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Tag der Heimat des BdV in Augsburg: Kulturelles Erbe weitergeben

Ehrengäste aus der Lokal- und Regionalpolitik gaben dem Tag der Heimat des Bundes der Vertriebenen und der landsmannschaftlichen Gruppen in Augsburg die Ehre, allen voran die Augsburger Oberbürgermeisterin Eva Weber und der Landtagsabgeordnete Andreas Jäckel. Fotos: Maria und Peter Bergmann

Bei den Fahnenabordnungen waren die Banater Schwaben mehrfach vertreten, im Vordergrund die Fahne des Kreisverbandes Augsburg.

In der Bundesrepublik Deutschland wird seit 1950 alljährlich der „Tag der Heimat“ begangen – ein Gedenktag, der die besonderen Erfahrungen von Flucht, Vertreibung und Neuanfang ins Bewusstsein rückt und deranlässlich der Verkündung der Charta der deutschen Heimatvertriebenen am 5. August 1950 in Stuttgart-Bad Cannstatt, die den Verzicht auf Rache erklärte und ein Europa des Friedens und der Verständigung beschwor, ins Leben gerufen wurde. Dort fand in diesem Jahr zum 75. Jahrestag der Charta die Hauptveranstaltung des Bundes der Vertriebenen statt. Das diesjährige Motto des Tages der Heimat lautet: „80 Jahre: Erinnern - Bewahren - Gestalten“. 

In Augsburg organisierte der Kreisverband des Bundes der Vertriebenen gemeinsam mit dem BdV Bezirksverband Schwaben die traditionelle Feier am 28. September im Pfarrheim der Kirche „Unsere Liebe Frau“ im Stadtteil Lechhausen. Eröffnet wurde sie traditionsgemäß mit dem Empfang im Foyer, den Begrüßungen der Gäste und den Gesprächen bei Kaffee und einem wie immer sehr reichen Angebot an Kuchen, den viele Frauen der landsmannschaftlichen Vereine selbst gebacken und gespendet hatten. Sie sorgten dann auch für die freundliche „Bedienung“ an der Kuchentheke.

Unter den Klängen der Musikkapelle der Banater Schwaben Augsburg zogen sechs Fahnenabordnungen in den Festsaal und gestalteten den feierlichen Rahmen mit – die Fahnen des Kreisverbandes Augsburg der Banater Schwaben, der Kreisgruppe Augsburg des Verbands der Siebenbürgen Sachsen, der Orts- und Kreisgruppe der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland sowie der HOGs Glogowatz (2 Fahnen) und Nitzkydorf. 

Auf der Bühne boten die 14 Frauen des Chors „Heimatmelodie“ des Verbandes der Russlanddeutschen unter der Leitung von Nelli Retunskaja den Feststart mit dem passenden Lied „Die Gedanken sind frei“ und ernteten danach viel Beifall mit ihrem neuen Song „Das ist Augsburg“. Zur Totenehrung erklang das alte „Kameraden-Lied“, gespielt von der Banater Blaskapelle unter der Leitung von Gerhard Hipp.

Bei der Begrüßung durch die Vorsitzende des BdV-Stadt- und Kreisverbandes Dr. Hella Gerber, auch Stadträtin und Vorsitzende des Kreisverbandes Augsburg der Banater Schwaben, gab es einen Überraschungsmoment, denn die Vorsitzende hatte an dem Tag Geburtstag. Herzliche Glückwünsche, Blumen, ein Ständchen und viel Applaus kamen von den rund 150 Teilnehmern im vollbesetzten Festsaal. Darunter befanden sich viele Ehrengäste und Politiker verschiedener Parteien sowie Vertreter mehrerer landsmannschaftlicher Verbände, Vereine, BdV-Gliederungen und der Europa-Union. Die Schirmherrschaft für den Tag der Heimat hatte auch in diesem Jahr die Augsburger Oberbürgermeisterin Eva Weber übernommen.

Die Kreisvorsitzende ging in ihrer Begrüßung nicht nur auf die Folgen von Krieg und Vertreibung ein – besonders erwähnte sie die Deportationen Stalins 1941 –, sondern auch auf die Aufnahme der Flüchtlinge und dann später der Aussiedler. Sie bezog sich aber auch auf die Gegenwart, hielt eine kurze Überschau der vielseitigen Aktivitäten des BdV-Kreisverbandes und der landsmannschaftlichen Gliederungen in Augsburg, die gut integriert sind im gesellschaftlichen Leben der Stadt.

Schirmherrin Eva Weber bekam viel Beifall für ihr Grußwort, in dem sie u. a. auf die Bedeutung der Charta der Heimatvertriebenen verwies und ihren Respekt bekundete für die hohe Bereitschaft der Flüchtlinge, sich beim Wiederaufbau des Landes einzubringen. In diesem Zusammenhang lobte sie die feste, langjährige Partnerschaft zwischen Augsburg und Reichenberg/Liberec, die kürzlich ihr Jubiläum feiern konnte. Sie dankte allen für die rege Vereinsarbeit.

Festrednerin der Feier zum Tag der Heimat 2025 war die langjährige stellvertretende Bezirkstagspräsidentin von Bayerisch Schwaben Barbara Holzmann. In ihrer Ansprache legte sie das Schwergewicht auf die 80 Jahre Frieden und äußerte die Hoffnung, dass auch ihre Enkelkinder in Frieden leben werden. Sie lobte die gelungene Integration der zahlreichen Menschen mit Migrationshintergrund im Bezirk Schwaben sowie die erfolgreiche Heimatfindung der ehemaligen Flüchtlinge und Vertriebenen. Als ein Beispiel der grenzüberschreitenden partnerschaftlichen Zusammenarbeit erwähnte sie die Partnerschaft des Bezirks mit den beiden Regionen der historischen Bukowina, die die Rednerin persönlich wiederholt besucht hat und wo über den Bezirkstag zahlreiche Projekte gefördert werden.

Das Schlusswort sprach der BdV-Bezirksvorsitzende Andreas Jäckel MdL, der dem Jahresmotto „Erinnern-Bewahren-Gestalten“ gemäß  die Bedeutung der Weitergabe des historischen Wissens an die junge Generation hervorhob und zur Stärkung des öffentlichen Bewusstseins für das Thema Flucht und Vertreibung aufrief. Die Vertreibung bezeichnete er als eine der größten humanitären Katastrophen des 20. Jahrhunderts, die etwa 15 Millionen Deutsche betroffen hat. Die Erinnerung daran sei wie das kulturelle Erbe auch in Zukunft zu bewahren und an die nächsten Generationen weiterzugeben. 

Zwischen den Reden boten Augsburger landsmannschaftliche Gruppen kurze Kulturprogramme dar, so eine kleine Vertretung der banatschwäbischen Trachten- und Tanzgruppe des Kreisverbandes, geleitet von Ramona Sobotta, und der gemischte Chor der Siebenbürger Sachsen Augsburg unter der Leitung von Elfriede Ungar. Nach dem Abspielen der Hymnen und dem Auszug der Fahnenabordnungen spielte die Kapelle noch auf und im Foyer wurden noch lange Gespräche geführt. 

Es war eine würdige Feier zum Tag der Heimat, bilanzierten die Vertreterinnen der Veranstaltergruppen – Dr. Hella Gerber von den Banater Schwaben, Annemarie Klein von den Siebenbürger und Helene Sauter von der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, zugleich Ehrenamtliche im Vorstand des BdV-Kreisverbandes.