Im September feierte die Heimatortsgemeinschaft Darowa ihr 43. Treffen mit Kirchweihfest in Spaichingen. Die dafür Verantwortlichen dürfen zufrieden auf eine Begegnung im Zeichen der Verbundenheit, des Zusammenhalts und der Kontinuität zurückblicken.
Der Einladung des HOG-Vorstands mit Hansi Winze an der Spitze waren sehr viele Darowaer, aber auch Banater Landsleute aus dem gesamten Südwesten sowie viele Prominente aus Gesellschaft und Politik gefolgt. Begonnen hat das Treffen - wie schon seit vielen Jahren – mit einem Gottesdienst in der Stadthalle. Auch dieses Mal wurde die Heilige Messe vom Spaichinger Stadtpfarrer Sebastian Tanneberger zelebriert, selbst Enkel eines Donauschwaben. Dem Seelsorger gelang es in sehr einfühlsamer Weise, die Heilige Schrift mit dem gewählten Motto „Wir alle sind berufen, sein Wort zu hören“ auszulegen. Gedacht hat man auch an die, die nicht kommen konnten, wie auch an die Ahnen in der alten Heimat. Musikalisch bereichert hat den Gottesdienst der Darowaer Kirchenchor unter der Leitung von Erich Meixner. Es wurden Lieder aus der in Darowa sehr bekannten und beliebten Messe „Hier liegt vor deiner Majestät“ von Michael Haydn gesungen. Der jüngere Bruder des großen Joseph Haydn wirkte bekanntlich von 1760 bis 1763 als junger Kantor in Großwardein und hat dort eine Gedenktafel. Begleitet wurde der Chor an der Orgel von Margarete Meixner, der langjährigen Darowaer Kantorin und Mutter des Dirigenten.
Zu Kaffee und Kuchen konnten sich die Gäste an den musikalischen Beiträgen der „Dorfschwaben Musikanten Darowa“ unter der Leitung von Franz Müller erfreuen. Die Blasmusikkapelle, die in den letzten Jahren immer häufiger zu hören war, hat im Sommer auch den Wallfahrtsgottesdienst der Donauschwaben auf dem Dreifaltigkeitsberg musikalisch begleitet. Zur Kerwei spielte die Gruppe, die mit langjährigen und neueren Weggefährten des Kapellmeisters gut besetzt ist, beliebte Stücke aus dem Banat sowie auch modernes und konzertantes Liedgut.
Neuer Vorstand gewählt
Hansi Winze, der die HOG Darowa nun dreizehn Jahre geleitet und über die schweren Corona-Jahre hinweg umsichtig geführt hat, begrüßte die vielen Besucher und Ehrengäste. Er bedankte sich bei allen Mitwirkenden und Helfern, denn nur durch sie kann man ein so abwechslungsreiches Fest ausrichten. Er brachte seine Genugtuung zum Ausdruck, dass er nach einer so intensiven Zeit den Staffelstab in jüngere Hände abgeben darf. Als besondere Anerkennung wurde dem langjährigen Vorstandsmitglied und Kassenwart der HOG Sigmund Blum die Ehrenurkunde der Landsmannschaft für seine wertvolle und verantwortungsbewusste Arbeit für die HOG Darowa überreicht. In einer Zeit, da die Mehrheit der Gesellschaft hauptsächlich an das eigene Wohlergehen denkt, stellt sich Sigmund Blum, tatkräftig unterstützt von seiner Frau Heidi (geb. Müller), kompromisslos in den Dienst der Gemeinschaft der Darowaer. Wo auch immer es Dissonanzen gibt, versucht er im Gespräch mit beiden Parteien Verständnis, Vertrauen und Harmonie zu stiften und hilft Bedürftigen aus der Dorfgemeinschaft bei der Bewältigung von Schwierigkeiten. Er übernimmt innerhalb der HOG viele Verwaltungstätigkeiten und ist im Vereinsraum stets vorne mit dabei, wenn eine Reparatur oder Instandsetzung anfällt. Obwohl es scheint, dass er nur aus der zweiten Reihe agiert, ist er ein Motor, ein wirkliches Vorbild für alle, denen das Banat und die Gemeinschaft der Darowaer eine Herzensangelegenheit ist.
