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Sie hat Spuren hinterlassen: Nachruf auf die Sanktandreser Kindergärtnerin Anna Janzer

Anna Janzer (1935 - 2025) Foto: privat

Man begegnet im Leben Menschen, die tiefe Spuren hinterlassen, weil ihr Wirken auch bei den Hinterbliebenen von großer Bedeutung ist. Schon im Kindesalter werden uns Wege aufgezeigt, die wir im Leben beschreiten können. Wir lernen, miteinander zu sprechen und Kontakte zu Gleichgesinnten zu pflegen. Spielerisch entwickelt das Kind Visionen und einen Blick auf die Welt. Das Wirken in einer Gemeinschaft wird hier geübt, und auch das kulturelle Schaffen steht bereits im Fokus des kindlichen Daseins.

Die Wurzeln dafür liegen im Kindergarten, der als erste Säule des Lebens für immer im Gedächtnis bleibt. Die Kindertagesbetreuung in Sanktandres bot Generationen von Kindern dafür beste Voraussetzungen und wir alle, die wir damals Kinder waren, bewahren die Erinnerung an unsere Kindergärtnerin Anna Janzer, eine engagierte Fachkraft im Bereich der frühkindlichen Bildung, die uns mit großer Hingabe Lebensorientierung vermittelte.

Anna Janzer, eine gebürtige Noll, wurde am 27. Dezember 1935 in Sanktandres als Tochter eines Metzgermeisters geboren und wuchs gemeinsam mit ihren Geschwistern Maria, Juliana und Horst wohlbehütet auf. Vater Georg gab ihr schon recht früh eine Lebensweisheit mit auf den Weg: „Was man im Kopf hat, kann einem keiner nehmen.“ Trotz vieler schulischer Schwierigkeiten nach dem Krieg konnte sie von 1950 bis 1954 die „Deutsche Pädagogische Lehrerbildungsanstalt“ (DPL, oder auch „Päda“) in Temeswar besuchen. 1957 heiratete sie Heinrich Janzer. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor, Sohn Heinrich (1958) und Tochter Heidrun (1965). 

Von 1954 bis 1981 war Anna 27 Jahre lang als Kindergärtnerin in Sanktandres tätig. Weil die Familie die Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland beantragt hatte, wurde Anna Janzer wie so vielen fristlos gekündigt. 

Im Dezember 1982 übersiedelte die Familie nach Freiburg, wo Anna kurze Zeit als Erzieherin arbeitete, danach mit behinderten Menschen und schließlich bis zur Rente im Jahr 1996 als Altenpflegerin im Marienhaus. Anna Janzer schreibt in einem Buch der Päda-Absolventen in ihrem lebenslauf: „Die Arbeit mit den alten Menschen hat mir genau so viel Freude bereitet wie die mit den Kindern. So kam es also, dass ich nach 30 Jahren Arbeit mit den Vorschulkindern und deren Begleitung ins Leben danach die alten Menschen  aus dem Leben begleitete. Beides waren sehr schöne Aufgaben.“

In der Rente zogen Anna und Heinrich Janzer nach Grafenau/Döffingen, wo sie gemeinsam mit ihrer Tochter Heidi und Schwiegersohn Siegfried ein Haus bauten. 1995 und 1998 kamen die beiden Enkel Maximilian und Thomas zur Welt und bereicherten ihr Leben. Mit Haushalt, Garten und Kinderbetreuung war Anna stets ausgelastet. Sie fuhr zusammen mit ihrem Ehemann sehr gern immer wieder nach Freiburg, wo beide viele Verwandte und Bekannte hatten. Zuhause pflegte sie gerne die Banater Back- und Kochkunst. Alle waren begeistert, wenn es Krapfen, Kipfel, „Gefülltes Kraut“, selbstgemachte Bratwürste, „Szegediner Gulasch“ oder sonstige Spezialitäten gab.

Ihr Ehemann Heinrich starb im Herbst des Jahres 2021 und bei Anna zeigten sich mit 86 Jahren erste Anzeichen von Demenz. Mit fortschreitender Krankheit sehnte sie sich immer mehr nach Andres, der alten Heimat. Sie war jedoch immer zufrieden und dankbar und bekundete dies stets mit einem dezenten Lächeln auf ihren Lippen.

Am 27. November 2025 saß Tochter Heidi am Bett ihrer Mutter, als plötzlich eine einzelne Träne über deren Wange kullerte. Ihr Atem stockte und ihr liebevolles Herz verstummte für immer. Möge sie in Frieden ruhen!
Ich habe Anna Janzer stets als eine sehr bescheidene Frau gekannt. So wird sie mir auch in Erinnerung bleiben. Ich bin sicher, dass viele Sanktandreser diese Meinung mit mir teilen. 

Unsere Auswanderung nach Deutschland führte zum Zerfall der zuvor bestehenden Dorfgemeinschaft. So geschah es, dass sich viele Landsleute über Jahrzehnte hinweg nicht mehr wie früher über den Weg liefen. Nach vielen Jahren stand ich beim Andreser Treffen in Freiburg plötzlich Anna Janzer gegenüber. Wir begrüßten uns, und sie fragte mich ganz spontan: „Kennscht du mich noch?“ Ich nickte. Wieso sollte ich sie nicht mehr erkennen? Sie hatte mit voller Leidenschaft Tanzgruppen geleitet, Maskenbälle und Theateraufführungen organisiert und noch vieles mehr. Darauf blicke ich gern zurück und tief in mir weiß ich: Die Vergangenheit verblasst nicht so schnell, wenn sie schöne Spuren hinterlässt.