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40 Jahre Heimatortsgemeinschaft Rekasch: Die Ortsgeschichte erlebbar gemacht

Die Erdbeertanzgruppe unter der Leitung von Lara Tröster erntete reichlich Applaus. Fotos: Stefan Lehretter

Bei der guten Stimmung im Saal freuen sich alle schon auf das nächste Rekascher Treffen.

40 Jahre – das ist ein ordentlicher Zeitabschnitt, der gebührend gefeiert werden wollte! Zu diesem Zweck trafen sich die Rekascher, die noch mobil sind, aber auch deren Kinder und Enkel, welche mittlerweile auch gerne kommen, am 27. September 2025 in Karlsruhe, im altbewährten Siedlerheim, wo seit vielen Jahren die Rekascher Treffen abgehalten werden. Unser Dank gilt Frau Varsami mit ihrem unermüdlichen Team.

Wie üblich war der Einlass bereits um 13 Uhr, was älteren und weitgereisten Gästen gelegen kam. Nach einer ersten Willkommensbegrüßung wurde eine Filmcollage zu den vergangenen 40 Jahren, erstellt von Stefan Lehretter, auf einer Leinwand präsentiert, während fortwährend Besucher eintrafen. Richtig festlich wurde es jedoch, als die „Erdbeer-Tanzgruppe“ auftrat, das sind acht Kinder und Jugendliche aus Karlsruhe, die unter der Leitung von Lara Tröster einmarschierten, ein paar Tänze darboten und unheimlich zur guten Stimmung beitrugen. Mit drei Jahren erwärmte die jüngste Teilnehmerin die Herzen: Mathilda tanzte mit ihrer Mama Melanie in Billeder Tracht, auch Lilly (4) und Sarina (8) haben ihre Wurzeln in Billed und z. T. Klein-Betschkerek, Lara (8) und Elias (5) trugen Trachten aus Deutschbentschek und für die Rekascher Tracht und Tradition standen die Schwestern Pauline (7) und Marie (9). Kein Wunder, dass dabei heftig geklatscht und nach einer Zugabe gerufen wurde.
Im offiziellen Teil hielt der Vorsitzende Erwin Lehretter seine Begrüßungsrede zum 45. Treffen – einer Zahl, die durch die unterschiedlichen Pfingst- und Jahrgangstreffen zustande kam –, ehrte die ehemaligen Vorsitzenden, begrüßte die Gäste vom Kreisverband Karlsruhe (Werner Gilde mit Ehefrau und Enkel) und kündigte die musikalische Verstärkung des Rekascher Musikantentrios, Rose und Anton Hollich, Adam Tobias und erneut Lara Tröster an. Auch wurde in einer Schweigeminute der zahlreichen Verstorbenen gedacht. 

Rückblick auf 40 Jahre HOG

Der Hauptteil der Rede jedoch bezog sich auf die Gründung und Entwicklung der Heimatortsgemeinschaft sowie die ersten Treffen. In einem Rückblick wurde der erste Ansprechpartner unserer Gemeinde für die Landsmannschaft Franz Klein gewürdigt. In den achtziger Jahren kamen die meisten Aussiedler aus Rekasch und nachdem 1982 beim Pfingsttreffen in Ulm keine Tische für die Rekascher vorgesehen waren, entstand die Idee zur Gründung einer HOG. Emil Frekot, eigentlich ein Wahl- und Herzens-Rekascher, kümmerte sich um die ersten organisatorischen Belange und er wurde auch beim allerersten Heimattreffen – am 16.Juni 1985 in Karlsruhe – zum Vorsitzenden gewählt. Im Vorstand saßen damals noch zahlreiche Mitglieder, die in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts geboren worden waren. Sie konnten zu Verwaltungs- und Vermögensangelegenheiten befragt werden und hatten noch sehr viel erlebte Geschichte vor dem Weltkrieg, dem Umbruch und der Deportation mitzuteilen. Danach folgten als Vorsitzende Andreas Stark und Nikolaus Lutz, welche seit 2009 von Erwin Lehretter abgelöst wurden. Als Zufallszahl ergab sich zum 40. Jubiläum auch die gleiche Zahl für die bisherigen Vorstandsmitglieder, genau 40. 
Nach und nach siedelten sich in Augsburg immer mehr Rekascher an, sodass schon beim fünften Treffen dieser zweite Standort infrage kam. Lieder des Chors, Sketche von Edith Heuer und Maria Wehner wurden damals dargeboten, erste Trachtenzüge formierten sich – bis hin zum „richtigen Aufzug“ bei der 30-Jahr-Feier im Jahr 2005 mit einem beeindruckenden Aufgebot der Blasmusik, wobei alle mitmachten, die ein Musikinstrument spielen konnten. 

