Weitgehend harmonisch und spannungsfrei zeigte sich der jüngste Meinungsaustausch mit Vertretern der Landsmannschaften und dem BdV-Landesvorstand, zu dem am 22. Oktober die Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Vertriebene und Aussiedler Dr. Petra Loibl, MdL, in den Bayerischen Landtag geladen hatte. „Wir sind mit der bayerischen Vertriebenenpolitik sehr zufrieden und schätzen es, in der Staatsregierung und im Bayerischen Landtag verlässliche Partner zu haben“, skizzierte der BdV- Landesvorsitzende Dr. h.c. Christian Knauer die Stimmung in den Verbänden, erinnerte aber auch an die noch immer bestehenden Ungerechtigkeiten im Fremdrentenrecht für die Spätaussiedler und Aussiedler. Hier müsse dringend Abhilfe geschaffen werden, wolle man nicht die betroffenen Familien „in die Frustration“ treiben. Bayern habe zwar bereits 2018/19 erfolgreich mit einer Bundesratsinitiative klare Position bezogen, dieses Unrecht endlich zu revidieren, diese sei durch die Ampel-Koalition jedoch nicht aufgegriffen worden. Die Runde war sich einig, dass die Bayerische Staatsregierung hier im kommenden Jahr einen erneuten Anlauf nehmen sollte.
Wie stark das Thema den BdV-Vertretern auf den Nägeln brennt, wurde auch in den Wortmeldungen der Landesvorsitzenden und Vertreter der Deutschen aus Russland, der Sathmarer Schwaben, der Siebenbürger Sachsen und der Banater Schwaben deutlich. Bei der individuellen Entscheidung seiner Landsleute, nach 1990 nach Deutschland zu übersiedeln, sei man davon ausgegangen, dass die Arbeitsleistungen in den Herkunftsländern bei den Renten gleichberechtigt berücksichtigt werden, so der Landesvorsitzende der Banater Schwaben Harald Schlapansky. Die Ehrenvorsitzende des Verbandes der Siebenbürger Sachsen Herta Daniel sprach nach der Angleichung der Ostrenten von einem Systembruch. Die Landesvorsitzende der Deutschen aus Russland Valentina Wudtke beklagte, dass viele ihrer Landsleute durch die Kürzungsmaßnahmen am Rande der Sozialhilfe leben müssten. Die Inanspruchnahme von Sozialleistungen sei bei den Aussiedlern aus Gründen der Scham wenig ausgeprägt. Allein der Eigeninitiative und der großen familiären Solidarität sei es zu verdanken, dass es hier noch nicht zu Verwerfungen gekommen sei. Der stellvertretende BdV- Landesvorsitzende Bernhard Fackelmann sprach von „zunehmendem Frust“ bei den Betroffenen. Diese hätten vielfach das Gefühl, dass für vieles Geld vorhanden sei, nicht aber für ihre Lebensleistung. Wenn man den „politischen Rändern“ nicht weiter Zulauf verschaffen möchte, müsse man endlich handeln. Es gehe hier um ein Stück politischer Glaubwürdigkeit.
Für die Heimatvertriebenen werde das kommende Jahr besonders spannend, so der BdV-Landesvorsitzende. Zum einen erwarte man sich neue Impulse vom kürzlich gewählten BdV-Präsidium und Initiativen für eine Korrektur der Ausrichtung bei der Stiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“. Zum anderen dürfte die für 2027 geplante Feier anlässlich des achtzigjährigen Bestehens der Landsmannschaft der Sathmarer Schwaben große Symbolkraft entfalten, da bei dieser Volksgruppe aus dem nordwestlichen Grenzgebiet Rumäniens zu Ungarn der Anteil der noch heimatverbliebenen Deutschen am größten sein dürfte.