Hansi Winze, der sich nicht mehr zur Wahl stellte, wurde im Rahmen der Vorstandswahlen zum Ehrenvorsitzenden der HOG Darowa ernannt. Die vom Bundesvorsitzenden Peter Leber geleiteten Neuwahlen brachten folgendes Ergebnis: 1. Vorsitzender wurde Herberth Frombach, 2. Vorsitzender Werner Schmidt, Schriftführerin Nadine Fleig und Kassenwart Sigmund Blum. Als weitere Vorstandsmitglieder wurden von der Vollversammlung bestätigt: Alin Covasan, Anni Nierlich, Richard Nierlich, Elvis Sopek, Walter Tepes, Richard Wagner und Hansi Winze. Die Kassenprüfung wird auch künftig unter dem Vorsitz von Manfred Wollanka durchgeführt. Der Bundesvorsitzende dankte Herberth Frombach für die Übernahme des Vorsitzes und wünschte ihm bei der Amtsführung alles Gute und viel Erfolg.
Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit wurde nach den Wahlen klar, dass sich die langjährigen Vorstandsmitglieder Franz Aulila, von 1992 bis 2003 erster Vorsitzender und inzwischen Ehrenvorsitzender der HOG Darowa, sowie Herbert Molitor, der seit 1999 dem Vorstand in unterschiedlichen Funktionen und Aufgabenbereichen angehört hat, leider nicht mehr zur Wahl gestellt haben. Das sind zwei herausragende Persönlichkeiten, die die HOG Darowa in den letzten Jahren maßgeblich mitgeprägt und insbesondere mitorganisiert haben. Sie werden sicherlich schwer zu ersetzen sein! Dankenswerterweise bleibt Franz Aulila der HOG doch noch an exponierter Stelle und in federführender Funktion bei der Organisation des 240-jährigen Jubiläums seit der Gründung Darowas im kommenden Jahr 2026 erhalten.
Partnerschaft Darowa - Spaichingen
In seinem Grußwort ging Bürgermeister Markus Hugger auf die Bedeutung der neu gegründeten Partnerschaft zwischen Spaichingen und Darowa ein und gab seiner Freude Ausdruck, dass es bisher recht gut gelungen ist, eine kraftvolle und von gegenseitigem Respekt getragene Verbindung mit der Verwaltung der Gemeinde Darowa aufzubauen. Ein Zeichen dafür sei auch die Anwesenheit des Darowaer Bürgermeisters Viorel Cherciu und seines Rechtsreferenten Caius Sorin Mihai auf dieser Kirchweihfeier. Obwohl er bisher schon drei Mal in Darowa war, freue er sich ganz besonders auf das Treffen im nächsten Jahr, das als Austausch zwischen den Partner-Ortschaften Spaichingen und Darowa, aber auch als große 240-Jahr-Feier von Darowa stattfinden wird.
Auch der Bundesvorsitzende unserer Landsmannschaft Peter-Dietmar Leber würdigte in seinem Grußwort die Arbeit des Vorstands und zahlreicher Mitglieder der Heimatortsgemeinschaft Darowa. Deren vielfältiges Engagement in allen Bereichen des öffentlichen Lebens wie auch der Fleiß der Banater Schwaben würden in Spaichingen sehr geschätzt. Ihre Bereitschaft, sich einzubringen, wo immer es sinnstiftend war, habe zur schnellen Integration in das gesellschaftliche Leben in Deutschland beigetragen.
Danach folgte der Einzug der knapp 50 Trachtenträger der Kinder-, der Jugend- und der Erwachsenentanzgruppe in bunter Festtags-Kirchweihtracht zu den Klängen des „Original Banater Echos“ unter der Leitung von Manuel Ries. Sehr flott gestalteten sich die Tänze der Kindergruppe mit ihrer Leiterin Letitia Völker. Einen besonderen Eindruck hinterließ der starke Auftritt der Jugendlichen mit ihrer Leiterin Laura Graumann, in deren Reihen der Vorsitzende der Banater Jugend- und Trachtengruppen (DBJT) Patrick Polling immer noch eine sehr wichtige Rolle einnimmt.
In einer sehr bewegenden, emotionalen Ansprache berichtete Manuel Ries von den ersten Schritten der „Neubelebung“ des „Original Banater Echos“ nach dem viel zu frühen Hinscheiden seines Gründers und Mentors Manfred Ehmann. Sein plötzlicher Tod war für alle Mitglieder der Kapelle ein riesiger Schock, der bis heute nachhallt. Aber die Weggefährten fühlten sich dem hinterlassenen Erbe verpflichtet und möchten viele seiner herausragenden Kompositionen und Arrangements weitertragen, um immer wieder daran zu erinnern, was für eine hervorragende Persönlichkeit Manfred Ehmann war und wie viel Großartiges er letztendlich für die Darowaer und die Banater Schwaben geleistet hat.
