zur Druckansicht

„Perjamosch, deine Dichter“ - HOG-Treffen Perjamosch und Großsanktpeter in neuem Format

Am Freitagnachmittag nahmen im Kultur- und Dokumentationszentrum Ulm 50 Teilnehmer an der Veranstaltung teil, die den Perjamoscher Dichtern gewidmet war. Fotos: HOG Perjamosch

Drei Trachtenpaare aus Leimen sorgten mit ihtren Darbietungen für das richtige Heimatgefühl.

Ein neues Format erprobte die Heimatortsgemeinschaft Perjamosch und Großsanktpeter bei ihrem Treffen in Ulm am letzten Wochenende im September. Getreu Goethes Zitat aus Faust: „Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen“ hatten die Veranstalter das Programm auf drei Tage ausgeweitet und dabei unterschiedliche Zielgruppen im Blickfeld gehabt. Und: Es war eine gute Entscheidung! Ulm war zum ersten Mal Austragungsort eines Heimatortstreffens. Dabei ist diese Stadt in vielerlei Hinsicht mit unserer Geschichte verbunden und bietet mit ihren Einrichtungen zur donauschwäbischen Geschichte den passenden Rahmen für solche Treffen.

Literarischer Nachmittag im KDZ

Der Freitagnachmittag war den Perjamoscher Schriftstellern vorbehalten. Das Kultur- und Dokumentationszentrum in der Oberen Donaubastion war der adäquate Ort dafür. Walter Tonţa hatte alles bestens vorbereitet: Ein langer Tisch voller Bücher von Perjamoscher Schriftstellern beeindruckte alle sehr. Von Ludwig Baróti-Grünn und Karl Grünn bis zu Franz Heinz, von Uwe Erwin Engelmann und Richard Wagner bis zu Franz Remmel und Stefan Michael Müller, von Franz Nießer bis zu Anton Krämer, dem Verfasser des Perjamoscher Familienbuchs… alle waren vertreten. Sogar die Monografie von Sigrid Kuhn, die erst im letzten Jahr bei der 300-Jahr-Feier in Perjamosch vorgestellt worden ist, lag zur Ansicht bereit. Die Büste und ein Porträt von Karl Waldner, dem ersten Vorsitzenden unserer HOG (ausgeführt von dessen Sohn, dem Künstler Gernot Waldner) und eine Auswahl seiner Bücher säumten den Eingang zur Bibliothek. So konnte der HOG-Vorsitzende Anton Enderle in seinem Eröffnungsstatement nicht ohne Stolz ein Zitat des bekannten Literaturkritikers Hellmut Karasek („Deutschland, deine Dichter!“) in abgewandelter Form anführen: „Perjamosch, deine Dichter!“ 

Es ist wahrlich erstaunlich, wie viele Dichter und Schriftsteller eine Ortschaft mit einer deutschen Bevölkerung von (in ihren besten zeiten) 5000 Einwohnern hervorgebracht hat. Aus den Werken von Franz Heinz und Richard Wagner hatte Enderle Zitate ausgewählt, die sich auf Land und Leute bezogen und die – wie ein roter Faden – das Leben in der Perjamoscher Gemeinschaft mit ihren Sorgen und Nöten, aber auch mit ihren Erfolgen und Errungenschaften beschrieben. 
Die dazu passenden Fotos zeigte Walter Niklos in einer Power-Point-Präsentation. Die Texte lasen Helmine Klein, Corinna Mineur sowie Hilde und Josef Klein. Herzlichen Dank dem FSJler des DZM Laurenz Hofbrückl, der in Vertretung von Walter Tonţa Fingerfood und Erfrischungsgetränke vorbereitet hatte. Der Betreuer unseres Dokumentationszentrums hatte an diesem Wochenende einen wichtigen Termin als HOG-Vorsitzender von Hatzfeld. Dankbar waren die Teilnehmer für die von ihm im Vorfeld erfolgte Zusammenstellung der wichtigsten Perjamoscher Autoren mit Angaben zu ihrem Lebenslauf, zum Werksverzeichnis, zu Ehrungen und Preisen.

50 literaturinteressierte Teilnehmer nahmen an dieser Auftaktveranstaltung unseres Treffens teil. Ihnen allen wurde noch einmal die Bedeutung unseres Dokumentationszentrums als wichtiges Archiv von bedeutenden Vor- und Nachlässen und als Sammelstelle an Banatica-Literatur, die jedem Interessierten öffentlich zugänglich ist, bewusst. Bei einem gemütlichen Beisammensein klang der Abend in den Ulmer Stuben aus.

