In diesem Jahr kann der Kreisverband Ludwigsburg auf 45 erfolgreiche Jahre seit seiner Gründung zurückblicken. Als in den 1980er Jahren viele unserer Landsleute durch den Freikauf Rumänien verlassen konnten, kamen etliche von ihnen in den Großraum Ludwigsburg und wurden vor allem in den damaligen Wohnheimen Bietigheim-Bissingen, Ludwigsburg, Möglingen und Schwieberdingen untergebracht. Die Neuankömmlinge brauchten aber eine Anlaufstelle zur Beratung und Betreuung, um hier Fuß fassen zu können, um Kontakte mit Landsleuten aufzunehmen und um in der neuen Heimat anzukommen. Die Gründung eines Kreisverbandes der Landsmannschaft erwies sich als notwendig.
Vorarbeit in diese Richtung hat schon unser Hatzfelder Landsmann Mathias Fritz geleistet, der nach Ende des Zweiten Weltkrieges als Kriegsgefangener in der Ludwigsburger Gegend blieb, die ersten Tanz- und Kirchweihfeste organisierte und den späteren Neuankömmlingen bei den Behördengängen behilflich war. Wegen der wachsenden Bedürfnisse wurde im Herbst 1980 der Kreisverband Ludwigsburg der Landsmannschaft der Banater Schwaben ins Leben gerufen. Als erster Vorsitzender wurde Walter Chef gewählt, der dieses Amt bis 1995 innehatte und dem Kreisverband seinen Stempel aufprägte, was Eingliederung in die neue Heimat, Zusammengehörigkeit, Wahrung unserer kulturellen Werte, Sitten und Gebräuche betraf. Als vereidigter Übersetzer ist er vielen Landsleuten bei den beschwerlichen bürokratischen Hürden zur Seite gestanden, hat Dokumente übersetzt und immer wieder gerne beraten. Doch auch die neue Heimat lag ihm am Herzen, und er hat deswegen zahlreiche Kulturreisen innerhalb Deutschlands organisiert, um seinen Landsleuten die neue Heimat näherzubringen und gleichzeitig auf unsere Herkunft hinzuweisen. Darüber hinaus hat er europaweit Bildungsreisen organisiert, nach Österreich oder bis in die Baltischen Länder. In Ludwigsburg führte er die gern besuchten Kulturnachmittage ein.
Nach fünfzehn Jahren intensiver Tätigkeit für den Kreisverband und im Dienste seiner Landsleute hat Walter Chef das Amt des Vorsitzenden im Jahr 1995 an Sebastian Henger abgegeben, der das Amt bis ins Jahr 2000 ausübte. Walter Chef ist mittlerweile 95 Jahre alt und verfolgt die Aktivitäten des Kreisverbandes Ludwigsburg immer noch als Ehrenvorsitzender.
2001 hat Erich Huniar das Amt des Vorsitzenden übernommen und führte den Verband bis 2014 erfolgreich im Dienst seiner Landsleute. Er setzte dem Kreisverband sein eigenes Markenzeichen, ohne jedoch die ursprünglich gesetzten Ziele aus den Augen zu verlieren. Erich Huniar ist es zu verdanken, dass der Kreisverband Ludwigsburg im Jahr 2006 ein eingetragener Verein wurde. Er hat die von seinem Vorgänger eingeführten Veranstaltungen beibehalten und weitergeführt. Zahlreiche Bildungs- und Kulturreisen fanden statt und es wurden gern besuchte Maitänze, Brotsackbälle, Kulturabende und Silvesterfeiern abgehalten. Auch die Veranstaltungen mit Trachtenträgern erfreuten sich großen Zuspruchs. Aus gesundheitlichen Gründen hat Erich Huniar das Amt des Vorsitzenden im Jahr 2014 an Josef Vona abgegeben, ist dem Verband aber als Ehrenvorsitzender bis zu seinem Tod im Jahr 2018 treu geblieben.
Josef Vona hat in den letzten elf Jahren die Vorhaben seiner Vorgänger fortgesetzt, aber gleichzeitig neue Schwerpunkte innerhalb des Kreisverbandes gesetzt, um den Zusammenhalt und die Gemeinschaft der Landsleute zu festigen. Die Mitglieder im Großraum Ludwigsburg sind, was ihre Herkunftsortschaften anbelangt, breit gefächert. Durch sein hervorragendes Organisationstalent und die tatkräftige Unterstützung durch seinen Stellvertreter Franz Mülleck und viele engagierte Vereinsmitglieder finden in Ludwigsburg viele gelungene Veranstaltungen statt. Das sind Kultur- und Unterhaltungsnachmittage, stets ausgebuchte Kultur- und Bildungsreisen oder Literaturveranstaltungen mit Banater Autoren, die ihre Werke vorstellen. In dieser Reihe war beispielsweise der aus Großsanktnikolaus stammende Wiener Lyriker Hans Dama zu Gast, ebenso der inzwischen fast jedem Banater Landsmann bekannte Autor Dr. Matthias Plack, oder Bernhard Fackelmann, der das Leben seiner Landsleute aaus Sanktmartinbeschreibt. Josef Vona gelingt es auch immer wieder, bekannte Alleinunterhalter und Künstlergruppen nach Ludwigsburg zu bringen. Der in Frankenthal lebende Walter Winter von der Theatergruppe Frankenthal hat durch seinen Humor und mit seiner Musik für gute Laune und beste Stimmung gesorgt, ebenso auch die „Lustigen Schwaben“, deren Programm das „Banater Schwabenherz“ jedes Mal so richtig erfreut. Nicht zu vergessen ist das alljährlich im Sommer stattfindende Grillfest, zu dem sich jedes Mal hunderte von Landsleuten aus nah und fern treffen. Landsleute aus zahlreichen Banater Ortschaften nutzen die Gelegenheit, sich da wiedersehen, und so wird das Sommerfest auch immer zu einem kleinen Schwabentreffen. Josef Vona hat den Geist der Zeit erkannt, weswegen sich die Veranstaltungen des Kreisverbandes auch der stetig steigenden Beteiligung jüngerer Generationen erfreuen.
Das 45-jährige Jubiläum unseres Kreisverbandes soll auch gebührend gefeiert werden. Aus diesem Anlass sind die „Lustigen Schwaben“ im Oktober wieder bei uns zu Gast, um in festlichem, unterhaltsamem Rahmen nach banatschwäbischer Tradition an die Bedeutung dieses Ereignisses zu erinnern.
Am 27. Juli 2025 fanden Neuwahlen des Vorstandes des Kreisverbandes Ludwigsburg statt. Der stellvertretende Vorsitzende Franz Mülleck muss aus gesundheitlichen Gründen kürzer treten, bleibt aber weiterhin aktives Mitglied. Neuer Stellvertreter von Josef Vona ist nun Peter Ney. Annemarie Mülleck ist Schriftführerin, Bettina Wurster ist Kassenwart. Beisitzer sind Kunigunde Haas und Valentin Zimbrod, Kassenprüfer sind Josef Freisinger und Renate Einholz.
Ein Dankeschön geht an alle bisherigen aktiven Mitglieder des Kreisverbands und vor allem an den derzeitigen Vorstand, dessen Hauptanliegen immer darin besteht, unsere Landsleute bei der Wahrung ihrer herkömmlichen Sitten und Gebräuche zu bestärken und damit Zusammengehörigkeit und Gemeinschaft zu fördern. In diesem Sinne vertraut der neue Vorstand auch weiterhin auf die tatkräftige Mitarbeit und Unterstützung aller Mitglieder und Freunde des Kreisverbandes.









