum Wohle der Landsleute kennen. Unsere Freundschaft begann bereits im vorigen Jahrtausend, als wir uns immer wieder bei diversen Veranstaltungen und Aktivitäten der Landsmannschaft trafen und uns austauschten. Und da wir beide „aus dem guude Johrgang sin“, wie wir stets zu sagen pflegten, begrüßten wir uns irgendwann nur noch mit: „Hey Rekrut“. Beide waren wir vielseitig interessiert und aktive Mitglieder in unseren Kreisverbänden.
Werner Gilde wurde am 11. Januar 1960 in Billed geboren, wo er seine ersten Lebensjahre verbrachte und die Grund- sowie Allgemeinbildende Schule besuchte. Bereits in jungen Jahren entwickelte er eine große Begeisterung für die Fächer Mathematik und Physik, die ihn fortan begleiteten. Diese Leidenschaft führte ihn dazu, seine schulische Laufbahn am Industrielyzeum Nr. 1 in Temeswar fortzusetzen, wo er eine fundierte Ausbildung erhielt.
Im Jahr 1984 entschloss sich Werner zur Aussiedlung nach Deutschland. 1987 fand er seine berufliche Heimat am Institut für angewandte Physik an der Universität Karlsruhe, wo er mehrere Jahrzehnte mit Leidenschaft und Erfolg wirkte. Er machte an der Heinrich-Hertz-Technikerschule eine Weiterbildung zum staatlich geprüften Nachrichten-Techniker, Schwerpunkt Datentechnik. Trotz der Möglichkeit, von dieser Position aus in den Ruhestand zu gehen, verspürt Werner bis heute eine besondere Anziehungskraft zu seiner Arbeit, die ihn weiterhin motiviert und inspiriert.
Nach seiner Ankunft in Deutschland fand Werner Gilde rasch Anschluss bei den Banater Schwaben im Kreisverband Karlsruhe. Dort zeigte er von Beginn an großes Engagement und übernahm vielfältige Aufgaben. So war er nicht nur in der Handballmannschaft aktiv, sondern engagierte sich auch im Laientheater und übernahm verschiedene organisatorische Tätigkeiten. Sein Einsatz und seine Tatkraft wurden schnell geschätzt und fanden Anerkennung innerhalb der Gemeinschaft.
Ein besonders prägendes Beispiel für Werners Initiativkraft ist auf der Homepage der Karlsruher Tanzgruppe dokumentiert. Dort ist zu lesen, dass 1993 einige Jugendliche aus Billed auf Werners Anregung hin zusammenkamen, um gemeinsam zu proben. Die Gruppe wurde anschließend von Elisabeth Lukhaub betreut und bereitete sich darauf vor, beim Billeder Heimattreffen 1993 im Rahmen des kulturellen Programms aufzutreten. Diese Initiative war der Ausgangspunkt für die Gründung der Tanzgruppe, bei der Werner Gilde über viele Jahre hinweg als treibende Kraft wirkte und maßgeblich zur Entwicklung und zum Fortbestehen der Gruppe beitrug.
Ein besonderes Erlebnis und zugleich eine organisatorische Leistung von Werner war 1997 die dreiwöchige USA-Tournee der Banater Kulturgruppe Karlsruhe zu den dortigen Donauschwaben. Während dieser Reise konnten die Mitglieder der Kulturgruppe nicht nur ihre Verbundenheit mit den Donauschwaben in Amerika vertiefen, sondern auch durch gemeinsame Auftritte und Begegnungen die kulturellen Traditionen weitergeben und den Austausch zwischen den Gemeinschaften fördern. Die erfolgreiche Organisation und Durchführung der Tournee zeigte, dass Werner von großem Engagement und Teamgeist geprägt ist. Und von der Fähigkeit, größere Projekte im Sinne des Gemeinschaftslebens zu realisieren.