Ausgesprochenes Lob zollten die Vertreter der Landsmannschaften der Bayerischen Staatsregierung und dem Bayerischen Landtag für die finanzielle Ausstattung der neuen Kulturwerke. Durch die von Ministerpräsident Dr. Markus Söder initiierten Einrichtungen seien die kulturellen Möglichkeiten und Aktivitäten der Landsmannschaften um ein Vielfaches gesteigert worden. Erfreut wurde die Mitteilung der Vertriebenenbeauftragten aufgenommen, dass für den Bau des Kulturzentrums der Deutschen aus Russland in Nürnberg rund 30 Millionen Euro bereitgestellt werden.
Nicht zuletzt aufgrund der ausgesprochen negativen Erfahrungen mit dem Oberschlesischen Landesmuseum in Ratingen, dem nunmehr die Auflösung bzw. Überführung in das Ruhrmuseum Essen in der „Zeche Zollverein“ droht, empfahl man der Staatsregierung frühzeitig, noch einmal die Struktur des Bayerischen Kulturzentrums der Deutschen aus Russland auf den Prüfstand zu stellen. Bei dem hohen Einsatz von Steuermitteln für das Neubauprojekt sollten sich Staatsregierung und Landtag ähnlich wie bei der Sudetendeutschen Stiftung künftig unmittelbaren Einfluss sichern, so Knauer. Von den Vertreterinnen der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland wurde über die derzeitige Förderpraxis des Kulturzentrums für Aktivitäten der landsmannschaftlichen Gliederungen erneut Unmut geäußert. Problemlos und konstruktiv laufe es nach Aussagen der Landsmannschaftsvertreter dagegen in der Zusammenarbeit mit den Kulturwerken der Donauschwaben, der Siebenbürger Sachsen und der Banater Schwaben.
Die Vertriebenenvertreter zollten den Äußerungen ihrer Gastgeberin Dr. Petra Loibl großen Beifall und hohen Respekt. Innerhalb kürzester Zeit hätte sie sich als neue Vertriebenenbeauftragte durch qualifizierte Beiträge, Diskussionsbereitschaft und ausgesprochen zeitintensiven Einsatz großes Ansehen und viel Sympathie erarbeitet. Die Entscheidung von Ministerpräsident Dr. Markus Söder, sie als Nachfolgerin der ebenfalls sehr anerkannten und beliebten Sylvia Stierstorfer zu benennen, sei „ein Glücksfall für alle Seiten“ gewesen, so der BdV-Landesvorsitzende.
Zwei neue Projekte der Beauftragten
Im Laufe des kommenden Jahres möchte die Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene eine kleine Broschüre zur Information über die ehemaligen deutschen Ostgebiete und die weiteren deutschen Siedlungsgebiete im östlichen Europa herausgeben. „Kurz und knapp – und in unterhaltsamer Form“ soll dieses Heft Wissenslücken über die Geschichte und Kultur der Deutschen in einem Raum schließen, den sie über Jahrhunderte geprägt haben, und während der Vertreibung vor achtzig Jahren oder später im Zuge ihrer Aussiedlung von den siebziger bis zu den neunziger Jahren zum größten Teil verlassen mussten. Für dieses Werk benötigt sie neben der Expertise der wissenschaftlichen Einrichtungen im Freistaat naturgemäß auch „die Unterstützung derjenigen, die diese Gebiete am besten kennen – und das sind die Vertreter unserer fünfzehn Landsmannschaften“.
Davor steht am 19. Februar 2026 die Eröffnung der Ausstellung „Bilder der Heimat in Kinderaugen“ im Sozialministerium in München an, in der die zu diesem Thema gemalten Bilder sechs- bis zwölfjähriger Kinder aus Bayern mehrere Wochen lang gezeigt werden. Dieser Malwettbewerb war der Beauftragten ein ganz persönliches Anliegen, denn durch ihn sei es gelungen, „die Generationen miteinander ins Gespräch zu bringen“. Was dabei an Gemälden herausgekommen ist, sei großartig – „und eigentlich hätten nicht nur die drei von einer Jury aus Vertretern des BdV letztendlich ausgewählten Preisträger, sondern alle teilnehmenden Kinder eine Auszeichnung verdient“.