Brückenbauer in Europa
Mit großer Vorfreude wurde die Ansprache des Festredners Manuel Hagel, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Landtag von Baden-Württemberg und Spitzenkandidaten der CDU für die Wahl des neuen Landesparlaments im März 2026, erwartet. Er hielt eine sehr engagierte und starke Rede mit dem besonderen Verweis auf die Banater Schwaben als Brückenbauer in Europa. Dabei zeigte sich auch, dass er die Geschichte der Banater Schwaben sehr gut kennt und weiß, dass auch aus seiner oberschwäbischen Heimat viele Siedler im 18. Jahrhundert ins Banat gezogen sind, um sich dort eine neue Existenz und ein besseres Leben aufzubauen. Trotz schwieriger Zeiten in den letzten Jahrzehnten vor der Wende in Rumänien hätten die Banater Schwaben immer auf Dialog und Ausgleich gesetzt, sich friedensstiftend in die Gesellschaft eingebracht. „Wenn es um Heimat geht, dann geht es Ihnen auch immer um Herkunft, um Werte, um Erinnerung, um Kultur. Sie stehen für diese Kraft und für den Willen zur Versöhnung und zum Neubeginn“. Und weiter hieß es: „Mit Ihrer Ankunft in Deutschland haben Sie auch unsere Gesellschaft auf vielfältige Weise bereichert. Ihre Gemeinschaft zeigt, wie Integration und das Bewahren kultureller Identität Hand in Hand gehen könne und eine Gesellschaft stärkt und bereichert. Sie haben gezeigt: mit Fleiß, Leistungswillen, Integrationsbereitschaft und einem offenen Herzen ist alles möglich.“
Manuel Hagel, der sein Grußwort und seine Festansprache auch im Namen der im Saal anwesenden Guido Wolf (MdL) und Maria-Lena Weiss (MdB) sprach, erinnerte aber auch an die aktuellen weltpolitischen Spannungen und dankte den Banater Schwaben für ihren Beitrag zu Verständigung und Freundschaft zwischen den Völkern. Man müsse sich dessen bewusst sein, dass Frieden nicht etwas Selbstverständliches ist: „Frieden entsteht durch Verständigung, durch Dialog und durch die Bereitschaft, gemeinsam in die Zukunft zu blicken.“ In diesem Sinne wolle er auch zukünftig seine ganze Kraft in der Landespolitik von Baden-Württemberg für eine Zukunft in Freiheit, Sicherheit und Wohlstand einsetzen.
Die Runde der Volkstänze wurde mit zwei anmutigen Tänzen der Erwachsenentanzgruppe aus Spaichingen unter der Leitung von Hansi und Käthe Winze fortgeführt, bevor die allseits sehr beliebten Gemeinschaftstänze an die Reihe kamen, die für langanhaltenden Beifall und große Begeisterung der knapp 400 Gäste sorgten.
Bei leckeren Speisen und selbstgemachten „Mici“ konnten die Besucher sich dann noch einmal stärken, bevor es mit der Gruppe „Schlagerzeit“ in den Tanzabend ging. Die Musiker um den Sanktannaer Sigmund Göltz zeigten, dass ihre Mitglieder „über mehr als hundert Jahre Bühnenerfahrung“ schauen können und hielten die Stimmung der vielen Tanzfreudigen hoch.
Ein Fest der guten Laune, der frohen Stimmung und des Wiedersehens mit Bekannten und Freunden ist es geworden. Ein Treffen, von dem man noch lang in wohltuender Erinnerung schwelgen kann. Dafür haben die Organisatoren und viele fleißige Helfer in ungezählten Arbeitsstunden vollen Einsatz und freudige Hingabe erbracht. Dafür danken ihnen die Darowaer und alle Banater Schwaben, die aus allen Teilen Baden-Württembergs angereist waren, und auch einige Donauschwaben, Siebenbürger Sachsen und Spaichinger. Sie alle wissen, dass sie verlässlich Jahr für Jahr zu diesem Festtag Gemütlichkeit und Frohsinn erleben dürfen.