Rückblick auf ein ereignisreiches Jahr

Beim eigentlichen Treffen am Samstag ging der HOG-Vorsitzende in seinem Tätigkeitsbericht auf die 300-Jahr-Feier im letzten Jahr ein. Mit dem Denkmal in der Ortsmitte vor der Hauliker Pfarrkirche und dem Kriegerdenkmal aus dem Ersten Weltkrieg haben die Perjamoscher den nachfolgenden Generationen ein bleibendes Zeichen ihres Wirkens und ihrer Aufbauleistung hinterlassen. Zugleich ist es aber auch ein Denkmal für die Opfer der Kriege und der Deportationen.
Enderle würdigte die ausgezeichnete Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung, im Besonderen mit dem Perjamoscher Bürgermeister Cornel Dumitraș. Er zitierte auch aus dessen Rede zur Einweihung des Denkmals: „Die deutsche Gemeinschaft hat über Jahrhunderte hinweg das wirtschaftliche, soziale und kulturelle Leben von Perjamosch geprägt. Die Spuren ihres Wirkens finden sich bis heute in der Architektur, in Bräuchen, in Werten. Wir haben von den Schwaben gelernt, wie man zu Weihnachten Schweine schlachtet, wie man aus Trauben – ja sogar aus Äpfeln – hervorragenden Wein keltert. Sie waren fleißig, gewissenhaft und vor allem pünktlich. Zwischen ihnen herrschte ein positiver Wettbewerb, der zum Fortschritt führte. Ihre Feste unterschieden sich von unseren – mit prächtigen Hochzeitszügen, Kirchweihaufmärschen und berühmten Blaskapellen. Wir müssen anerkennen: Die rumänische Zivilisation hat durch die deutsche Ansiedlung, insbesondere hier in Perjamosch, sehr viel gewonnen.“

Beim Totengedenken wurde an die Verstorbenen der letzten zwei Jahre aus Perjamosch und Großsanktpeter erinnert. Die Verdienste von Uwe Erwin Engelmann, Manfred Engelmann, Erwin Hehn und Johanna Gillich (Perjamosch) sowie Erwin Heich und Marianne Laub (Großsanktpeter) um unsere HOG wurden in anerkennender Weise hervorgehoben.

Nach dem Tätigkeitsbericht kam der wichtigste Programmpunkt des Nachmittags: Walter Niklos, der auch das Denkmal in Perjamosch geschaffen hat, stellte sein Buch „Perjamosch 300“ vor. Der reich bebilderte Band dokumentiert chronologisch den Ablauf der 300-Jahr-Feier, erläutert die Symbolik des Denkmals, bringt Stimmen zum Fest. 

Die Ansprachen der Ehrengäste sind im Wortlaut wiedergegeben. Auch die Worte zum Totengedenken auf den beiden Friedhöfen. Ein kurzer Abriss der Banater und Perjamoscher Geschichte ermöglicht den Lesern ein besseres Einordnen des Denkmals in die geschichtlichen Abläufe. Gedichte von Karl Grünn, Uwe Erwin Engelmann, Richard Wagner, Renate Done und Gedanken von Franz Heinz und Walter Andreas Kirchner verleihen dem Buch eine originelle dichterische Note von Perjamoscher Kulturschaffenden. Die Presseberichte zum Fest schließen den Band ab. 

Der erweiterte Vorstand traf sich im Anschluss, um über zukünftige Vorhaben der HOG im Banat und in Deutschland zu beraten. Die Verjüngung des Vorstands bei den nächsten Wahlen in zwei Jahren war den Verantwortlichen dabei ein wichtiges Anliegen. Andrea Kielburg, Mitglied im Bundesvorstand der Deutschen Banater Jugend, gab wertvolle Impulse dafür.

Trachtenaufmärsche und Volksmusik gehörten schon immer zum HOG-Treffen. Diesmal waren es drei Trachtenpaare aus Leimen (die Eheleute Klein, Magamoll und Schneider), die mit ihren Darbietungen in banatschwäbischer Mundart und mit ihren Tänzen das richtige Heimatgefühl aufkommen ließen. Der Alleinunterhalter Horst Reiter sorgte bei den 120 Teilnehmern aus Perjamosch und Großsanktpeter für gute Stimmung bis spät in die Nacht.

Kulturgut im DZM

Eine Führung durch das Donauschwäbische Zentralmuseum am Sonntagvormittag bildete den Abschluss unseres Treffens. Beeindruckt waren die 25 Besucher von dem dinglichen Kulturgut, das viele noch aus ihren Haushalten kannten. 
Groß war die Überraschung, als wir plötzlich vor dem Hausgiebel des Johann Schitz aus Perjamosch standen. Die Zier- und Stuckelemente mit dem bekannten Sonnensymbol schmückten das im Jahre 1863 erbaute Haus (Hausnummer 558). Es gelang den Museologen 1998, diese wertvollen Zierelemente zu sichern und im Museum in Ulm wieder auszustellen. Das Haus wurde anschließend abgebrochen.
Mit einem Gruppenbild vor dem Nachbau einer Ulmer Schachtel endete unser diesjähriges Heimatortstreffen. 

Wir danken dem Kulturwerk der Banater Schwaben Bayern für die Förderung aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales. Erfüllt und zufrieden machten sich alle auf den Nachhauseweg.