Im Jahr 1999 wurde Werner Gilde in Anerkennung seiner herausragenden menschlichen Qualitäten sowie seiner organisatorischen Fähigkeiten zum Vorsitzenden des Kreisverbandes der Banater Schwaben Karlsruhe gewählt. Unter seiner Führung entwickelte sich der Verband zu einem der aktivsten innerhalb unserer Landsmannschaft. Dieses Engagement und der beispielhafte Einsatz von Werner Gilde trugen maßgeblich dazu bei, dass der Kreisverband nicht nur einen ausgezeichneten Ruf erlangte, sondern auch große Wertschätzung innerhalb der Gemeinschaft genießt. Sein Wirken ist ein Beleg für die Bedeutung persönlichen Engagements und zeigt, wie durch kontinuierlichen Einsatz und Führungsstärke das Vereinsleben nachhaltig bereichert werden kann.
Im Jahr 2003 übernahm Werner Gilde das Amt des Vorsitzenden der HOG Billed von seinem Landsmann Peter Krier. In dieser Funktion führte Werner das Ehrenamt mit Nachdruck und großem Erfolg weiter und setzt sich ebenso engagiert wie sein Vorgänger für die Belange seiner Landsleute ein. Werner Gilde war maßgeblich an der Organisation bedeutender Veranstaltungen beteiligt, darunter die 250-Jahr-Feier seit der Gründung Billeds sowie die 90-Jahr-Feier der Freiwilligen Feuerwehr Billed. Sein Einsatz prägt das Gemeinschaftsleben und trägt zur Erhaltung und Förderung der Traditionen und des Zusammenhalts innerhalb der Heimatortsgemeinschaft bei.
Sein langjähriges landsmannschaftliches Wirken, seine Leistungen und seine menschliche Art waren ausschlaggebend dafür, dass Werner Gilde 2008 in den Vorstand des Landesverbandes Baden-Württemberg der Banater Schwaben gewählt wurde, wo er mehrere Jahre u.a. auch als stellvertretender Vorsitzender agierte. 2014 bis 2024 war Werner Beisitzer im Bundesvorstand der Landsmannschaft.
Hervorzuheben ist auch, dass Werner Gilde einen Beitrag zur Bewahrung der Geschichte der Banater Schwaben geleistet hat. Erwähnenswert sind dazu die zwei Bücher, an deren Entstehung er maßgeblich beteiligt war: Ein Beispiel seines Engagements ist seine Mitwirkung bei der Übersetzung des Bandes „Lungul drum spre nicăieri“, der sich mit der Verschleppung der Banater Deutschen in die Sowjetunion auseinandersetzt. Die deutsche Fassung mit dem Titel „Der weite Weg ins Ungewisse“ wurde im Jahr 2015 von der Landsmannschaft der Banater Schwaben in München herausgebracht. Durch seine Übersetzungsarbeit hat Werner Gilde dazu beigetragen, dass die Erfahrungen und Schicksale der Banater Deutschen einem breiteren Publikum zugänglich gemacht wurden, wodurch die historische Erinnerung und das Verständnis für diese bewegende Zeit gefördert werden.
„Die Zeit der Ballzauberer ist vorbei“ ist das zweite Buch, an dem Werner Gilde mitgewirkt hatte. Es dokumentiert die Geschichte des Handballs im Banat, der Sportart Nummer eins der Banater Deutschen. In diesem Buch wird auch auf das Pipatsch-Pokal-Turnier eingegangen, das sich zu einer wahren Banater Meisterschaft entwickelt hatte. Sein Geburtsort Billed ist auf 14 Seiten vertreten.
All dies zeigt, wie viel ein Mensch für andere tun kann, wenn er voller Motivation und Tatkraft steckt und dass die Ehrung, die ihm seitens der Stadt Karlsruhe zuteil wurde, reichlich verdient ist. Gleichzeitig möchte ich mit seinem Beispiel auch andere zum freiwilligen Engagement motivieren, um dadurch zum sozialen Zusammenhalt unseres Gemeinwesens und zum gesellschaftlichen Frieden beizutragen. Denn: Wir alle leben davon. Dieser Tage ist das mehr denn je zu spüren.