Bereits in der Zwischenkriegszeit gab es einige Publikationen zur Geschichte des Ortes. Erste kopierte Blätter brachte Nikolaus Lutz unter die Interessierten. Das Erinnerungsbuch, herausgegeben von Edith und Franz Heuer, das Familien- und Sippenbuch, bearbeitet von Franz Bertram, Edith Heuer und Elisabeth Stricker, erschien. Ein Heimatblatt von Franz Bertram mit gesammelten Beiträgen und Informationen kam als Broschüre heraus und 1998 fand zum ersten Mal das Jahrgangstreffen in Augsburg statt. Josef Beck und Nikolaus Lutz organisierten damals das Jubiläumstreffen zum 60. Geburtstag des Jahrgangs 1936, seither gehörte es zum festen Bestandteil und wurde parallel oder abwechselnd zu den Pfingsttreffen abgehalten. Zusätzlich fanden Schultreffen, Musikanten- und später regelmäßige „Pinglbälle“ statt. Auch „inoffizielle Jugendtreffen“ in Frankreich wurden abgehalten. Inzwischen sind einige Aktivitäten wieder weniger geworden, auch ist die Zahl der Teilnehmenden maßgeblich geschrumpft. Die Pfingst- und Jahrgangstreffen wurden zusammengelegt und sogar der Termin auf den jeweils letzten Samstag im September festgelegt, weil die inzwischen verjüngte Generation die Pfingstferien bevorzugt für Urlaubspläne nutzt.

Dokumentation der Rekascher Geschichte

Seit 2009 hat die HOG eine Internetpräsenz: Sämtliche Aktivitätsberichte, aber auch geschichtliche und soziale Beiträge zu Rekasch sowie ein stattliches Bildarchiv sind unter www.rekasch.de abrufbar. Betreut wird die Homepage von Stefan Lehretter, der aber immer darauf hinweist, dass Beiträge sowie Bildmaterial von uns allen kommen müssen und er bei der „Fütterung“ der Seite auf die Rekascher angewiesen ist. 

Vor 2009 hatte Anton Zöllner zahlreiche Artikel zur geschichtlichen Entwicklung und zu sozialen Gegebenheiten veröffentlicht, diese sind z.T. noch über die Homepage verlinkt. Die digitale Entwicklung ermöglichte auch die Transkription des „Stitzlschen Buches“ durch Franz Tasch und Stefan Lehretter. Es handelt sich dabei um eine Darstellung der Geschichte der Großgemeinde Rekasch von Josef Stitzl, die zur 200-Jahr-Feier erschien und zur 300-Jahr-Feier in lateinischer Schrift für alle lesbar zugänglich gemacht wurde. Zu bestimmten Anlässen gab es auch Broschüren, etwa die Gedenkbroschüre zur 100-Jahr-Feier der Kirche. Zu diesem Anlass hatte in Rekasch eine großangelegte Veranstaltung mit Beteiligung der HOG stattgefunden. Luzian Geier und Franz Metz veröffentlichten Artikel zu besonderen Ereignissen oder etwa der Legende um die „Schwarze Madonna“. Bei seinem Projekt der Übersetzung des „Struwwelpeter“ in möglichst viele banatschwäbische Dialekte nahm Lothar Blickling auch einen Rekascher Beitrag auf. Zuletzt wurde von Waltraut Rumesz eine Broschüre als Festschrift zur 300-Jahr-Feier 2024 erstellt. Bemerkenswert ist ferner der Bildband von Stefan Lehretter zur Kirchweih in Rekasch als gelebte Tradition im 20. Jahrhundert. Alle Veröffentlichungen, in der Tradition der Erinnerungskultur verfasst, sind noch in geringer Stückzahl bei der HOG verfügbar. 

Wenn man von Veröffentlichungen spricht, muss auch die großzügige Förderung und Unterstützung erwähnt werden, die unsere HOG u.a. vom Bundesverband unserer Landsmannschaft, dem Kulturwerk der Banater Schwaben Bayern und dem Kultur- und Dokumentationszentrum in Ulm erhalten hat und weiterhin erhält. Dazu gehören auch die Informationen zu Rente, zu Entschädigungsanteilen für Deportationen und Zwangsarbeit und den weiteren Entwicklungen in der Gesetzeslage.
Das Ritual hat bereits Tradition: Wie immer wurden die runden und halbrunden Geburtstage gewürdigt, die Hochzeitsjubilare hervorgehoben und die drei ältesten Damen und Herren unter den Besuchern mit Pralinen und Wein geehrt. Das waren diesmal Elisabeth Weber, die als älteste Zuschauerin ihren Urenkelinnen beim Tanz zuschauen konnte, Elisabeth Bartl, und Erika Lutz. Den Rekascher Wein dürfen sich Josef Verestek, Matthias Lehretter und Georg Schlimmer schmecken lassen. Doch auch zum Gruppenbild wurde aufgefordert. Es folgte der unterhaltsame Teil: Die bereits erwähnten Musiker und die Sängerin gaben ihr Bestes und verbreiteten eine gute Stimmung mit den altbewährten Liedern. Zum Tanz spielte das Rekascher Trio, bestehend aus Erwin und Josef Birnstill sowie Günther Ramholz, auf und unterhielt die Gäste bis Mitternacht.

Bei der guten Stimmung ist sicher, dass sich alle auf ein nächstes Treffen freuen. In welchem Rahmen und zu welchem besonderen Anlass eine Zusammenkunft im kommenden Jahr stattfinden wird, kann zu gegebener Zeit über die Homepage und die Banater Post rechtzeitig erfahren werden.