Im Kultur- und Dokumentationszentrum der Landsmannschaft der Banater Schwaben im Ulm fand am 22. November 2025 ein Vortrag von Prof. h.c. Josef Wolf zum Thema „Banater Kriegs- und Fluchtgeschichte(n) 1944-1945. Neue Erkenntnisse und Perspektiven“ statt. Im Vorfeld des Vortrags wurde dem Referenten die Adam Müller-Guttenbrunn-Medaille der Landsmannschaft der Banater Schwaben verliehen.
Walter Tonța, Betreuer des Kultur- und Dokumentationszentrums, begrüßte den Referenten Josef Wolf mit Gattin Marionela und namentlich den Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft Peter-Dietmar Leber, die Präsidentin des Frauenverbandes im Bund der Vertriebenen Hiltrud Leber, die Kulturreferentin für den Donauraum am Donauschwäbischen Zentralmuseum Dr. Swantje Volkmann und die Redakteurin der Banater Post.
2024 jährte sich zum 80. Mal die Flucht eines Teils der Deutschen aus dem Banat im Herbst 1944. Aus diesem Anlass ist ein von Albert Bohn, Werner Kremm und Anton Sterbling herausgegebener Sammelband mit Erzählberichten zur Flucht erschienen. Der Band liegt in drei Auflagen vor, die beiden ersten sind in München erschienen und die dritte, erweiterte und verbesserte Auflage in Temeswar. Was bisher fehlt, ist eine wissenschaftliche Studie zum Thema Flucht. Daran arbeitet zurzeit der Historiker Josef Wolf, langjähriger Mitarbeiter des Instituts für Donauschwäbische Geschichte und Landeskunde in Tübingen. Er hat in der Zwischenzeit neue Quellen erschlossen und umfangreiches Archivmaterial gesichtet und ausgewertet. Die Veranstaltung, so Tonța, habe einen doppelten Anlass: Einerseits werde der Historiker über seine Forschung berichten, zum anderen werde der Referent vom Bundesvorstand der Landsmannschaft der Banater Schwaben mit der Adam-Müller-Guttenbrunn-Medaille der Landsmannschaft für seine Verdienste geehrt. Die Ehrung nahm der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft Peter-Dietmar Leber vor. In seiner Laudatio würdigte er Josef Wolf als einen Banater Schwaben, der sich wie kein anderer zeit seines Lebens so intensiv und so tief mit Fragen der Geschichte des Banats beschäftigt hat.
Josef Wolf wurde am 15. November 1952 in Arad geboren. Aufgewachsen ist er in seinem Heimatdorf Neupanat. Nach der Grundschule besuchte er das Gymnasium in Arad und studierte Geschichte im Hauptfach und Anglistik im Nebenfach an der Universität Klausenburg. In Klausenburg lernte er seine Ehefrau, die Historikerin und Latinistin Marionela, geborene Țugui, kennen, das Ehepaar hat zwei Kinder. Er arbeitete unter anderem am Museum der Geschichte Siebenbürgens und lehrte am Sozialwissenschaftlichen Institut der Technischen Universität. 1986 wurde er wegen „ideologischer Mängel“ entlassen und ließ sich mit seiner Familie 1989 in der Bundesrepublik Deutschland nieder. Ihm war kein leichter Neuanfang beschieden, dennoch erhielt er im Juni 1990 eine Anstellung als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Donauschwäbische Geschichte und Landeskunde in Tübingen. Hier leitete er den Bereich historische Siedlungsforschung, betreute über viele Jahre die historische Kartensammlung und mit seinen Kollegen das Archiv des Instituts. Der Schwerpunkt seiner Forschungsarbeit liegt auf dem historischen Banat, vor allem auf dessen moderner Geschichte. Schlagworte, die sein Werk definieren, sind u.a.: historische Regionen, Grenzregionen, Kolonisationskontakträume, Identitätsbildung, ethnisches Gruppenbewusstsein. Diese Begriffe stehen für unsere schwäbische Geschichte im Banat. Von seinen bedeutendsten Arbeiten erwähnte der Laudator die Erstellung der ethnischen Karte des Banats von 1890-1990/92 mit einem 500 Seiten starken Begleittext, aber auch seine zahlreichen Aufsätze, die in Sammelwerken und Zeitschriften veröffentlicht wurden und von denen auch viele in der Banater Post erschienen sind. Er erinnerte auch an die Ausstellungen „Heimatsachen“ (2012) und „Fließende Räume. Karten des Donauraums, 1650-1800“ (2017), sowie an weitere, wie die zu dem Fotografen Willy Prager.
Seit seiner Aussiedlung 1989 bringt sich der Historiker Josef Wolf immer wieder in unsere Landsmannschaft ein - nicht nur in seinen Artikeln für die Banater Post, sondern auch als Referent bei vielen Veranstaltungen der Landsmannschaft. Sein fachlicher Rat in so manchen Fragen und seine Gutachten werden vom Bundesvorstand sehr geschätzt. Der Bundesvorsitzende betonte nochmals, dass Josef Wolf viel beachtete wissenschaftliche Arbeiten zu prägenden historischen Ereignissen wie zur Russland- und zur Bărăgan-Deportation verfasst hat. Auch persönlich dankte er ihm für viele lange, gute Gespräche, aber auch für seinen umfassenden Rat im Laufe mehrerer Jahrzehnte. Für all die Verdienste, die Josef Wolf für die Landsmannschaft der Banater Schwaben, für seine Landsleute, für Kultur und Wissenschaft leistet, ist die Landsmannschaft der Banater Schwaben ihm zu großem Dank verpflichtet. Deshalb habe der Bundesvorstand einstimmig beschlossen, ihm die Adam-Müller-Guttenbrunn-Medaille der Landsmannschaft der Banater Schwaben zu verleihen.
Der Bundesvorsitzende bat Josef Wolf vorzutreten und verlas den Text der Urkunde: „Die Landsmannschaft der Banater Schwaben verleiht die Adam-Müller-Gutenbrunn-Medaille Herrn Josef Wolf, Neupanat / Tübingen als Ausdruck der Dankbarkeit und Anerkennung für herausragende Leistungen um die Banater Schwaben. München, Ulm am 22. November 2025 / Der Bundesvorstand“. Sodann überreichte er ihm Urkunde, Plakette und Medaille. Bei Frau Marionela Wolf bedankte sich der Bundesvorsitzende mit einem Blumenstrauß dafür, dass auch sie – obwohl ihre Arbeit und ihre Verdienste nicht erwähnt wurden – ebenfalls eine treue und zuverlässige Mitarbeiterin der Landsmannschaft und der Banater Post ist.
Josef Wolf bedankte sich für die Auszeichnung, die er – obwohl ihm schon viele Ehrungen zuteil wurden – für die vielleicht wichtigste hält. Als Historiker sei er bemüht, die Geschichte sachlich und distanziert darzustellen. Dennoch prägen Sozialisierung und Herkunft, für ihn habe „das Zugehörigkeitsbewusstsein immer eine große Rolle gespielt.“ Er bat auch, den Mitgliedern des Vorstands seinen Dank zu überbringen.
Darauf folgte ein interessanter Vortrag über neue Erkenntnisse und Perspektiven zur Flucht der Deutschen aus dem Banat 1944, über den noch gesondert berichtet werden wird. In diesem stellt Josef Wolf wieder einmal sein akribisch-wissenschaftliches Vorgehen unter Beweis.









